Beiträge getaggt mit Blasphemie

Wenn Religion im Wahlkampf instrumentalisiert wird

Der Gouverneur von Jakarta war bisher ein Christ – ungewöhnlich für ein muslimisches Land wie Indonesien. Wiedergewählt worden ist er nicht, obwohl zwei Drittel der Bürger mit seiner Arbeit zufrieden waren. Moritz Kleine-Brockhoff von der Friedrich-Naumann-Stiftung über mögliche Gründe.

Indonesien ist das größte muslimische Land der Welt – und doch war der Gouverneur der Hauptstadt Jakarta bisher ein Christ. Wiedergewählt worden ist Basuki Tjahaja Purnama allerdings nicht, er unterlag jetzt seinen muslimischen Konkurrenten. Der wesentliche Grund dafür könnte sein, dass Purnama derzeit wegen Blasphemie vor Gericht steht. So drängt sich der Verdacht auf, dass der Grund für seine Wahlniederlage nicht in seiner Politik, sondern in seinem Glauben liegt.

Weiterlesen http.://www.deutschlandradiokultur.de/muslime-und-christen-in-indonesien-wenn-religion-im.1008.de.html?dram:article_id=384126

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Thierse: Beleidigung religiöser Gefühle wie rassistische Äußerungen behandeln

Der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, hat sich dafür ausgesprochen, Beleidigungen religiöser Gefühle wie rassistische Äußerungen zu behandeln.

Im Interview mit dem ZDF sagte Thierse (ab 1:40):

„Wir müssen noch mal in dieser Gesellschaft darüber nachdenken, was alles zulässig sein soll. Wir haben Strafbestimmungen gegen die Verletzung persönlicher Ehre; ausländerfeindliche, rassistische Äußerungen stehen unter Strafe, aber die Verletzung von religiösen Gefühlen von Menschen, die doch auch das ganz ernst meinen, die nehmen wir hin und verlangen von ihnen dass sie das alles hinnehmen. Also ich bin sehr dafür, dass wir generell gleich behandeln alle Formen von Ehrverletzung, von Herabwürdigung, von Beleidigung sollten ungefähr gleich behandeln. Das gilt für rassistische Äußerungen und das gilt auch für Beleidigungen religiöser Gefühle.

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Triumph des Vulgärrationalismus

Von Navid Kermani: Vor kurzem hat der Schriftsteller Martin Mosebach einen Beitrag über eine etwaige Strafbarkeit der Blasphemie publiziert. Dieser ist in der veröffentlichten Meinung auf vollständige Ablehnung gestoßen. Was die Empörung über Martin Mosebach mit dem Verbot der Beschneidung zu tun hat.

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Scrollt man dann im Internet die Leserkommentare unter den Artikeln herunter, die den angeblichen Provokateuren der politischen Korrektheit sonst zuverlässig Beistand leisten, steigert sich die Verurteilung Mosebachs rasch zur Beleidigung und zu regelrechten Hasstiraden. Dass aus den Kirchen keine Zustimmung kommt, wenn jemand auf den Schutz religiöser Gefühle abhebt, versteht sich beinah von selbst. Aber selbst die konservativen Verbände der Muslime schweigen, denen der Schriftsteller doch aus dem Herzen gesprochen haben müsste. Hier wäre das Attribut des Muts tatsächlich einmal angebracht: Für die religiös entleerte Öffentlichkeit scheint es kaum Blasphemischeres zu geben, als das Recht auf Blasphemie infrage zu stellen.

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Natürlich: Wenn man die Wirklichkeit des Glaubens, der Tradition, der für heilig gehaltenen Schriften, des vorgeschichtlichen Rituals und des religiösen Gesetzes einmal außer Acht lässt, die Angelegenheit also rein vom Hier und Jetzt, mit der Ratio jenes Menschenverstandes betrachtet, der sich selbst für gesund hält und dabei auch die Geschichte des Antisemitismus nicht kennt, für die das Verbot der Beschneidung zentral ist, kann man, muss man vielleicht sogar in dem hochheiligen Akt nur eine Körperverletzung und einen unzulässigen Eingriff in die Autonomie eines Kindes sehen.

Wenn ein Gottesgebot nicht mehr als Hokuspokus ist und jedweder Ritus sich an dem Anspruch des aktuell herrschenden Common Sense messen lassen muss, wird die Anmaßung eines deutschen Landgerichts erklärbar, mal eben so im Handstreich viertausend Jahre Religionsgeschichte für obsolet zu erklären. In einer solchen Logik ist auch die Blasphemie etwa so schlimm wie die Beschimpfung einer Wand. Aufklärung ist etwas anderes.

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Der Vulgärrationalismus hingegen, der sich im Urteil des Kölner Landgerichts ausdrückt, setzt den eigenen, also heutigen Verstand absolut. Von dort ist es bekanntlich nicht weit zum Biologismus, der eine rein naturwissenschaftliche Betrachtung der Schöpfung auf die Gesellschaftsanalyse überträgt.

Weiterlesen Die Süddeutsche

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Katholische Kirche darf “Kinderficker-Sekte” genannt werden

Die Katholische Kirche darf als “Kinderficker-Sekte” bezeichnet werden, laut Gericht ist „bedingt durch die in den letzten beiden Jahren bekannt gewordenen zahlreichen Fälle von Missbrauchshandlungen von katholischen Geistlichen und anderen Mitarbeitern der katholischen Kirche“ davon auszugehen, dass diese Formulierung nicht geeignet sei, den öffentlichen Frieden noch weiter zu stören. Im November kam es zu einer Anklage gegen den Betreiber der Seite Schockwellenreiter (wir berichteten) mit dem Blasphemieparagrafen, das zuständige Gericht hat nun aber die Eröffnung des Hauptverfahrens in diesem Fall abgelehnt. Der Staatsanwaltschaft bleibt noch die Möglichkeit innerhalb von einer Woche gegen diesen Beschluss vorzugehen.

[http://www.schockwellenreiter.de/blog/2012/02/09/gotteslasterungs-update-3/

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Salman Rushdie sagt ab

Rushdie bleibt Indiens größtem Literaturfestival in Jaipur fern. „Die satanischen Verse“ waren dennoch zu hören.

„Die satanischen Verse“ von Salman Rushdie werden von vielen Muslimen als blasphemisch angesehen. Der Roman, der 1988 veröffentlicht wurde, ist in Indien verboten. Mit der Lesung von Passagen auf dem größten Literaturfestival Indiens wollten die Schriftsteller Hari Kunzru und Amitava Kumar gegen Drohungen von Islamisten gegen den Briten Rushdie protestieren.

Salman Rushdie hatte zuvor seine Teilnahme an dem Festival in Nordindien abgesagt: Der in Indien geborene Schriftsteller sollte die Eröffnungsrede halten. Doch die indischen Behörden konnten ihm keine Sicherheitsgarantie geben. Radikale muslimische Gruppen hatten sich massiv gegen seinen Besuch ausgesprochen und zu Protestkundgebungen gegen den „Gotteslästerer“ aufgerufen.

Doch später verdächtigte Rushdie die Behörden, diese Drohungen erfunden zu haben, um seine Teilnahme zu verhindern. Rushdie schrieb auf Twitter, er sei schockiert und wütend darüber, dass man ihn angelogen habe. Die indische Zeitung „The Hindu“ hingegen bestätigte den Komplott unter Berufung auf ungenannte Informanten.

Weiterlesen und hören Wissen Deutschlandradio

Danke an Wolfgang T. für den Hinweis.

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Fünf Jahre Knast für die Äußerung “God does not exist” in Indonesien?

Dem Indonesier Alexander drohen fünf Jahre Haft, weil er “God does not exist” bei einer atheistischen Gruppe auf Facebook geschrieben hat. Auch ohne Verfahren wurde er bereits für seine Äußerung bestraft: Ein Mob aufgebrachter Religioten schlug den 31 jährigen Beamten am Mittwoch zusammen und pöbelte ihn an. Nach Aussagen des Polizeichefs sitzt der Blasphemiker jetzt in Schutzhaft, da er Angst vor Angriffen habe. Bis 2008 sei Alexander nach eigenen Aussagen Muslim gewesen, kam dann aber zum Schluss, dass es bei all dem Leid auf der Welt keinen Gott geben könne. Dies brachte ihn dazu “God does not exist” auf Facebook zu schreiben, wo er die Gruppe der Minang Atheists betreibt. Die Bürger des mehrheitlich islamischen Indonesiens müssen sich zu einer von fünf Religionen bekennen. Ein muslimischer Führer forderte deshalb auch, dass Alexander seine Anstellung verlieren sollte, wenn er sich nicht zu einer bekenne.

http://thenextweb.com/asia/2012/01/20/an-indonesian-man-could-face-5-years-in-jail-for-%E2%80%9Cgod-does-not-exist%E2%80%9D-facebook-comment/

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Geldstrafe wegen Blasphemie: Polnische Sängerin beleidigt Bibel-Autoren

 

Fettnäpfchen Deluxe für die polnische Sängerin Dorota „Doda“ Rabczewska (27)! Vor drei Jahren (AMB 1 berichtete) verkündete die Blondine lauthals, sie würde nicht an die Bibel glauben. «Weil es schwierig wäre an etwas zu glauben, dass jemand geschrieben habe, der betrunken war und irgendwelche Kräuter geraucht habe», so die Sängerin.

Quelle: http://www.blick.ch/people/international/1300-franken-geldbusse-fuer-polnischen-popstar-doda-192226

kathweb schreibt:

Die Sängerin hatte in dem Prozess beteuert, sie habe niemanden beleidigen wollen. Ihr Anwalt kündigte an, er werde gegen das Urteil in Berufung gehen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine doppelt so hohe Geldstrafe beantragt. Doda war von einem Politiker der rechtskonservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit und dem Chef eines polnischen Komitees gegen Sekten angezeigt worden.

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