Bedford-Strohm: Kirchen werden für Orientierung gebraucht

Trotz Mitgliederverlusts sind die Kirchen nach Auffassung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, als Ort der Orientierung für die Gesellschaft gleichbleibend wichtig. Menschen suchten nach Orientierung, sagte der bayerische Landesbischof am Mittwoch bei einem Kongress der Unionsfraktion im Bundestag. Wenn man die Frage stelle, wer diese Orientierung leisten könne, lande man zwangsläufig wieder bei den Religionsgemeinschaften.

„Kirchen sind ein Ort, an dem die Reflexion über ethische Fragen zur DNA der Institution gehört“, sagte Bedford-Strohm. Zudem versuche die Kirche, diese Fragen plausibel und verständlich zu behandeln.

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[https://www.evangelisch.de/inhalte/161451/16-10-2019/bedford-strohm-kirchen-werden-fuer-orientierung-gebraucht

  1. #1 von Andreas P am 16. Oktober 2019 - 18:14

    Man kann auch einen Stadtplan benutzen, oder Google Maps, oder GPS.

    Würde die „Reflexion über ethische Fragen“ wirklich ernsthaft betrieben, hätten sich die Kirchen längst zugunsten ihrer Opfer aufgelöst.

  2. #2 von Unechter Pole am 16. Oktober 2019 - 19:10

    Vom Wortabstammung her bedeutet Orientierung die Ausrichtung dem Osten entgegen. Tatsächlich hatte der Vorgang mit dem Bau der Kirchengebäude zu tun.

    Jedoch: wie immer, sehen Religiottel alles umgekehrt: in Wirklichkeit wurde die Orientierung für die Kirchen (bzw. deren Ausmessen vorm Baubeginn) gebraucht, nicht andersrum.

  3. #3 von Skydaddy am 16. Oktober 2019 - 19:44

    Eine der wichtigsten Bekenntnisschriften der evangelischen Kirchen ist das Augsburger Bekenntnis.

    Darin wird nicht nur die Todesstrafe ausdrücklich gebilligt – es werden auch alle verdammt, die meinen, dass die Todesstrafe unchristlich ist.

    Soviel zu ethischer Orientierung, B.S.

  4. #4 von Willie am 16. Oktober 2019 - 21:40

    Bei solchen Aussagen sage ich gerne spontan: Ja, um zu sehen wie man es nicht machen sollte.

    Das trifft ja auch auf den immer wieder proklamierten „christlichen Werdegange, die [angeblichen] christlichen Grundlagen unsere Gesellschaft“ zu. Die Säkularisierung der Kirchen wurde ja nicht durchgeführt, weil die über die Jahrhundert so hervorragend gearbeitet haben und eine prosperierende Gesellschaft aufgebaut haben ….

  5. #5 von joerndyck am 17. Oktober 2019 - 01:05

    In keinen anderen Fragen tappten die Kirchen so zuverlässig (und so unbelehrbar) im Dunkeln wie in ethischen Fragen. Die katholische Kirche kapiert noch nichtmal so simple Fragen wie die Gleichstellung der Frau. Und die evangelische Kirche bekämpft sich in den Bundesländern derzeit bis aufs Blut über die lächerliche Frage, ob man Homosexuelle segnen, verheiraten, ins Gemeindebuch eintragen oder „aus Gewissensgründen“ komplett zum Teufel jagen sollte.

    Was soll das heißen, es fände „eine Reflexion“ statt? Das Ergebnis steht doch fest! Die Bibel hat recht, und basta! Wenn ein Pfarrer zu einem anderen Ergebnis kommen sollte, kann er seine Koffer packen. Das ist nichts anderes als Heuchelei.

    Gebildete Debatten über Ethik und Moral werden längst außerhalb der Kirchen geführt, und dort gibt’s auch Fortschritte. Fortschritte, die die Kirchen stets bekämpft haben.

    Wenn es in „ethischen Debatten“ nur so wimmelt vor lauter Engeln, Dämonen und Göttern, ist es ein Falls fürs Irrenhaus! Die Leute brauchen einen Arzt und keine Kirche!

    Herr Bedford-Strohm tut so, als müssten ausgerechnet die Religionsgemeinschaften allen anderen Menschen mitteilen, wo’s lang geht. Warum? Weil die Ungläubigen dafür zu blöd sind. Na, vielen Dank auch!

  6. #6 von Andreas P am 17. Oktober 2019 - 10:20

    @Joerndyck: Er schließt vermutlich von sich selbst auf andere: Ohne dass ihm jemand präzise Anweisungen erteilen würde und immer wieder mit ihm drüber sprechen, wüsste er nicht, was falsch und was richtig ist…

  7. #7 von Rene Goeckel am 17. Oktober 2019 - 13:51

    Solche Sätze verstimmen mich: „Kirchen sind ein Ort, an dem die Reflexion über ethische Fragen zur DNA der Institution gehört“. Aha! Und der Atlantik ist salziger als der Pazifik. Aus welchem Bullshitgenerator hat Bedford-Strohm diesen Satz? Was soll’s, die Schäfchen nicken dazu.

  8. #8 von richie am 17. Oktober 2019 - 17:08

    Die Problematik ist, dass diese herbeigeschwatze gesellschaftliche Bedeutung bei „einem Kongress der Unionsfraktion im Bundestag“ auf höchstwahrscheinlich willfährigen und fruchtbaren Boden fallen wird.

    Der Bevölkerungsanteil der steuerpflichtigen Christen nimmt stetig ab, aber die Mär der ethischen Kompetenz dieser Institutionen muss fest manifestiert im kollektiven Bewusstsein werden, damit wohl auch künftig die Pfründe gesichert sind und nicht hinterfragt werden.

    Der Aussage Bedford-Strohms „Kirchen sind ein Ort, an dem die Reflexion über ethische Fragen zur DNA der Institution gehört“ kann man nur bestätigen, sofern man ergänzt, dass alles ihrer zusammenphantassierten, beliebigen und alleinigen Deutungshoheit unterliegt.

  9. #9 von awmrkl am 18. Oktober 2019 - 03:27

    „Kirchen werden für Orientierung gebraucht“
    Nein.
    „als Ort der Orientierung für die Gesellschaft gleichbleibend wichtig“
    Nein.
    „lande man zwangsläufig“
    Nein.
    „Ort, an dem die Reflexion über ethische Fragen“
    Nein.
    „Fragen plausibel und verständlich zu behandeln“
    Nein.
    Was leisten denn diese „klerikalen Institutionen“ eigentlich, außer unberechtigt für sich selbst Allen Geld aus der Tasche zu leiern UND Alle zu verarschen?
    NIX! Verpissen sie sich doch gefälligst still und leise!

  10. #10 von awmrkl am 18. Oktober 2019 - 03:41

    @myself
    „Verpissen sie sich doch gefälligst still und leise!“
    Denn gegangen werden sie sowieso. Aber sie selbst werden es zuallerletzt, wahrscheinlicher gar nie merken. Wie immer.
    Ich wette alles, daß es in 1..3 Jahrhunderten kaum mehr Religioten gibt, vorausgesetzt Wissenschaft verläuft weiterhin ziemlich ungestört.
    Und jetzt der Abgesang: //:Tschingderassa Bumm://. Leise ausklingend.

  11. #11 von Skydaddy am 18. Oktober 2019 - 08:37

    @awmrkl:

    Ich habe diese Woche ein paar eher (aber nicht wirklich) interne Kirchendokumente gelesen und vermute, die Funktionäre wissen besser als der Rest der Bevölkerung, wie schlecht es um die Zukunft der Kirchen bestellt ist. Die sagen das bloß nicht öffentlich. Ab nächsten Jahr soll es z.B. in der EKD zu Pfarrermangel kommen, weil wohl bestimmte Jahrgänge in den Ruhestand gehen und nicht genug Nachwuchs da ist, um sie zu ersetzen.