Pro Choice ist niemals eine Wahl

Es muss endlich verstanden werden, dass das Elend der Abtreibung ein Elend ist, dem gerade die Frauen ausgesetzt sind.„Pro Choice“ ist niemals eine Wahl. „Pro Choice“ ist immer am Ende der Tod.

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[http://www.kath.net/news/69411

  1. #1 von Deus Ex Machina am 15. Oktober 2019 - 08:48

    Katholiken kommen nicht mit dem Konzept „eine Wahl zu haben“ klar? Warum überrascht das nicht?

  2. #2 von Andreas P am 15. Oktober 2019 - 08:58

    Spoileralarm: Auch Katholiken sind am Ende bisher immer gestorben.

  3. #3 von Marco Krieger am 15. Oktober 2019 - 10:11

    Pro life endet in vielen Fällen mit zwei Toten.
    Ich weiß, der Vergleich ist eigentlich keiner, aber Christen sind wie Bauern, die lieber eine tote Kuh und ein totgeborenes Kalb haben, als eine lebende Kuh, die ein Kalb verloren hat, aber möglicherweise beim nächsten Mal Erfolg.

  4. #4 von Andreas P am 15. Oktober 2019 - 10:18

    @Marco: Der Vergleich hinkt etwas. Aus Kirchensicht ist eine tote, getaufte Mutter im Himmel und damit ein gesichertes Plus. Ein Waisenkind kann man taufen, wenn es auch nur für ein paar Stunden lebt, und sonst ist halt Essig (bis Ratzinger den Limbo abgeschafft hatte zumindest). Gute Aussicht auf noch ein Plus: 2 Seelen Gewinnerwartung.

    Eine Mutter, deren Baby wegen Komplikationen nicht lebend auf die Welt kommt, oder die aus verschiedensten Gründen abtreibt und den gesellschaftlichen wie auch kirchlichen Brimbram drum miterlebt, die nachher noch mit „Gott“ hadert und gar vom Glauben abfällt – bedeutet 0 Seelen für den Himmel.

    Aus der Logik heraus waren Schwangere auch in der Bundesrepublik lange Zeit sehr gut beraten, katholisch gesteuerte Krankenhäuser zu meiden, weil da anscheinend regelmäßig die Taufbarkeit des Kindes über dem Leben der Mutter angesiedelt wurde.

    (Dem Bauern sind Kuhseelen dagegen egal.)

  5. #5 von Willie am 15. Oktober 2019 - 20:02

    @Andreas

    Um es klarer zu sagen:
    Der kath. Gott der Liebe bestraft den unschuldigen Fötus ebenfalls gemäß seiner Sieppenhaftungsanordnung.

  6. #6 von Unechter Pole am 15. Oktober 2019 - 20:15

    Ein wenig danebengeschossen, aber doch vielleicht nicht so ganz offtopic:
    News aus Katholügien. Nachdem die PiS in der Oberkammer um ein Mandat knapp die Mehrheit verpasst hatte, rief sie nun im Expresstempo die Sitzungen der beiden Parlamentskammern der endenden Legislaturperiode zusammen. Es werden nun mehrere Gesetze verabschiedet, die mitunter im Wahlkampf verstörend gewirkt hätten. In diesen Minuten wird im Unterhaus ein Gesetz verhandelt, welches u.a. für Informieren von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren über Verhütungsmittel bis zu zwei (bzw. für Vertrauenspersonen bis zu fünf) Jahren Gefängnisstrafe vorsieht.
    Neue Taufopfer werden so besichert.

  7. #7 von awmrkl am 15. Oktober 2019 - 23:17

    @Unechter Pole

    „Ein wenig danebengeschossen …“

    NEIN! Deine Beiträge sind und waren (für mich) nie daneben, selbst wenn evtl etwas OT.
    Für mich sind solche distanzierten „Insider“-Berichte aus einem direkten Nachbarland und dessen inside-Gefühligkeiten wirklich VIEL wert!
    Denn ich könnte (wg zuviel Distanz) NIE in diese (hier polnische) „Seelen“ blicken, oder die Bewegungen in diesen „Seelen“ nachempfinden. Das kannst Du wesentlich besser. Beschreiben. Dafür Danke!

  8. #8 von Andreas P am 16. Oktober 2019 - 09:19

    @Pole: Da möchte ich mich anschließen. Deine Nachrichten aus dem polnischen Bible Belt erinnern mich immer wieder daran, warum ich Kirchens nicht traue: Zahm sind die Schwestern und Brüder nur, wenn sie nicht anders können.

  9. #9 von schiffmo am 16. Oktober 2019 - 15:26

    Ich sehe bei sowas zwei grundsätzliche Themen:
    1) „Pro Life“ ist hinten und vorne nicht durchdacht. Die „heilige“ Option ist dabei obligat, koste es was es wolle.Es gibt sehr gute Gründe dafür, bis zu einem gewissen Stadium eben nicht von einem menschlichen Wesen auszugehen, auch wenn die eigentliche Befruchtung schon vorbei ist. Auch rein ethisch ist es äußerst fragwürdig, wenn pro-lifer Menschen davon abhalten wollen, eine „Sünde“ zu begehen.Die sollten sich schon mal überlegen, wer sie sind, wenn sie denken, Zwang auf andere Menschen ausüben zu dürfen. Die sollten sich mal überlegen, was ihre Gottheit/Prophet etc. zum Verhalten der pro-lifer sagen würde, und ob das nicht auch eine „Sünde“ sein könnte.
    Wohlgemerkt: Ich rede nicht davon, dass sie ihren Standpunkt nicht begründen dürfen sollen. Ich halte ihn nur für schlecht begründet, und die Reaktion, andere zwingen zu wollen, sich an ihren Standpunkt zu halten, für total überzogen.
    2) Pro Choice zeigt Betroffenen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, mit einer Notlage umzugehen. Es werden nicht allzu viele sein, die die Fortsetzung einer Notlage, ggf. mit Hilfe von außen, akzeptieren und durchziehen. Doch wenn sie es tun, ist es ihre Entscheidung, und die und das Schultern der Notlage verdient Respekt. Im anderen Fall ist es zumindest die eigene Notlage der Mütter, die den Ausschlag gegeben hat, und eine bewußte Entscheidung dafür, ein Kind nicht auf die Welt zu bringen. Wie sie das bewerten, ist eine Frage der Weltanschauung der Frau, und sonst keines anderen Menschen.

  10. #10 von Andreas P am 16. Oktober 2019 - 15:50

    @Schiffmo: Die beiden „pro“s reden aneinander vorbei, und beide von Dir aufgeführten Argumente sind problematisch.

    „Sünde“ ist natürlich ein Unsinnskonzept: Unbegründeter privater Aberglaube kann nicht legitime Basis von Gesetzgebung sein.

    Aber exakt die Frage, ab wann die Schwangerschaft (übrigens neben dem potentiellen Vater) nicht nur einen, sondern zwei Menschen betrifft, ist das, worauf „pro choice“ eine Antwort geben muss. In Deutschland sagen wir, vereinfacht, „nach dem 3. Monat in Ansätzen, ab dem 6. Monat ziemlich weitgehend“.

    In den USA geht das auf beiden Seiten staatenweise in die Extreme: Einerseits „Mensch“ ab Zeugung (was bemerkenswert seltsame Konsequenzen für die Seelenmystik hätte, aber hej, Logik und Theologie…), mit konsequent totalen Abtreibungsverbot, andererseits – Abtreibung bis praktisch kurz vor der Geburt vorbehaltlos erlaubt. Die meisten Amerikaner halten’s am ehesten mit sowas wie der deutschen Regelung, aber mehr und mehr sammelt sich die politische Klasse hier an zwei extremen Polen.

  11. #11 von Willie am 16. Oktober 2019 - 21:35

    @Andreas

    In Deutschland sagen wir, vereinfacht, „nach dem 3. Monat in Ansätzen, ab dem 6. Monat ziemlich weitgehend“.

    Das ist nicht einfach so vereinfacht, sondern dahinter steckt auch eine medizinische Begründbarkeit:
    http://scienceblogs.de/bloodnacid/2011/06/22/ab-wann-ist-es-ein-mensch/?all=1

    Unabhängig der pers. Art von Dr. Courts dies darzulegen, geht es mir dabei um

    “ Bewusste Reaktionen oder Wahrnehmungen des Fötus (z.B. Schmerzempfindungen) sind aber nicht vor der 22. Woche möglich, da die Hirnrinde des Fötus’ noch nicht funktionsfähig ist. Bis zu diesem Zeitpunkt sind auch noch keine regelmässigen Hirnströme festzustellen. Das 3-monatige Zeitfenster, in dem Abtreibungen bei uns auch ohne zwingende medizinische Indikation möglich sind, ist also mehr als vorsichtig gewählt, gewährleistet sehr sicher, daß eine Abtreibung beim Fötus keinerlei Schmerz oder Leid hervorruft und braucht und sollte keinesfalls verkleinert werden. “

  12. #12 von Unechter Pole am 17. Oktober 2019 - 13:44

    Hier: [https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/polen-gesetzesentwurf-will-sexualkunde-unter-strafe-stellen-a-1291953.html ein deutschsprachiger Artikel zu meiner früheren Meldung (quasi als Beweis, dass ich mir das doch nicht sowas Absurdes ausgedacht habe)…

  13. #13 von oheinfussel am 17. Oktober 2019 - 22:47

    @U.P.

    Keine Bange, der durchschnittliche AMB Leser hat schon so viele Dinge gelesen, da muss man sich nichts mehr ausdenken

  14. #14 von Andreas P am 17. Oktober 2019 - 23:09

    @Willie:

    Und genau da sind die Seelenmystiker in Zugzwang: Sie müssten einen vernünftigen Zweifel begründen, warum man trotzdem – lange vor der 22. Woche – von einer „Person“, von einem empfindungsfähigen „Geist“ oder „Bewusstsein“ oder irgendwas in der Art ausgehen könnte. Das ist bisher m. E. noch nicht passiert.

    Hier liegt dann aber auch der tiefere Grund für dieses ganze Getue: Wenn Christen zugeben, dass „Geist“, „Person“, „Empfindung“, „Bewusstsein“ an Hirnaktivität gebunden ist (auch wenn die im Einzelfall gelegentlich schwierig nachzuweisen sein mag oder vorübergehend eingeschränkt ist, geschenkt), dann kann nichts davon den Tod des Gehirns überdauern. Damit fällt die Hoffnung auf Unsterblichkeit weg – und die Angst vor dem Tod kann damit nicht mehr betäubt werden.

    Den Pro-Lifern geht es, mit anderen Worten, letztlich meist nicht wirklich um Föten, sondern um sich selbst. Die tatsächlichen Zusammenhänge akzeptieren hieße ihre eigene Sterblichkeit zu akzeptieren.

  15. #15 von awmrkl am 18. Oktober 2019 - 01:59

    Ich hab mal einen Artikel gelesen (den ich leider nicht mehr gefunden habe), der glaubwürdig und gut begründet betonte, daß es der christlichen Theolügie bei der prinzipiellen Ablehnung von Abtreibung nicht um das Leben an sich geht, sondern (Platon, Aristoteles, Augustinus, Th v Aquin ff) um eine ominöse, eigentlich schon heftig esoterische Verteidigung einer „Idee des Lebens“ oder „Idee von Leben“.
    Daß es denen nicht um „das Leben“ an sich geht, sieht man unschwer ja schon daran, daß bereits geborene Menschen dann überhaupt nicht mehr schützenswert sind. Egal, ob sie bereits Christen sind oder mit „willst Du nicht mein Bruder sein …“ beliebig gekillt werden dürfen. Oder bei der Frage um Todesstrafe.
    Heuchler und verbohrte Ideologen, egal wo und wie man hinguckt.

  16. #16 von Andreas P am 18. Oktober 2019 - 09:42

    @AWMRKL: Ich würd gar nicht so hoch greifen.

    Solche Gemeinschaften – es sind ja nicht Einzelne – funktionieren nach dem Prinzip, dass, wer noch extremer die dumme Idee vertritt, an Status gewinnt. Die Bereitschaft, Geld, Zeit, Integrität, geistige und körperliche Gesundheit freudig dem „höheren Zweck“ darzubringen, wird als Beweis der Gruppenloyalität gewertet. Das um so mehr, weil es inhaltlich um nichts geht und jeder im Grunde weiß, Schwachsinn zu betreiben. Das brave Mittun ist der Zweck an sich. Halt ähnlich wie manche Künstlervereinigung, manch ein Sportverein, die „Kameradschaft“ bei Militärs oder auch Modenarrheiten, nur noch eine Nummer unreflektierter und ohne jegliche innere Distanz.

  17. #17 von Willie am 18. Oktober 2019 - 21:34

    @Andrea

    Den Pro-Lifern geht es, mit anderen Worten, letztlich meist nicht wirklich um Föten, sondern um sich selbst. Die tatsächlichen Zusammenhänge akzeptieren hieße ihre eigene Sterblichkeit zu akzeptieren.

    Ja sicher. Ich schrieb es beim „Beten-Artikel“ bereits, man hofft darauf, dass man in diesem Glücksspiel ein paar Bonuspunkte für ein Paradies bekommt. Daher ist den meisten dieser Leute ja auch egal, was aus den Geborenen dann wird, hauptsache eine Seele mehr auf dem Glücksspielkonto.