US-Schule verbannt „Harry Potter“-Bücher – auf Anraten von Exorzisten

Die „Harry Potter“-Romane stecken voller Zaubersprüche und Flüche. Eine Schule im US-Staat Tennessee hat die Reihe nun verboten. Begründung: Da sei echte Magie am Werk. Das hätten Teufelsaustreiber bestätigt.

(…)

Darin heißt es nach Angaben der lokalen Zeitung „The Tennessean“, er habe sich mit zahlreichen Exorzisten in den USA, aber auch in Rom verständigt. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass „die Flüche und Zaubersprüche in diesen Büchern echt sind und, wenn sie von einem Menschen gelesen werden, böse Geister heraufbeschwören könnten“.

weiterlesen:

[https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/schule-verbannt-harry-potter-buecher-auf-anraten-von-exorzisten-a-1284936.html

  1. #1 von Noncredist am 3. September 2019 - 14:03

    (..) die Flüche und Zaubersprüche in diesen Büchern echt sind und, wenn sie von einem Menschen gelesen werden, böse Geister heraufbeschwören könnten (..)

    Eine genauere Erklärung, nach welchen Methoden man Falschsprüche und Richtighexereien voneinander unterscheiden konnte, ist leider nicht dargelegt worden. Vielleicht könnte man mit der selben Methode endlich mal primitive Wohlfühlliteratur von echten Horoskopen unterscheiden! Wäre ein klarer Durchbruch! 😀

    (..) würde Zauberei in den Büchern als böse, aber auch als gut dargestellt.

    So what? In dem dicken Bibelbuch wird ein Feigenbaum verflucht. Aus purer Bosheit! Der arme Feigenbaum. Und der Täter war ein gewisser Jesus. Ab und zu vermehrt der Kerl Brot und Fische und ersetzt erfrischendes Wasser durch ein alkoholhaltiges Getränk. Kinder lesen in dem Buch über den freiwilligen Genuss von alkoholhaltigen Getränken! Die Tennesee-Prohibition sollte hier mal Suchtforscher befragen, ob die positive Darstellung des Alkoholgenusses tatsächlich einem Kind zumutbar sein sollte.

    Der Einfluss von Alkohol auf den menschlichen Organismus kann man sogar ohne spiritistische Vorannahme beobachten. Das ein Fluch in einer Doppelblindstudie mit Kontrollgruppe einen signifikanten Effekt ausserhalb des Placebo/Nocebo lieferte, ist jedoch weiterhin nicht dargelegt worden 😉

    (..) die katholische Kirche habe keine offizielle Haltung zu den Zauber-Büchern von Schriftstellerin J.K. Rowling.

    Es wäre auch eine Heidenarbeit, sämtliche Fantasy-Literatur auf „wirkende Zaubersprüche“ hin zu untersuchen. Die Messmethoden haben sich grundlegend verändert und das Peer Review ist heute ungleich härter als damals, als man noch offiziell mit langen Verbotslisten frohlockte 😀

    Wir wollen nur sicherstellen, dass die Schulbüchereien altersgerechtes Material für unsere Klassen zur Verfügung stellen.

    Dann vermute ich mal, werden Bücher über 500 rumlaufende Untote, zum Tode verfluchte Pflanzen und unter anderem einer detailreichen Erzählung eines Todesaktes an einem altrömischen Todesinstrumentes oder dem Aufplatzen der Organe als Folge eines Selbstmordes ebenfalls strenger unter die Lupe genommen und dementsprechend aus der Schulbücherei verbann … ähm … entfernt 😀

    Erst im April dieses Jahres verbrannten katholische Priester in Polen zahlreiche Ausgaben, angeblich „wegen der schlechten Energie“.

    Als der Priester die Energie eines Harry Potter Buches zum Aufladen seines Telefon nutzen wollte, ging es einfach nicht. Daraufhin erkannte der spiritistische Elektroingenieur messerschaft, dass der Energiefluß des Buchdeckels nunmal schlecht sei. So stelle ich mir die objektive Feststellung einer schlechten Energie vor. In Laboren wird sogar die These geprüft, ob es neben der schlechten Energie noch eine süße, eine saure und eine bittere Energie in Büchern geben könnte 😀

    Und sogar Papst Benedikt, damals noch Kardinal Ratzinger, hatte sich 2003 über die „subtile Verführung“ in den Büchern mokiert. Diese seien geeignet, das Christentum „in der Seele“ zu zersetzen.

    Harry kämpft weder „für die dunkle Seite der Christenmacht“, noch hat er irgendeine persönliche Beziehung zu irgendwelchen christlichen oder gar katholischen Sachen. Es ist ein in sich geschloßenes Fantasieuniversum ohne jegliche Wirkung ausserhalb der Papierseiten. Das Kinder sich gerne verkleiden, dürfte wohl kaum als christentumsschädliche Handlung gelten. Auf den Philippinen lassen sich Menschen Nägel durch den Körper treiben und sich an ein Kreuz nageln. In ECHT. Die „subtile Verführung“ ist jedoch geeignet, das Christentum „in der Seele“ zu stärken. Verbot? Überflüssig. Denn hier macht man sich die Welt, wie sie einem gefällt 😀

  2. #2 von Hypathia am 3. September 2019 - 14:56

    😂😂😂😂
    Gibt es wirklich Menschen, die das glauben?! 😂😂

  3. #3 von Elvenpath am 3. September 2019 - 15:23

    Folgender Satz wird ja gerne von Religioten zitiert;
    „Wenn Menschen aufhören, an Gott zu glauben, dann glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche.“
    -Chesterton, Keith Gilbert-

    Da irrt der Mann. Die Realität sieht nämlich anders aus: Wer an Gott glaubt, glaubt auch sonst an alles Mögliche.

  4. #4 von Skydaddy am 3. September 2019 - 18:07

    Soviel zum „aufgeklärten Christentum“ …

  5. #5 von Andreas P am 3. September 2019 - 18:23

    Mark Twain hält den interessanten Rekord, dass sein Roman „Huckleberry Finn“ (trotz aller Schwächen wohl der Beginn der genuin amerikanischen Literatur) am häufigsten aus Schulbibliotheken verbannt wurde: Die eine Hälfte an Zensoren störte, dass die Figur Jim viel zu sympathisch rüberkommt und durchweg, ohne Einschränkung und ganz selbstverständlich, als Mensch behandelt wird – vom Autoren wie von den Hauptfiguren. Ein Sklave! Mark Twain war da seiner Zeit um Jahrzehnte voraus, und das insbesondere auch den vielen Rassisten und besonders Rassistinnen unter den Abolitionisten und Abolitionistinnen.

    (Historischer Klugschiss am Rande: Mit dem Abolitionismus – dem Kampf gegen die Sklaverei – beginnen in den USA die Frauen, sich in nennenswerter Zahl (und nicht als eher seltene Ausnahme) organisiert in die Politik einzumischen. Nach 1865 wurde der Kampf gegen den Alkohol und die Saloons sehr stark bis überwiegend von Frauen betrieben, die dann auch das Wahlrecht einforderten – Frauenwahlrecht und Prohibitionsbeginn liegen (auch) daher nur ein paar Monate auseinander. Viele Abolitionisten waren aber aus Rassismus gegen die Sklaverei und (ebenfalls nicht so überraschend) erweckungs-evangelikal orientiert. Erst vor diesem Hintergrund versteht man dann auch, warum dann etwa in den 1920ern der wiedererstarkte Ku Klux Klan (mitsamt starkem Frauenflügel) zusammen mit Frauenrechtlerinnen auf die Straße ging, u. a. gegen den Alkohol und für die Prohibition. — Schaut man genauer hin, ist Geschichte fast immer komplexer und interessanter als erwartet, und deutlich überraschender.)

    Die andere Hälfte der Zensoren stört sich am damals völlig üblichen „N-Wort“ und diversen Eigenheiten von Jim, der u. a. nicht als der allerhellste hingestellt wird. (Huckleberry Finn nun auch nicht. Es ist gerade seine Mischung aus schulisch fast unverbildetem Außenseitertum, erstklassiger Beobachtungsgabe und naivem Unverständnis, die ihn zum perfekten Vehikel von Mark Twains zahllosen scharfen sozialkritischen Anmerkungen machen.) Sprache und Sensibilitäten des frühen 21. Jahrhunderts hat Mark Twain tatsächlich nicht zu 100% vorausgesehen, und weiß, männlich, hetero, cis und zu guter Letzt auch noch irgendwann alt war er auch nicht. Raus mit ihm aus den Schulbibliotheken!

    In beiden Fällen werden meist irgendwelche hergeholten Ausreden vorgeschoben: Es ist Twains Gesellschaftskritik, sein mangelnder Respekt vor Dümmlichkeiten, die beide Sorten Kritiker (und weitere) wirklich zur Weißglut treibt.

    (-)

    Was könnte die Harry-Potter-Kritiker umtreiben? Der Umstand, dass diese Bücher nicht nur öfters verkauft werden als die Bibel, sondern im Gegensatz zu der auch meist noch gelesen? Klar, dann ist Harry kein Mädchen, Hermione freundet sich mit Jungs an, statt 100% ihrer Zeit gegen „das Patriarchat“ zu kämpfen, der Mentor-Nebenheld Dumbledore ist alt, weiß und männlich (Bösewicht Voldemort auch, aber da stört das keinen, da ist es ja realistisch). Dann fordert die Bücherserie zur Eigeninitiative auf, dazu, erwachsene Autorität nicht ungefragt hinzunehmen, stellt Bücherlesen als etwas Nützliches dar, und außerdem ist Harry reich. Zudem werden weder die Massentierhaltungsskandale angesprochen, noch sind die Charaktere jeden Abend am beten. Sie spielen Quidditch, statt einen Bibelkreis zu gründen oder – Gegenseite – wenigstens Snapes Tränkestunden zu schwänzen, um gegen den Klimawandel zu protestieren.

    Noch schlimmer: Die Charaktere haben Familien und Freunde, die ihnen wichtig sind. Irgendwelche Sektenheinis stehen nur bei den Bösewichten ganz oben im Kurs.

    Schockschluckschwerenot.

    Unfassbar…

    … dumm, sich über eine Reihe offenkundig nicht realitätsbezogener Schmöker für Kinder aufzuregen. Die Zahl der Potter-Leser, die glauben, Zauberei sei wirklich, dürfte um Größenordnungen geringer sein als die der Bibelabhängigen, die das glauben (oder vorgeben).

  6. #6 von Uli am 3. September 2019 - 18:35

    Wie gut, dass das Christentum Aufklärung erfahren hat, im Gegensatz zu dieser komischen „Friedensreligion“ eines gewaltgeilen Beduinen aus dem 7. Jahrhundert.

  7. #7 von oheinfussel am 3. September 2019 - 19:53

    Hm, ich meine mal gelesen zu haben, dass das die Leser der HP Reihe offener gegenüber Minderheiten wären und ihnen mit mehr Akzeptanz begegnen würden.

    Weil in den Büchern nämlich immer wieder sehr deutlich berichtet wird, wie es Menschen ergeht, die ausgegrenzt und unter Vorurteilen und Stigmatisierung leiden. In der Saga betrifft das zum Beispiel Werwölfe, besonders ersichtlich an einen von Harry’s Lehrern, Remus Lupin, der seit seiner Kindheit ein Werwolf ist und dadurch massive Probleme hat eine Arbeit zu finden und zu behalten und deswegen auch unter Armut leidet.

    Mehrere Male steht geschrieben, wie schäbig und wie abgegriffen seine Sachen sind.

    Von den persönlichen Vorbehalten seiner Mitmenschen wie Misstrauen, Angst und Unsicherheit mal abgesehen.

    Auf gut Deutsch, hier wird Kindern und Jugendlichen gezeigt, welche Folgen Vorurteile, Stigmatisierung und Ausgrenzung konkret haben und wie massiv die Belastung für den Betreffenden ist.

    Nagelt mich aber bitte nicht drauf fest, ich weiß jetzt nicht, ob ich die Quelle dafür noch mal finde 😉

    Zum Artikel kann ich nur sagen: Ohne Scheiß jetzt?! Das sind erwachsene Menschen o.O

  8. #8 von oheinfussel am 3. September 2019 - 19:56

    Hm, ich meine mal gelesen zu haben, dass das die Leser der HP Reihe offener gegenüber Minderheiten wären und ihnen mit mehr Akzeptanz begegnen würden.

    Weil in den Büchern nämlich immer wieder sehr deutlich berichtet wird, wie es Menschen ergeht, die ausgegrenzt und unter Vorurteilen und Stigmatisierung leiden. In der Saga betrifft das zum Beispiel Werwölfe, besonders ersichtlich an einen von Harry’s Lehrern, Remus Lupin, der seit seiner Kindheit ein Werwolf ist und dadurch massive Probleme hat eine Arbeit zu finden und zu behalten und deswegen auch unter Armut leidet.

    Mehrere Male steht geschrieben, wie schäbig und wie abgegriffen seine Sachen sind.

    Von den persönlichen Vorbehalten seiner Mitmenschen wie Misstrauen, Angst und Unsicherheit mal abgesehen.

    Auf gut Deutsch, hier wird Kindern und Jugendlichen gezeigt, welche Folgen Vorurteile, Stigmatisierung und Ausgrenzung konkret haben und wie massiv die Belastung für den Betreffenden ist.

    Nagelt mich aber bitte nicht drauf fest, ich weiß jetzt nicht, ob ich die Quelle dafür noch mal finde 😉

    Zum Artikel kann ich nur sagen: Ohne Scheiß jetzt?! Das sind erwachsene Menschen o.O

  9. #9 von Andreas P am 3. September 2019 - 21:50

    @Oheinfussel: Und genau deshalb sehen einige Superchristen eben ihr Geschäftsmodell gefährdet: Wenn man nicht mal mehr Werwölfe ausgrenzen darf, … 😛

  10. #10 von Noncredist am 3. September 2019 - 21:50

    @oheinfussel

    Das sind erwachsene Menschen

    Menschen die der Meinung sind, dass man Kekse durch das Besprechen mit magischen Formeln erfolgreich zu Menschenfleisch verwandeln kann. Also ich wär mir nicht so sicher, ob man diese Menschen als erwachsen genug bezeichnen kann 😀

  11. #11 von Willie am 3. September 2019 - 22:40

    Ich finds immer wieder lustig, dass die automatisch davon ausgehen, dass ihre eigenen Geisterheraufbeschörer nicht selbst vom Teufel besessen sein können.

  12. #12 von Michael am 3. September 2019 - 22:51

    Menschenskinder, die haben die Wirksamkeit von Zaubersprüchen also wissenschaftlich nachgewiesen? Nobelpreis! Vielleicht sollte ich mal auch die Zauberrezepte aus dem alten Adventure King’s Quest 3 ausprobieren. – Obwohl, wenn man da den kleinsten Fehler macht, dann ist sofort Game Over… 😉

  13. #13 von oheinfussel am 3. September 2019 - 23:09

    Ohne Witz, WordPress mobbt mich – entweder meine Kommentare tauchen gar nicht auf oder stattdessen doppelt jammer

    Ich kann so nicht arbeiten…

  14. #14 von heiße Luft am 4. September 2019 - 04:02

    @oheinfussel
    Hast du schon mal in betracht gezogen das,dass der Teufel ist und du einen Exorzismus machen musst! Manchmal hilft auch das neustarten des Rechners.

  15. #15 von Deus Ex Machina am 4. September 2019 - 06:43

    3….2….1…..AUFGEKLÄRTES CHRISTENTUM bei der Arbeit!

    Ist nur eine Frage der Zeit, bis man Kinderpornos bei dem beteiligten Priester findet.

  16. #16 von Predator am 4. September 2019 - 14:01

    Ich hatte bereits voller Leidenschaft einen längeren Text als Kommentar hier geschrieben.

    Aber wen soll der eigentlich erreichen?

    Wir sind hier doch alle mehr oder minder d’accord bezüglich solcher Meldungen.

    Daher mein absolut gekürzter, aber wie ich finde dennoch passender Kommentar zu diesem Thema:

    D.b.d.d.H.k.P.!

  17. #17 von Predator am 4. September 2019 - 14:10

    Das „H“ in der Abbreviation der finalen Sentenz meines vorherigen Posts muss natürlich auch klein geschrieben werden… ich war einfach zu aufgeregt, menschliches Versagen… oder deus lo vult?! 😉 😀

    Ich hoffe ja schon seit Jahren, auch wenn ich hier oft nur passiv anwesend bin (vielleicht bin ich ja [ein] Gott?!!), dass in diesem Blog immer fleißig ein paar Religioten mitlesen.

    (Ein bisschen) Spaß muss sein! ABSOLUT!!!

    Grüße aus Hamburg

  18. #18 von Charlie am 4. September 2019 - 15:05

    @Fussel

    Die sind doppelt, weil ich die anderen freigeschaltet habe. Ich kann mir auch nicht erklären, warum das bei deinen Kommentaren ist.

  19. #19 von Charlie am 4. September 2019 - 15:39

    @Predator

    Was ist so schlimm daran, mehr oder weniger einer Meinung zu sein? Ich habe gelernt, dass Gläubige zu überzeugen, reine Zeitverschwendung ist.

  20. #20 von Noch ein Fragender am 5. September 2019 - 09:33

  21. #21 von Rene Goeckel am 5. September 2019 - 16:08

    Besonders gelungen ist dieser Satz zu Harry Potter von Gabriele Kuby:
    „Mit der Verharmlosung von Magie dringen die Kräfte in die Gesellschaft ein, die das Christentum einst überwunden hat“
    Wie? Mit dem Scheiterhaufen?