Auch die US-Kirche war in den Sklavenhandel verstrickt

Die Kirche in den USA war in den Sklavenhandel verwickelt. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder neue Details darüber bekannt – etwa der Fall der von den Jesuiten betriebenen Georgetown-University, die verschleppte Menschen verkaufte.

weiterlesen:

[https://religion.orf.at/stories/2990104/

Werbeanzeigen
  1. #1 von Andreas P am 21. August 2019 - 12:51

    „Auch“ ist bezüglich des Sklavenhandels in der „Neuen Welt“ die Untertreibung des Jahrhunderts – speziell was die RKK betrifft. In den USA gibt und gab es allerdings nie „die“ Kirche: Die Baptisten haben sich in den 1830ern ff. über die Sklavereifrage verstritten und gespalten. Die Southern Baptists haben sich dann auch bis 1995 Zeit gelassen, bis sie die Sklaverei verurteilt haben. (Bei der Homophobie rechnen Experten mit dem Frühjahr 2485.) -Immerhin hatten sie da schon lange keine kircheneigenen Zwangsarbeiter mehr, anders als die deutschen Kirchen.

    Die RKK hat 1839 den Sklavenhandel per päpstlicher Bulle verurteilt. Konsequent gab es Stellungnahmen katholischer US-Bischöfe gegen die Sklavenhaltung erst nach Beginn des Bürgerkrieges (1861-65).

    Die Methodisten haben Sklaverei bereits in den 1780ern in aller Form verurteilt. Auch nach 1865 war diese Kirche ziemlich aktiv zugunsten der nun ehemaligen Sklaven, hat Kirchen zu Schulhäusern umgewidmet und Lesen/Schreiben beigebracht (was zuvor allenfalls heimlich möglich war, da zumeist strikt verboten).

    Die Quäker waren ihnen in der Verurteilung der Sklaverei bereits ein Jahrhundert voraus – 1688 ist das Stichjahr.

    Von den vier genannten Kirchen ist der Katholizismus heute am weitesten verbreitet, danach die Baptisten, danach die Methodisten, und die Quäker sind die seltensten.

  2. #2 von Rene Goeckel am 21. August 2019 - 12:58

    Oder kurz: Alle Kirchen sind und waren in Schweinereien verwickelt.

  3. #3 von Johannes am 21. August 2019 - 13:16

    Paulus hat ja selbst gesagt: Ihr Sklaven, ordnet euch euren Herren unter!

  4. #4 von Andreas P am 21. August 2019 - 13:59

    @Rene: Eben nicht. Die Quäker haben sich praktisch stets geweigert, u. a. an Sklaverei wie an Kriegen zu beteiligen, und stattdessen aktiv Menschen in Not geholfen – statt aggressiv zu missionieren. Man kann also Christ sein und moralisch vorbildlich.

    Exakt deshalb sind die typischeren Kirchen, die ein Verbrechen nach dem anderen aufs Kerbholz häufen, so verurteilenswert. Sie könnten sich anders benehmen. Sie wollen nur nicht.

  5. #5 von awmrkl am 22. August 2019 - 10:52

    @Andreas P

    „Sie könnten sich anders benehmen. Sie wollen nur nicht.“

    Naja, aber dann ginge ja eine der wichtigsten Funktionen von Religion(en) verloren, nämlich die bequem-simple Gruppen-Unterscheidung „in- vs out-group“ oder WIR vs DIE. Und die zugehörige Freund-Feind Einteilung für simple Geister. Und die Mitglieder würden in Scharen davonlaufen. Würden? Sie tun es ja dort, wo diese Möglichkeiten verloren sind!?

  6. #6 von Andreas P am 22. August 2019 - 11:08

    @AWMRKL: Das gilt auch für uns. Nicht mal als moralischer Kompass („Was Kirchenfunktionäre fordern, ist immer falsch, reaktionär und dumm“) sind Religionen noch wirklich zuverlässig zu gebrauchen – wobei die Quäker eh ziemlich wenig hierarchisch sind.

  7. #7 von Rene Goeckel am 22. August 2019 - 11:38

    Und die Pastafari? Ihr Unnudeligen! Argh!

  8. #8 von Skydaddy am 22. August 2019 - 11:40

    Bei meiner Recherche zu Manfred Lütz‘ Skandalbuch und seiner Vorlage, Arnold Angenendts „Toleranz und Gewalt“ habe ich als Stichprobe das Sklavereikapitel untersucht und mir alle Quellen besorgt. Ich meine, dort [in den Quellen, nicht bei Lütz oder Angenendt] mehrfach gelesen zu haben, dass die jüngeren christlichen Bewegungen wie Quäker und Methodisten auf den Trend zur Abschaffung der Sklaverei aufgesprungen sind und das Thema zur Mitgliederwerbung benutzt haben. Etwa so, wie sich Christen heute Umweltschutz und Flüchtlingshilfe auf die Fahnen schreiben.

    UPDATE: Hier Orlando Patterson, auf den sich auch Lütz und Angenendt berufen – aber natürlich nicht auf diese Stelle:

    Für die protestantischen Dissidenten in England und den Vereinigten Staaten war die Sklaverei in der Neuen Welt ein »glücklicher Sündenfall« des Christentums, der ihm eine willkommene »Bühne bot, sich als die liberalste und fortschrittlichste Kraft in der Geschichte der Menschheit darzustellen«.[58] Unter dem Banner »praktizierter Nächstenliebe« einte dieser Kampf sämtliche Evangelikalen in ihrem Angriff auf die Verweltlichung der etablierten Kirchen.

    Orlando Patterson: Freiheit, Sklaverei und die moderne Konstruktion der Rechte. In: Hans Joas, Klaus Wiegandt (Hrsg.): Die kulturellen Werte Europas (2005), S. 164-218 (205).

    Das Zitat [58] stammt aus David Brion Davis: Slavery and Human Progress, New York 1984, S. 129-153.

  9. #9 von awmrkl am 22. August 2019 - 11:47

    ACK,
    Parolen wie „der Feind meines Freundes ist auch mein Feind“ oder ähnliche Vereinfachungen sind -klar- auch für „uns“ (hihihi) grundverkehrt.
    Was allerdings Quäker wollen oder fordern, ist halt bei uns hier wenig relevant.
    Gibt es Deiner Meinung nach relevante religiöse Gruppierungen hier bei uns (D, EU), die wichtige Impulse i-einer Art liefern könnten? Und die bereit wären, (nach Mynarek) ihre „hl. Schriften“ UND ihre Köpfe von menschenverachtendem Dreck zu reinigen UND dazu zu stehen? Ich würde sofort meinen Hut davor ziehen!

  10. #10 von Andreas P am 22. August 2019 - 22:42

    @Skydaddy: 1688 gab es da kaum einen Zug, wenn überhaupt, waren die Quäker der Zug.

    Wenn die – geheime – Sklavenrettung und -Fluchthilfe als PR-Aktion fürs Christentum geplant war, war das ziemlich ineffektiv: Es gibt in den USA heute weniger als 200.000 Quäker. Mehr noch, es gibt auch offen nicht-theistische Quäker, mindestens seit den 1930ern. Effektiv ist die American Humanist Association 1941 daraus hervorgegangen – wohl das wesentliche Vorbild für die Giordano Bruno-Stiftung in Deutschland.

    Pfff… also, für einen PR-Gag, der für das Christentum werben soll, ist das dann doch sehr weit über die Bande gespielt. 🙂

  11. #11 von Andreas P am 22. August 2019 - 22:47

    (Ansonsten ist die Einschätzung so verkehrt nicht: Sklaverei galt einigen Protestanten als Sünde, nicht wegen der Bedingungen für die Sklaven, sondern weit mehr wegen des Reichtums, der nicht eigenem Fleiß entsprang. Anderen Abolitionisten war die Sklaverei deshalb zuwider, weil sie engen Kontakt zwischen Weißen und Schwarzen bedeutete – die Idee, alle Ex-Sklaven und generell alle Afroamerikaner „nach Hause“ nach Afrika zu bringen, war in den Kreisen sehr populär.

Sag uns deine Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.