Sind angehende Religionslehrer überhaupt religiös sozialisiert?

Was müssen angehende Religionslehrer eigentlich wissen und wie wirkt sich das Nichtwissen auf die Gestaltung von Religionsunterricht aus? Carina Caruso bildet Religionslehrer aus – und schreibt für katholisch.de darüber.

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[https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/sind-angehende-religionslehrer-uberhaupt-religios-sozialisiert

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  1. #1 von Skydaddy am 21. Juli 2019 - 17:14

    Meines Erachtens ein schönes Beispiel für den Dunning-Kruger Effekt:

    Man ist Christ – oder will Religionslehrer werden – weil man noch nicht einmal weiß, was man vom Christentum NICHT weiß.

  2. #2 von Andreas P am 21. Juli 2019 - 18:56

    Ahnung und Verständnis kombiniert mit intellektueller Redlichkeit würde die Ausübung dieses „Berufs“ unmöglich machen.

  3. #3 von Willie am 21. Juli 2019 - 22:13

    „Frau Caruso, Sie bringen ja immer Beispiele von echten Büchern, meist von unseren Dozierenden. Wer war nochmal Joseph Ratzinger?“

    Irgendwie erfreulich zu lesen, dass man den nicht kennt im Theologieseminar. Oder haben wir es hier mit einer katholischen <a href=“https://skydaddy.wordpress.com/?s=Bahr<Petra Bahr zu tun?

  4. #4 von awmrkl am 22. Juli 2019 - 04:06

    „Das Studium ist jedenfalls nicht darauf ausgelegt, bei Null anzufangen. “

    Doch. Das ist sinnvoll: Bei Null anfangen, und bei Null wieder enden.
    Und dann, nach Ernüchterung, einen vernünftigen und sinnvollen Beruf ergreifen.

  5. #5 von UF am 22. Juli 2019 - 10:43

    Wenn es Religionsunterricht gäbe, fände ich das gut. Der gängige Religionsunterricht dient aber der Indoktrination und unterstellt ferner, dass die eigene Lehre (Leere???) die einzig richtige ist.

    So etwas sollte komplett aus dem Schulleben verschwinden.

  6. #6 von Andreas P am 22. Juli 2019 - 10:49

    @UF: Wozu?

    Klar, man sollte über gesellschaftlich einflussreiche Ideen und Gruppen informieren und diskutieren, auch wenn sie inhaltlich nichts zu bieten haben. Aber ein eigenes Fach? Für Astrologie, Homöopathie, Handlesen, Flachwelttheoretie, UFOlogie, Scientology, … gibt es doch je auch keines (schon gar nicht von den Anbietern). Eine Einheit in Geschichte und in Sozialkunde sollte reichen…

  7. #7 von UF am 24. Juli 2019 - 12:02

    @ Andreas P

    Ich meinte mit Religionsunterricht „Unterricht zu und über Religionen“. Da Religionen weltweit eine sehr sehr große Rolle spielen (leider auch im Leben von Atheisten), sollte das Wissen über Religionen schon sehr umfangreich sein.
    Dafür bedarf es aber auch ausreichend Unterrichts-Zeit.

    Der Rahmen (Schulfächer oder eigenes Fach) ist eher nachrangig.

  8. #8 von Skydaddy am 24. Juli 2019 - 12:34

    @UF:

    Wie ich an anderer Stelle schon geschrieben hatte:

    Meiner Erfahrung nach muss man über Religiöse nur wissen, dass sie irrationale Dinge glauben und tun.

    Mit ist das klar geworden, als ich mich früher für die Hindu-Bräuche der Familie meiner Frau interessiert habe: Auf die Frage „Warum machen Hindus das?“ kamen dann immer Antworten wie „Da hat sich der und der Gott mal ausgeruht“ o.ä. Das zog dann im Grunde immer die Frage nach sich, warum DAS nun wieder wichtig war usw.

    Am Christentum kann man das auch deutlich machen: Warum feiern Christen Weihnachten? Weil Jesus da geboren wurde. Warum ist das wichtig … ? — Leute feiern halt Feste. Man kann sich freilich für die Ursprünge und Hintergründe interessieren, man MUSS es aber nicht.

    Das Wichtigste wären sicher noch die Speisevorschriften. Es sollte heute aber eigentlich klar sein, dass man, wenn man Leute beim Essen hat, von denen man nicht ausdrücklich weiß, dass sie Fleischesser sind, immer auch etwas für Vegetarier oder Veganer da haben sollte. Damit erübrigen sich die meisten religiösen Details.

    Wenn ich irgendwo einen Fußballfan mit Vereinsinsignien sehe, muss ich auch nicht wissen, wessen Vereinsfarben das sind. Wenn jemand ein Science-Fiction-T-Shirt trägt, muss ich auch nicht wissen, ob es um Star Trek, Star Wars oder Kampfstern Galactica geht.

    Nur die Religiösen selber glauben, dass diese Dinge wichtig sind.

  9. #9 von Andreas P am 24. Juli 2019 - 12:47

    @UF: Das ist ein Eindruck, den traditioneller Religionsunterricht vermittelt, aber m. E. eine Täuschung.

    Zum einen gibt es religiös konnotierte Rituale wie Taufe, Kommunion/Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung. Taufe ist Tinneff: Der Name bleibt auch dann am Kind kleben, wenn man es vorher nicht anfeuchtet. Hochzeit und Beerdigung geht auch säkular, auch wenn viele den traditionellen Tamtam mögen. K/K ist ein Vereinsritual ohne große öffentliche Bedeutung, weil die Betroffenen meist eh schon vorher Zwangsmitglieder wurden – und oft schon im Konfirmations-/Firmungs-Alter Atheisten geworden sind. Auch wenn hier und in die entsprechenden Rituale anderer Religionen viel hineingeheimnisst wird: Es sind einfach Traditionen, so wie Händeschütteln beim Begrüßen, und dort, wo sie Kindesrechte verletzten, gehören sie nicht diskutiert, sondern abgeschafft. Das Christentum kommt ja mittlerweile auch ohne Pogrome und Hexenverbrennungen aus, geht also.

    Muss man die Hintergründe kennen? Warum heißt der Freitag Freitag, wo er doch gar nicht frei ist? Wieso haben Schüler in Frühjahr und Herbst Ferien, während Studenten nur zwei Vorlesungspausen haben? Woher kommen die Kölner Karnevalsgarden? – Es gibt einen Haufen deutschen Brauchtums und eingefahrener Traditionen, deren Hintergrund die allermeisten nicht kennen, was aber wenig stört. Bei Weihnachten, Pfingsten und Ostern sind die ursprünglichen Anlässe auch kaum jemandem bekannt, die Kirchen tun bloß so, als ginge es da um was Christliches. (Alle diese Feste sind älter.) Kann man in Kindergarten und Grundschule mal ansprechen, „heimatkundlicher Unterricht“, und Alltagsgeschichte ist nicht unspannend, aber das gilt eben auch für Nichtkirchliches.

    Metaphysik, Moral, Ethik? Die Kirchen brühen den ältesten philosophischen Kaffee der Welt immer wieder neu auf und tun so, als hätten sie wer weiß was in der Hinterhand. Dabei sind es durchweg olle philosophische Karamellen: Die ganze Transsubstationslehre (plus die Trinitätslehre) basiert auf einer aristotelischen Unterscheidung zwischen Form und Substanz, die so nicht durchzuhalten ist und auch seit langem nicht mehr vertreten wird. Die Seelen- und Nachweltmystik kommt nicht aus der Bibel, sondern aus dem Neoplatonismus – eben weil das mit dem nahen Weltende und körperlichen Wiederauferstehungen doch nicht so zeitnah klappte wie ursprünglich geglaubt. Die christliche Ethik ist eine reine Klugheitsmoral – schleime dich bei den Mächtigsten ein und gehorche ihnen aufs Jota, um die dicksten Belohnungen einzustreichen -, die Moral ist wandelbar und hinkte in der Praxis meist antiker Theorie und Praxis hinterher. Erst mit der Aufklärung und der Abschaffung der Sklaverei – von Kirchens ausdrücklich lange gefördert – hinkte man dann moralisch primär der Moderne hinterher. Atheisten wie Christen verhalten sich im Alltag kaum unterscheidbar, und mit Bibel und Christentum hat das, was wir für falsch und richtig halten, so gut wie nichts zu tun.

    Kirchenarchitektur? Klar, Romanik, Gotik, … und generell Architekturgeschichte kann man an sowas besser studieren als an den meist eher schlichten Bürgerhäusern oder den laufend umgebauten Burgen. Klar gibt es einigen christlichen Einfluss in der Kunst – die enorme kunsthandwerkliche Verflachung, die das Mittelalter oft auszeichnet, gehört dazu (das Glaserhandwerk musste praktisch neu erfunden werden). Klar ist das Christentum, ist die Kirche in der Zeit einflussreich gewesen, wenn auch lange nicht der einzige Einflussfaktor, und sie abgetrennt zu betrachten macht wenig Sinn. Die Kunst im modernen Sinne begann wie die moderne Wissenschaft mit der Abwendung von Kirche, Christentum und geistigem Mittelalter und der bewussten Hinwendung zur Antike. Wer sich gerade barocke Gemälde anschaut, ist ohne solide Kenntnisse griechischer Mythologie ziemlich aufgeschmissen.

    Kurzum: Was in Europa Zivilisation ist, hat antike Wurzeln, in Rom, Athen und Alexandria (und generell der hellenistischen Welt). Was in Europa Kultur ist, meistenteils auch. Die Kirche war und ist ein politischer Machtfaktor, aber die Religionen…?

    Trivialversionen, Volksausgaben von uralten, von Profis längst aufgegebenen abstruseren philosophischen Positionen. Philosophie und kritisches Hinterfragen der eigenen Realitätswahrnehmung, der eigenen „Gewissheiten“, das wäre sinnvoll – aber Religion hat allenfalls Beispielcharakter dafür, wie man es nicht machen sollte.

  10. #10 von awmrkl am 24. Juli 2019 - 19:16

    @Andreas P 12:47

    Wo kann ich unterschreiben?