Kennst du das „Gott ist treu“-Plakat? Ich hätte da ein paar Fragen

Die freikirchliche Agentur C hat schon rund 100’000 Plakate mit Bibelsprüchen aufgeklebt. Der Nutzen? Fragwürdig.

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Gegenüber wem soll er also treu sein? Gegenüber seiner Frau, kommt einem spontan in den Sinn. Doch das kann nicht sein, Gott ist laut Bibel Single.

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Da die Frauen damals Geschöpfe zweiter Klasse waren, konnten sie Gott nicht ein weibliches Pendant zur Seite stellen. Deshalb ist er heute noch Single. Und deshalb macht es noch weniger Sinn, ihn als treu zu bezeichnen.

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Solche naiven Botschaften passen zur missionarischen Handschrift der besonders frommen Christen.

weiterlesen:

[https://www.watson.ch/blogs/sektenblog/903371425-kennst-du-das-gott-ist-treu-plakat-ich-haette-da-ein-paar-fragen

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  1. #1 von Charlie am 21. Juli 2019 - 16:10

    Als Single dürfte es nicht schwer sein, treu zu bleiben.

  2. #2 von Skydaddy am 21. Juli 2019 - 16:39

    Gottes Treue zeigt sich unter anderem darin, dass er sein „auserwähltes Volk“ millionenfach in Konzentrationslagern hat krepieren lassen.

    Um Gott als „treu“ zu bezeichnen, muss der Begriff „treu“ so weit verwässert werden, dass er alles, aber auch wirklich ALLES beinhalten kann. Oft und gerne z.B. auch einen qualvollen Tod durch Krebs o.ä.

    Damit ist das Wort „treu“ dann aber bedeutungslos.

    Als Beispiel bringe ich ja auch gerne Dietrich Bonhoeffers Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, das er im KZ schrieb. Diese „wunderbare Geborgenheit“ der „guten Mächte“ beinhaltete auch die Hinrichtung durch die Nazis im KZ.

    Wer also auf Gottes „Treue“ vertraut, sollte darauf gefasst sein, dass „Gott“ diesen Begriff sehr, äh … weit auslegt.

    Auf den Teufel im Märchen ist mehr Verlass als auf Gott. (Wenn der Teufel nämlich einfach nur lügen würde, würden die Geschichten ihren Reiz verlieren.)

    Als Atheist sollte man Christen, die von Gottes Treue schwärmen, mal fragen, was passieren müsste, damit sie an Gottes Treue zweifeln würden.

  3. #3 von Noncredist am 21. Juli 2019 - 17:05

    So provoziert das Plakat immerhin die durchaus sinnvolle Frage, weshalb Gott keine Frau hat.

    Eine genauere Definition einer Gottheit wäre hier wünschenswert. Der christliche Gott, der einen spirituell-materiellen Samen in einer Frau hinterließ und das dann gezeugte perfekte Erdenwesen später als Opfer benötigte, damit er überhaupt zu einer „Vergebung“ fähig sein konnte? Der ist den Menschen treu. So wie Harry Potter den Lesern der jeweiligen Geschichte stets treu im Buch seine Abenteuer erlebt 😉

    Es gibt vor allem eine plausible Erklärung: Unsere Urahnen haben sich vor 2000 und mehr Jahren den christlichen Gott ausgedacht und ihm menschliche Züge verpasst.

    „Aus dem Nichts“ ist dies jedoch nicht geschehen. Die damaligen Menschen besaßen die jeweilige Prägung des Landes, in dem sie geboren wurden. Die Mehrgöttigkeit – u.a. in Ägypten – formte deren Glaubensstrukturen und die Lebenserfahrungen etwaiger „Hohepriester“ sorgte für die stetige Umformung vorhandener „Orientierungstexte“ zugunsten der jeweiligen Lebenssituation. Aus einem verheirateten Kriegsgott wurde z.Bsp. in der Isolation ein rachsüchtiger Einzelgänger, der „den Tätern alles heimzahlen wird“. Zumindest irgendwann, wenn „das große Gericht“ ansteht. Denn noch hat man ja nicht die Oberhand und damit das Recht, „mit dem Gott“ über andere Völker zu richten. Und die Erfahrung belegte, dass die jeweiligen Generationen leider auch immer vor sich hinstarben, bevor nunmal das Großgericht tagte. So formte sich über viele viele Jahre die Religion bis zur schriftlich Überlieferten Form – die bekanntlich auch mit einem Neuen Testament fleißig durch christliche Gelehrte weiterhin der Zielgruppe hin umgeformt wurde 😉 Das war mitnichten ein „plötzliches Ausdenken“. Eher ein „sich ständig anpassen“ und gar „verwerfen unpassender Passagen“. Man könnte dabei beinahe von einer evolutionsähnlichen Entwicklung einer Religion sprechen, würde es nicht im Angesicht der absolutistischen Aussagen der Bibel zu ironisch klingen 😉

    Doch wer wirft viel Geld auf, um den Autofahrern zu erklären, dass Gott treu ist?

    Freikirchen, welche sich nach noch mehr Geld sehnen? Nur mal so in den Raum geworfen. Man könnte zwar das Geld für Hilfsprojekte verwenden, aber das wäre den Freikirchen nicht dienreich genug 😉

    Werft alle Sorgen auf Gott! Er sorgt für Euch

    Pffft … wer braucht schon Ärzte und Forschung, wenn Gott doch alle Sorgen gerne auf sich nimmt. Ausgenommen den finanziellen Schulden, der Suche nach einem Kindergartenplatz, die steigenden Mietkosten, das teure Medikament gegen Krebs und den geliebten Fußballclub, der mal wieder ein Spiel verloren hat 😉

    Alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt

    Schön für dich. Han Solo ist cooler, Harry Potter kann bessere Tricks aus dem Ärmel schütteln und Superman ist sogar kugelsicher! Karel Gott hat die schönere Stimme und Pippi Langstrumpfs Geschichte ist viel lustiger. Ich finde jedoch, dass mir Bibi Blocksberg mehr Kraft und Stärke gibt als Pippi 😛

    Ob solche Sprüche bei den Passanten mehr als nur Kopfschütteln auslösen, muss bezweifelt werden.

    Den meisten Menschen dürften solche Sprüche nicht ausserordentlich viel abgewinnen. Der Großteil wird wahrscheinlich nie in ihrem Leben jene Freikirche betreten. Doch solange man das chirstliche Mantra des „sich zeigen, sich bezeugen“ wiederholt, erfüllt es jene Gruppe mit Freude 🙂 Natürlich fühlt man sich, wenn man keine Einnahmen, jedoch viele Ausgaben hat, verfolgt und diskriminiert, aber dafür gibt es ja eine bekannte Lösung: das Problem auf Gott werfen. Er kümmert sich um alles. Sein Wirken ist anscheinend an den stetig sinkenden Mitgliedszahlen beobachtbar 😉

  4. #4 von Andreas P am 21. Juli 2019 - 18:04

    „Da die Frauen damals Geschöpfe zweiter Klasse waren, konnten sie Gott nicht ein weibliches Pendant zur Seite stellen. “ ist so pauschal völliger Tinneff – Jahwe war ursprünglich einer von vielen (weswegen im AT etwa bei der Schöpfung nicht von „Eloah“, Gott, sondern „Elohim“, Götter, steht…) und zudem verheiratet mit Aschera (Variation von Astarte).

    https://en.wikipedia.org/wiki/Asherah

    Monotheisten sind die meisten Jahwe-Anhänger wahrscheinlich erst um die Makkabäer-Zeit geworden, im 2. Jahrhundert v. u. Z. – letztlich in Abgrenzung zum Hellenismus. Mag sein, dass dabei Sexismus und Machogehabe ihre Rollen spielten. Aber weder gibt es in der antiken Welt pauschal „die“ Rolle „der“ Frau (mit am weitesten war wohl die Gleichberechtigung bei den Hethitern), noch gab es irgendwo einen Mangel an Göttinnen.

    (Closer to home: Der katholische Marienkult existiert bei den Evangelen so nicht, letztere haben dafür weibliche Pastoren noch und nöcher.)