Zahl der Kirchenaustritte 2018 gestiegen

Die evangelische und katholische Kirche veröffentlichten heute ihre Jahresstatistiken für 2018, daraus geht hervor, dass die Anzahl der Austritte in beiden Kirchen im Vergleich zum Vorjahr deutlich angestiegen ist.
Die katholische Kirche berichtet von 216.078 Austritten 2018, im Vorjahr waren es hier noch 167.504 Mitglieder, die der Kirche den Rücken gekehrt haben.
Bei der evangelischen Kirche musste man 2018 ca. 220.000 Kirchenaustritte verzeichnen, der Anstieg im Vergleich zu 2017 war zwar nicht ganz so groß wie bei der katholischen Kirche, was aber auch daran lag, dass das Niveau im Vorjahr mit 197.207 Austritten schon höher lag.
Die katholische Kirche verpasste ihren bisherigen Rekord von 217.716 im Jahr 2014, als Bischof Tebartz-van Elst mit seinen Ausgaben einen Skandal provozierte nur um knapp 2000 Austritte.
Da auch die sonstigen Faktoren (Taufen, Kircheneintritte, Sterbefälle) wegen des demografischen Wandels insgesamt nicht für einen Erhalt der Anzahl der Kirchenmitglieder sorgen können, nähert sich deren Anteil an der Bevölkerung in Deutschland weiter der 50%-Marke an, so waren 2018 nur noch 53,2% der Menschen Mitglied in einer Kirche, dies ist ein Prozentpunkt weniger als noch 2017.
Die EKD vertreten durch ihren Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm kommentierte die Zahlen damit, dass jeder Austritt schmerze. Und als besorgniserregend bezeichnete der Sekretär der katholischen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, den Trend.

faz.net/aktuell/politik/inland/zahl-der-kirchenaustritte-deutlich-gestiegen-16292835.html

Werbeanzeigen
  1. #1 von ichglaubsnicht am 19. Juli 2019 - 15:54

    Wenn das so weiter geht sind die Kirchenmitglieder in knapp 3 Jahren in der Minderheit. So ein wirkliches Konzept, wie man den Trend aufhalten oder umkehren könnte scheinen beide Kirchen nicht zu haben. Die katholische Kirche will zeigen, dass sie für Veränderung offen ist, das überzeugt aber vermutlich auch niemanden zum Eintritt und die kath.net-artigen Katholiken sind verärgert und wenden sich ggf. ab.
    Und Bedford-Strohm will „die christliche Botschaft als starke Lebensgrundlage“ bewerben, das funktioniert nun schon länger nicht. Wenn nicht gerade Jesus wiederkehrt sehe ich auch kein neues Argument, welches hilft diese Botschaft glaubwürdig zu machen.

  2. #2 von schiffmo am 19. Juli 2019 - 16:05

    — Die sonstigen Faktoren arbeiten über die Demoskopie hinaus am Rückgang der Kirchenmitglieder. Zumindest die Anzahl der kath. Taufen ist niedriger als der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung. Eventuell liegt das daran, dass ein Teil der Elternpaare, von denen ein Partner in einer christlichen Kirche ist und einer nicht, seine Kinder nicht taufen läßt.
    — Erstkommunionen, Firmungen und kirchliche Eheschließungen liegen wohl auch unter dem Anteil an der Gesamtbevölkerung. Das trägt dazu bei, dass Christenkinder nicht getauft werden.
    — Die Sache, eine Offenheit für Veränderungen zu behaupten aber so richtig garnicht zu liefern, wird nach hinten losgehen. Meist junge Menschen, die mit ihrem Engagement die kirchliche Jugendarbeit tragen, mit ihren Forderungen nach Veränderung einfach stehen zu lassen, erzeugt Frust an der Quelle. Die Träger von Maria 2.0 abzuspeisen, macht dasselbe. Es werden noch mehr katholische Religionslehrer als jetzt schon feststellen, dass die formal katholischen Kinder weitaus überwiegend nicht christlich sozialisiert sind.

  3. #3 von Rene Goeckel am 19. Juli 2019 - 16:08

    Zu dieser Nachricht empfehle ich ein Glas Champagner und denn Cancan von
    Jaques Offenbach. Tätää tätätätätäätää und so weiter. Auch Luftschlangen
    und Konfetti passen.

  4. #4 von schiffmo am 19. Juli 2019 - 16:27

    Grund zum Feiern gibt es, wenn die Kirchen den Kippunkt nach unten überschritten haben. Da warte ich jetzt 10 Jahre darauf, passiert ist es allerdings noch nicht.

  5. #5 von Manfred am 19. Juli 2019 - 17:05

    Das ist eine sehr erfreuliche Meldung. Immer mehr Menschen in unserem Land merken, dass für ein sinnvolles und humanes Miteinander religiöse Vorgaben nicht nötig sind. Nur unsere Politiker, die noch immer in Wort und Tat an der die Kirchen alimentierenden Connection festhalten, haben das noch immer nicht bemerkt, obwohl sie zur strikten Trennung von Staat und Kirchen lt. Grundgesetz verpflichtet sind. Die wenigsten Mitbürger treten wegen der Kirchensteuer aus den Kirchen aus, es sind vielmehr die Möglichkeiten, sich zu informieren und dadurch die ideologischen Geschäftsgrundlagen dieser religiösen Konzerne durch eigenes Nachdenken zu überwinden.

  6. #6 von Unechter Pole am 19. Juli 2019 - 18:54

    @schiffmo
    Ich sehe die Ursache des prozentuell geringeren Taufeanteils eher in anderen Faktoren als Mischehen:
    – Es treten eher junge Katholiken aus der Kirche aus, diese werden dann Eltern (und lassen die Kinder möglicherweise nicht zwangskonfessionieren), während die Älteren, die den Katholikenanteil (durch das Nichtaustreten) insgesamt statistisch erhöhen, keine Kinder (mehr) bekommen.
    – In der älteren Generation gibt es deutlich weniger nichtkatholische bzw. nichtchristliche Migranten, als dies in der Eltern- und Kindergeneration der Fall ist.

    Alles ohne Beleg.

  7. #7 von Willie am 20. Juli 2019 - 04:24

    Hab mal die Statistiken angesehen (DBK und EKD) und da Bedford-Strohm von „Überzeugten“ spricht nur die Erwachsenen betrachtet:

    EKD
    18.481 Erwachsenentaufen
    16.342 Wiederaufnahmen

    9.887 Wechsel aus anderen christlichen Kirchen

    44.710 Gesamt, dem gegenúber 257.382 Sterbefälle (inkl. Kinder) und 197.208 Austritte (ges. 454.590)

    DBK:
    3.376 Erwachsenentaufen nur aus dem Fließtext ermittelbar
    2.647 Eintritte

    6.685 Wiederaufnahmen

    12.706 Gesamt, dagegen 243.818 Bestattungen (inkl. Kinder) und 167.422 Austritte (ges. (411.240)

    Danach hat die RKK zwar weniger Austritte, aber auch weniger „überzeugte“ Zugänge. Ok, die RKK verzeichnet insgesamt 169.751 Taufen und die EKD 183.579, aber bei der RKK lassen sich rund 40.000 weniger firmen (rund 138.000) als noch zur Kommunion gehen (rund 178.000) und bei den EKDler sind es immer noch rund 183.000 Konfirmanden.

  8. #8 von Charlie am 20. Juli 2019 - 08:26

    So liebe Kirchlinge, nach dieser Schockmeldung ab in den Keller, auf zwei Scheitel knien und Kampfbeten.

    Kommentar auf kotnet:

    Die Zahlen, die man anstelle der Austritte aus der Körperschaft des öffentlichen Rechts betrachten sollte, wäre die Zahlen der Kirchenbesucher, der Priesterweihen und der Ordenseintritte.

    Ich glaube, diese Statistik wollt ihr auch nicht sehen.

    Einige glauben immer noch, die Kirche müsse wieder konservativer werden und das Land müsse man radikal durchmissionieren. Wie naiv und weltfremd kann man sein. Früher gabs nur arbeiten und beten. Die Welt von heute hat tausende Möglichkeiten und die langweiligste davon ist es, sonntags müde in die Messe zu gehen. Die Leute wollen was erleben und die Kirche zählt sicher nicht mehr dazu.

  9. #9 von Klaus Brueckner am 20. Juli 2019 - 10:28

    Für diese Entwicklung gibt es eine sehr einfache Erklärung. Immer mehr Menschen erkennen, Religionen sind menschliche Illusionen ohne jede belastbare Substanz. Es gibt keinen Gott und liebe Freunde, ja absolut gesehen macht unser Dasein auch keinen Sinn. Eine nicht leichte Erkenntnis aber wir Menschen werden sie akzeptieren müssen. Wir haben alle nur ein Leben, das wir nach den Grundsätzen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit gestalten sollten. Der evolutionäre Humanismus bietet eine gute Erklärung für unser Dasein. Religionen sind intellektueller Schwachsinn.

    K.Brückner

  10. #10 von Skydaddy am 20. Juli 2019 - 10:43

    @Willie:

    Ich gehe davon aus, dass bei den Erwachsenen die meisten Ein- und Übertritte (oder zumindest ein sehr erheblicher Anteil) „Konversionen“ sind, bei denen jemand die Konfession des Ehe- oder Lebenspartners annimmt. Das scheint mir der verbreitetste Grund für Kirchen ein- und -übertritte zu sein.

  11. #11 von joerndyck am 20. Juli 2019 - 15:11

    In der 19-Uhr-heute-Sendung wurde ebenfalls ausführlich über die Austritte berichtet. Das ist gut. Leider kamen nach der Nennung der Zahlen nur religiöse Leute zu Wort, unter anderem die aus ihren Youtube-Videos bekannte Werbe-Blondine, die mit einem erstaunlichen Werbe-Budget ausgestattet ist, die aber als private Bloggerin vorgestellt wurde. Sie hatte ausführlich Gelegenheit, ihre üblichen Werbephrasen in Szene zu setzen.

    Danach kamen Kirchenfunktionäre und verschiedene Kirchengruppen zu Wort.

    Wer nicht zu Wort kam: Jene, die ausgetreten waren. Atheisten waren ebenfalls nirgends zu sehen, ihre Argumente kamen nicht vor. Sondern es schien, als ginge es um rein innerkirchliche Meinungsverschiedenheiten.

    Der entscheidende Punkt, dass nämlich das Christentum auf einer erfundenen Legende basiert, und dass es schlicht keine Götter gibt, und dass dieser Umstand immer mehr Menschen bewusst wird, wurde ignoriert.

  12. #12 von deradmiral am 20. Juli 2019 - 18:14

    @joerndyck
    Sind nicht schon mehr Leute aus dem Fernsehen ausgetreten als aus den Kirchen?

  13. #13 von joerndyck am 20. Juli 2019 - 18:44

    Haha! Ich schaue eigentlich ganz gerne das klassische TV, wenn auch meist per Mediathek.

    Natürlich nur, wenn’s nicht gerade eine neue Folge vom Ketzerpodcast gibt!

  14. #14 von Charlie am 20. Juli 2019 - 18:59

    @deradmiral

    Ich bleibe leidenschaftlicher TV-Gucker, weil Streaming-Dienste (außer Dazn) nichts haben, was mich interessiert.

  15. #15 von aranxo am 21. Juli 2019 - 02:38

    @admiral
    Das geht leider nur innerlich. Äußerlich ist Austritt leider nicht möglich, da wacht die GEZ vor.

  16. #16 von aranxo am 21. Juli 2019 - 02:42

    Nur so als Theorie: Die Linken und Grünen sind ja schon längst weg. Aber nachdem die Kirche sich kompatibel zum Grünen-Wahlprogamm gemacht hat, kommen die aber dummerweise (für die Kirche) nicht zurück, stattdessen hat man jetzt auch noch die Konservativen vergrault, die früher die treueste Klientel war.

  17. #17 von Willie am 21. Juli 2019 - 04:33

    @aranxo

    da wacht die GEZ vor.

    Du meinst die Gebühreneinzugszentrale, die am 31.12.2012 ihren Dienst einstellte? -;)

  18. #18 von uwe hauptschueler am 21. Juli 2019 - 12:16

    @Willi #17
    Das Teil hat einen anderen Namen bekommen, aber abkassiert wird schlimmer als zuvor, jetzt auch für Nullleistung.

  19. #19 von Willie am 21. Juli 2019 - 21:34

    … jetzt auch für Nullleistung.
    Das gab es auch bei der GEZ, denn welche Leistung hat die jemals erbacht 🙂

    Man kann sicherlich gut und lange über das Gebührenmodell beim ÖR diskutieren, aber mein Punkt dabei ist, dass man es dann auch mit richtigen Fakten tut.

  20. #20 von Alex am 21. Juli 2019 - 22:07

    Die Zahlen würden noch viel schneller sinken, wenn es nicht diese unheilige Allianz der Großkopfeten geben würde.

    Darf man mit 600 Gästen im gediegenen Ambiente der Katholischen Akademie in Bayern mit ihrem weitläufigen Garten vor der prächtigen Kulisse von Schloss Suresnes mitten in Schwabing einen lauen Sommerabend den lieben Gott einmal einfach nur einen guten Mann sein lassen?

    https://mk-online.de/meldung/harmonischer-blick-in-die-katholische-welt.html

  21. #21 von uwe hauptschueler am 22. Juli 2019 - 00:07

    @Willi #19
    Der GEZ war es nicht möglich, mir für nicht existierende Geld abzunehmen.

  22. #22 von Skydaddy am 22. Juli 2019 - 07:49

    Zur Info:

    Mehrfach hieß es in den Medien

    Immerhin: Durch Eintritte konnten beide Kirchen zusammen fast 34.000 Mitglieder neu oder wieder gewinnen. (Quelle: ARD – der Autor, Tilmann Kleinjung, ist Theologe)

    Diese Aussage ist falsch, zumindest aber irreführend.

    Denn in diesen Zahlen sind die Übertritte von einer Kirche zur anderen enthalten. Übertritte sind für „beide Kirchen zusammen“ aber keine neu oder wieder gewonnenen Mitglieder. Die Summe der Kirchenmitglieder (ev. und kath.) bleibt bei einem Übertritt ja gleich.

    Die EKD weist 9.887 „Wechsel aus anderen christlichen Kirchen“ aus. Die meisten dürften wohl von der katholischen Kirche kommen. Die RKK weist die Übertritte nicht aus. Aber man wird wohl insgesamt von einer Größenordnung von 10.000 Übertritten (in beide Richtungen) ausgehen dürfen.

    Das heißt: Beide Kirchen zusammen konnten nur rd. 24.000 neue Kirchenmitglieder gewinnen. (Die Summe von 34.000 ist nämlich ebenfalls falsch, es sind 35.000.)

    Es mag nun sein, dass die Übertritte auch bei den Austritten mitgezählt werden. Ein Übertritt zur EKD ließe sich ja z.B. als Austritt aus der RKK betrachten. Ob das so gehandhabt wird, bin ich mir allerdings nicht sicher, denn den Austritt erklärt man ja bei einer staatlichen Behörde, während der Übertritt bei der neuen Kirche erklärt wird. Bei den Austritten macht sich der Effekt der Übertritte allerdings viel weniger bemerkbar als bei den Eintritten.