Münster: Predigt über Missbrauch und Vergebung sorgte für Eklat

Zu einem Eklat hat eine Predigt über Vergebung und Missbrauch in der Münsteraner Kirche Heilig Geist geführt. Während der Ausführungen des emeritierten Pfarrers Ulrich Zurkuhlen (79) verließen zunächst ein Teil des Chores, später rund 70 Gottesdienstteilnehmer unter lautem Protest die Kirche.

Was war geschehen? Nach Auskunft von Teilnehmern des Gottesdienstes hatte Zurkuhlen in seiner Predigt zunächst von zwei Frauen erzählt, deren Gespräch er zufällig mitbekommen habe. Sie hätten unablässig von sich und ihren Befindlichkeiten gesprochen und sich schließlich massiv abfällig über ihre verflossenen Ehemänner geäußert. Zurkuhlen warb dafür, einander auch vergeben zu können und bezog diese Äußerung auf Priester, die als Täter Minderjährige sexuell missbraucht haben. Auch ihnen müsse vergeben werden. Im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“ bestätigte Zurkuhlen diese Darstellung.

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[https://www.kirche-und-leben.de/artikel/eklat-bei-predigt-ueber-missbrauch-und-vergebung-in-muenster/

 

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  1. #1 von Andreas P am 5. Juli 2019 - 14:10

    Sprecher der Täterorganisation belehrt Opfer über deren moralische Verfehlungen.

    Irgendwie hatte er vielleicht altersbedingt vergessen, dass er die Haltung seines Ladens, also all seiner Kollegen (und -innen) Kirchenfunktionäre, nicht allzu öffentlich und deutlich ausposaunen sollte. Nachher fühlt sich jemand von den 70 noch genötigt, sich dem Finanzieren der Täterorganisation durch Austritt zu entziehen – und das wäre nun wirklich…

    … unverzeihlich.

  2. #2 von oheinfussel am 5. Juli 2019 - 14:52

    Wer was wann vergibt oder auch nicht, hat außer den betreffenden Parteien überhaupt keiner zu entscheiden.

    Es kommt immer darauf an, worum es geht, und es gibt einfach Dinge, die eben nicht eine von beiden Seiten kamen, wo also zwei immer dazu gehörten, wie es so schön heißt.

    Vergewaltigung gehört etwa dazu.

    Zumal hier ja auch schon wieder subtil Druck aufgebaut wird: Du musst dem Täter vergeben.

    Willst du etwa dein Leben lang zornig sein, und ihn büßen lassen? Was soll er denn noch alles tun? Es tut ihm doch soooo leid… Und überhaupt, sieh es doch mal aus seiner Sicht…

    Du musst, Du musst…

    Nee, Leute, Vergebung und Verzeihung kann man nur erbitten, aber kein Gewaltopfer ist verdammt nochmal verpflichtet, sie zu gewähren.

  3. #3 von joerndyck am 5. Juli 2019 - 15:47

    Ich finde den Gedanken der Vergebung gut (jedoch ohne den ganzen religiösen Quatsch). Wir kennen das beim Gefängnis: Wenn die Strafe abgesessen wurde, dann ist auch mal gut, und dann kann man die Täter nicht weiterhin bestrafen, etwa, indem man sie gesellschaftlich ächtet oder mobbt. Natürlich gibt es extreme Ausnahmefälle, bei denen eine Rückkehr in die Gesellschaft nicht funktioniert.

    Jedoch sehe ich nicht, wie bei den kirchlichen Missbrauchsfällen eine Strafe abgesessen oder sonstwie ein Ausgleich geschaffen wurde. Vergebung braucht nach meiner Meinung einen Grund. Etwa, dass der Täter echte Reue zeigt und sich bemüht hat, den Schaden gut zu machen (sofern das überhaupt geht), oder dass die Opfer signalisieren, dass sie mit der Sache ihren Frieden schließen konnten.

    Vergebung bei den Missbrauchsfällen fällt vermutlich deshalb schwer, weil weder die Täter noch die Kirchen irgendwelche besonderen Anstrengungen unternommen haben, mit den Opfern ins Reine zu kommen. Sondern man macht hier ein paar Konferenzen, und dort ein paar Vorschriften, und verschanzt sich hinter den üblichen Wortgirlanden. Es sieht für mich nicht so aus, als könne die Kirche bereits um Vergebung bitten; dazu fehlen noch echten Maßnahmen, echte Reue und echte Wiedergutmachung.

  4. #4 von oheinfussel am 5. Juli 2019 - 15:56

    Das sehe ich ähnlich wie du.

    Es geht vor allen um das Opfer.

    Ich finde es immer sehr grenzwertig, von Opfern Vergebung zu verlangen/ zu erwarten. Das ist einfach eine sehr persönliche Sache, sehr individuell.

    Wenn ich zum Beispiel mich selbst betrachte, dann weiß ich einfach, dass ich noch nichts vergeben oder verziehen habe. Und die Sache ist für mich auch noch nicht erledigt. Ich denke, ich werde irgendwann, hoffentlich, bei dem Status ankommen: Bestimmt nicht mehr Nonstop mein Leben, sondern meine Zukunft gehört mir selber, und ich bin stärker als meine Vergangenheit

    Ich denke, ein guter Stand für mich dem Täter und seiner Mitwisserin gegenüber wäre eines Tages die blanke Gleichgültigkeit, aber bin ich noch weit von entfernt 😦

  5. #5 von Deus Ex Machina am 5. Juli 2019 - 16:33

    Degeneriertes seniles verkommenes Pfaffengeschmeiß!

    Also ich persönlich würde mit Freuden ja jedem vergeben, der solche Salbaderer als Expresslieferung zu ihrem Erlöser schickt. Mal schauen, wieviele dann auch wieder zurückkämen…

    Es ist echt nicht mehr erträglich, wie hier eine kriminelle Organisation sich als Geschenk an die Menschheit darstellt.

  6. #6 von Deus Ex Machina am 5. Juli 2019 - 16:58

    „„So etwas habe ich in den 54 Jahren meines Lebens als Priester noch nicht erlebt.“ Er sei mit seiner Stimme nicht gegen „den schreienden Mob“ angekommen, “

    –> Ja, die Zeiten ändern sich. Es kann für den Hirten schon sehr erschreckend sein, wenn das Herdenvieh nicht mehr alles frisst, was ihm vorgesetzt wird, gell?

    „So habe etwa Jesus der Ehebrecherin und der barmherzige Vater dem verlorenen Sohn vergeben. “

    –> Wow! „Frau fickt mit anderem Mann“ und „Sohn macht einen auf Emo und rebellliert gegen Vater“ sind also moralisch gleichzusetzen mit „Priester fickt kleine Kinder“ Applaus! Wenn da mal einem nicht ganz gewaltig ins Hirn gesch…. wurde.

    “ Er hätte kein Problem damit gehabt, „wenn Leute während der Predigt gesagt hätten: Das finde ich bescheuert, was Sie da sagen.“ Das habe er bei Jugendgottesdiensten immer wieder erlebt und begrüße er. “

    –> Ja gell? Dummerweise kann man sich nicht für den Bullshit, den man verzapft, die Kritik à la carte vorher aussuchen. Manche Thesen sind halt so dermaßen pervers, dass es da ein:“ och nö, echt ey! Das finde ich jetzt aber echt voll nicht in Ordnung von dir, sooo, Alter!“ halt eben nicht ausreicht.

    Vielleicht ging es nur mit so, aber ich musste immer wieder an die NAMBLA-Episode von Southpark denken, wo auch so ein Pädophiler eine große Rede hält, dass er doch gar nicht so anders sei. Und Stan oder Kyle kanzeln (höhö!) das ganze dann so richtig einfach nur mit den Worten ab: „Alter, ihr fickt Kinder!“ `Nuff said.

  7. #7 von Elvenpath am 5. Juli 2019 - 18:09

    Auch ihnen müsse vergeben werden.

    Das ist die alleinig Entscheidung der Opfer. Und „müssen“ müssen die überhaupt nicht.

  8. #8 von Andreas P am 5. Juli 2019 - 18:48

    Man muss sich hier vor Augen halten, dass dem Klerus die Missbrauchten als eigentliche Täter gelten (weil sie nicht die Klappe gehalten haben, teils trotz ein paar Brosamen Schweigegeld) und die Kirche als das eigentliche Opfer. Deswegen kommt es einem hoffnungslos verreligiösten Altpfarrer auch nicht absurd vor, sondern ausgesprochen großzügig, wenn er hier von „Vergebung“ faselt.

    Und warum auch nicht? Die RKK hat sich ja auch alles andere an Verbrechen verziehen, die sie begangen hat, und ihre Anhängerschaft sowie die deutsche Politik sind ihr immer brav hinterhergetappelt und haben sie mit Geld und weiteren Privilegien beschenkt. Die Vorstellung, auch diesmal ungestraft und auf Dauer eher mit noch mehr Geld davonzukommen, basiert auf einer 2000jährigen Erfahrung. Dass sich in Münster bei diesem widerwärtigen Geseiere immer noch mindestens 70 Menschen eingefunden haben, gibt ihr letztlich recht. Für einen Austritt wird es bei den meisten der 70 wohl immer noch nicht reichen. Die Heuchelei und die Verbrechen der RKK stören sie so lange nicht, wenn man sie ihnen nicht zu überdreist unter die Nase reibt.

  9. #9 von Deus Ex Machina am 5. Juli 2019 - 21:24

    „dass dem Klerus die Missbrauchten als eigentliche Täter gelten (weil sie nicht die Klappe gehalten haben, teils trotz ein paar Brosamen Schweigegeld) und die Kirche als das eigentliche Opfer. “

    –> Erinnert mich an folgenden Witz:
    Frage an Radio Eriwan: Hätte die Katastrophe von Tschernobyl verhindert werden können?
    Antwort: Im Prinzip ja, aber die Schweden mussten es ja an die große Glocke hängen!

  10. #10 von Marco Krieger am 6. Juli 2019 - 01:51

    Vergebung…
    Vergebung ist ein Konzept, das sich mir nicht erschließt.
    Wenn ich etwas tue, das einen anderen Menschen verletzt, dann werde ich im Rahmen meiner Möglichkeiten tun, was ich kann, um einen Ausgleich zu schaffen.
    Das heißt, das der Geschädigte das Recht hat, darüber zu entscheiden, ob er mit der Situation, die ich geschaffen habe, leben kann.
    Das ist für mich der wesentliche Grund, alles zu tun, damit eine solche Situation gar nicht erst entsteht.
    Mein Fehlverhalten hat Konsequenzen, die nicht deshalb aufgehoben werden, weil mir “ vergeben“ wurde, sie enden, wenn der durch mich Geschädigte sein Leben so führen kann, als ob es meinen Eingriff darin nie gegeben hätte.
    Diese Haltung scheint im ersten Augenblick extrem, ist jedoch in meinen Augen konsequent.
    Diese Verpflichtung gegen meine Mitmenschen endet nie, weil ich als Individum zu furchtbaren Dingen fähig bin.
    Diese Form der Ethik lässt mich erst meinen Verstand gebrauchen und mich erst dann handeln.
    Ich will nicht sagen, das mich das vor Unfällen oder Fehleinschätzungen schützt, aber es mimimiert das Risiko auf ein Level, mit dem ich leben kann.
    Selbstverständlich kann ich mein Gegenüber um Entschuldigung oder Verständnis bitten, aber Vergebung ist eine ungerechtfertigte Verzichtserklärung auf normative Konsequenzen durch den Geschädigten an den Täter.
    Dies sogar zu fordern, ist der Gipfel der Unverschämtheit und das es tatsächlich einige Menschen geschafft haben, sich unter Protest dieser Situation zu entziehen zeigt mir, das ich mit meiner Ethik-These nicht so ganz falsch liege und das Hoffnung besteht, das wir doch aus unseren Fehlern lernen können.

  11. #11 von Andreas P am 6. Juli 2019 - 08:21

    @Marco: Der Prediger, der hier – laut Artikel – für einen befreundeten Täter einforderte, Kirchenobrigkeit wie Opfer hätten ihm gefälligst zu „vergeben“, bezeichnet die Protestierenden als einen „Mob“. Irgendwelche Konsequenzen, so der Bischof von Münster und der Pfarrer der konkreten Kirche, werde es nicht geben. Das ist, was die Kirche mit „Vergeben“ meint: Sich selbst für jede kleinere Grenzüberschreitung und jedes große Verbrechen aus der Verantwortung zu stehlen und das als Recht einzufordern.

    Umgekehrt werden eigene „Rechte“ selbstverständlich ohne jegliche Rücksicht eingefordert – etwa das ewige Blutgeld, das die Stadt Trier auch 430 Jahre nach dem kirchlich inszenierten Mord noch an die Amtsnachfolger der Mörder zu zahlen hat. Pacta sunt servanda – dem Pack muss gedient werden. Gehor- und duldsam.

  12. #12 von Skydaddy am 6. Juli 2019 - 09:21

    Wieso regt sich Zurkuhlen denn so auf?

    Müsste der dem „schreienden Mob“ nicht vergeben???

  13. #13 von Deus Ex Machina am 6. Juli 2019 - 11:38

    @ Skydaddy:

    Treffer, versenkt! Genial!

  14. #14 von joerndyck am 6. Juli 2019 - 18:21

    Aber erst, nachdem er den Mob missbraucht hat.