Teilnehmerrückgang beim Kirchentag

Die Zahl der Dauerteilnehmer des Kirchentags ist 2019 gegenüber den Vorjahren um rd. 20% zurückgegangen. Die Zahl der Teilnehmer bei den Eröffnungsgottesdiensten hat sich praktisch halbiert.

In einer Pressemitteilung des Kirchentags war zu lesen:

»Kirchentagspräsident Hans Leyendecker warnte indes davor, den Rückgang bei Dauerteilnehmern schon als Trend zu interpretieren oder gar als Ausdruck der auch sonst schwindenden Bindungskraft der Kirche.« (Quelle: Kirchentag)

Diese Aussage machte mich neugierig, zumal in der Pressemitteilung des Kirchentages nicht näher erläutert wurde, wie hoch der Rückgang ist.

Er ist beeindruckend!

Die bisher bekannten Kennzahlen sind die Dauerteilnehmer und die Teilnehmer bei den Eröffnungsgottesdiensten.

Für den Kirchentag in Dortmund werden “rund 80.000” Dauerkarten gemeldet (das beinhaltet m.W. Zigtausende Mitwirkende wie Chöre und Posaunenchöre und Tausende Helfer), 40.000 Menschen sollen an den Eröffnungsgottesdiensten teilgenommen haben (Quelle: RP Online).

Beim letzten Kirchentag in Berlin waren es über 100.000 Dauerteilnehmer und 70.000 bei den Eröffnungsgottesdiensten. Das war freilich im Lutherjahr.

Aber auch sonst lag die Zahl der Dauerteilnehmer in den letzten Jahrzehnten stets um die 100.000, meist darüber.

Der Einbruch bei den Dauergästen beträgt also etwa 20%!

Die Teilnehmerzahl bei den Eröffnungsgottesdiensten hat sich gegenüber den Vorjahren (Berlin 2017: 70.000; Stuttgart 2015: 80.000; Hamburg 2013: 84.000; ) etwa halbiert.

Leyendecker weiter:

»Hingegen mache sich offenkundig bemerkbar, dass einerseits die Pfingstferien in den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg stark als Urlaubszeit genutzt werden, andererseits Berlin und Brandenburg gerade in die Sommerferien starten. Und gerade in einer dicht besiedelten Region wie Westfalen bieten sich Tagesfahrten an.«

Wie es derzeit aussieht, können auch die Tageskarten können den Schwund bei den Dauerteilnehmern nicht ausgleichen. Es sei denn, es werden während des Kirchentages noch deutlich zusätzliche Karten verkauft. Bisher ist von 38.000 Tagesgästen die Rede. Das bewegt sich im Bereich früherer Kirchentage (Ausnahme: Berlin 2017 mit 22.600).

  1. #1 von Diamond Mcnamara am 20. Juni 2019 - 12:11

    Gesundheitsämter warnen: Heute können Prozessionsspinner unterwegs sein.

  2. #2 von Torchy am 20. Juni 2019 - 13:43

    Wie naiv muss man sein, um zu glauben, die schwindende Relevanz der Kirche habe keinen Einfluss auf die Relevanz von Kirchentagen?

  3. #3 von heiße Luft am 20. Juni 2019 - 14:17

    Stell dir vor es ist Kirchentag (Katholikentag) und keiner geht hin.

  4. #4 von Skydaddy am 20. Juni 2019 - 14:55

    @Torchy:

    Das war auch mein Gedanke.

  5. #5 von Charlie am 20. Juni 2019 - 15:06

    Es sollen 118.000 Teilnehmer sein.

  6. #6 von heiße Luft am 20. Juni 2019 - 15:23

    118 000 bei der zähl weise: Die rein gehen, die raus kommen und die drinnen rumstehen.

  7. #7 von holey spirit am 20. Juni 2019 - 15:37

    Läuft halt mal wieder bissle schleppend an. Allen seriösen Prognosen zufolge wird beim Abschlussgottesdienst dann aber der gloriose Besucherrekord von 248.588 Gläubigen des Kirchentags 2017 um nochmals das ca. 4,8-Fache überschritten werden. Ich freu mich schon auf die Nachrichten über die zu erwartende „Groß-Veranstaltung“. Könnte rappelvoll werden. (Liebe Veranstalter, bitte nicht vergessen, genug Dixie-Klos aufzustellen!)

  8. #8 von heiße Luft am 20. Juni 2019 - 15:47

    „An der Finanzierung des Kirchentags, der über einen Etat von knapp 20 Millionen Euro verfügt, beteiligen sich das Land Nordrhein-Westfalen mit 3,5 Millionen Euro sowie einer weiteren Million aus Projektmitteln und die Stadt Dortmund mit 2,8 Millionen Euro. Die Landeskirche von Westfalen schultert 5,6 Millionen Euro, die Erlöse aus Verkauf und Sponsoring werden mit knapp 5,5 Millionen Euro angegeben.“ (Quelle: Kirchentag in Zahlen)
    Wenn man annimmt Knapp 20 Millionen sind 19,6 dann fehlen jetzt schon 1,2 Millionen und der Posten Erlöse aus Verkauf und Sponsoring sind meist Milchmädchen Rechnungen da kommt sicher noch ein größerer Fehlbetrag zusammen ich bin gespannt wer dehn Bezahlt?

  9. #9 von ichglaubsnicht am 20. Juni 2019 - 15:48

    Ich frage mich, ob ich 2015 in Stuttgart auch als Teilnehmer des Eröffnungsgottesdienstes mitgezählt wurde, weil ich auf dem Weg zum nebenan stehenden 11.Gebots-Moses daran vorbei gelaufen bin.

  10. #10 von Skydaddy am 20. Juni 2019 - 16:19

    @Charlie:

    Bei den 118.000 sind die Tageskarten mit eingerechnet. Früher wurde das allein mit den Dauerkarten erreicht.

  11. #11 von joerndyck am 20. Juni 2019 - 16:30

    Ich war gestern (Mittwoch) auf dem Kirchentag, und ich halte diese Zahlen für frei erfunden.

    Und zwar aus mehreren Gründen.

    Erstens, weil der Kirchentag nicht an einem einzigen Platz stattfindet, sondern in den vielen Gassen und Gässchen der Dortmunder Fußgängerzone. Es gibt viele kleine Stände und Buden. Die Kirchentagsbesucher mischen sich mit den normalen Besuchern der Innenstadt, die dort einkaufen und (wenn schon mal ein Bratwurststand aufgebaut wurde) eine Bratwurst essen — nicht ahnend, dass sie dann als „Besucher des Kirchentags“ gezählt würden.

    Dann gibt es da noch ein paar größere Plätze mit größeren Bühnen. Diese sind tatsächlich groß, waren jedoch die meiste Zeit sehr spärlich gefüllt; nur bei besonderen Programmpunkten sammelten sich dort die Besucher, die zuvor in den Gassen herumspazierten. Dabei wird aber auch von Platz zu Platz gewandert, d.h. man kann die Besucher auf den Plätzen nicht einfach addieren. Die meiste Zeit herrschte auf diesen Plätzen gähnende Leere. (Isch hab‘ Foto.) Der Eröffnungsgottesdienst mit Bundespräsident Steinmeier soll laut ARD wohl 25.000 Besucher gehabt haben; das klingt für mich plausibel; ich selbst war nicht auf diesem Platz.

    Schließlich gibt es noch die große Westfahlenhalle. Die Besucher dieser Veranstaltungen kann man gut zählen; jedoch ist der Andrang vor allem bei prominenten Rednern stark. Ein zweistündiger Workshop mit „Wie benutze ich die Lieder-App im Gemeindealltag?“ (Donnerstag, 11 bis 13 Uhr im Gemeindehaus) wird wohl weniger Interesse finden. Auch hier kann man nicht einfach addieren und diese Besucher mit jenen auf den öffentlichen Plätzen zusammenzählen. Es sind sehr wahrscheinlich immer die gleichen Leute.

    Zweitens habe ich Zweifel an den Zahlen, weil nach meiner Beobachtung (also in der Fußgängerzone) mindestens die Hälfte der Besucher aus jugendlichen Pfandfindergruppen bestand, meist im Alter zwischen 12 bis 18 Jahren. Die ganze Innenstadt sah aus wie ein riesiges Pfadfindertreffen, jedenfalls am Mittwochabend. Es ist völlig offensichtlich, dass diese Gruppen herbeigekarrt wurden, um die Besucherzahlen nach oben zu hieven. Sehr viele dieser Pfadfinder hatten ein gelbes Halstuch, was sie als „Helfer“ auswies. Daraus folgt, dass man sie nicht als „Besucher“ zählen kann. Die Menge der gelben Halstücher in der Fußgängerzone war enorm. Es war ein Meer aus Gelb. (Besucher trugen grüne Zeichen.) Die ev. Kirche spricht von 4.000 solcher „gelben Helfer“.

    Trotzdem kann ich in sportlicher Fairness anerkennen, dass die Protestanten da ein riesiges Event aufgezogen haben. Pfadfinder hin oder her: Die Fußgängerzone war passabel gefüllt mit Gläubigen, die sich mit entsprechenden(grün/gelben) Kennzeichen markiert hatten. Ich würde zwar nicht auf 100.000 Menschen schätzen, auch nicht auf 50.000; aber das ist für mich nicht so wichtig. Wenn man allein 5.000 grün und gelb markierte Leute in eine Fußgängerzone schickt, dann macht das großen Eindruck. Und die Leute kommen ja über mehrere Tage verteilt, also vielleicht sind es am Ende wirklich 50.000. Es ist für mich daher keine Frage, ob das Event ein Erfolg ist, denn das ist es. Es ist lediglich keine „Volksbewegung“, sondern das Treffen eines großen Clubs.

    Fazit:

    Die Zahlen, die von christlichen Medien verbreitet werden, halte ich für falsch, und ich sehe auch nicht, wie man hier zu korrekten Zahlen kommen könnte. Die christlichen Medien sprechen auch meist von Prognosen („werden erwartet“), und das deutet darauf hin, dass die tatsächlichen Zahlen wohl nicht so toll sein könnten. Dennoch finde ich, dass es ein großes und bedeutsames Event ist, und ich sehe überhaupt keine Notwendigkeit, die Zahlen noch oben zu frisieren.

  12. #12 von Skydaddy am 20. Juni 2019 - 19:48

    @joerndyck:

    Die Zahlen beziehen such auf die Eintrittskarten.

    Die eigentlichen Kirchen- und Katholikentage finden in einem abgesperrten Bereich (üblicherweise Messegelände) statt, dort muss man Eintritt zahlen. Natürlich müssen sich die Kirchen aber auch allen anderen aufdrängen, daher wird die Innenstadt zusätzlich mit „Angeboten“ zugepflastert.

    Wie Du ganz richtig erkannt hast, karren die Kirchen aus ganz Deutschland Kinder und Jugendliche heran. Das schlägt sich auch in der Altersstatistik der Kirchentagsbesucher nieder. Und wie Du ebenfalls erkannt hast, zählen die Helfer und Mitwirkenden auch alle als Besucher.

    Ich habe auch mal gehört, dass Helfer zusätzliche Freikarten bekommen, die sie an Bekannte weitergeben können. Ich vermute, dass die auch mitgezählt werden. Auf diese Weise ließe sich die Eintrittskartenstatistik natürlich gut steuern.

  13. #13 von Charlie am 20. Juni 2019 - 20:44

    @skydaddy

    Bei den 118.000 sind die Tageskarten mit eingerechnet. Früher wurde das allein mit den Dauerkarten erreicht.

    Ist das der neue Trick? Wahrscheinlich wird in Zukunft einfach behauptet es kommen immer ca. 100k. Es werden keine Zahlen mehr veröffentlicht oder gar erhoben. Und die Medien geben ungeprüft alte Zahlen an.

  14. #14 von Willie am 21. Juni 2019 - 04:20

    Na, Hauptsache beim Abschlußǵottesdienst mit dem Papst kommen hunderttausende. Und wenn nicht, dann lags eben daran, dass man den nicht eingeladen hat (so wie die AfD) 😆

  15. #15 von Andreas P am 21. Juni 2019 - 11:23

    In den 1980ern pushte eine bekannte Sekte SF-Bücher unter dem Namen ihres Gründers, indem sie die von Mitgliedern in großen Mengen aufkaufen ließ. Dass die EKD inzwischen anscheinend auf ähnliche Taktiken verfallen muss, um Interesse vorzutäuschen – lässt hoffen.