Robert Habeck bezeichnet sich als „säkularer Christ“

Grünen-Chef Robert Habeck hat sich selbst als einen „säkularen Christen“ bezeichnet. „Ich bin ein Zweifler, weil ich Glauben sehr ernst nehme“, sagte er der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“.

(…)

Vom Glauben an Gott habe er sich allerdings langsam entfernt – durch eine dauernde und ernsthafte Auseinandersetzung mit religiösen Fragen.

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[https://www.evangelisch.de/inhalte/156747/18-06-2019/robert-habeck-bezeichnet-sich-als-saekularer-christ

  1. #1 von Charlie am 19. Juni 2019 - 11:01

    weil ich Glauben sehr ernst nehme (…)
    Vom Glauben an Gott habe er sich allerdings langsam entfernt

    Er nimmt den Glauben an Gott, von dem er sich entfernt hat, sehr ernst.

  2. #2 von Unechter Pole am 19. Juni 2019 - 11:05

    @Charlie
    Ich nehme den Glauben an Gott auch äußerst ernst, und zwar als eine der größten Bedrohungen für die Zivilisation!

  3. #3 von joerndyck am 19. Juni 2019 - 11:14

    Es ist halt so, dass man sich einer breiten Öffentlichkeit immer noch entschuldigen muss, wenn man nicht glaubt. Dann muss man wenigstens betonen, dass man sich vorher intensiv damit beschäftigt hat, und dass man sich wenigstens bemüht hat.

    Hingegen: Glauben darf man ohne jede Kenntnis und Auseinandersetzung. Dann ist es sogar ganz besonders fromm.

    Ich verstehe allerdings, wenn sich Politiker etwas vorsichtiger äußern, da ihnen ja sowieso das Wort im Mund herumgedreht wird. Da muss man abwägen, ob man Zeit für den nächsten Shitstorm hat.

    Übrigens habe ich auch mal eine zeitlang gedacht, dass ich zwar nicht gottgläubig wäre, aber die „Werte des Christentums“ teilen und gutheißen würde. Da bin ich auf jene Propaganda hereingefallen, dass unsere freiheitlichen und sozialen Werte dem Christentum entsprängen. Aber dann habe ich nochmal die Bibel gelesen (von vorne) und mich mit den Äußerungen der Kirchen beschäftigt, und dann war ich gründlich kuriert.

    Damit will ich sagen, dass jeder Mensch die Dinge nach und nach herausfindet, jeder in seinem eigenen Tempo, und dass man in bester Absicht denken kann, man wäre ein „säkularer Christ“, quasi ein „Werte-Christ“. Später findet man vielleicht bessere Worte dafür. Das sollte man auch Politikern zugestehen.

  4. #4 von Marco Krieger am 19. Juni 2019 - 11:36

    @joerndyck

    Klingt vernünftig, daher Zustimmung meinerseits!

  5. #5 von Rene Goeckel am 19. Juni 2019 - 12:20

    Im Hinblick auf seine künftige Karriere hat er sich schon mal mit Kardinal Marx ablichten lassen. Er ist der gleiche Lefzenlecker wie alle anderen auch.

  6. #6 von Andreas P am 19. Juni 2019 - 15:51

    @Joerndyck:

    Das siehst Du hier wohl optimistischer, als ich es einschätzen würde. Gerade die Grünen zeichnen sich doch durch einen Hang zum symbolischen Handeln, zu einer gewissen grundsätzlichen Wissenschaftsdistanz (nicht in Sachen anthropogener Klimawandel, dafür aber in Sachen „Gene“), zu einem romantischen Weltbild (der emphatische „Natur“begriff stammt aus der Romantik) und generell zur Gesinnungsethik aus. Das ist problemlos anschlussfähig zum Wellness-Christentum der EKD – auch in Fragen wie Paramedizin, Wasser predigen/Wein trinken oder „für das Gute ist uns kein Preis zu hoch, so lange ihn andere bezahlen müssen“. (Etwa in Sachen „Impfskeptiker“, Waldorf-Esoterik in Sachen Hüpf-Schulen wie feengerechter Landwirtschaft, aber eben auch sowas wie kirchliche Privatschulen – denen nicht zuletzt grüne Schulpolitik eine stetig wachsende Nachfrage garantiert.)

    Mir scheint, das Signal ist eher: Keine Sorge, auch künftig werden die Grünen Kirchen- und Religionsprivilegien respektvoll unangetastet lassen. Auch in Sachen Spitzenpersonal bleiben EKD wie Grüne die Nummer 1 für alle, die sich weltoffen & modern fühlen wollen und ungern allzu genau nachdenken.

  7. #7 von joerndyck am 20. Juni 2019 - 00:05

    Ja, man kann über die Grünen lästern, so wie man über jede andere Partei lästern kann. Letztlich muss man sich für das Paket entscheiden, das einem insgesamt am meisten zusagt, auch wenn man nicht jede Einzelheit oder jede Einzelperson gut findet.

    Ich könnte mir vorstellen, dass Christen durchaus in einem Dilemma stecken. Einerseits wollen sie ihre Wahl zumindest teilweise christlich ausrichten; andererseits ist aber eine Partei wie die CDU/CSU, die doch tatsächlich mit großer Mehrheit gegen die „Ehe für alle“ gestimmt hat, für viele Wischi-waschi-Christen inzwischen zu mittelalterlich.

    Die Grünen mögen uns vielleicht als (in diesem Punkt) wischi-waschi erscheinen, aber vielleicht ist es das, was viele suchen. Etwas christlich, aber nicht zu viel, und vor allem nicht so verknöchert und katholisch-autoritär.

    Vielleicht spielt es auch für die meisten Deutschen keine Rolle mehr.

  8. #8 von Andreas P am 20. Juni 2019 - 10:09

    @Joerndyck: Dir fällt, wie mir auch, als naheliegendster Vergleich zu den Grünen die CDU/CSU ein. Das ist bereits eine treffendere und vernichtendere Kritik als alles, was mir jetzt noch dazu einfallen könnte. Gerade die Kombination einer edlen, absolut „idealistischen“ Sonntagspredigtgesinnung samt autoritärem Überlegenheitsgetue gegenüber Außenstehenden einerseits und einem stillen Einverständnis, dass die für die eigene Praxis bestenfalls „symbolische“ Verbindlichkeit besitzt, verbindet die beiden Milieus.

  9. #9 von Elvenpath am 20. Juni 2019 - 13:52

    @joerndyck
    Ich denke auch, dass man Menschen Zeit für diese Entwicklung zugestehen sollte. Es ist nicht leicht, sich aus der christlichen Konditionierung und christlichen Sozialisation, die man seit der Kindheit um die Ohren gehauen bekommt, zu lösen.

  10. #10 von Andreas P am 21. Juni 2019 - 11:21

    @Elvenpath: Je länger man ihnen Zeit lässt, desto länger dauert’s. Osterhase und Weihnachtsmann überwinden Kinder in wenigen Wochen, wenn sie denn so lange brauchen. Da es beim genauso märchenhaften Wolkenpapa auch so wenig argumentative Grundlage oder Hinweise auf seine Existenz gibt, gibt’s keinen Grund, warum es länger dauern sollte – sieht man von gesellschaftlicher Bestärkung und sozialem Druck ab. Der kommt allerdings auch dadurch zustande, dass Nichtreligiöse oft immer noch „Glauben respektieren“.

    Habecks Einlassungen lassen auf wenig Mut zu intellektueller Redlichkeit, mangelnder Befähigung dazu und/oder stark populistischer Orientierung schließen. Mit allen dreien empfiehlt er sich mir nicht. (Zwar ist das in dem Gewerbe augenscheinlich ziemlich parteiübergreifend der Regelfall, aber die wenigsten bewerben sich ums Kanzleramt.)

  11. #11 von ichglaubsnicht am 22. Juni 2019 - 02:33