Kardinal bei Hitler – Tagebücher von 1936 öffentlich

Die seit 2015 in einer Online-Edition zugänglich gemachten Tagebücher des früheren Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Michael von Faulhaber, sind um einen Jahrgang ergänzt worden. Darin finden sich nun auch Aufzeichnungen über ein Treffen mit Adolf Hitler.

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[https://religion.orf.at/stories/2987085/

  1. #1 von Skydaddy am 19. Juni 2019 - 10:44

    Hier die Startseite für den Jahrgang 1936: https://www.faulhaber-edition.de/index.html

    tl;dr (die folgenden Zitate zitieren die Überblicksdarstellung, nicht Faulhaber):

    Ein Jahr nach den nationalsozialistischen Rassegesetzen traf sich Faulhaber mit Hitler, um“die schwierige Lage der katholischen Kirche im Jahr 1936″ zu besprechen:

    „Der NS-Staat setzte seinen Kampf gegen diese mit unverminderter Härte fort. Der Abbau des Lehrpersonals an theologischen Hochschulen und kirchlichen Schulen und deren folgende Schließungen, die fortschreitende Auflösung der Bekenntnisschulen sowie die Beschlagnahmen bischöflicher Hirtenbriefe mögen dies beispielhaft illustrieren.“

    Wirklich schlimme Christenverfolgung, die die Nazis damals betrieben. Abbau von Lehrpersonal … Auflösung von Bekenntnisschulen … Beschlagnahmung von Hirtenbriefen – die Juden haben die Katholiken gewiss nicht beneidet!

  2. #2 von schiffmo am 19. Juni 2019 - 14:28

    @Skydaddy: Das, was Du schreibst, ist richtig.
    Ganz besonders tritt das dabei hervor, dass die Christen nicht individuell verfolgt oder gar ausgerottet wurden.
    Auch bei den Institutionen wurden diejenigen der Juden systematisch zerschlagen und aufgelöst, ihre Träger ermordet und vertrieben.
    Die Organisationen der Christen ließen sich aber nicht so wie gewollt gleichschalten, insbesondere die rkk Diözesen mit ihrem römischen Überbau haben da eine ganz gewaltige Resilienz. Dem System schien es nicht opportun, die rkk-Strukturen noch während des Krieges zu zerschlagen, einige Nazigrößen hatten das aber „nach dem Endsieg“ entschieden vor. Grundlagen waren oft deren individuelle Rachegefühle gegen Bischöfe.
    Die Strukturen der RKK zu schwächen und besonders regimekritische Priester (immer schön auf die unteren Ebenen) einzuknasten, ins Lager zu stecken und zu ermorden, ging allerdings immer im dritten Reich.
    Die Härte, von der die Überblicksdarstellung hier wohl schreibt, hatte für das dritte Reich noch ein recht moderates Ausmaß.
    Die rkk als ein eigenständiger, nicht gleichgeschalteter Apparat innerhalb des dritten Reiches war in der späteren Entwicklung recht eindeutig ein Staatsgegner, der mit Sicherheit eine Verschärfung der eigenen Lage spürte.
    Auch Faulhaber hat das wahrscheinlich 1933 nicht kommen sehen, als die Bischöfe die Machtergreifung unterstützten. Sie verstanden es sehr gut, ihre Eigenständigkeit und die Funktion des eigenen Apparates durch Lavieren bis zum Zusammenbruch des dritten Reiches zu erhalten. Sie nutzten dabei den Umstand aus, dass es sich das Regime nicht leisten konnte, offen gegen die Masse der Katholiken und ihre Spitzenorganisationen vorzugehen. Umgekehrt waren aber die Spitzenorganisationen der rkk nicht bereit, die so erhaltene Stellung des eigenen Apparates für nennenswerten Widerstand gegen das Regime zu riskieren. Individuelle Priester oder Gläubige mussten das auf eigenes Risiko tun und bezahlten das sehr häufig mit ihrem Leben. Die Bischöfe machten sich da zugunsten des Apparates und ihres eigenen Status einen schlanken Fuß.