Gott ist das, was wir uns nicht vorstellen können

Kann der Mensch Gott erkennen? Nein, sagt Karl Barth. Vor hundert Jahren entwarf der Schweizer Theologe ein radikal neues Gottesbild.

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[https://www.nzz.ch/feuilleton/karl-barth-gott-ist-nicht-das-was-moderne-menschen-denken-ld.1484884

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  1. #1 von Skydaddy am 2. Juni 2019 - 14:17

    Jeder Versuch, Gott zu erkennen, laufe nur auf eine illegitime Verdinglichung und Verweltlichung Gottes hinaus. Damit war allen Versuchen, politische Herrschaft religiös zu begründen oder weltliche Institutionen und Bewegungen zu sakralisieren, die theologische Grundlage entzogen.

    Vor allem und zuallererst wäre damit der THEOLOGIE der Boden entzogen!

  2. #2 von Elvenpath am 2. Juni 2019 - 15:21

    „Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild“.
    Und wenn man sich dann noch die Eigenschaften „Gottes“ anschaut: Eifersüchtig, rachsüchtig, gnadenlos, brutal … ist „Gott“ alles andere als unvorstellbar, sondern ein Wesen mit zutiefst menschlichen Eigenschaften.

  3. #3 von Rene Goeckel am 2. Juni 2019 - 15:45

    In welch wahnwitzige Höhen kann man sich verklettern?
    Was machen solche Leute, sollte man eines Tages eine Grabkammer finden, die eindeutig die nicht wieder auferstandenen Gebeine des Wanderpredigers enthalten? Mit Bronzetafel?
    Und sie dadurch gezwungen werden, sich des Kaisers neue Kleider genau anschauen zu müssen?

  4. #4 von deradmiral am 2. Juni 2019 - 16:07

    Ich kann mir nichts nicht vorstellen. Also ist Gott nichts und ich bin zu Recht ein Atheist. QED

  5. #5 von Torchy am 2. Juni 2019 - 16:32

    Da die „heiligen Bücher“ Versuche sind, sich Gott vorzustellen, müssten diese Bücher also aus blasphemischen Phantasiegeschichten bestehen.

    Müssten… Wenn Theologie nicht die Kunst wäre, sich jede Wortbedeutung so hinzubiegen, wie es gerade passt.

  6. #6 von Noncredist am 2. Juni 2019 - 17:50

    (..) habe immer schon die wahre Intention des Apostels verfehlt, betont Barth. Paulus wolle nicht seine Theologie verkünden, sondern allein die unbedingte Wahrheit der Botschaft von Gott mitteilen.

    Aus Mangel eines Paulus und seinen Kommentaren zu jenen Handlungen, welche uns seine Motivation in der heutigen Zeit eindeutig mitteilen, dürfte die Suche nach der Antwort wohl weiter gehen.
    Das Paulus „die unbedingte Wahrheit der Botschaft Gottes“ mitteilen wollte, dürfte als eine von vielen Möglichkeiten und vor allem dann als wahrscheinlicher gelten, wenn zumindest in der ungeprüften Prämisse der „Botschaft Gottes“ und der „Wahrheit“ jener eine blinde Zustimmung herrscht. Demnach hat Barth in etwa genauso recht, wie die Menschen die Behaupten, Captain Kirk würde aus „gewissen Motivationen“ handeln. Viel simpler wäre es, die Intention beim Author Roddenberry und seinen Worten dazu zu suchen, anstatt die Charaktere in der Geschichte etwaige Motivationen zuzusprechen, welche womöglich gar von unbekannten vorherigen voreingenommenen Schreibern selbst hinzu gedichtet wurden. Das ist nunmal das Problem der Bibel an sich. Würde man sämtliche Berichte und die Person „George Lucas“ aus der Weltgeschichte tilgen, würde man sich ebenfalls die Frage stellen, welche Trilogie und welcher Roman nun wie und wo „ins Kanon“ passt und weshalb. Und auch dort würde man die Gründe in den Charakteren der Geschichten suchen. Sowas liefert keine „unbedingte Wahrheiten“, sondern nur zufriedene Gesichter bei den Anhängern von Geschichte A oder Geschichte B, weil ihre Storyline und ihre Erklärungen dafür besser geschliffen erscheinend als sonst.

    Denn alle vom Menschen geschaffene Kultur wurde bei Barth durch radikale Konzentration auf Gott delegitimiert. (..) Gott sei «das ganz Andere», das den Menschen permanent infrage stelle und eine elementare Krisis aller menschlichen Kultur bewirke.

    Kurz: Gott ist Adolf Hitler, dessen Holocaust „notwendig“ war um diese Demokratie zu erlangen. Und Paulus hat dies auf Himmelsfacebook auch noch geliked 😉

    Das hat zur Folge, dass Gott durch den Menschen gar nicht erkannt werden kann. Jeder Versuch, Gott zu erkennen, laufe nur auf eine illegitime Verdinglichung und Verweltlichung Gottes hinaus.

    Hervorragende Demontage der Geistlichkeit. Jeder Versuch, einen Gott mit der Bibel, mit Jesus, mit Geschichten, mit Weihrauch, mit Botschaften in den Wolken oder mit Gitarrenmusik erkennen zu wollen, führt unweigerlich zum Versagen. Gott ist nicht „materiell“.
    Damit besitzt man jedoch auch nicht die Möglichkeit, eine Gottheit überhaupt beschreiben zu können. Weder als „groß“ noch als „gerecht“ oder sonstwie.

    Danke. Nun können die Kirchen schließen, der Papst geht in Rente, alle Bischöfe geben ihr Amt auf und der Staat muss nicht einen Cent mehr an diesen Institutionen abdrücken. Fertig. Klappe zu, alles tot. 😀

    Barths Sprachspiele wie die Rede von der Souveränität von Gottes Wort werden hier in eine politisch konservative Kirchlichkeit übersetzt. Dies zeigt nur, wie gegensätzlich seine Texte gelesen werden können. Je mehr Texte aus dem Nachlass erschlossen werden, desto interpretationsoffener scheint Barths oft provozierendes Denken zu werden.

    Was eine gewisse Ironie beinhaltet. Schließlich dürfte man einen wesentlich besseren Zugang zu Barth besitzen als zu Jesus, der überhaupt keine Bücher schrieb, sich niemals korrigierte und sich auch keiner akademischen Diskussion stellte. Von diesem Jesus und der Behauptung was er getan hat, existieren nur voreingenommene Geschichten von nur seinen Anhängern. Und das selbe Spiel wiederholt sich beim im Vergleich ultrahochmoderne Barth im lichtschnellem Informationszeitalter 😀

  7. #7 von Andreas P am 2. Juni 2019 - 21:15

    Tiefiges Geschwurbel.

    Die ganze moderne Physik hat mit Dingen zu tun, die man sich anschaulich „nicht vorstellen“ kann. Man kann mit ihnen aber prima operieren, Vorhersagen treffen, Folgerungen fällen, Beobachtungen erklären, Geräte bauen (Computer gehören dazu).

    Was Barth hier „Gott“ nennt, ist das, was jenseits der Grenzen seiner Phantasie und/oder seines logischen Denkvermögens liegt. Das ist anscheinend nicht wenig, „Gott ist groß“, aber effektiv verehrt er seine eigene geistige Beschränktheit, statt über sie hinauswachsen zu wollen. Exakt das macht ihn zu einem „großen Theologen“ und ansonsten – sorry, einem Schwurbeler, der komplizierte Ausreden ersann, um nicht seine kindischen Vorurteile über die Welt ablegen zu müssen. Bewunderung verdient das nicht, eher Mitleid.

  8. #8 von joerndyck am 3. Juni 2019 - 11:04

    Wenn man nichts über Gott wissen kann, dann auch nicht, dass man nichts über ihn wissen kann.

    Fall erledigt. Nächster!

  9. #9 von Scottythecat am 3. Juni 2019 - 11:42

    Es begab sich aber zu der Zeit, dass eine Erkenntnis im Volke ausging, dass alle Religion kritisch geprüfet würde…

    Historisch hatte die Religion in der Zeit vor hundert Jahren erstmals ihre unbedingte Legitimation verloren. Bis dahin wurde sie noch als selbstverständlich und gottgegeben betrachtet, jetzt kam wissenschaftliche Kritik auf. Um sich gegen Argumente und Fakten zu immunisieren, war eine Reaktion wie die von Barth naheliegend, die Religion ins spirituelle (= den Bereich des beliebigen Geschwafels) zu verlagern, denn jedes Eingehen auf konkrete Argumente bedeutete, die Debatte zu verlieren.

  10. #10 von user unknown am 6. Juni 2019 - 12:06

    Gott ist das, was wir uns nicht vorstellen können

    Dahinter steckt doch die Idee, dass man sich vorstellen kann, was man sich nicht vorstellen kann. Nicht nur, dass man eine ungefähre Ahnung davon hat, sondern dass diese auch noch zutreffend ist.

    Insbesondere der Verkünder muss ja eine irgendwie nähere Vorstellung vom Unvorstellbaren haben.

    Es ist ein Widerspruch in sich und praktischerweise folgt aus einem Selbstwiderspruch Beliebiges. Das ist es, was die Religion so attraktiv macht: Man kann beliebiges aus ihr folgern.

    Kennen wir schon, ist nichts Neues, der nächste Theologe bitte, was bedrückt Sie heute?