Kretschmann: Religion in der Öffentlichkeit ist wünschenswert

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält Religion in der Öffentlichkeit nicht nur für tolerabel, sondern für wünschenswert. „Religionsgemeinschaften bilden das Werte-Fundament auf dem der Staat überhaupt erst existieren kann“, sagte der Ministerpräsident am Donnerstag im Mannheim. Denn der Staat an sich habe keinen moralischen Kompass.

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[https://www.evangelisch.de/inhalte/154560/11-01-2019/kretschmann-religion-der-oeffentlichkeit-ist-wuenschenswert

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  1. #1 von Charlie am 12. Januar 2019 - 11:19

    „Religionsgemeinschaften bilden das Werte-Fundament auf dem der Staat überhaupt erst existieren kann“

    Folgender Wert: Alte weiße christliche Männer herrschen und der Rest hat nichts zu melden!!

  2. #2 von ptie am 12. Januar 2019 - 11:32

    Familien, Schulen, Freundschaften, Literatur, Gesetze
    Sind es bei mir eher gewesen

  3. #3 von Hypathia am 12. Januar 2019 - 12:52

    Der Staat hat zum Glück keinen moralischen (=verurteilenden) Kompass, dafür aber gründet er sich auf ethische Werte in Form der Menschenrechte.

    Und dazu braucht man keine bronzezeitliche Religion!

  4. #4 von Andreas P am 12. Januar 2019 - 13:20

    Sieht man sich den steilen Absturz an, den B-Ws Schulen (allerdings schon seit Schavans unseligen Tagen) genommen haben, könnte man tatsächlich ins Beten kommen.

  5. #5 von Marco Krieger am 12. Januar 2019 - 15:15

    Herr Kretschmann, wie wäre es mit den allgemeinen Menschenrechten als Ethik-Kompass?
    Nee, das hat zuwenig Pathos, oder?
    Aber einen unbelegten Himmelspappa, der sich kein bisschen im Griff hat und alles und jeden umbringt, weil es ihm so passt, das hat schon was, nicht wahr?

  6. #6 von Elvenpath am 12. Januar 2019 - 15:21

    „Religionsgemeinschaften bilden das Werte-Fundament auf dem der Staat überhaupt erst existieren kann“

    Deswegen ist die isländische Gesellschaft auch kurz vorm Kollaps. NICHT!

    „Denn der Staat an sich habe keinen moralischen Kompass.“
    Und das ist gut so. Denn Moral ist ein religiöses Konstrukt und beruft sich auf religiöse Regeln.
    Der Staat muss ETHISCH handeln und nicht moralisch. Und Religionen sind alles andere als ethisch.

  7. #7 von Elvenpath am 12. Januar 2019 - 15:26

    Religionsgemeinschaften bilden das Werte-Fundament auf dem der Staat überhaupt erst existieren kann“

    Das ist der gleiche, alte Rotz, die gleiche uralte Angstmache, die Gläubige betreiben:
    „Ohne unsere Religion bricht die Gesellschaft zusammen“, „Ohne Religion bricht Chaos aus“, „Ohne unsere Religion geht die Welt unter“, blablabla …

  8. #8 von Marco Krieger am 12. Januar 2019 - 15:30

    Ich will nicht klugscheißern, aber Moral und Ethik habe so ziemlich die gleiche Bedeutung.
    Moral stammt dabei aus dem lateinische und Ethik ist ursprünglich aus dem griechischen Sprachraum entnommen.

  9. #9 von ptie am 12. Januar 2019 - 15:48

    Der Staat selber mag keinen moralischen Kompass haben, die Menschen, die ihn bilden haben einen. Mir persönlich reicht das schon.

  10. #10 von Tiberio am 12. Januar 2019 - 15:50

    Mit dem Ranschleimen an das gutsituierte CDU-CSU-Wählerpotential der ursprünglich „glaubens- und kirchenneutralen“ DIE GRÜNEN (1980) haben sie sich auch das „C“ – also Vater, Sohn und Heiliger Geist – reingepfiffen und begründen das mit dem Erhalt der Schöpfung (Umweltpolitik). Schon seit gut einem Jahrzehnt besetzen Gottesanbeter und Gottesposaunen à la Winfried Kretschmann und Katrin Göring-Eckardt grüne Spitzenpositionen – und trommeln für Kirchen, Christentum und Lieben Gott.

    Görng-Eckhardt: das GRÜNE Grundsatzprogramm würdigt „die erreichte Trennung (WO BITTE GIBTS DENN DIESE „TRENNUNG“???) von Kirche und Staat (als) eine grundlegende Voraussetzung für die positive (!!! Missbrauch, Steuerabgreifen, politischer Machtmissbrauch, mediale Einflussnahme …) Rolle von Kirchen- und Religionsgemeinschaften als wichtigen Kräften der Zivilgesellschaft.“ Ich halte die gegenwärtige Trennung (!!!!!!!) grundsätzlich für tragfähig und gut. Wir haben die Freiheit /von /und eben auch die Freiheit /zur/ Religion. Dazu gehören das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen (DIE KÖNNEN MACHEN WAS SIE WOLLEN) und die damit verbundenen (VERFASSUNGSWIDRIGEN) Ausnahmen vom Betriebsverfassungsgesetz als Tendenzbetrieb…“

    17.3.2016, Bettina Jarasch: „… Wir sehen die Vielfältigkeit der religiösen und weltanschaulichen Landschaft als einen Schatz (AUS DER MÄRCHENSCHATZTRUHE) , den man nutzen sollte. Wir wollen, dass diese vielen alten und neuen Gemeinschaften gleichberechtigt (UNGEWÄHLT, VON EINEM LIEBEN GOTT BEAUFTRAGT….) auch im öffentlichen Leben eine Rolle spielen können. Davon lebt unter anderem auch eine starke Zivilgesellschaft und Demokratie, wie wir Grüne sie wollen.“

    Auch der neuen Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, die Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock (37/Potsdam), ist ihre Religionszugehörigkeit keine Privatsache. Vor und nach ihrer Wahl lies sie die Öffentlichkeit wiederholt wissen: ich bin evangelisch-lutherisch.

    Solche Sprüche hört man die Partei rauf und runter. Die sich bildende atheistische Bald-Mehrheit hat keinen Platz in dieser Partei.

  11. #11 von Rene am 12. Januar 2019 - 16:49

    Hier die Erklärung für das Geschwätz:
    „Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Mannheim (ACK) hatte den Ministerpräsidenten anlässlich des Jubiläumsjahres „70 Jahre Grundgesetz“ zu einem Vortrag über das Verhältnis von Staat und Kirche eingeladen.“
    Der Ministerpräsident lässt also den gewünschten Sermon ab und kassiert seine Gage. Zur gleichen Zeit soll in Polen ein Hund über die Straße gegangen sein.

  12. #12 von Andreas P am 12. Januar 2019 - 18:09

    @Marco: Ethik ist eine philosophische Disziplin, Moral ihr Gegenstand. Der Unterschied ist in etwa der gleiche wie zwischen Rechtsphilosophie und Jura, oder Wissenschaftsphilosophie und (etwa) Chemie.

    „Ethik“ wird gerne (und unsauber) synonym mit „Moral“ verwendet, besonders da, wo Menschen ihre eigenen moralischen Überzeugungen zum Maßstab für andere machen wollen, ohne sie zu hinterfragen oder reflektieren.

  13. #13 von Willie am 12. Januar 2019 - 20:41

    Denn der Staat an sich habe keinen moralischen Kompass.

    Böckenförde reloadet?!

    De Staat braucht keinen moralischen Kompass, der ja nur an einyelnen Gruppen ausgerichtet ist, er braucht nur den ethischen Kompass u.a. der Menschenrechte durchgehend anzuwenden.

    Ich empfehle den Vortrag von Michael Schmidt-Salomon zum „Blinden Fleck des deutschen Rechtssystems“
    https://weltanschauungsrecht.de/blinder-fleck-des-deutschen-rechtssystems

  14. #14 von aranxo am 13. Januar 2019 - 00:01

    Ja, eine Variante des guten alten Böckenförde-Diktums, der allerdings nicht explizit die Religionen als Moral-Lieferanten genannt hat. Insofern ein Rückschritt. Passt aber zum aktuellen Neo-Biedermeier.

  15. #15 von Elvenpath am 13. Januar 2019 - 18:20

    @@Marco Krieger: Entscheidend ist, woher die beiden Begriffe praktisch ihre Bewertung von Handlungsweisen beziehen. Bei der Moral stammt diese aus der Religion, also Dogmen. bei der Ethik aus menschlichen Überlegungen.
    Deswegen ist Moral unveränderbar, wie die Religion, aber Ethik entwickelt sich immer weiter.

  16. #16 von Andreas P am 14. Januar 2019 - 06:19

    @Elvenpath: Sieht man von ein paar religionsspezifischen Besonderheiten ab – platt, Kirchen und „religiöse“ Ansichten begründen Sonderrechte, die Nichtreligiösen nicht zugebilligt werden -, unterscheiden sich Christen und Nichtchristen in Hinsicht auf die Moral, auf Gut und Böse, herzlich wenig, weder in der Theorie noch in der Praxis. (Es sei denn in einem kirchlichen Kontext, aber das, was dort alles so gepredigt wird, nehmen außerhalb dieses Rahmens eigentlich fast nur noch Kirchenkritiker ernst. Verbalrituale halt.) Der Hauptunterschied liegt in der Ethik, in der Begründung: Fast nur im Kontext der Religion wird eine Ethik des blinden Gehorsams und des Kuschens vor Mächtigen als Quell aller Moral gepredigt. Es ist eine Klugheitslehre, die letztlich etwa dem Menschen jeden intrinsischen Wert abspricht – im Grunde ist sie nihilistisch. Inhaltlich ist religiöse Moral beliebig und passt sich den aktuellen Entwicklungen an – dass sie unveränderbar sei, ist Kirchenpropaganda, aber ein kurzer Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass da nichts dran ist.

    Die Vermengung von Moral und Ethik kommt der Kirche sehr zurecht – enthebt es sie doch von der kritischen Nachfrage, wie vom Christentum die jeweils gerade aktuelle Moral (des betreffenden Christen oder Pfarrers, für und gegen alles Opportune findet man immer welche) wirklich letztlich gerechtfertigt wird: Gott befiehlt, und dem ist kritiklos Folge zu leisten. Modell Abraham & Isaak halt. Dafür gibt es dann „Eiapopeia im Himmel“ – Heine, Modell Jesus, Paulus & Co. Drohungen und Bestechung – das ist die christliche Ethik. Zu was – da folgt sie dem Zeitgeist.

  17. #17 von Skydaddy am 14. Januar 2019 - 08:24

    Kretschmann sollte mal Edmüllers Buch lesen:

  18. #18 von Andreas P am 14. Januar 2019 - 08:53

    @Skydaddy: Oder irgendein Buch außer Partei- und Telefonbuch. 🙂