Religion contra Wissenschaft – muss das sein?

Jesus konnte nicht über Wasser gehen, berechneten Physiker. Darwin fand Belege dafür, dass der Mensch nicht Gottes Schöpfung sein kann. Das Universum ist aus dem Nichts entstanden, bewies Stephen Hawking. Dennoch gibt es Menschen, die an einen Gott glauben, der das alles geschaffen haben soll.

(…)

Die Naturwissenschaften spielen bei diesen Diskussionen die Hauptrolle. Dabei könnten die Soziologie oder die Geschichtswissenschaft auch etwas zur Debatte beitragen.

Jede Wissenschaft hat eine bestimmte Perspektive: Physiker erklären zum Beispiel, warum ein menschlicher Körper im Wasser sinkt.

Gläubige und Theologen hingegen suchen nach dem verborgenen Sinn hinter der Geschichte von Jesus, der über das Wasser lief.

Der Religionswissenschaftler interessiert sich für das soziale und kulturelle Umfeld, in dem solche Geschichten erzählt, bekämpft, widerlegt oder geglaubt werden.

weiterlesen:

[https://www.srf.ch/sendungen/sternstunde-religion/religion-contra-wissenschaft-muss-das-sein

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  1. #1 von Andreas P am 7. Dezember 2018 - 16:36

    „Gläubige und Theologen hingegen suchen nach dem verborgenen Sinn hinter der Geschichte von Jesus, der über das Wasser lief.“

    Also nach dem Grund dafür, warum Gott die Erde als flache Scheibe erschuf, Männer eine Rippe weniger haben als Frauen und Krankheiten am besten durch Dämonenaustreibung geheilt werden können.

    Die „Suche nach dem verbogenen Sinn“ hat ein Problem: Sie setzt unbeirrt voraus, dass es da etwas gäbe – und Theologie, im Gegensatz zur Wissenschaft, ist nicht bereit, diese haltlose (und, s.o., oft genug widerlegte) Unterstellung irgendwie mal in Frage zu stellen.

    Im konkreten Fall handelt es sich wohl um einen Übertragungsfehler aus dem Aramäischen („über das Wasser“ = am Ufer entlang, vergl. im Deutschen: „ging über die Ampel“). In den Aufschneideren und Phantastereien längst toter, offenkundig nicht besonders gebildeter Berufs-Sektenheinis einen tiefen Sinn hineinzugeheimnissen, ist letztlich nicht seriöser als Astrologie oder Kaffeesatzlesen, und funktioniert nach den gleichen Prinzipien.

  2. #2 von Rene am 7. Dezember 2018 - 17:27

    Bei dieser immer wieder hinter dem Ofen hervorgeholten Debatte geht es doch nur darum, die Religion auf ein Podest zu heben, das ihr einfach nicht zusteht. Das ist unredlich. Genauso wie Astrologie oder Homöopathie zeigen religiöse Glaubenssätze einfach null Wirkung auf die physische Welt. Da ich jedoch um Redlichkeit bemüht bin, werde ich sofort meine Haltung überdenken, sobald der erste Typ nachweislich über’s Wasser läuft. (Und dabei nicht von einem Pfeil erlegt wird). Bis dahin jedoch, fickt euch!

  3. #3 von Deus Ex Machina am 7. Dezember 2018 - 17:34

    „Religion contra Wissenschaft – muss das sein?“

    –> Muss nicht. Aber die Religionen wollen sich ja überall einmischen und auf alles eine Antwort kennen (Spoiler-Warnung! „Gott war´s!“). Und so wildern sie halt auch im Gebiet der NW. Und kriegen dort so kräftig aufs Maul, dass sie jetzt den Schwanz einkneifen.

  4. #4 von Willie am 7. Dezember 2018 - 18:04

    Viele Wissenschaftler sind dennoch gläubig. Sie trauen ihrer Wissenschaft viel, aber keinen Allerklärungsanspruch zu.

    Das macht kein „anständiger“ Wissenschaftler, auch kein atheistischer.

    Gläubige und Theologen hingegen suchen nach dem verborgenen Sinn hinter der Geschichte von Jesus, der über das Wasser lief.

    Seit wann? Seit sie an Macht verloren haben, vorher war es friss oder stirb.

  5. #5 von Marco Krieger am 7. Dezember 2018 - 18:05

    Die Sache ist eigentlich ganz einfach.
    Es gab mal eine Zeit, da hatten wir ganz doll viel Religion…und keine nennenswerte Wissenschaft.
    Waren das gute Zeiten, in denen es sich gut Leben ließ?
    Ja und darum möchten die Kleriker diese Zeiten auch gern wieder haben.
    Macht, Einfluß, Reichtum und niemand der das alles infrage stellt, wer würde das wohl nicht wollen.
    Das Problem waren schon damals die offensichtlichen Unterschiede zwischen dem was gepredigt wurde und dem was gelebt und erlebt wurde.
    Wissenschaft hatte von Anfang an den Vorteil, Aussagen und sogar Vorhersagen treffen zu können, die sich auf Grund der Beobachtungen und den logischen Ableitungen daraus, meist als zutreffend erwiese .
    Dem zufolge muss auch niemand nach einem „tieferen Sinn“ der Wissenschaft suchen, das thelogische Versteckspiel entfällt.
    Und das schmeckt den Thelogen gar nicht!

  6. #6 von Noncredist am 7. Dezember 2018 - 18:14

    Gläubige und Theologen hingegen suchen nach dem verborgenen Sinn hinter der Geschichte von Jesus, der über das Wasser lief.

    Konkreter: Gewisse Menschen, die zwischen archaischer Fantasiegeschichte und der Realität nicht unterscheiden wollen, suchen nach einem „objektiven“ Sinn in ihren subjektiven Erfahrungen.

    Wie wir längst erkannt haben, ist die Suche nach einem „objektiven Sinn“ genauso aussichtslos wie die Suche nach einem „objektiven Willen“. Objektive Subjektivität wird schwer möglich sein 😉

    Jegliche Form der vielfach überprüften und widerlegten subjektiven Geschichtenerzählung, etwa das von Andreas dargebrachten Hand- und Kaffeesatzlesen, Sternendeuterei, Quantenkristallheilungen, usw. gilt solange als „nicht wissenschaftlich“, bis sie nach den Regeln der wissenschaftlichen Methodik spielt und gesichert wird. Die selben Spielregeln gelten auch für Sekten, Religionen und Briefmarkensammelvereine. Wenn die „Nostradamusologie“ aus diesem Grunde nicht haltbar ist, weshalb sollte es „Jesusologie“, „Abrahamologie“ oder „Justinbieberei“ dann sein? 😉

  7. #7 von Andreas P am 7. Dezember 2018 - 18:15

    @Willie, Allerklärung.

    Um die Klärung des Flusses Aller kümmern sich doch vor allem Mikrobakterien. Die Wissenschaftler gucken eher, ob das eingeleitete Abwasser geklärt ist.

    Ansonsten kümmern sich um die Erklärung des Alls die Astronomen. Das tun sie ganz gut, zumal die Theologen und Gläubigen bis heute nicht so ganz verinnerlicht haben, dass die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums steht, sondern etwa 0,00000000000000000000001 % aller Planeten im Universum ausmacht. Vielleicht fehlen da noch ein paar Nullen.

    Alles-Erklärung? Nein, Wissenschaft erklärt nicht alles, deswegen gibt es ja Forschung. Gerade Wissenschaftler – echte, nicht Geschwätzologen – wissen, wie viel wir nicht wissen oder verstehen. Ob Geschichte: Wir kennen von zahlreichen Jahrhunderten der Geschichte oft nur ein paar Namenslisten von Herrschern und welche Mode gerade bei Töpferware vorherrschte – und kaum mehr ist sicher. Ob Physik: 90% des Universums besteht aus etwas, von dem wir nur wissen, dass es nichts ist, was wir gut kennen.

    Wissenschaftler wurmen Religionsvertreter aus einem anderen Grund: Sie erklären alles, was wir erklären können (und liegen bei ein paar Sachen daneben, was auch jeder Wissenschaftler weiß, nur wissen wir nicht welche). „Religion“, Theismus erklärt alles, aber nachweislich falsch (traditionell), oder schlicht gar nichts, weil sie alles „erklären“ kann und sein Gegenteil. Auf jede Frage „Weil Gott das so will!“ zu antworten, ist nicht erklären, es ist Papageientum. Wobei die meisten Papageien deutlich sinnvolleres von sich geben.

  8. #8 von Andreas P am 7. Dezember 2018 - 18:35

    @Marco: Es waren auch für Kleriker objektiv keine guten Zeiten. Deswegen schätzen Kleriker ja alle modernen technischen Errungenschaften, vom Bad über Impfungen über bessere Medizin über Autos und Flugreisen bis zum Internet, und letzteres nicht unbedingt immer wegen Netflix und Wiki.

    Nur eben drum sind Kirchenleute zunehmend weniger wichtig für die meisten. Viele können damit leben, ihr Umfeld ist ja meist glaubensdominiert, da fällt das nicht auf. Viel schlimmer ist: Es wird ihnen von der Wissenschaft immer wieder vorgeführt, wie winzig ihr Horizont und wie kindisch ihr Verständnis von der Welt so ist. Es ist kein Wissen, das sich daraus ergibt, kein neugieriges, offenes Einlassen auf das, was sie angeblich so bewegt – die, die das tun, werden zuverlässig fast immer zu Atheisten. Es ist mehr die dumpfe Ahnung der eigenen zunehmenden Lächerlichkeit. Technisch widerlegt die Wissenschaft nie etwas „mit absoluter Gewissheit“ (trivial, man könnte sich immer bei irgendwas irren, egal wie unwahrscheinlich) – nicht mal den Hexenaberglauben oder die Hohlwelttheorie (nach der wir auf der Innenseite einer Kugel leben…). Aber das muss sie auch nicht. Religionen verschwinden, wenn keiner mehr an sie glaubt. Gründe hatte das Christentum eh nur stets wackelige gehabt. Jetzt ist das noch offenkundiger als je. Gesellschaftlichen Druck kriegt sie im reichen Norden/Westen auch kaum noch organisiert.

    Die neue Möchtegernbescheidenheit ist der Versuch, vor allem vor sich selbst nicht als letzter Depp dazustehen, während alle anderen längst erwachsen geworden sind und den Glauben hinter sich gelassen haben. Das möchtegernmutige „Verteidigen“ eines Minimalanspruchs gegenüber der Wissenschaft ist in etwa so wie eine Ameise im Urwald, die gegen eine Schnellstraße protestiert. In sicherem Abstand von der Straße, und unweit der Raststätte mit all den leckeren Essensresten. Sieht man von Behinderungen in der Gentechnik oder Fortschritten in der Medizin ab, ist die Theologie universitätspolitisch (inhaltlich sowieso) so komplett irrelevant, dass Wissenschaftler sie in aller Regel nicht mal wirklich ignorieren. Bestenfalls dilettieren Theologen in Geschichtswissenschaft, Archäologie und Philologie herum, manchmal mit durchaus interessanten Einzelresultaten und wissenschaftlich vertretbar, typischerweise suchen sie dann wieder einen „Sinn“ in etwas, was es nie gab, und erfinden neue Marketingstrategien.

  9. #9 von joerndyck am 7. Dezember 2018 - 18:38

    Zwar gibt es keine Marsmenschen. Jedoch ist es die Aufgabe der Theologie, herauszufinden, was uns die Marsmenschen sagen wollten.

    Es wird außerdem gut bezahlt.

  10. #10 von ichglaubsnicht am 7. Dezember 2018 - 19:51

    Andreas P:

    Wobei die meisten Papageien deutlich sinnvolleres von sich geben.

    Das wäre doch mal ein böser Scherz: Unbemerkt im Zoo im Papageienkäfig einen Lautsprecher anbringen, der die ganze Nacht lang die Papageien trainiert indem in einer Endlosschleife Margot-Käßmann-Hörbücher abgespielt werden. Contra: Tierquälerei Pro: Problem des Pfarrermangels gelöst

  11. #11 von Andreas P am 8. Dezember 2018 - 09:31

    Zurück zum Thema: Muss Religion gegen Wissenschaft sein?

    Ja, muss sie – so ist sie im Westen definiert. Das liegt nicht an Inhalten, sondern an der grundlegenden Rolle, die der richtige Glaube im Christentum spielt (übrigens im Gegensatz zum Judentum). Da der Glaube keiner intellektuellen Hinterfragung, keiner offenen Analyse, keiner ergebnisoffenen rational-skeptischen Abwägung standhält, wird von den meisten Theologen und Apologeten ein Schutzbereich definiert, aus dem dieses Denken – das wissenschaftliche Denken – verbannt sein soll. Die Begründungen variieren, logisch haltbar sind sie alle nicht (logischerweise), aber das fällt den wenigsten auf.

    Eine Variante sehen wir oben: Religion beleuchtet „Aspekte“, besonders „Sinn“, obwohl sie exakt dazu nichts beiträgt. Ähnlich ist Jay Goulds bekannte intellektuelle Kapitulation zu sehen, die Lehre von den „nichtüberlappenden Magisteria“: Im Grunde ist das der genervte Wunsch, dass Evolutions- und andere Biologen doch bitte nicht dauernd von irgendwelchen frömmelnden Ideologievertretern bei der Arbeit behindert werden mögen. (Dass Goulds Arbeit selbst gelegentlich unter anderen Vorurteilen litt, verdeutlicht nur das Problem.)

    Eine dritte Variante ist die von Moral und Ethik. Es ist richtig, dass die Wissenschaft nur ein Sein beschreibt, aber kein Sollen: Sie erklärt vielleicht, wann und warum Menschen sich glücklich fühlen, aber nicht, warum das im moralischen Sinne eine gute Sache ist. Nur hat speziell das Christentum dazu auch nichts beizutragen: Es negiert insbesondere, dass Menschen einen Eigenwert und als (prinzipiell) souveräne Entscheider eine unabdingbare Würde hätten. Die gesamte Moral beruht auf Drohungen und Versprechungen, orientiert sich also an Belohnungen und erwartbaren Konsequenzen für den Handelnden aufgrund seiner „korrekten“ Gesinnung: „Glaube das, wofür du am Ende am besten bezahlt wirst“.

    Im weiteren Sinne können Religionen prima mit der Wissenschaft leben. Ein Beispiel dafür ist der Buddhismus, zumindest da, wo er für die wissenschaftliche Überprüfung etwa des Nutzens und der Auswirkungen von Meditation offen ist und sich nicht in metaphysischem Gewurschtel wie Reinkarnation verliert. Aber eben in dem Sinne ist der Buddhismus dann auch eher eine Philosophie oder eine pragmatische Erfahrungs-Lehre mit dem Ziel einer guten, leidminimierenden Lebensführung – als eine Glaubenslehre, also eine Religion im engeren Sinne. Diese Sorte Buddhismus lässt sich dann auch nicht gegen Psychologie, Philosophie und ähnlichen letztlich wissenschaftlichen Denkweisen (es sind nur Variationen über die gleiche Sorte Rationalität) abgrenzen, und ist pragmatisch-atheistisch (wie ja auch die Wissenschaft keinen einzigen Gott verleugnet, den es tatsächlich gibt – nur gibt es halt nachweislich keinen im christlichen Sinne).

    Es ist der Grundkonstruktionsfehler des Christentums, sich als Glaubenslehre zu definieren und blinden Glauben zu verlangen. Genau daher, weil es nicht selbstkorrigierend ist, wird es laufend von neuen Erkenntnissen überrascht und zieht von einer vermeintlichen Lücke in die nächste um. Theologie ist der Versuch, diesen Ausweich- und Fluchtmanövern den Anschein einer quasirationalen Weiterentwicklung zu geben. Ab und an spielen Theologen dann König Knut (von England) und befehlen der steigenden Flut wissenschaftlicher Erkenntnis, doch bitteschön respektvoll zurückzuweichen.

    Mehr als nasse Füße ist da noch nie bei rausgekommen.

  12. #12 von atheos am 8. Dezember 2018 - 11:03

    Ja.

  13. #13 von Skydaddy am 8. Dezember 2018 - 13:12

    Wissenschaft arbeitet daran, Denkfehler, Vorurteile und Wahrnehmungstäuschungen systematisch zu eliminieren, um die Realität immer besser abzubilden.

    Religionen dagegen basieren gerade auf Denkfehlen, Vorurteilen und Wahrnehmungstäuschungen und sind daher auf diese angewiesen, um sich selbst zu rechtfertigen.

    Deshalb sind Wissenschaft und Religion gegensätzliche Kräfte.

  14. #14 von Elvenpath am 8. Dezember 2018 - 14:07

    Dann sollen sich die Religionen einfach nicht in wissenschaftliche Fragen einmischen!
    Und nur damit keine Missverständnisse entstehen: Wie und warum (und damit ist kein tieferer Grund gemeint, sondern die Kausalkette) das Universum und das Leben entstand SIND wissenschaftliche Fragen.

  15. #15 von deradmiral am 8. Dezember 2018 - 14:24

    Die christliche Erklärung von magischen Tricks der Antike war, dass Jesus den Trick auch konnte. Heutzutage wissen wir Herons Amphore funktioniert hat. Das ist der Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft.

    Speziell wo das Christentum die große Klau-Religion ist, die sämtlichen Kram anderer Religionen aufgesogen hat: Missionierung, Kloster, Mönche vom Buddhismus, die Bischofsmützen, Organisation vom Mithras-Kult, die Geschichte von den Juden, die Muttergottes von den Ägyptern, die Wiederauferstehung von vielen Konkurrenzreligionen, das ewige Licht von einem römischen Tempel, das Gebetsläuten, etc. pp.

  16. #16 von joerndyck am 8. Dezember 2018 - 14:29

    But! The tide goes in, the tide goes out.. how do you explain THAT??

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