Rechtswissenschaftler: Religionen nicht komplett aus Hochschulen verdrängen

Der Rechtswissenschaftler Hans Michael Heinig beobachtet an Hochschulen eine zunehmende Unsicherheit im Umgang mit Religionen. Zum Teil liege dies an der Säkularisierung, aber auch an einem ängstlichen bis verkrampften Umgang mit dem Islam, sagte er im Dlf. Religion an Unis zu verbieten, hält er jedoch für falsch.

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[https://www.deutschlandfunk.de/religion-in-bildungseinrichtungen-rechtswissenschaftler.680.de.html?dram:article_id=422899

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  1. #1 von Gerry am 16. Juli 2018 - 08:48

    Hallo Deutschlandfunk!

    Das ist nicht nur ein Rechtwissenschaftler, sondern auch ein Kirchenlobbyist:

    Inhaber einer W 3-Professur für Öffentliches Recht, insb. Kirchenrecht und Staatskirchenrecht an der Juristischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen, und zgl. Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der EKD. […]

    (aus seinem Lebenslauf, verlinkt auf der Webseite der Uni)

  2. #2 von K.Brückner am 16. Juli 2018 - 08:50

    Es ist eigentlich ganz einfach, Religionen sind keine Wissenschaft! Genau deshalb haben sie eigentlich an wissenschaftlichen Hochschulen nichts verloren!

    K.Brückner

  3. #3 von Diamond Mcnamara am 16. Juli 2018 - 12:34

    Wer fünf Mal beten muss, ist selber schuld. Die frechen Studenten,die auf Unigelände Beträume verlangen.Unverschämtheit.

  4. #4 von Noncredist am 16. Juli 2018 - 14:15

    Viel Streit also an verschiedenen Unis zum Raum der Stille

    Was man in seinem Hobby so alles machen will, ist nicht Teil eines Arbeitens an einer Hochschule. Nur weil ich ohne meine Briefmarkensammlung nicht moralisch gut leben kann, darf ich meinem Chef nicht vorschreiben, mir einen Raum für mein Hobby am Arbeitsplatz zu ermöglichen. Wer seine Götter und Dämonen nicht nachweisen kann, hat denkbar schlechte Karten.

    Ein zweites Beispiel ist der Streit um Lehrerinnen mit Kopftuch, der inzwischen seit 20 Jahren in Deutschland geführt wird, oft begründet mit der Neutralität des Staates.

    Das Kopftuch ist eine Darstellung einer Weltanschauung und einer Ideologie, die sich über die des Staates und der menschlichen Vernunft behauptet. Der Staat erlaubt einem, eine solche Weltanschauung zu führen. Arbeitet man jedoch für den Staat, hat man auch zur Arbeitszeit den Staat zu repräsentieren, und nicht seine eigene Meinung dazu.

    Welchen Platz räumen wir Religion überhaupt noch ein in unseren Bildungseinrichtungen (..)

    Privatsache bleibt Privatsache. Substituieren wir doch Religion mit Briefmarkensammeln oder das Rauchen von Nikotinstengeln oder das Trinken von Bier, dann wird es hoffentlich klarer.

    Ich beobachte, dass es jedenfalls eine Unsicherheit gibt, wie man mit diesem Phänomen umgeht. Das hat zum einen mit einer allgemeinen Säkularisierung zu tun, dass Menschen eben weniger Erfahrung mit Religion haben, das zunehmend als etwas Bedrohliches erleben.

    Na, dann sollten wir mit einem „Allah akbahr!“ uns im Supermarkt begrüßen. Ängste haben zwar überhaupt nichts mit der Säkularisierung pauschal zu tun, sondern sind aus ganz individuell erfahrene Begebenheiten erzeugte Gefühle, aber das ist wohl im Augenblick zu viel des Guten.

    Und es hat auch mit einem teils ängstlichen, teils sehr verkrampften Umgang mit den verschiedenen Facetten des Islam zu tun.

    Die seit zweitausend Jahre existierende christliche Welt hat eine vom Hitler brieflich erlaubte religiöse Bildung an unserer Gesellschaft ausgeübt. Das heute beobachtete Phänomen der „Unsicherheit“ dürfte es nicht geben, wenn christliche Religionslehrer ihren christlichen Kindern die „Wahrheit“ näher gebracht hätten. Aber wie wir wissen, ist der Islam keine Religion, weshalb es auch nicht im ev. oder kath. Religionsunterricht zum Thema für eine Erklärung gemacht wurde. Damit wäre die von Gott gewollte und mit Gottes Hilfe geführte religiöse Bildung hoffnungs überfordert worden … oder so ähnlich.

    Und dann sagen manche, dann lieber die Religion aus der Hochschule ganz draußen halten.

    Diese vielen „manche“ haben gute Gründe dafür. Religion ist Privatsache, so wie die Lieblingsfarbe oder das Lieblingsbuch. In den eigenen vier Wänden darf man sich soviele Kreuze aufhängen und Teppiche ausrollen, wie man möchte. Nur sollte man nicht die Einhaltung der eigenen Hobby-Religion von Anderen einfordern. Der Staat hat keinen religiösen Einfluss auf seine Bürger auszuüben, in dem er einen Gebetsraum in der Uni, in der Volkshochschule, in Krankenhäusern, in Straßenbahnen oder im Bürgerhaus aufstellt. Der säkulare Staat ist weder muslimisch noch christlich. Er erlaubt den Menschen ihre Religion, solange sie nicht die Freiheiten der anderen einschränkt. Wenn das Hobby der Geisteranbeterei für Muslime einen Gebetsraum ermöglicht, und Christen ihre Kreuzritter gerne mit Kreuzen in Schulen befeiern wollen, dann dürfen Esoteriker gerne ihre Klangschalen in den Kindergärten bewerben. Ausserdem müssen ungesunde und zuckerhaltige Nahrungsmitteln an Schulen verkauft dürfen, ob man will oder nicht. Schließlich könnte ja jemand ein „Hobby der Fresslust“ äußern und sich ansonsten diskriminiert fühlen, wenn er sein Hobby nicht an allen staatlichen Orten ausüben darf.

    (..) doch relativ viele Untersuchungen, dass man mit einem ganz streng laizistischen Ansatz nicht notwendigerweise einen sozial produktiveren Umgang an den Tag legt. Also die Konflikte bleiben dann im Rücken, sie sind unbewältigt, öffentliche Kontrolle fehlt. Religion ist ja ein Ambivalenzphänomen, es hat positive und negative Seiten. Religion einfach nur zur Privatsache zu erklären und aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen, scheint mir für diese Stimulierung der positiven Seiten nicht sonderlich geeignet, und auch für die Abwehr von Religion ausgehender Gefahren gibt es intelligentere Ansätze, als nur zu sagen, das ist privat.

    Sehe ich nicht so. Wenn man schon subjektive Gefühle als Argument nutzt, dann erleben wir Diskriminierungen in der Form, wie oben schon von mir geschrieben wurde. Der Staat hat keine Religion zu vertreten. Und wer privat gerne sein Hobby vertreten möchte, der darf dies ausserhalb staatlicher Gebäuden und Arbeitsplätzen auch gerne tun. Wer irgendwie Probleme mit einer Akzeptanz einer oder anderer Religionen besitzt, muss es nunmal lernen oder ignorant bleiben. Ist seine Privatsache. Punkt. Das ist nicht so schwer zu verstehen.

    Die religiös-weltanschauliche Neutralität betrifft den Staat, nicht die Bürgerinnen und Bürger.

    Wenn der Staat in staatlichen Gebäuden Räume zur Praktizierung EINER RELIGION bereitstellt, weshalb nicht auch Räume zur Praktizierung einer Beschneidung, einer Operation, einer Taubensammlung oder einer Haarfärberei? Weshalb sollten andere Formen der Freizeitausübung nicht ebenfalls eingeklagt werden dürfen, weil man ansonsten diskriminiert wird?

    Ich als Universitätsprofessor muss neutral sein und darf niemanden diskriminieren wegen seiner Religion, aber der einzelne Student, die einzelne Studentin muss in der Hochschule nicht den Glauben ablegen.

    Strohmann. Es war nicht die Frage, ob einzelen Menschen eine Religion ausüben. Sondern ob das Ausüben als Teil der Universität gelten soll. Ein Raum ist nunmal ein Teil einer Universität. Wenn religiöse Studenten sich ausserhalb der Uni-Räume in eigens gemietete oder gebaute Räume treffen, zum Beispiel in einer Moschee, dann gibt es keinerlei Probleme, oder?

    (..) aber die Universität ist auch immer ein Lebensort gewesen. Wir haben Sportaktivitäten, musikalische Aktivitäten (..)

    Weder vertreten Sportarten absolute Moralslehren, noch sind Musikinstrumente Symbole, die auf den einzigen Sohn Gottes erinnern sollen.

    Es scheint mir aber die bessere Lösung zu sein, als zu sagen, wir verbieten und verdrängen es vollständig, oder reduzieren es auf irgendeine Meditationspraxis (..)

    Das Hobby der Geisteranbeterei bekommt also einen Raum. Wie sieht es nochmal mit dem Hobby der Haarbärberei und der Brettspielerei aus? Wann nochmal muss eine Universität einen Raum bereitstellen, weil einige Menschen íhre Hobbys sehr ernst nehmen, wärend andere sie eher als „Spielerei“ ansehen?

  5. #5 von Friedensgrenze am 16. Juli 2018 - 14:45

    Ich begrüße diese Unsicherheit im Umgang mit Religionen. Und hoffe dass die Theologie endlich rausfliegt aus den Universitäten, auch wenn es den Herrn Heinig seine vom Staat bezahlte Stelle kosten kann. Die Kirchen, die sich für die Theologie interessieren sind ja noch da um bei ihnen beschäftigt zu sein.