Es wird eine Welt geben, in der jeder an Gott glauben müssen soll

Es gibt islamische Länder, die Atheismus unter Strafe stellen wollen. Und die Neurotheologie zeigt, wie sich religiöse Erfahrung nach Belieben herstellen lässt. Was folgt daraus? Religiöse Fundamentalisten werden sich wohl demnächst mit atheistischen Wissenschaftlern kurzschließen – und den Gottesglauben erzwingen.

(…)

Das in Ägypten diskutierte Gesetz würde es Leuten also verbieten, nicht an Gott zu glauben. Und dies gilt selbst für den Fall, dass sie ihren Atheismus vornehm verschweigen. Nur, wie soll die Polizei dann herausfinden, ob jemand ein Atheist ist? Hier kommt die moderne Wissenschaft ins Spiel und bietet eine Lösung an: Man scanne das Gehirn des Verdächtigten. Sogenannte Neurotheologen verfügen in dieser Hinsicht über einschlägige Erfahrung – sie haben zahlreiche Methoden entwickelt, um Spuren religiöser Erfahrung in den Neuronen nachzuweisen. Ich möchte das Gedankenexperiment weiterspinnen – spielen die Neurotheologen den religiösen Fundamentalisten in die Hände?

(…)

Nach diesem langen Umweg komme ich zum Anfang zurück. Es ist schwierig zu entscheiden, was gefährlicher ist: das Verbot des Atheismus oder die neuronale Manipulation unserer religiösen Erfahrungen. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass in absehbarer Zukunft beides zur politischen Praxis wird. Dabei ist eines gewiss: Beide Entwicklungen vertragen sich nicht nur prächtig, sondern verstärken sich wechselseitig. Religiöse Technophobie und atheistische Technik finden hier aufs Wunderbarste zusammen, zu dem einen Ziel: den Atheismus, diesen Irrglauben, ein für alle Mal auszurotten. Zum Schluss braucht’s dann doch den lieben Gott, der uns vor diesem Irrsinn rettet – und sei es auch bloss ein virtueller . . .

weiterlesen:

[https://www.nzz.ch/feuilleton/es-wird-eine-welt-geben-in-der-jeder-an-gott-glauben-muessen-soll-ld.1396646

Advertisements
  1. #1 von Noch ein Fragender am 25. Juni 2018 - 10:33

    Religiöse Fundamentalisten werden sich wohl demnächst mit atheistischen Wissenschaftlern kurzschließen

    Sogenannte Neurotheologen verfügen in dieser Hinsicht über einschlägige Erfahrung – sie haben zahlreiche Methoden entwickelt, um Spuren religiöser Erfahrung in den Neuronen nachzuweisen.

    Was denn nun? Atheistische Wissenschaftler oder Neurotheologen?

    Oder soll das eine Satire über unerkannt atheistische Neurotheologen sein?

  2. #2 von Charlie am 25. Juni 2018 - 10:39

    So so, man will also die Gehirne scannen um festzustellen, wer wirklich religiös ist. Könnt ihr gerne machen. Wird sicher lustig, wenn ihr „religiöse“ Hirne scannt und dort die Areale nicht aufscheinen, wo sie aufscheinen sollten.

    Fangt doch schonmal bei den Politikern und Klerus an.

  3. #3 von Elvenpath am 25. Juni 2018 - 11:32

    Das würde einen riesigen Knall geben, weil es viel mehr heimliche Ungläubige gibt, als man gemeinhin denkt.

  4. #4 von schiffmo am 25. Juni 2018 - 13:59

    Das Zeug, das der gesoffen hat, will ich nicht haben. Ein Philosoph hat nicht verstanden, dass Neurotheologie ein Gebiet der Neurobiologie ist, und spinnt mit einigen ihrer Ergebnisse einen wirren Text zusammen, den die NZZ abgedruckt hat, in der Hoffnung, was schönes für ihr Feulliton zu bekommen. Das ist in diesem Fall ordentlich schief gegangen.

  5. #5 von Jörn Dyck am 25. Juni 2018 - 15:32

    Was die Gehirne von Bischöfen angeht, möchte ich darauf hinweisen, dass man nicht scannen kann, was nicht vorhanden ist.

  6. #6 von Friedensgrenze am 25. Juni 2018 - 16:39

    Bis es soweit ist müssen wir die Behauptung von der Existenz eines Gottes/ Allah in den Bereich der Märchen verwiesen haben sonst geht es uns an den Kragen.

  7. #7 von Noncredist am 25. Juni 2018 - 20:15

    Es wird eine Welt geben, in der jeder an Gott glauben müssen soll

    Klitzekleine Frage: an welchen Gott nochmal genau? Es gibt mehr Göttervorstellungen als Sandkörner auf der Erde. Jeder einzelne Mensch kann sich einen Gott vorstellen und ihn einfach mal so behaupten, ohne ihne jemals beweisen zu müssen. An welchen Gott genau nochmal soll man „glauben müssen“?

    Allem Anschein nach arbeiten einige Vertreter des ägyptischen Parlaments seit Anfang Jahr an einem Gesetz, das den Atheismus unter Strafe stellt (…). Schuldig ist, wer keinen Gott über sich erkennt.

    Wenn sich Ägypter aus reinem Unwissen heraus eine solche Angst vor ungläubigen Mitmenschen haben, dass sie sich Gesetze ausdenken müssen, um den altbekannten Irrsinn des „gewissenslosen Atheisten-Terroristen“ – zumindest für das unwissende Wahlvolk – virtuell bekämpfen zu können, dann hat die (religiöse) Bildung da – wem wundert’s – kräftig versagt. Weder Allah, noch Mohammed, Jesus, Yahwe oder Moses und seine Spießgesellen haben denen was beibringen können. Weder flogen Atheisten in die Twin-Towers, noch sprengen sich regelmäßig ungläubige Evolutionsbiologen auf Marktplätzen in die Luft. Es gibt mehr Gründe sich vor fundamentalistische Gläubigen in Acht zu nehmen, als vor Menschen, die keinen Glauben an eine „absolutistische höhere Moralentität“ besitzen.

    Die Gefahren des Terrorismus sind bekannt, aber nicht viele wissen, dass Atheismus und Terror gleichermassen zerstörerisch sind. Der Atheismus schwächt die Identität der Menschen genauso. Er stellt überlieferte Glaubensformen, Kanons, religiöse Symbole, Weggefährten und Anhänger des Propheten infrage. Dies führt zuletzt zu einem Zusammenbruch ganzer Nationen und ihrer heiligen Glaubensinhalte.

    Das Problem ist jedoch nicht der Atheismus, sondern der Theismus, der solche Zweifel überhaupt möglich macht. Wäre der Theismus tatsächlich „vollkommen richtig“ und „wahr“, so gäbe es schlicht keine Argumente dagegen. Die Tatsache der Theodizee-Problematik alleine ist jedoch ein schmerzhafter Dorn im Auge der „wahren Theorie“. Den Schmerz dadurch zu „heilen“, indem man einfach den Schmerz ignoriert und dessen Bezeichnung und Anamnese unter Strafe stellt, ist ein fester Tritt in den Hintern der Menschlichkeit. E ist der perfekte Weg zur Glaubensdiktatur. Entweder die Akzeptanz „meiner“ Göttervorstellung, oder Schwedische Gardinen aufgrund eines willkürlichen und irrationalen „Terrorismus“-Verdachtes.

    Sogenannte Neurotheologen verfügen in dieser Hinsicht über einschlägige Erfahrung – sie haben zahlreiche Methoden entwickelt, um Spuren religiöser Erfahrung in den Neuronen nachzuweisen.

    Würde man z.Bsp. durch eine Blutprobe oder durch einen Hirnscan „chemisch nachweisen“, dass man z.Bsp. regelmäßig beten geht, so schaffen sie nichts anderes als einen Polizeistaat für die selbsterwünschte Glaubensdiktatur. Diese Zwei-Klassen-Gesellschaft, unterteilt unter kriminelle Ungläubige und nichtkriminelle Geisteranbeter, erinnert frappierend an den Reinrassigkeitswahn der damaligen Nazi-Herrschaft.

    Willkommen im 21stem Jahrhundert, wo man sich bewusst dazu entschließt, die Geschichte zu wiederholen – im Namen des Glaubens.

    In der Neurotheologie hat das Studium der Religion den äussersten Punkt erreicht, zu dem reduktionistisches Denken gelangen kann: Er findet sich in der Formulierung «(Unsere Erfahrung von) Gott ist (das Produkt neuronaler Prozesse in unserem) Gehirn».

    Wären wir Giraffen, hätte unser Gott einen langen Hals. Ein Gott hat nicht zufällig die Attribute eines Menschen aus der jeweiligen Gesellschaft. Es ist das Produkt des jeweiligen spezifischen Menschen bzw. der Gesellschaft. Der „christliche Gott“ unterscheided sich nicht von ungefähr eklatant vom „jüdischen“ und „muslimischen“ Gott. Von den Wünschen, über die Auswahl der jeweiligen Propheten bis hin zu spezifischen regionalen Regelwerke. Mal mit und mal ohne Vorhaut-Fetisch.

    Die Gleichsetzung habe demnach schon keine echte Erklärungskraft, weil sie auf einer vagen Parallele beruhe. Auf der einen Seite gibt es das durch Apparate gemessene Ereignis im Gehirn, auf der anderen den Bericht des Subjekts über diese religiösen oder mystischen Erfahrungen. Dabei bleibt völlig unklar, wie die Ereignisse die Erfahrungen verursachen (oder umgekehrt).

    Weshalb misst man hier mit unterschiedlichen Maßstäben? Es ist doch „nur“ ein Gedankenspiel. Also versetzen wir uns doch einfach mal in diese fiktionale Zukunft mit einem voll funktionsfähigem Hirnscanner. Welchen Schluß würde man ziehen, würde man erkennen können, dass eine „mystische Erfahrung“ eindeutig nachweisbar wäre? Es sagt zwar absolut gar nichts über die Existenz jeweiliger vermuteter Götter, Göttinnen oder Götterfamilien aus, aber dies ist ja auch nicht das Ziel. Man möchte einfach nur zwischen Menschen mit einen Glauben und Menschen ohne einen Glauben an Göttern unterscheiden können. Und ein solcher Hirnfick… äh … Hirnscan könnte dies ermöglichen. Was folgt nun daraus? Weshalb soll der sequitur Atheismus zu Terrorismus nun „wahr“ sein und demnach gesetzlich verfolgt werden dürfen?

    Selbst wenn wir die letzten Details über die physikalische Verfasstheit des Universums wüssten, würde uns diese Information nie und nimmer dazu führen, die Existenz einer bewussten Erfahrung anzunehmen. Kurzum, der Übergang von «blinden» objektiven neuronalen Prozessen zur Tatsache des Selbstbewusstseins, das wie von Zauberhand daraus hervorgeht, bleibt ein Sprung. Irgendeine Form von Bewusstsein muss also ursprünglich und irreduzibel sein.

    Weshalb sollte es (in Zukunft) unmöglich sein und bleiben, ein Bewusstsein „physikalisch“ nachweisen zu können? Weshalb muss notwendigerweise eine spezielle Form eines Bewusstseins als Prämisse angenommen werden? Woher will man dies denn wissen, wenn es doch nur ein Gedankenexperiment ist? Ich werde daraus nicht schlau 😉

    Selbst wer diesen perfekten cartesianischen Dualismus ablehnt, muss zugeben, dass Religion mehr ist als ein Gedankenprozess in unserem Gehirn. Religion ist vielmehr eingebettet in unsere sozialen Praktiken. (..)

    Exakt dasselbe gilt für Trekkies, Kommunisten, Anhänger der Aum-Sekte und Menschen, die gerne zum Fußballspiel des heimischen Vereins gehen. „Hobby“ ist mehr als nur ein physikalisches „Ding“. Es ist eingebettet in soziale Systeme – so wie alles, was Menschen miteinander tun – und damit kein „messbares“ Ding?
    Weshalb sollte sich „Religion“ nicht auf der selben menschlichen Interaktionsform berufen, die auf für „Fußballfans“ und „Schützenvereine“ gelten? Abgesehen von z.Bsp. Kleidungs- oder Verhaltensnormen, sind sich die Mechaniken doch „zum verwechseln ähnlich“, oder etwa nicht?

    Wer sagt denn, dass die Ursache nicht gerade andersherum wirkt? Was also, wenn die mysteriöse Parallele zwischen neuronalen Prozessen und religiösen Erfahrungen einem Wunder gleicht – und der beste Beweis dafür ist, dass Gott in unseren Körper eingreift, um Raum zu schaffen, damit seine Botschaft aufgenommen werden kann?

    Weil das weitere Nachdenken hierbei das Fehlverhalten eines Gottes zur Schau stellen würde: ein ABSOLUT PERFEKTER Gott erschafft BEWUSST Möglichkeiten des Zweifels, nur um diese dann direkt unter Strafe zu stellen und somit die Freiwilligkeit des Menschen sich für/gegen etwas zu entscheiden ad absurdum zu führen. Er – als moralisches Supergenie – erschafft die Unmoral und gibt den Menschen die Freiheit sich dafür entscheiden zu können, nur um diese Menschen dann gleich nach der (falschen) Entscheidung köpfen zu dürfen.
    Ist dies etwa das Resultat einer perfekten Gottheit? Ähnelt etwa der kreationistischen Behauptung der Perfektion. Selbst dann, wenn der Halsnerv eines Giraffen oder der Blinde Fleck des menschlichen Auges eher für das Ergebnis von a) einen (nicht nachweisbaren) unperfekten fehlerhaften Dummgottes oder b) der Evolution spricht – je nach Überzeugung 😉
    Es lässt sich ja nicht endgültig „beweisen“, dass ein fehlbarer Idiotengott ein nicht perfektes Auge erschaffen hat. Aber die Schneidwerkzeuge von Okkham und Hitchens sind auch bei solchen Behauptungen rasiermesserscharf! 🙂

    Ein Experiment des hochdotierten schwedischen Karolinska Institut zeigte vor ein paar Jahren, dass die Erfahrung, im eigenen Körper zu sein, nicht so selbstverständlich ist, wie es scheint.

    Das unser „sich bewusst sein“, inklusive dem Gefühl, einen Platz „in der Welt“ einzunehmen, das Resultat physikalischer Prozesse unseres Körpers (Hirn) sein können und deshalb wir mit „Merkwürdigkeiten“ wie Menschen, die Kleiderständer lieben, nach einem Unfall plötzlich mehrsprachig sprechen oder ganze Charakterzüge umkehren und vom Veganertum plötzlich zum Bratwurstexperten mutieren, zu tun haben. Es lässt sich mit dem „Materialismus“ viel leichter und präziser erklären als mit einer Gotteshypothese oder mit etwaigen spiritistischen Dual-Vermutungen zwisschen „physikalischem Körper“ und einem feinstofflichen Geister-Seelen-Quark. Auch hier funktioniert weiterhin das scharfe Messer der obigen Herren 😉

    Zum Schluss braucht’s dann doch den lieben Gott, der uns vor diesem Irrsinn rettet – und sei es auch bloss ein virtueller …

    Weshalb denn diese Vorstellung eines „lieben Gottes“? Und welcher nochmal genau? Der, der einen PLaneten unter Wasser setzte? Oder doch der andere liebe Gott, der bei der Ermordung millioner seiner Kinder keine Empathie zeigte und sie im Krieg (aus reiner Liebe?) sterbe ließ? Oder war es doch der andere liebe Gott, der dem Selbstmordattentäter das Gefühl erzeugte, sich „für das Richtige“ in die Luft jagen zu lassen? Oder war es doch der andere Gott, der die Welt mit seinen nudeligen Tentakeln beglückt? Ich möchte ja nicht versehendlich den falschen Gott um Hilfe anbeten. Nicht dass ich zum Schluss in der ägyptischen Zelle sitze, in einer Gaskammer sterbe oder in aller Ewigkeit in der Carbonara-Soße vor mir hinkoche! 😉

  8. #8 von Willie am 25. Juni 2018 - 22:56

    Allem Anschein nach arbeiten einige Vertreter des ägyptischen Parlaments seit Anfang Jahr an einem Gesetz, das den Atheismus unter Strafe stellt – es läuft unter dem Titel «Kriminalisierung des Atheismus». Schuldig ist, wer keinen Gott über sich erkennt.

    Kommt dann zu den „Nackscannern“ noch an den agypt. Grenzen der Gehirnscanner hinzu?

  9. #9 von Paul am 26. Juni 2018 - 09:18

    Frage, warum hat man die Muslimbrüder wieder loswerden wollen, wenn die doch gerade in aller Vehemenz die diese Auffassung vertreten?

Sag uns deine Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s