Theologe: Die Kirchensteuer ist unzeitgemäß und ungerecht

Die Kirchensteuer ist unzeitgemäß, ungerecht und macht träge. Sie sollte deshalb abgeschafft werden. Diese Ansicht vertritt der Direktor des Instituts für Sozialstrategie, Prof. Ulrich Hemel (Laichingen), in einem Essay in der „Welt am Sonntag“. „Wenn nur noch 55 Prozent der Bevölkerung sich zur katholischen oder evangelisch-lutherischen Kirche bekennen, und wenn ein Drittel von ihnen gar keine Einkommensteuer zahlt (an sie ist die Zahlung der Kirchensteuer gebunden – Anm. d. Red.), dann wird die Merkwürdigkeit des heutigen Systems sichtbar“, schreibt der katholische Theologe und Unternehmer.

weiterlesen:

[https://www.idea.de/frei-kirchen/detail/theologe-die-kirchensteuer-ist-unzeitgemaess-und-ungerecht-102052.html

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  1. #1 von Charlie am 13. August 2017 - 18:11

    Man will nur die Kirchenaustrittswelle stoppen. Wenn niemand mehr merkt, dass er Mitglied ist, wird er auch nicht mehr so einfach austreten.

  2. #2 von user unknown am 13. August 2017 - 18:40

    Wer keine Kirchensteuer zahlt, der kann ja freiwillig spenden, etwa weil er aus Aktiengewinnen oder Mieterlösen lebt.

    @Charlie:
    Ein bemerkenswertes Argument für die Kirchensteuer. 🙂
    Ich halte aber mit dem doppelten Rittberger der Argumentation dagegen: Wer Kirchensteuer zahlt, der wird über die Zeit qua Stockholmsyndrom an die Kirche gebunden. „Wäre die Religion schlecht, dann hätte ich ja jahrelang wie ein Idiot/unmoralisch agiert. Was nicht sein darf, das kann nicht sein!“ Die Leute bleiben also in der Kirche, nicht obwohl, sondern weil es weh tut. 🙂
    Beim Eintritt, wenn man noch wenig in den Wahn investiert hat, wäre das was anderes, aber bei 90% der Christen (hochseriöse Luftzahl) ist es ja so, dass sie als Kind eingetreten worden sind und auch die Bestätigungen (Kommunion, Firmung/Konfirmation) finden vor der Steuerpflichtigkeit statt.

  3. #3 von Unechter Pole am 13. August 2017 - 19:30

    @uu
    Dank oder zumindest wegen der Kirchensteuer gibt es überhaupt die Möglichkeit, aus den Kirchen auszutreten. Sonst drohen etwa polnische Verhältnisse – „einmal katholisch, immer katholisch“ & „die Regelungen über die Mitgliedschaft gehen den Staat nichts an“.

  4. #4 von Unechter Pole am 13. August 2017 - 19:55

    Und natürlich schon wieder die alte Lüge, kirchliche Kindergärten und Krankenhäuser seien von der Kirchensteuer finanziert, die nur 40 % der Steuerzahler zahlen. Natürlich werden sie nicht von der Kirchensteuer, sondern aus den öffentlichen Pflichtabgaben finanziert.

    Zweite Lüge, kirchliche Kindergärten und Krankenhäuser gingen allen zugüte. Die mit öffentlichen Geldern finazierte kirchliche Trägerschaft geht der Allgemeinheit nicht zugüte, sondern nur verschiedenen Religioten. Von einer öffentlichen Trägerschaft, mit ordentlichem Arbeitsrecht und ohne Indoktrination von Minderjährigen und hilfslosen Personen würde die Allgemeinheit viel eher profitieren.

    Alles in allem, werte ich den Artikel als eine erstmal vorsichtige Stimmungssondierung, ob die Kirchensteuer durch eine mitgliedszahlenunabhängige, direkte staatliche Finanzierung der Kirchen (vergleichbar Polen eben) ersetzt werden kann.

  5. #5 von Deus Ex Machina am 13. August 2017 - 21:01

    Hört man neuerdings immer häufiger. Ist dies der Beginn der „die Kirche war doch immer schon gegen die Kirchensteuer“-Position, die – wie jeder weiß – ja schon immer von den Kirchen vertreten wurde?

  6. #6 von m0ebius am 14. August 2017 - 10:13

    Diese Zusammenfassung des Interviews benennt es nicht klar, aber man bekommt den Eindruck, die „Ungerechtigkeit“ bestehe für ihn darin, dass Nichtmitglieder nicht zahlen müssen und die Höhe der Beiträge an die Einkommenssteuer gekoppelt ist.
    Ersteres ist ja wohl eine Selbstverständlichkeit, letzteres sehe ich als einen der wenigen sozialen Vorzüge des Kirchensteuersystems.

    Da würde man doch gerne mal genauer wissen, was der „Theologe und Unternehmer“ für verschrobene Vorstellungen von Gerechtigkeit hat.

  7. #7 von madsschlesier am 14. August 2017 - 18:30

    „Knapp 40 Prozent der Steuerzahler seien zur Kirchensteuer verpflichtet, 60 Prozent nicht. Von kirchlichen Krankenhäusern, Kindergärten und anderen sozialen Einrichtungen, die unter anderem darüber finanziert würden, profitierten aber alle: ‚Gerecht ist das nicht.'“

    Wenns denn so wäre, gäbe es kein Problem: Der Gläubige finanziert seinen Glauben, und wenn der halt Hilfe für andere einschließt, ist das sein Problem. Die Realität ist bekanntlich die, dass diese Einrichtungen nur zu einem Bruchteil von Kirchensteuern finanziert werden und diese mit üppigen allgemein finanzierten Zusatzleistungen vor allem den Beamtenapparat der Kirchen finanzieren.

    Richtig ist natürlich, dass eine Abschaffung des Kirchensteuersystems den Glauben dynamischer machen würde. Dumm nur, dass die Mehrheit der Kirchenfunktionäre heute zu den Ungläubigen zählen dürften und daher gar kein Interesse daran haben.

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