Domspatzen: Pädagogische Gewalt und „Gott spielen“

Im Abschlussbericht zu den Missbrauchsvorwürfen bei den Regensburger Domspatzen fällt vor allem die sadistische Grausamkeit auf, der insbesondere die Jüngsten und Schwächsten hilflos ausgeliefert waren. Die Opfer berichten von der Angst, die „bis heute mein ständiger Begleiter“ ist. Und: Die Erzieher hätten „uneingeschränkt Gott“ gespielt. Dass diese Facette nicht viel mehr im Zusammenhang mit Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen besprochen wird, erscheint als echtes Manko.

weiterlesen:

[http://www.katholisch.de/aktuelles/standpunkt/padagogische-gewalt-und-gott-spielen

Advertisements
  1. #1 von Noch ein Fragender am 24. Juli 2017 - 11:21

    Dies „aus Liebe zur Kirche“ zu relativieren, wegzuschieben oder gar zu negieren, hieße sich gegen das Evangelium zu stellen, das nirgends rigoroser ist als dort, wo es um „diese Kleinen“ geht.

    Jetzt ist es plötzlich „das Evangelium“, das „Aufklärung“, Aufdeckung von Vertuschungen und Opferschutz verlangt.

    Ob das B XVI mit seiner Neuevangelisierungs-Kampagne auch im Blick hatte?

  2. #2 von Noch ein Fragender am 24. Juli 2017 - 11:25

    Nachtrag zu #1

    Bei Verdacht von Missbrauch nicht zum Bischof rennen und sich auf das Evangelium berufen, sondern zum Staatsanwalt und sich auf das allgemeine Gesetz berufen.

  3. #3 von Noch ein Fragender am 24. Juli 2017 - 12:30

    Die Erzieher hätten „uneingeschränkt Gott“ gespielt.

    Damit entlarven diese Leute, was sie wirklich von „Gott“ halten:

    „Gott spielen“ bedeutet nicht, liebevoll mit den Kindern umzugehen, sondern sich wie ein autoritärer sadistischer Kotzbrocken aufzuführen.

  4. #4 von Deus Ex Machina am 24. Juli 2017 - 12:37

    @ N.E.F.:

    „sondern sich wie ein autoritärer sadistischer Kotzbrocken aufzuführen.“

    –> Ist doch eine wunderbare Zusammenfassung des Wirkens des großen Himmels-Führers im AT.

  5. #5 von Charlie am 24. Juli 2017 - 13:05

    Gott spielen? Menschen scheiße behandeln darf nur Gott höchstpersönlich.

  6. #6 von user unknown am 24. Juli 2017 - 16:21

    Der Papst hat doch selbst würdevolle Gewalt gegen Kinder propagiert.

  7. #7 von manglaubtesnicht am 24. Juli 2017 - 19:06

    Mindestans 600 Opfer — Das kann doch unmöglich ohne Wissen und Billigung der (einiger?) Eltern gelaufen sein.

    Was meint ihr?

  8. #8 von Willie am 25. Juli 2017 - 03:46

    @mgn
    Und wenn, dann wird es in vielen Fällen damit abgetan worden sein, dass man dem Kind da die Täterrolle zuspielte. Ich stelle mir da sowas vor wie: 1. So schlimm wird es schon nicht sein, da geht deine Fantasie mit die durch“, aber auch ein 2. „Was willst Du, wie ein Engel im Chor mitsingen oder sollen wir eine andere Schule suchen?“

  9. #9 von Rene am 25. Juli 2017 - 11:09

    @mgn. Kinder nannte man in den 50ern und 60ern die Plagen. Ich wäre garnicht auf die Idee gekommen, meinen Eltern von meinem prügelnden Lehrer zu erzählen. Vermutlich hätte ich mir dafür eine eingefangen. Als Lehrer war man damals eine Authorität, Kritik war undenkbar.

    Dass Kinder kleine menschliche Wesen waren hat sich erst Ende der 60er langsam rumgesprochen. Ich habe meinen Eltern diesen „Verrat“ nie verziehen.

  10. #10 von ptie am 25. Juli 2017 - 11:30

    @mgn:
    Meine Tante wurde vergewaltigt und hat sich – aus Angst vor Strafe – nicht getraut, das ihren Eltern zu sagen
    Frauen/Mädchen galten vermutlich als Verursacherinnen der Vergewaltigung, – so ähnlich wird es mit den Kindern gewesen sein.
    – Falls sie von ihren Lehrern bestraft wurden, war es ein Grund, sie ebenfalls zu schlagen oder auszuschimpfen
    – Falls sie von ihren Lehrern missbraucht wurden, war es ein Grund, dies geheim zu halten oder das Kind als missraten anzusehen, da es einen Geistlichen verführt habe.
    Das das nicht für alle Eltern galt, ist klar. Aber die Eltern gaben den in der Schule angestellten Lehrern sicherlich einen sehr hohen Vertrauensvorschuss und diese Lehrer galten in der Gesellschaft auch als Autoritäten. Selbst für Eltern, die ihre Kinder beschützen wollten, wäre es nicht unbedingt ratsam gewesen, Missbräuche durch solche Lehrer an die Öffentlichkeit zu bringen.

  11. #11 von Gerry am 25. Juli 2017 - 13:51

    @mgen

    Kürzlich ging eine Story/Studie/? durch die Presse nach der mitunter sogar Mütter sexuellen Missbrauch in ihren Kindern durch den Vater hinnehmen anstatt etwas dagegen zu tun.
    Bin zu faul zu suchen, müsste sich googeln lassen.

  12. #12 von manglaubtesnicht am 25. Juli 2017 - 16:40

    Ach Leute, das sind ja furchtbare Geschichten! Das hieße ja, dass die Eltern auf breiter Front Bescheid wussten, oder zumindest hätten wissen müssen.

  13. #13 von Rene am 25. Juli 2017 - 17:13

    @mgen. Die Eltern haben akustisch gehört, was die Kinder sagten. Allerdings haben sie es sofort verdrängt, weil sie mangels der richtigen Verhaltensmuster nicht in der Lage waren darauf zu reagieren. Genau so gut hätte ich erzählen können, mir wäre ein Alien begegnet. Viel wichtige als die Kinder war die Frage: „Was sollen denn die Leute denken“.

    Noch ein Beispiel, um die damalige Zeit zu verdeutlichen. Ich war als kleiner Junge, also Ende der 50er, mit meiner Mutter beim Zahnarzt. Der Zahnarzt endeckte einen Milchzahn, der aber noch fest saß. Der Kerl meinte, der Zahn macht sowieso bald Ärger, also weg damit. Er zog ihn mir ohne Betäubung. Und meine Mutter bestärkte ihn darin auch noch.

    Der Gedanke, das ein Kind körperlichen oder seelischen Schmerz empfinden konnte, war einfach noch nicht geboren. Man wusste nur, die Plagen machen Dreck, Lärm und Ärger und wollen abends nicht ins Bett. Das war´s.

    Also bleibt misstrauisch, wenn einer von der guten alten Zeit schwafelt.

  14. #14 von user unknown am 25. Juli 2017 - 19:22

    Mindestans 600 Opfer — Das kann doch unmöglich ohne Wissen und Billigung der (einiger?) Eltern gelaufen sein.

    Teils haben die Kinder aus Scham nichts erzählt, oder weil sie erfahren haben, dass man ihnen nicht glaubt oder nicht hilft. Wer ins Internat kam, dessen Verhältnis war zu den Eltern oft eh nicht gut.

    Für Eltern gab es viele Gründe nichts zu unternehmen: a) Haben sich auch geschämt, b) Keine Beweise c) Keine Erwartung von Solidarität durch andere Eltern d) Haben selbst kräftig die Kinder vermöbelt e) Sich vom Kloster vertrösten lassen, dass was getan wird
    (Kein Anspruch auf Vollständigkeit)