Islam und säkularer Staat

Der Islamische Staat und dessen Terror-Ableger in Europa haben liberal gesinnte Muslime auf den Plan gerufen. Sie finden mit ihren Aufrufen nach einer Neuinterpretation des Islam zu Recht im Feuilleton Resonanz, bilden jedoch keineswegs den Mainstream der muslimischen Welt ab. Hinzu kommt, dass reformerische Forderungen, religiös motivierte Aufrufe zu Mord, Versklavung und Verstümmelung nicht länger wörtlich zu nehmen, nicht ausreichen, um den Islam mit der säkularen freien Gesellschaft kompatibel zu machen.

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  1. #1 von Skydaddy am 15. Juli 2017 - 11:43

    Das Problem mit „liberalen“ Gläubigen ist – in allen Religionen –, dass man nur liberal sein kann, wenn einem andere Dinge wie Vernunft, sozialer Friede usw. wichtiger sind als der eigene Glaube. Kein Mensch käme bei der Lektüre des Alten Testaments, des Neuen Testaments oder des Korans auf die Idee, „Liberalität“ sei gefordert – es sei denn, er ist bereits ohnehin davon überzeugt und versucht, das in diese Texte hineinzulesen.

    Ich gehe z.B. davon aus, dass die meisten Katholiken in Deutschland als „liberal“ bezeichnet werden können – die allermeisten davon sind aber Karteileichen, die höchstens zu Weihnachten in die Kirche gehen.

    Ein weiteres Problem ist, soweit ich es beurteilen kann, dass man meist erhebliche „geistige Gymnastik“ betreiben muss, um die Glaubensgrundlagen „liberal“ auszulegen. Glaubensgrundlagen wie das Alte und das Neue Testament und der Koran wurden von religiösen Fanatikern geschrieben. Das liegt auch in der Natur der Sache.

    Zudem braucht man ja, um liberale Auffassungen zu begründen, die Religion gerade NICHT.

    Das alles wird m.E. zuverlässig verhindern, dass sich nennenswerte liberale Strömungen in Religionen bilden, die die konservativen Strömungen zahlenmäßig vernachlässigbar machen. Es braucht dazu Leute, denen der Glaube wichtig ist, und die aktiv daran arbeiten, ihre ,liberalen Vorstellungen zu verbreiten. Und solange es intellektuell einfacher und redlicher ist, die Religion anti-liberal zu deuten, sehe ich nicht, wie solche Strömungen die konservativen Strömungen überwinden wollen. Selbst in der EKD gibt es in den Landeskirchen Zank um die Ehe für alle. Und weltweit sind die Protestanten keineswegs sehr liberal, dazu braucht man bloß on die USA zu schauen. Oder auch nach Osteuropa.

  2. #2 von user unknown am 15. Juli 2017 - 23:11

    @Skydaddy:
    Dazu kommt, dass die liberaleren Kräfte auch ein entspannteres Verhältnis zu den Dogmatikern, Orthodoxen und Fundamentalisten haben als umgekehrt und diese oft machen lassen. Sie essen freitags Fleisch und gehen nicht jeden Sonntag in die Kirche, halten sich aber weiterhin für Christen – in der Hierarchie steigen sie so allerdings nicht mal zum einfachen Priester auf.
    Die Organisationsform befördert v.a. die 100%igen und je höher man in der Hierarchie kommt, um so älter ist man auch, daher geprägt von Vorstellungswelten, die vor 40 Jahren und mehr verbreitet waren. Und wenn man dann aus konservativen, provinziellen Milieus kommt, ist man nochmal 20 Jahre hinterher, je nach Themengebiet.