Käßmann: „Die Bibel ist kein Frage-Antwort-Buch“

Frau Käßmann, das Reformations-Jubiläum wird durch den Bund mit 44 Millionen und Sachsen-Anhalt mit 83 Millionen Euro gefördert, der Kirchentag bekommt zehn Millionen Euro. Viel Geld für Martin Luther.

Für mich ist das gerechtfertigt, weil ein Land, das ständig auf Innovation und Mobilität setzt, sich fragen muss: Wo sind die eigenen Wurzeln?

(…)

Luther selbst begründete seinen Antisemitismus mit der Heiligen Schrift: „Moses schreibt, daß, wenn eine Stadt Abgötterei triebe, man sie mit Feuer ganz zerstören und nichts davon übriglassen sollte. Und wenn er jetzt lebte, so würde er der erste sein, der die Judenschulen und -häuser ansteckte.“ Hat er die Bibel falsch interpretiert?

Für mich ja. Weil Jesus selbst Jude war. Und wenn Jesus gebetet hat „unser Vater im Himmel“, dann hat er zu dem Gott gebetet, zu dem die Juden beten.

(…)

Wie gehen Sie damit um, dass die Botschaften in der Bibel oft mehrdeutig und widersprüchlich sind?

Ich sehe die Bibel ja nicht als Buch, das von Gott diktiert wurde. Für mich ist das Neue Testament maßgeblich, und was Jesus sagt, steht im Zentrum.

(…)

Und dass die Bibel so viele Widersprüche hat…

…macht es so spannend! Nehmen Sie mal das Grundgesetz: Das wird von Richtern auch sehr unterschiedlich ausgelegt, ist immer wieder ein Diskussionspunkt. Etwa die Debatte um das NPD-Verbot, das war ja auch eine Interpretationsfrage.

(…)

Wissen Sie noch, wann Sie die Bibel das erste Mal durchgelesen haben?

Ich habe sie nie hintereinander weg an einem Stück gelesen. Das ist auch nicht die Art und Weise, wie die Bibel sinnvoll zu lesen wäre. Ich erinnere mich, dass ich mich als Jugendliche daran gestoßen habe, dass es zwei Schöpfungsgeschichten gibt. Irgendwann habe ich begriffen, dass diese Schöpfungsgeschichten in unterschiedlichen Kontexten entstanden sind und fand es faszinierend, dass die eine erklärt, wie aus dem Chaos Ordnung entsteht, und die andere, wie aus der Ordnung Chaos entsteht – als Versuch zu interpretieren, wie die Welt ist. Durch fromme Juden, die diese Geschichte aufgeschrieben haben.

Sie sind für Frauenordination, Akzeptanz von Homosexuellen und die Möglichkeit, sich scheiden zu lassen. Andere Christen lehnen all das ab – aufgrund desselben Buches. Sind die auf dem falschen Weg?

Ich glaube eben, dass die Bibel kein Frage-Antwort-Buch ist, sondern ich versuchen muss, von der Bibel her zu interpretieren.

weiterlesen:

[http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/interview-mit-margot-kaessmann-die-bibel-ist-kein-frage-antwort-buch/19828850.html

 

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  1. #1 von Deus Ex Machina am 11. Juni 2017 - 16:41

    „Wie gehen Sie damit um, dass die Botschaften in der Bibel oft mehrdeutig und widersprüchlich sind?

    Ich sehe die Bibel ja nicht als Buch, das von Gott diktiert wurde. Für mich ist das Neue Testament maßgeblich, und was Jesus sagt, steht im Zentrum.“

    –> Jaa schon, aber wie will man einem Buch vertrauen können, was eine darin vorkommende Person gesagt haben soll, wenn es Widersprüche aufweist?

    „Und dass die Bibel so viele Widersprüche hat…

    …macht es so spannend! Nehmen Sie mal das Grundgesetz: Das wird von Richtern auch sehr unterschiedlich ausgelegt, ist immer wieder ein Diskussionspunkt. Etwa die Debatte um das NPD-Verbot, das war ja auch eine Interpretationsfrage.“

    –> Dieses Herauswinden aus Fragen würde einem Politiker alle Ehre machen. Der Umgang dieser Frau mit validen Kritikpunkten ist ebenso unverantwortlich wie ihre Alkoholfahrt und zeichnet ein Bild einer Person, die einfach alles besser weiß und sich selbst zufolge offenbar unfehlbar ist. „Dass isch Alkohol getrunken habe…macht die Autofahrt nur spannender, hehe. Und ich weiß doch viel besser, was die Autoren der Bibel wirklich gemeint haben, als der Typ, der das Buch überhaupt erst übersetzt hat. Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!“

    „Ich glaube eben, dass die Bibel kein Frage-Antwort-Buch ist, sondern ich versuchen muss, von der Bibel her zu interpretieren.“

    –> IHRE Meinung

  2. #2 von Unechter Pole am 11. Juni 2017 - 17:53

    Frau Käßmann, Sie wissen bestens, dass sie die Antwort auf die Fragen der Bibel in der Flasche finden.

  3. #3 von Charlie am 11. Juni 2017 - 18:09

    Etwa die Debatte um das NPD-Verbot, das war ja auch eine Interpretationsfrage.

    Nein war sie nicht. Die NPD wurde nur wegen ihrer Bedeutungslosigkeit nicht verboten.

    Ich habe sie nie hintereinander weg an einem Stück gelesen. Das ist auch nicht die Art und Weise, wie die Bibel sinnvoll zu lesen wäre.

    All die Bibel-Marathons für die Katz. Wenn die das wüssten.

    Irgendwann habe ich begriffen, dass diese Schöpfungsgeschichten in unterschiedlichen Kontexten entstanden sind und fand es faszinierend, dass die eine erklärt, wie aus dem Chaos Ordnung entsteht, und die andere, wie aus der Ordnung Chaos entsteht

    In der zweiten Schöpfung macht Gott aus Ordnung wieder Chaos?? Hääää??? Die Käßmann muss wohl eine Sonderausgabe haben. Und das sind keine Geschichten, die was versuchen zu erklären. Es sind Märchen!!!

    die Bibel kein Frage-Antwort-Buch

    Das christliche Marketing verkauft das Buch aber genau so!

    PS: Ich hätte allzu gerne eine Diskussion mit Käßmann und einem bibeltreuen Christen gesehen.

  4. #4 von paul0f am 11. Juni 2017 - 19:23

    „Die Bibel ist kein Frage-Antwort-Buch“<

    Stimmt – die Bibel ist literarischer Schund und gehört zusammen mit allen anderern sog. „heiligen“ Büchern/Schriften auf den Müllhaufen der Geschichte.
    (Frei nach M.K.Atatürk^^)

  5. #5 von heiße Luft am 11. Juni 2017 - 19:23

    Ja die Käßmann auf dem Grund des Wodka-glas wartet Gott.

  6. #6 von Jörn Dyck am 12. Juni 2017 - 02:52

    Ich würde Frau Käßmann nicht zustimmen, aber das ewige Mobbing aufgrund einer privaten Alkohol-Dummheit finde ich nicht gut und auch für das Thema nicht relevant.

  7. #7 von Skydaddy am 12. Juni 2017 - 14:19

    Und wieder eine Folge der unendlichen Serie „Wie Gott und Bibel NICHT sind“ …

  8. #8 von Noch ein Fragender am 12. Juni 2017 - 14:28

    und was Jesus sagt, steht im Zentrum.

    Nur die echten oder auch die unechten Jesusworte?

    Lesetipp: Gerd Lüdemann, Der erfundene Jesus. Unechte Jesusworte im Neuen Testament, 2008

  9. #9 von Rene am 12. Juni 2017 - 18:26

    Was machen eigentlich die ganzen Käßmanns, wenn eine Qumran Rolle auftaucht, in der die genaue Lage des Grabes eines gewissen Jesus beschrieben wird?