Studie: Wie religiös sind Muslime in Österreich

Wie unterschiedlich die religiöse Praxis von Muslimen in Österreich ist und wie stark Säkularisierungstendenzen unter Muslimen verbreitet sind, hat eine über fünf Jahre erarbeitete Studie des Instituts für Islamische Studien Wien erhoben.

(…)

So tragen etwa 77 Prozent der Musliminnen hier kein Kopftuch. (…)

Bewusst habe man Muslime außerhalb von Moscheegemeinden und religiösen Organisationen aufgesucht, um die tatsächliche Alltagspraxis herauszufinden (…)

Hätte man die Befragungen in Moscheen oder islamischen Vereinen durchgeführt, wären die Antworten anders ausgefallen, ist Aslan überzeugt. Denn neben dem Imam ließe sich nicht leicht sagen, dass man zwar bete, aber auch ab und zu ein Glas Wein trinke, so Aslan.

(…)

Mit fast 30 Prozent ist die größte Gruppe die der „pragmatischen“ (29,6 Prozent), gefolgt von 26,6 Prozent, die als Personen mit „kultureller Religiosität“ bezeichnet werden. 15 Prozent gehören der Gruppe der „ungebundenen Restreligiosität“ an, 14,8 Prozent leben eine „offene Religiosität“ und 14,1 Prozent eine „bewahrende“.

(…)

Starke Säkularisierungstendenzen

Die Mehrheit der in Österreich lebenden Muslime weist Säkularisierungstendenzen auf. „Pragmatisch“ lebende Muslime verrichten beispielsweise die im Islam vorgeschriebenen fünf täglichen Gebete so, wie es der Arbeitsplatz, die Freizeitgestaltung und andere äußere Einflüsse zulassen. Sie werden von den Autoren als „moderat konservativ“ bezeichnet.

„Kulturelle“ oder „Kulturmuslime“ sind, kurz gesagt, aus Gewohnheit Muslime. Religion ist ihnen zu bestimmten Anlässen wichtig, etwa wird der Fastenmonat Ramadan eingehalten, ansonsten wird sie eher als Relikt betrachtet.

Individualisiert und weltoffen

Jene 15 Prozent, die eine „ungebundene Restreligiosität“ aufweisen, glauben zwar an Gott und das Paradies, das findet aber keine Entsprechung in ihrem Alltag. Trotzdem sehen sie sich als Muslime – vergleichbar seien sie mit den „Taufscheinchristen“, so Aslan.

Die Muslime, die einer „offenen Religiosität“ zugeordnet werden, leben sehr selbstbestimmt, unter anderem werden Gebete nach persönlichem Bedürfnis und nicht nach Vorschrift verrichtet. Sie stellten sich in der Studie als eher weltoffen und liberal dar und wohnen zum Beispiel unverheiratet mit der Partnerin oder dem Partner zusammen.

Traditionalisten knapp kleinste Gruppe

Die kleinste Gruppe (14,1 Prozent), so die Studie, ist die der „Bewahrenden“. Sie ist traditionalistisch eingestellt, wertkonservativ und sehr religiös. Die „fünf Säulen des Islam“ werden nicht infrage gestellt.

weiterlesen:

[http://religion.orf.at/stories/2847756/

Advertisements
  1. #1 von Charlie am 8. Juni 2017 - 16:09

    Muslime passen sich den Katholiken an.

  2. #2 von Gerry am 8. Juni 2017 - 17:24

    Tja meine lieben Xenophoben, wird wohl nix mit eurer „Islamisierung des Abendlandes“.

    Mich würde ja noch interessieren ob bei der Befragung auch das Alter notiert wurde und in Folge dann ob sich die Altersstruktur der unterschiedlichen Gläubigengruppen signifikant von derjenigen der Christen unterscheidet.
    Aber für die Antwort darauf mag ich jetzt auch keine 70 Lappen hinlegen…

  3. #3 von awmrkl am 9. Juni 2017 - 02:10

    „Die kleinste Gruppe (14,1 Prozent), so die Studie, ist die der „Bewahrenden““

    Das ist ca 1/7.
    Leider sind das die mit dem lautesten Geschrei, und werden leider auch v.a. von Politik am meisten wahrgenommen.

    Aber grundsätzlich sind solcherart „offene“ Studien mE am wertvollsten.

    @gerry
    „wird wohl nix mit eurer „Islamisierung des Abendlandes“.“
    Das ist doch eh nur ein feuchter Traum der Ewiggestrigen. Die einzige Satisfaktion daraus wäre doch eh nur hinterher(!): „Das hab ich doch schon immer gesagt!“