Kirchentagspräsident kritisiert 11. Gebot

Der frisch gewählte neue Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages (als „investigativer Journalist“ dargestellt) äußerte im Deutschlandfunk einige bemerkenswerte Dinge:

Aufgabe des Kirchentags: Leute gewinnen, die mit Kirche nichts zu tun haben
Im Interview mit dem Deutschlandfunk Kultur machte Kirchentagspräsident Hans Leyendecker an zwei Stellen deutlich, dass Kirchentage durchaus eine Werbeveranstaltung für die Kirchen sind.

Kirchentagspräsident Hans Leyendecker zur Kritik des 11. Gebots
Nachdem David Farago darauf hingewiesen hat, dass die EKD zum Zwecke des Kirchentags extra eine „arme“ Laienorganisation gründet, um staatliche Zuschüsse zu kassieren, entgegnet Leyendecker, ja, das sei eine Laienorganisation.

Das Wichtigste am Kirchentag: Begegnung, Gebet, Singen, Dialog
Kirchentagspräsident Hans Leyendecker erklärt, was für Kirchentagsbesucher am Wichtigsten ist.

Profis und Landeskirche bereiten den Kirchentag vor, Ehrenamtliche “unterstützen“
Kirchentagspräsident Hans Leyendecker macht deutlich, dass der Kirchentag von langjährigen Profis und der Landeskirche vorbereitet wird. Ehrenamtliche wie er „unterstützen“ dabei.

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  1. #1 von deradmiral am 30. Mai 2017 - 13:30

    Der Präsident der „Laienorganisation“ kann nicht erklären, wieso die Kirche keine eigene Veranstaltung hat und die Organisation seines zentralen Treffens seinen Laien überlässt. Aber die Frage ist, wieso sich der Steuerzahler hier an der Nase herumführen lässt…

  2. #2 von awmrkl am 30. Mai 2017 - 15:25

    Ganz „normal“ für Verdummbibelte:
    Die lügen schon, bevor sie ihr großes Maul aufreißen.

  3. #3 von parksuender am 30. Mai 2017 - 17:58

    Ein Laie ist kein Kleriker. Er darf nicht Wein in Wasser verwandeln (oder umgekehrt), nicht mehr und nicht weniger.
    Herr Leyendecker tut ja gerade so als hätte er als „kleine Person“ mit seinen politischen Connections überhaupt keinen Einfluss, weil er ja „nur“ Laie ist.

  4. #4 von Skydaddy am 30. Mai 2017 - 18:04

    Bei den Protestanten gilt das „Priestertum aller Gläubigen“. Da kann er sich seinen Verweis auf „Laien“ und die verfasste Kirche sparen.

  5. #5 von Jörn Dyck am 31. Mai 2017 - 18:21

    Es ist erstaunlich, dass ein Kirchenvertreter auch auf Nachfrage nicht in der Lage ist, einen konkreten Nutzen für die Stadt zu nennen. Stattdessen wird geheimnisvoll geraunt, dass in der Stadt „irgendetwas bleiben“ würde, oder dass eine Stadt „ein anderes Gesicht“ bekommen hätte, oder dass „gute Gespräche“ geführt worden wären. Er sagt, „er hätte gehört“, oder „es klang so“, und es „blieb eine Menge zurück für Berlin“.

    Man muss ja schon dankbar sein, dass die Journalisten überhaupt kritische Fragen stellen; aber ein wenig mehr „nachbohren“ könnte man an dieser Stelle sicher einfordern.

    Ich finde es ärgerlich, dass die Kirchenvertreter immer wieder mit derart leeren Phrasen davonkommen. Gerade wenn es um Steuergelder geht, kann man eine klare Sprache verlangen.

  6. #6 von user unknown am 1. Juni 2017 - 02:28

    In Hannover hat er mit Stadtleuten gesprochen, also mutmaßlich solchen, die selbst für das Sponsoring des Kirchentags eingetreten sind und jetzt wenig Interesse daran haben, einzuräumen, dass es ein schlechtes Geschäft für die Stadt war.

    Schaut man sich an, wieviele Politiker hier und da und überall auf den Bühnen und Podien zu Wort und ins Rampenlicht kamen, dann ist das eine enorme Wahlwerbeveranstaltung der Politik gewesen unter konsensualem Ausschluss der AfD, die man nicht mögen muss, um das hervorzuheben.
    Man kann ein solches Eine-Hand-wäscht-die-andere auch als zutiefst korrupt bezeichnen. Wenn sich so eine Gefälligkeitskultur auf Gegenseitigkeit erst mal eingespielt hat, dann bedarf es auch keiner konspirativen Absprache mit Übergabe von Umschlägen und Koffern mehr.

    Man sollte mal eine erschöpfende Liste machen, wo wann welcher Politiker aufgetaucht ist und wieviel davon konstenlos ins TV gestreamt ist. Dazu unzählige Presseartikel und Radiobeiträge. Für die Parteien wahrscheinlich ein Riesengeschäft, vergleicht man es mit dem, was eine Werbeminute vor gleichviel Zuschauern, -hörern und Lesern kostet.

    Den Bund der Steuerzahler (ich weiß, eine arbeitgebernahe Institution) sollte es auch interessieren.

    Mir selbst fehlt momentan die Zeit.

    Aber wenn jemand die Rechnung aufmacht, sollte er schamlos mit den 200.000 Leuten argumentieren, die angeblich gekommen sind.

    Zuschauerstatistikzahlen von Kirchentag im TV wäre auch noch so eine Fleißarbeit, die jemand mal stemmen sollte. 🙂

  7. #7 von Jörn Dyck am 1. Juni 2017 - 02:56

    Die Berichterstattung hier (und im „Ketzerpodcast“) sind wirklich hilfreich, um die Hintergründe zu verstehen. Mir war vorher nicht bewusst, dass die Kirche eine Laienorganisation gegründet hat, um den eigenen Geldbeutel zu schonen.

    Müssten die Behörden nicht nachprüfen, ob die Behauptung einer Laienorganisation plausibel und zutreffend ist? Oder reicht die pure Behauptung aus (Gottvertrauen)?

    Wenn ein Laie behauptet, er hätte die WORLD TOUR 2017 der Rolling Stones organisiert, unter Zuhilfenahme einiger Profis, dann würde doch jeder stutzig werden. Oder bin ich da zu kritisch?