AfD-Meuthen attackiert Käßmann

Beim Kirchentag sollte ein Dialog zwischen AfD und Kirchen beginnen. Der Versuch ist gescheitert. Vorsitzender Meuthen attackiert die Theologin Margot Käßmann und spricht ihr ab, richtige Christin zu sein.

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Meuthen sprach von „Dialogverweigerung“ und warf den Kirchen vor, die AfD zu „diffamieren“. „Gesprächsangebote lehnen sie kategorisch ab“, sagte Meuthen, räumte zugleich aber ein, dass es eine offizielle Anfrage der Parteispitze an die Kirchen für Gespräche, ob öffentlich oder informell, in der Form noch gar nicht gegeben hat.

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Käßmann sei „zwei Dinge gewiss nicht: eine aufrichtige Christin und klug“

weiterlesen:

[http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/afd-gegen-kirchen-meuthen-attackiert-kaessmann-fast-schon-krank-15037879.html

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  1. #1 von deradmiral am 30. Mai 2017 - 13:37

    Ich finde, dass es wichtig ist, sich mit AfDler zu unterhalten. Ich vertrete in den allermeisten Punkten zwar eine andere Meinung, aber wie will man ernsthaft erwarten Ihre Anhänger zu überzeugen, wenn man sie beiseite stößt.

  2. #2 von Skydaddy am 30. Mai 2017 - 13:47

    Mit der AfD haben sie wenigstens geredet.

    Messianische Juden – Menschen überwiegend jüdischer Abstammung, die an Jesus Christus als ihren Messias glauben, sich aber dennoch weiterhin mit fortführender Zelebrierung jüdischer Bräuche als Juden verstehen – oder Leute, die Juden missionieren wollen, werden gar nicht erst auf Kirchentage gelassen:

    Stellungnahme des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages, warum christlichen Gruppen mit judenmissionarischer Intention und Praxis keine aktive Teilnahme an Kirchentagen gewährt werden kann

  3. #3 von user unknown am 30. Mai 2017 - 17:30

    Ich stehe den Kirchen und der AfD fern, sehr fern.
    Insofern wäre es praktisch, wenn sich beide freiwillig in einem großen Sack versammeln würden, so dass man mit einem groben Scheit … – Moment, lassen Sie es mich so formulieren:

    Ich muss hier aufpassen, dass ich nicht das sehe, was ich sehen will. In einigen Themen gibt große Übereinstimmung, ich glaube Abtreibung ist hie wie da verpönt, es gibt gegenüber Schwulen und Lesben beiderseits große Ablehnung und Berührungsängste.
    Was Flüchtlinge betrifft sind die Unterschiede schon eklatant.

    Das Hausieren mit dem christlichen Abendland auf AfD-Seite ist im großen und ganzen eine leere Phrase. Es bedeutet nur „Wir gegen die“ aber es nicht viel dahinter. Die meisten AfDler gehen nicht öfter in die Kirche als Leute, die was anderes oder gar nichts wählen. Christen gegen Moslems ist eine Frontstellung, die sich in den Medien besser verkaufen lässt als Deutsche gegen Ausländer oder Weiße gegen Schwarze und ist auch trennschärfer, für das, was gemeint ist.
    Ich glaube nicht, dass die AfDler im Schnitt einen Unterschied zwischen christlichen Nigerianern und moslemischen machen wollen, zwischen Maghrebstaaten und Subsahara. Aber Pakistanis, Afghanen, Syrer usw. würden die meisten nicht als Schwarze bezeichnen. Italienische, spanische oder exjugoslawische Einwanderer dagegen sind so weit integriert, dass sich da schlecht ein Feindbild aufbauen lässt.

    Personell ist es wohl so, dass in den Organisationen der Kirchen, im Leitungsbereich so wenige AfD-Leute befinden, dass diese vor den Kopf zu stoßen nicht auf Gegenwehr gestoßen ist. Hätten die Gemeinden viele organisierte Helfer, die der Kirche den Rücken zu kehren drohen, dann würde sich diese wohl zweimal überlegen gegen die AfD Stellung zu beziehen. Auf der anderen Seite haben sie aber viele Helfer mit einer klaren Anti-AfD-Haltung, die sie zu verlieren drohen, wenn sie mit der AfD kuscheln. Vom Abwägungsprozess her haben sie da wohl mehr zu verlieren als zu gewinnen.

    Atheistischen Strömungen wächst hier ein potentieller Koalitionspartner zu, etwa in Fragen Kirchensteuer, Kirchentagsfinanzierung, Religionsunterricht, Kirche in Rundfunkräten und es wird der Differenzierung bedürfen, wie damit umgegangen wird. Lässt man sich vereinnahmen, hat man übertriebene Angst vereinnahmt zu werden, grenzt man sich zu sehr oder zu wenig ab. Das wird zu Streit unter uns führen.

    In den etablierten Parteien hat Atheismus keine Adresse. Von den C-Parteien abgesehen, die durch ihr C im Namen doch irgendwie festgelegt sind, gibt es in FDP, SPD, Grünen und Linkspartei mehr oder weniger atheistische Strömungen aber auch überall christliche Lobbyisten. Letzteren sich an den Hals zu werfen, wenn die AfD das atheistische Machtvakuum, 35% in der Bevölkerung, bedient, ist nicht das Gebot der Stunde.

    Zu den vielen religiös Ungebundenen, die zum Teil sicher gar keine Atheisten sind, sondern aus diversen Gründen den organisierten Kirchen fernstehen, kommen noch viele, die formal einer Kirche angehören, aber sich ideologisch nicht von der Kirche vertreten sehen und obwohl sie einer Kirche angehören deren Einfluss in Staat und Gesellschaft lieber schrumpfen sehen. Leute, die niemals ein Kirchendogma über wissenschaftlichen Erkenntnisstand stellen würden, die in der Sterbehilfe keine kirchliche Einmischung wollen.

    Die AfD beherbergt auch ein Spektrum rechter Esoteriker und die esoterischen Verästelungen finden sich auch teilweise in den Kirchen wieder, aber auch in etablierten Parteien. Die Kirchen haben hier das Problem, dass die Esoteriker mit dem gleichen Wasser kochen und daher enge Verwandte sind – das ganze, antiintellektuelle Geschwurbel von Energien und Glauben. Andererseits haben sie aber ihre Bibelverse gegen Hexen und Zauberer, falsche Propheten usw. Die Gemengelage ist komplex.

    Die Komplexität der Gemengelage bedeutet, dass man oft taktisch sowohl in die eine Richtung, als auch die andere diskutieren kann. Was tut man da?

    Für mich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass man sich seiner Werte vergewissert und schlage vor: Körperliche Unversehrtheit, individuelle Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte und Bürgerrechte verteidigen, den Rechtsstaat verteidigen, Minderheitenrechte.
    Klingt wie eine hübsche Sonntagsrede – wo unterscheidet sich das von anderen? a) Kein Supergrundrecht Sicherheit. b) Keine Parteidisziplin c) keine Grundrechte für Kulturen, Religionen und Gruppen.

    Ich will aus taktischen Gründen nicht von Verbündeten belogen werden und will auch nicht anfangen mich selbst zu belügen. Im Großen und Ganzen halte ich uns für genauso anfällig für Selbstbetrug wie Christen, Moslems und Esoteriker. Was Religionen betrifft haben wir einige Muster durchschaut, aber auf anderen Gebieten sind wir wohl ähnlich gestrickt.