Kirchentag: Humanisten fühlen sich diskriminiert und werden dafür kritisiert

Werden nicht-religiöse Menschen in Deutschland diskriminiert? Ja, sagt der Humanistische Verband – und verweist auf die Staatsförderung der christlichen Kirchen in der Bildung. Andere widersprechen. Eine Diskussion auf dem Kirchentag.

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Reinhard Hempelmann von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen wandte sich ebenfalls kritisch gegen die Thesen des HVD. Auch er betonte, dass Religionslosigkeit facettenreich sei. Von 25 Millionen postulierten Menschen, die in Deutschland keiner Religion angehörten, seien nur rund 25.000 im HVD organisiert.

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Er wies weiterhin darauf hin, dass es innerhalb des humanistisch-atheistischen Spektrums Stimmen gebe, „die respektlos auf ein gläubiges Bewusstsein herabschauen“. Diese zielten darauf ab „im Namen von Wissenschaft eine atheistische Weltanschauung zur Norm zu erheben”, etwa wenn gefordert werde, statt „religöser Schöpfungsmythen“ ab der ersten Klasse ausschließlich die Evlutionstheorie zu lehren. „Solche Sätze empfinde ich als schwierig. Manche politischen Forderungen sind daraufhin zu befragen, ob sie nicht die Diskriminierung von Religion befördern.”

Hempelmann plädierte zudem dafür, „dass Religion keine Privatsache ist“. Die Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sollten sich im öffentlichen Raum zeigen. Denn dann müssten sie sich auch im öffentlichen Raum miteinander verständigen.

weiterlesen:

[https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/05/27/humanisten-fuehlen-sich-diskriminiert/

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  1. #1 von Charlie am 28. Mai 2017 - 16:40

    Von 25 Millionen postulierten Menschen, die in Deutschland keiner Religion angehörten, seien nur rund 25.000 im HVD organisiert.

    Immer wieder dieses Counter-Argument. Als würde die Kirchen für all ihre Karteileichen sprechen.

    statt „religöser Schöpfungsmythen“ ab der ersten Klasse ausschließlich die Evlutionstheorie zu lehren. „Solche Sätze empfinde ich als schwierig. Manche politischen Forderungen sind daraufhin zu befragen, ob sie nicht die Diskriminierung von Religion befördern.”

    Zuerst die Kinder mit Schöpfungsmythen (Plural) verblöden, in der Hoffnung, dass was hängen bleibt.

    „dass Religion keine Privatsache ist“

    Ihr stellt die Religion auf einen Sockel, wo sie nicht hingehört. Religion ist ein Hobby und kein Menschenrecht!!

    Der Tagesspiegel schreibt zu Thema:

    Wie der Religionsmonitor 2013 der Bertelsmann Stiftung zeigte, hat der Begriff „Atheismus“ in der deutschen Bevölkerung trotz weit verbreiteter Kirchenferne kein gutes Image, ein Drittel der westdeutschen Bevölkerung empfindet ihn sogar als Bedrohung.

    Die Kirchen lassen auch keine Gelegenheit aus, den Atheismus als Schreckensgespenst darzustellen. Kein Wunder.

  2. #2 von reclaimer8015 am 28. Mai 2017 - 21:39

    Der Typ macht ja eigentlich den Punkt für den HVD.
    Hempelmann plädierte zudem dafür, „dass Religion keine Privatsache ist“. Was sonst? Dann bleibe ich mit meinem Atheismus auch nicht in meinen 4 Wänden!

  3. #3 von reclaimer8015 am 28. Mai 2017 - 21:39

    Eher Hampelmann 🙂

  4. #4 von Hypathia am 28. Mai 2017 - 21:53

    Kein einziges Wort im ZDF-heutejournal über die Luther/Moses Protestaktion! Und da sollen sich Humanisten und Religionsfreie nicht benachteiligt fühlen?!

  5. #5 von drawingwarrior am 28. Mai 2017 - 23:41

    Ich habe gerade mal auf Pro-Mediamagazien den Artikel kommentiert.
    Hier mein Text:

    Ich bin auch dafür, das wir unseren Kindern in der Schule religiöse Schöpfungsmythen beibringen…im Geschichtsunterricht oder in Sozialkunde.
    Ich gehe mal davon aus, das Herr Hempelmann gerne seinen Schöpfungsmythos bevorzugt in die Kinderköpfe transportieren möchte.
    In den Naturwissenschaftlichen Fächern hat Religion nichts zu suchen.
    Es sein den Herr Hempelmann möchte gerne mit Ärzten konfrontiert werden, die auf Grund herausragender Kenntnisse der christlichen Schöpfungslehre ihn und seine Familie mit dem Blut von Hühnern gegen Gen-Defekte behandeln.
    Hatte ich erwähnt, das ich Atheist bin?

  6. #6 von Willie am 29. Mai 2017 - 04:52

    Es sei zudem ein „juristischer Fehlschluss“, aus der negativen Religionsfreiheit, also dem Recht, keiner Religion anzugehören, Rechtsansprüche abzuleiten, selbst wie eine Religionsgemeinschaft behandelt zu werden. „Das hat in meinen Augen keine verfassunsgrechtliche Relevanz“, sagte Papier.

    Warum steht dann im Art. 4 Absatz 1 „… und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“ ? Ist mit dieser Weltanschauung lt. Papier nur das Übersinnliche gemeint?

  7. #7 von schiffmo am 29. Mai 2017 - 10:09

    Ich finde auch, dass Atheismus keine Privatsache ist. Wenn der Herr Abteilungsleiter in der zentralen Apologie der EKD das für seinen Fall genauso sieht, um so besser. Er kann bestimmt organisieren, dass wir den Berliner Dom einen Tag lang als Tagungsort für eine Atheistenconvention haben können.
    Wenn er das macht, dann komm ich vorbei und helfe mit 😉

  8. #8 von drawingwarrior am 29. Mai 2017 - 11:41

    Natürlich wurde mein Kommentar gelöscht!
    Soviel zur Dialogbereitschaft.

  9. #9 von Veria am 29. Mai 2017 - 12:51

    @dw: Ich kann ihn sehen, sieht mir nicht gelöscht aus.

  10. #10 von Wacke am 29. Mai 2017 - 13:05

    Die Leopoldina, die Nationale Akademie der Wissenschaften, hat im April eine Stellungnahme unter dem Titel „Evolutionsbiologische Bildung in Schulen und Hochschulen“ veröffentlicht. Darin kommt die Akademie u.a. auch zu dem Schluss, dass eine evolutionsbiologische Bildung fächerübergreifend von der Grundschule an in die Schulen gehört und dass es einen enormen Nachholbedarf diesbezüglich gibt. Ebenso kritisiert die Akademie die rudimentäre evolutionsbiologische Ausbildung an den Hochschulen in Deutschland.

    Ich habe noch mal nach geschaut. Im Impressum fand ich jetzt nichts vom HVD …

    Eine Lektüre, die Herrn Hempelmann dringend zu empfehlen ist.

  11. #11 von drawingwarrior am 29. Mai 2017 - 14:18

    @veria

    Ich hab über mein Telefon geguckt und da war kein Kommentar vorhanden.
    Kann aber auch eine Seite aus dem Cache sein.
    Wie gut das ich nicht Humanistenverfolgung geschrien habe.

  12. #12 von Militante Mitte am 29. Mai 2017 - 15:05

    In other news:
    Psychotiker fordern öffentliche Anerkennung ihrer Wahnvorstellungen.
    Schizophrene wünschen den Stimmen in ihren Köpfen mehr Gehör zu schenken.
    Esotheriker erarbeiten ganzheitliches Curriculum für Grundschulen.
    Neonazis empört über wachsende Germanophobie und Missrepräsentation ihrer Ideologie des Friedens.

  13. #13 von Elvenpath am 29. Mai 2017 - 15:38

    @dw:
    Beim pro-medienmagazin dauert es manchmal etwas, bis der Kommentar erscheint. Die löschen aber nicht so schnell, sind relativ tolerant.

  14. #14 von user unknown am 29. Mai 2017 - 18:53

    @drawingwarrior
    Ich kann ’s auch lesen. Wollte nachsehen für den Fall, dass die Plattform vielleicht Premiummitgliedern etwas anzeigt, was sie der Allgemeinheit gegenüber versteckt, wobei ich die Möglichkeit bei dem Dienst DISQUS nicht vermute, aber da war ich schon da und konnte ja auch nachsehen.

  15. #15 von user unknown am 29. Mai 2017 - 19:01

    @charlie

    Immer wieder dieses Counter-Argument. Als würde die Kirchen für all ihre Karteileichen sprechen.
    (…)
    Die Kirchen lassen auch keine Gelegenheit aus, den Atheismus als Schreckensgespenst darzustellen. Kein Wunder.

    Punkt 1 stimme ich vollkommen zu. Offiziell kann kein Christ das Christentum so personalisieren, dass er etwa nur spirituell und frömmlerisch bucht – er bekommt die ganze Kirche dazu oder tritt aus. Die Kirche spricht nicht im Namen der Gläubigen sondern im Namen der Organisation, die keine demokratische Meinungsbildungsprozesse in ihrer Struktur befördert. Vieles, was sie sagt, wird von der Mehrzahl ihrer Mitglieder nicht geteilt.

    Wenn sie aber schon bei ihrem Kernklientel ihre Ansichten nicht durchsetzen kann, wie sollte sie dann auf Ausgetretene oder nie Eingetretene meinungsbildend wirken können? Beide Argumente lassen sich schlecht zusammenbringen.