Kirche kritisiert Glaubensprüfungen bei Flüchtlingen

Ist die Taufe nur ein Trick, um Asyl zu erhalten? Unter diesem Verdacht nimmt das Bundesamt für Migration manchen Neu-Christen genauer unter die Lupe. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau ist empört.

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[http://hessenschau.de/panorama/kirche-kritisiert-glaubenspruefungen-bei-fluechtlingen,asyl-taufe-ekhn-100.html

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  1. #1 von drawingwarrior am 5. Mai 2017 - 18:55

    Das Problem ist nicht, das Flüchtlinge sich taufen lassen.
    Das Problem ist, das die Taufe offensichtlich ein valider Grund ist, einen Menschen in diesem Land aufzunehmen, oder auch nicht.
    Die Kriterien sollten bei der Bedürftigkeit eines Menschen ansetzen, nicht bei seiner Religion.

  2. #2 von Hypathia am 5. Mai 2017 - 19:28

    Den Kirchen ist es scheinbar egal, ob ihre Täuflinge den Quargel überhaupt glauben. Hauptsache sie haben einen Beitragszahler mehr.

  3. #3 von Hinterfragerin am 5. Mai 2017 - 21:27

    @ drawingwarrior

    Naja, es ist insofern ein valider Grund, als es tatsächlich gefährlich ist, als „Apostat“ in bestimmte islamisch geprägte Länder zurückkehren zu müssen. Genauso gefährlich, ob sie nun Christen werden oder sich als Atheisten outen.

    Ex-Muslime in den Iran, oder nach Afghanistan o.ä. zurückzuschicken brächte diese in Gefahr.

    Ich frage mich aber, wie viele Menschen sich auf diesem Wege tatsächlich versuchen, ein Bleiberecht zu erschleichen. Zumal dazu ja ein ziemlicher Bruch mit den Werten gehört, mit denen man aufgewachsen ist, mit der „eigenen Community“ – und zumal einen eine solche Entscheidung durchaus auch in Deutschland gefährden kann:

    https://www.merkur.de/bayern/musste-farima-s-sterben-weil-sie-christin-war-8247675.html

  4. #4 von user unknown am 6. Mai 2017 - 03:10

    In den Hochzeiten der Christianisierung konnte die Taufe auch bedeuten, dass man seinen Kopf behalten darf, äußerlich – da war es den Christen auch recht, dass sie mit Todesangst missionieren.

  5. #5 von m0ebius am 6. Mai 2017 - 11:44

    Hier unterstütze ich die Position der Kirchen. Zur Glaubensfreiheit gehört ganz entscheidend auch die Bekenntnisfreiheit. Hier heißt das, dass sich ein Flüchtling öffentlich für oder gegen jede Religion aussprechen darf, ohne dafür um sein Leben fürchten zu müssen. Die Alternative wäre „äußern darf er nur eine staatlich anerkannte Weltanschauung nach Glaubensprüfung“, was ja offensichtlich inakzeptabel ist.

    Wenn das dazu führt, dass Vorteile für Menschen entstehen, das zu tun, muss man das eben hinnehmen.

    Wäre natürlich schön, wenn die Kirchen das auch intern mal akzeptieren würden.

  6. #6 von Skydaddy am 6. Mai 2017 - 13:56

    Ich kann nicht sehen, wie die Evangelische Kirche von Hessen-Nassau zu dem Ergebnis kommt, die Glaubensprüfungen würden gegen das Grundgesetz verstoßen.

    Geprüft wird nicht, ob jemand das richtige glaubt, sondern seine Glaubwürdigkeit. So, wie (habe ich mal gelesen) die Polizei auch Skinheads mit Baseballschlägern, die behaupten, dieses zum Baseballspielen dabei zu haben, nach den Baseball-Regeln fragt.

    Das Problem ist freilich, das sich alles, was bei solchen Prüfungen abgebrüht werden könnte, zur Erschleichung des Asyls vorab lernen bzw. „produzieren“ ließe. (Z.B. Gottesdienstbesuche in Deutschland.

    Für „uns“ wäre es eigentlich am besten, auf solche Prüfungen würde verzichtet, weil das nur Leute in die Fänge der Kirchen treibt.

    Trotzdem scheinen mir Plausibilitätsprüfungen prinzipiell angebracht. Ich fürchte nur, sie nützen wenig.

  7. #7 von m0ebius am 6. Mai 2017 - 14:30

    @Skydaddy:
    Ganz klar nein!
    Erstens herrscht nicht nur Glaubens-, sondern auch Bekenntnisfreiheit, siehe Grundgesetz Artikel 4 Absatz 1:

    Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

    Der Unterschied zum Baseballschlägerbeispiel ist, dass Rumlaufen mit Baseballschlägern im Gegensatz zum religiösen Bekenntnis keinen eigenen Grundrechtsrang hat.

    Bekenntnisfreiheit ist auch nicht daran gebunden, dass man das, was man bekennt, auch tatsächlich glaubt. Das kann man eigentlich auch gar nicht anders handhaben, ansonsten kommt man zum Problem der Glaubensprüfungen, die entweder trivial zu unterlaufen oder willkürliche Gelegenheiten zum Entzug der Bekenntnisfreiheit wären. Wir können doch nicht mal in den Äußerungen von Berufschristen wie Frau aus der Au entziffern, was sie wirklich glaubt. Wie will man das erst über Sprachbarrieren bei Leuten beurteilen, die oft gar keine Möglichkeit zur tieferen Beschäftigung mit Religionsinhalten hatten (wozu es ja zum Glück auch innerhalb des Christentums keinen Zwang gibt), und die wahrscheinlich sowieso zu synkretistischen Vorstellungen (vulgo Häresien) neigen?

    Deshalb ist es nur von Belang, was der Flüchtling bekennt, und das steht ja nicht im Zweifel.

    Das ist auch nur folgerichtig, denn für die Verfolgung spielt die innere Überzeugung des Verfolgten ja auch keine Rolle.

  8. #8 von user unknown am 6. Mai 2017 - 14:43

    Man kann ja auch mal fragen wo der Unterschied dazu besteht, dass sich ein Flüchtling zum Atheisten erklärt.

  9. #9 von m0ebius am 6. Mai 2017 - 14:54

    Ein weiterer Unterschied zum Baseballschlägerbeispiel ist, dass dort ein Grundrecht in Konkurrenz steht: die allgemeine Entfaltung der Persönlichkeit des angeblichen Baseballspielers mit der körperlichen Unversehrtheit seiner potentiellen Opfer.

    Im Fall des konvertierten Flüchtlings sieht das anders aus: er hat das Recht des freien Bekenntnisses, und er hat das Recht, vor Verfolgung deswegen geschützt zu werden. Dem gegenüber steht nur der Wunsch des Staates, Geld zu sparen.