Evangelikale Kritik am Bundespräsidenten

Vertreter der Österreichischen Evangelischen Allianz haben mit Kritik auf die Kopftuch-Aussage des österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen reagiert. Der frühere Bundessprecher der linksgerichteten Grünen hatte bei einer Diskussion in der Vertretung der Europäischen Kommission in Wien angeregt, alle Frauen zu bitten, ein Kopftuch zu tragen. Wörtlich sagte er in der teilweise vom Fernsehsender ORF übertragenen Veranstaltung: „Und wenn das so weitergeht, bei dieser tatsächlich um sich greifenden Islamophobie, wird noch der Tag kommen, wo wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen. Alle, als Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun.“

weiterlesen:

[http://www.idea.de/gesellschaft/detail/kopftuchdebatte-evangelikale-in-oesterreich-kritisieren-bundespraesidenten-100794.html

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  1. #1 von Charlie am 29. April 2017 - 10:16

    Hier der Kontext:

    Van der Bellen erinnerte an die Reaktion der Dänen auf die Anordnung der nationalsozialistischen Besatzer, Juden müssten den gelben Stern tragen. Viele Nichtjuden hätten sich damals ebenfalls den Stern angesteckt und damit die Punzierung der Verfolgten wirkungslos gemacht.

  2. #2 von Unechter Pole am 29. April 2017 - 10:25

    @Charlie
    Ein wesentlicher Unterschied: Juden wurde das Tragen vom gelben Stern aufgezwungen, nicht verboten.

    Konsequenterweise müssten alle Frauen in Ösiland aus Solidarität die Kopftücher ablegen.

  3. #3 von Hypathia am 29. April 2017 - 13:29

    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Der kleine Abschnitt „wo wir alle Frauen bitten müssen“ relativiert die ganze Sache doch schon.
    Er kann mich gerne um etwas bitten, ob ich es dann auch tue, ist aber meine Entscheidung. Ich solidarisiere mich mit gar keiner Religion, da mir alle zuwider sind. So einfach ist das.

  4. #4 von dirk am 29. April 2017 - 14:35

    Islamophobie?

    Was sagt Herr Dr. Amer Albayati, Islam- und Terrorexperte Präsident, Initiative Liberaler Muslime Österreich dazu?

    http://www.initiativeliberalermuslime.org/pressemitteilungen/20-04-2016-islamophobiekeule/

    „Islamophobiekeule ist niederträchtiges Werkzeug radikaler Islamisten
    – Radikale Islamisten erfanden „Islamophopie“ zur Imagepolitur – Islamophopie-Lüge schützt radikale Islamisten
    Wien (OTS) – Die Initiative Liberaler Muslime – ILMÖ ist der Meinung, Islamkritik und Meinungsfreiheit können niemals Islamophobie oder Rassismus sein. Vielmehr verstecken sich radikale Islamisten hinter diesem künstlichen Begriff. Sie wollen mit der Islamophobiekeule jegliche Kritik und Meinungsfreiheit in Europa verhindern und einen Feldzug gegen Kritiker starten. Ja, wir haben Angst.

    Es handelt sich um eine europaweite konzertierte Kampagne gegen die Meinungsfreiheit, der sich alle aufgeklärten Menschen und liberalen Muslime in den Weg stellen müssen“

    Das sich Personen aus dem ehemals linken, pazifistischen, grünen Spektrum leider extrem rechte, wie salafistischen oder kriegsunterstützende bzw bürgerkriegsunterstützende Positionen übernommen haben ist nicht nur in Deutschland sondern auch international öfter zu sehen (von der Mainstreampresse wird dafür häufiger der Begriff Realpolitik oder regierungsfähig benutzt). Für einen Pazifisten sind die Grünen in Deutschland ab Fischers Engagement zum Angriffskrieg auf Jugoslawien sowieso nicht mehr wählbar.

  5. #5 von dirk am 29. April 2017 - 15:26

    @#3 von Hypathia

    Die Aufregung entsteht aus der Sichtweise das Kopftuch aus religiös/ideologischen Gründen zu tragen. Konkret aus der Sichtweise das die Frau kein eigenständiger gleichwertiger Mensch sondern der Besitz eines Mannes (Vater oder Ehemann) ist. Ein derartig hochwertiger Besitz bei der nicht mal das Ansehen für fremde Männer (was womöglich zum sexuellen Gebrauch verleiten könnte) gestattet ist und deshalb die Frau ein Kopftuch (oder noch weit mehr) tragen muss, In der Vergangenheit kam es auch vor das weiblichen Sklavinnen verboten wurde ein Kopftuch tragen.

    Siehe auch:

    http://www.fr.de/politik/tuerkei-es-ist-erlaubt-euch-zu-vergewaltigen-a-487975

    “ In der Türkei wurde bekannt, dass eine Koranlehrerin in der zentralanatolischen Provinz Tokat halbwüchsige Schülerinnen beschimpfte, weil sie kein Kopftuch im Unterricht trugen. „Ihr bedeckt eure Köpfe nicht, deshalb ist es im Islam erlaubt, euch zu vergewaltigen oder anderes Grausames anzutun“,“

  6. #6 von Hypathia am 29. April 2017 - 15:35

    @ dirk

    Genau, und deshalb würde ich auch kein Kopftuch aufsetzen. Aber genauso wenig würde ich mir ein Kreuz umhängen.

    Es ging mir darum, dass eine Aussage, die, wie Charlie schon ausführte, aus dem Zusammenhang gerissen ist, dermaßen aufgebauscht wird.

  7. #7 von dirk am 29. April 2017 - 15:59

    Ich verstehe jetzt nicht was du meinst mit „aus dem Zusammenhang gerissen“.

    Islamophobie ist meist ein Begriff zur inhaltlosen Verächtlichmachung von Kritik an bestimmten, von den allgemeinen Menschenrechten abweichenden, islamischen Wertvorstellungen.

    Und da die Sache mit dem Kopftuch in Bezug auf den ideologischem Islam so einen negativen Touch hat (aus Sicht der allgemeinen Menschenrechte) sollten wir doch eher froh sein wenn derartige extrem patriarchalische Verhältnisse überwunden werden, statt sie zu verstärken wie durch die Aussage des österreichischen Präsidenten.

  8. #8 von dirk am 29. April 2017 - 16:09

    #6 von Hypathia

    Zitat Hypathia „dermaßen aufgebauscht wird.“

    Es ist halt eine Frage welche Werte einem wichtig sind, deshalb finde ich die Kritik an der Aussage des österreichischen Präsidenten keinesfalls aufgebauscht.

    Übrigens die Werte die einem wichtig sind, dem Papst scheint Gott weit wichtiger zu sein als die allgemeinen Menschenrechte.
    Gestern Nachmittag.
    Lange und innig umarmt Papst Franziskus den Grossimam von Al-Azhar.

  9. #9 von dirk am 29. April 2017 - 16:47

    Übrigens die Sache mit den Judensternen in Dänemark unter der Nazi Herrschaft.

    http://www.krone.at/oesterreich/van-der-bellens-story-ueber-judensterne-ist-falsch-kopftuch-causa-story-566940

    „…Tatsächlich gab es lediglich Überlegungen der deutschen Besatzer in Dänemark, wonach alle jüdischen Bürger wie in anderen besetzten Gebieten den typischen gelben Stern tragen sollten….“

  10. #10 von user unknown am 30. April 2017 - 07:01

    Ich sehe das Hauptproblem hier auch darin, dass es einmal um eine Bevölkerungsgruppe ging, die vom Staat gezwungen wurde sich zu markieren, um sie auszugrenzen und zu diskriminieren, auf der anderen Seite um eine, die sich selbst abgrenzen.

    Ich weiß nicht in welcher konkreten Debatte sich van der Bellen geäußert hat. Frauen sollen sich anziehen wie sie wollen klingt erstmal nach einer liberalen, vernünftigen Faustformel. Häufig übersehen werden hier die Feinheiten: Geht es ums Kopftuch und Hidjab – das Kopftuch mit integriertem Schal, sturmhaubenähnlich oder um NIcab und Burka, einerseits, andererseits um Räume und Funktionen, geht es um den Freizeitbereich, das Erscheinen auf Straßen oder um Schülerinnen, Studentinnen und mögliche Pflichten für Angestellte bzw. für Angestellte des öffentlichen Dienstes und Beamte, Lehrerinnen, Richterinnen, Polizistinnen, das Erscheinen vor Gericht usw.

    Wem das noch nicht an Komplexität genügt, der darf sich mit der Vokabel Islamophobie auseinandersetzen. Eine Phobie ist ja eine krankhafte Angst – man hat von Spinnenphobien gehört usw. – kleine, harmlose Weberknechte, vor denen erwachsene Menschen reißaus nehmen. Der Islamophobe soll hier aber nicht das Mitleid genießen, das kranken Menschen oft entgegengebracht wird, er soll nicht geheilt werden, sondern stigmatisiert, in der Hoffnung, dass er seine Krankheit verbirgt und sich die Krankheit so selbst heilt. Das ist natürlich eine fromme Hoffnung. Als Methodik ist es aber aus dem gleichen Guss wie die Proklamation einer Leitkultur, der sich alle Einwanderer anpassen sollen, gegen die sie sich wendet.

    Dann die vorgeschlagene Kur, alle Frauen zu bitten, Kopftuch zu tragen:

    Alle, als Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun.

    Angenommen, die Betroffenen tragen das Kopftuch aus religiösen Gründen. Wie käme es bei ihnen an, wenn Ungläubige auch eins tragen? Würden sie das überhaupt goutieren? Gestern war ein Bericht über Kenia im Fernsehen, wo auf dem Land die Mädchenbeschneidung noch Usus ist. Junge Mädchen wurden befragt: „Ja, das muss so sein, ein anständiges Mädchen muss beschnitten sein!“. Das könnte man mit den gleichen Argumenten hier verteidigen: Es ist Teil der Kultur, die mit der Religion unentwirrbar verwoben ist. Die Mädchen wollen es selbst. Die Frauen sollen selbst entscheiden dürfen.

    Der Verweis auf das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen setzt ein Individuum voraus, das faktisch in der Lage und willens ist, eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen. Die Ideologie, die das Kopftuch predigt, bestreitet jedoch den Wert des Individuums fundamental. Individualismus ist westliche Dekadenz. Der Einzelne soll gerade nicht unabhängig von Familie, Pfaffen und Staat tun und lassen was ihm beliebt, sondern sich an seinem gottgegebenen Platz einordnen, für die einen unter ein Kopftuch, für die anderen unter Hidjab, für die dritten unter Nicab und die vierten meinen, eine Burka sei allein gottgefällig. Dass es für den detaillierteren Blick weit mehr Varianten zu entdecken gibt mal beiseite.

    Der Judenstern hatte die gegenteilige Funktion: Die individuellen Unterschiede sollten nivelliert werden und Jude zu sein als primäres Bürgermerkmal vorgekehrt werden. Jeder Vergleich kommt ja irgendwo an seine Grenzen, aber hier ist der ö. Bundespräsident ganz prinzipiell grob daneben.

    Schaut man sich das Video von Strache an, das einen noch viel dümmeren Menschen zeigt, ahnt man, wieso das so ist. Verflachung der Diskussion und Polarisierung ist das Ziel, nicht Verständigung, Aufklärung, Argumente und Debatte. Die Kopftuchträgerin wird instrumentalisiert und als Stimmvieh umworben. Deren stockkonservative Gesinnung lässt sich nämlich nicht ansprechen. Ideologisch überholt diese Strache spielend rechts. Also spielt man sich als Beschützer auf, und hofft auf Dankbarkeit bei den nächsten Wahlen.

  11. #11 von K.Brückner am 30. April 2017 - 18:10

    Leider hat auch er noch nicht begriffen, dass schon das Kopftuch als politische Waffe missbraucht wird, um die Diskriminierung der Frau auch in den westlichen Gesellschaften zu betonieren. Mit dieser Argumentation spielt auch er den Rechtsradikalen und Nationalisten in die Karten, Ja wir sind für Religionsfreiheit aber nicht bedingungslos und uneingeschränkt. Heute das Kopftuch, morgen die Burka und übermorgen die Beschneidung und am Ende verlieren wir unsere Freiheit im Namen der Religionsfreiheit. Wehrt den Anfängen !

    K.Brückner

  12. #12 von Siegrun am 2. Mai 2017 - 05:31

    …wenn er sich aus Solidarität beschneiden lässt, können wir eventuell darüber reden…..megafacepalm
    So macht er ordentlich Wahlkampf für die FPÖ…und ich hatte gehofft, dass er zwar alt aber intelligent ist…aber das war wohl nix!