Warum gehen europäische Muslime zum „Islamischen Staat“

Die Soziologin Karin Priester fragt in ihrer Studie „Warum Europäer in den Heiligen Krieg ziehen. Der Dschihadismus als rechtsradikale Jugendbewegung“, warum der „Islamische Staat“ Muslime aus europäischen Ländern anzieht. Sie arbeitet dabei differenziert und kenntnisreich Gründe und Typen heraus, die Gleichsetzung Dschihadismus und Faschismus überzeugt aufgrund der ideologischen Unterschiede dann aber doch nicht so richtig.

Weiterlesen https://hpd.de/artikel/warum-gehen-europaeische-muslime-zum-islamischen-staat-14335

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  1. #1 von deradmiral am 21. April 2017 - 21:50

    Hamed Abdel Samad hat in seinem Buch „Der islamische Faschismus: Eine Analyse“ eine historisch klare Linie gezeichnet, welche die Verbindung zwischen Faschismus und Islam(ismus) zieht. Es wäre interessant heraus zu finden, ob und wenn ja wie Frau Priester dieser Darstellung begegnet.

  2. #2 von Skydaddy am 22. April 2017 - 07:17

    Wie der IS selbst in der Ausgabe „Breaking the Cross“ seiner Zeitschrift „Dabiq“ zeigt, finden auch Christen den Weg zum IS. Der IS (wie auch islamische Werber, soweit ich es beurteilen kann) hat eine klare Strategie, Christen beim Alten und Neuen Testament „abzuholen“, dann auf die – tatsächlich vorhandenen – Widersprüche und Unstimmigkeiten hinzuweisen, und den Islam als stimmigere und bessere Alternative anzubieten.

    Der Gott des IS ist der grausame, eifersüchtige Gott des Altes Testaments. Und obwohl kein vernünftiger Mensch das IS-Weltbild als „besser“ bezeichnen würde als das Christentum, ist es m.E. tatsächlich stimmiger und plausibler als das christliche Weltbild. Denn der christliche Gott, der in Neuen Testament lieb ist und im Alten Testament grausam, der im AT größenwahnsinnig ist und sich im NT selbst auf erbärmliche und grausame Weise sich selbst opfern muss, ist so absurd, dass beinahe jedes andere Weltbild plausibler ist. Dies kommt u.a. durch die Gegensätzlichkeit der im AT und NT beschriebenen Gottheiten.

    Man sollte sich also vielleicht von der Vorstellung befreien, nur Muslime seien empfänglich für die IS-Propaganda.

  3. #3 von Patrick am 22. April 2017 - 10:09

    Skydaddy: „Wie der IS selbst in der Ausgabe „Breaking the Cross“ seiner Zeitschrift „Dabiq“ zeigt, finden auch Christen den Weg zum IS.“

    Im folgenden Beitrag in seinem Blog geht Andreas Müller („Feuerbringer“) auf den Beitrag der IS-Zeitschrift „Dabiq“ über das Christentum ein:

    https://feuerbringer.wordpress.com/2017/01/08/was-den-islamischen-staat-fuer-manche-westler-attraktiv-macht/

  4. #4 von Patrick am 22. April 2017 - 10:10

    Andreas Müller zitiert aus dem betreffenden Beitrag eine Finnin, welche sich IS angeschlossen hat zu ihrem Grund, weshalb sie sich vom Christentum abgewandt und dem Islam zugewandt hat:

    „Was am Christentum für mich vor allem keinen Sinn ergeben hat, ist die Dreifaltigkeit. Wie könnte der „Sohn“ Gottes gekreuzigt werden? Wie könnte ein „Teil“ von Gott – laut der Lehre der Dreifaltigkeit – gekreuzigt werden? Wie könnte ein Mensch Gott sein, dann gedemütigt werden und einen demütigenden Tod erleiden? Ich war sehr verwirrt und ich betete nie zu Jesus. Wenn ich betete, dann zu Gott. Als ich noch jung war, achtete ich nicht weiter auf diese Gedanken. Ich dachte hier und da einmal darüber nach, aber ich wusste nicht, wie ich der Sache auf den Grund gehen und diese Gedanken näher verfolgen könnte und ich hatte nicht die Überzeugung, dass ich die wahre Religion teilte. In der Schule gaben sie uns eine Einführung in Dinge wie die Evolution und die Urknalltheorie und das führte zu noch mehr Verwirrung.“

    Im folgenden Video präsentiert der Philosoph David Wood Argumente für die Sicht, dass Jesus Gott ist und dass es trotzdem möglich war, dass er sterben konnte:

  5. #5 von Patrick am 22. April 2017 - 10:11

    Argumente für die christliche Sicht Gottes und gegen die islamische können auch in den im folgenden Link erwähnten beiden Videos nachvollzogen werden:

    http://www.acts17.net/2014/04/the-trinity-explained.html

  6. #6 von Patrick am 22. April 2017 - 10:13

    Die erwähnte Finnin schreibt auch, dass die christliche Religion verfälscht sei. Damit widerspricht sie aber, wie das folgende Video zeigt, dem Koran, gemäss welchem die biblischen Schriften unverfälschte göttliche Offenbarungen sind:

    Die betreffenden Verse im Koran führen zudem zu einem inneren Widerspruch im Islam: Wenn die Bibel eine Offenbarung Gottes ist, ist der Islam nicht wahr, denn die Bibel widerspricht zentralen Lehren des Islam. Wenn andererseits die Bibel nicht eine Offenbarung Gottes ist, ist der Islam ebenfalls nicht wahr, weil im Koran steht, dass die Bibel eine Offenbarung Gottes ist.

  7. #7 von Skydaddy am 22. April 2017 - 10:47

    @Patrick:

    Das Christentum ist so absurd und in sich widersprüchlich, dass, bei nur einem Widerspruch im Koran, der Islam immer noch stimmiger wäre.

    Es kommt auch nicht darauf an, was Du persönlich für plausibler hältst. Andere Gläubige halten andere Vorstellungen für plausibler. Und das ist genau der Punkt, um den es mir geht: Man braucht nicht erst Muslim zu sein, um sich dem IS anzuschließen. Es reicht nachweislich aus, dass man an den Gott des Alten Testaments glaubt. Hat man einmal eine unsinnige Grundlage für seine weiteren Überlegungen, kann man logisch zu jeder beliebigen Schlussfolgerung gelangen, und bei einigen ist das dann eben die IS-Mitgliedschaft.

  8. #8 von m0ebius am 22. April 2017 - 13:49

    Bezüglich des Videos von Wood:
    Die Analogie zwischen Jesus und dem Koran scheint mir nicht so ganz zu funktionieren. Die Zerstörung eines einzelnen Exemplars des Korans dürfte für einen Moslem zwar vielleicht eine Sünde sein, aber sie dürfte keine besondere Bedeutung für das Heil des Universums haben. Das Koranexamplar ist dem „ewigen Wort Allahs“ extrem untergeordnet. Damit das Opfer Jesu einen Sinn hat, muss dieser aber eine wesentlichere Bedeutung haben.

    Aber letztlich ist dass alles nur wieder ein theologisches Scheinproblem, denn die ganze grundlegende Idee der Satisfaktionslehre ergibt keinen Sinn. Das sieht man auch hervorragend in diesem Video.
    Dass Wood ernsthaft behauptet, die Bestrafung eines Anderen wäre irgendwie gerecht, ja sogar „perfekte Gerechtigkeit“, besteht doch den Lachtest nicht. Jeden Richter, der nach diesem Grundsatz handelt, würde man mit gutem Grund absetzen und selbst anklagen.

  9. #9 von Patrick am 22. April 2017 - 14:22

    Skydaddy: „Man sollte sich also vielleicht von der Vorstellung befreien, nur Muslime seien empfänglich für die IS-Propaganda.

    […]

    Man braucht nicht erst Muslim zu sein, um sich dem IS anzuschließen.“

    Die von Andreas Müller erwähnte Finnin wurde gemäss eigenen Angaben von muslimischen Nachbarn in den Islam eingeführt und nicht vom IS. Es scheint mir sehr unwahrscheinlich zu sein, dass jemand, der nicht schon Muslim ist durch die Beschäftigung mit dem IS zum Islam konvertiert und sich dem IS anschliessen will.

    Skydaddy: „Es reicht nachweislich aus, dass man an den Gott des Alten Testaments glaubt. Hat man einmal eine unsinnige Grundlage für seine weiteren Überlegungen, kann man logisch zu jeder beliebigen Schlussfolgerung gelangen, und bei einigen ist das dann eben die IS-Mitgliedschaft.“

    Dies sind so weit ich sehe unbewiesene Behauptungen. Diejenigen, die an den Gott des Alten Testaments glauben sind in erster Linie Juden und Christen. Dass es Juden und Christen gibt, die alleine aufgrund der Beschäftigung mit dem IS zum Islam konvertieren und sich dem IS anschliessen scheint mir eher unwahrscheinlich zu sein. Zudem ist mir nicht klar, wie man ausgehend vom Glauben an den Gott des Alten Testaments zur Überzeugung kommen soll, dass der IS gottgefällig ist, zumal zwischen dem mosaischen Gesetz und Aussagen im Koran Widersprüche bestehen. Dies betrifft etwa die Speisegebote: Während beispielsweise in Levitikus 11,4 oder Deuteronomium 14,7 der Verzehr von Kamelfleisch verboten ist, ist er im Koran in 22,36 erlaubt.

  10. #10 von Patrick am 22. April 2017 - 15:14

    Skydaddy: „Das Christentum ist so absurd und in sich widersprüchlich, dass, bei nur einem Widerspruch im Koran, der Islam immer noch stimmiger wäre.“

    Nehmen wir einmal an, Du hättest recht und das Christentum hätte mehr innere Widersprüche als der Islam. Auch unter dieser Voraussetzung scheint es mir sehr unwahrscheinlich zu sein, dass sich jemand, der wegen Widersprüchen im Christentum dieses ablehnt in Kenntnis des Widerspruchs im Islam sich dennoch diesem zuwenden würde. Wenn für jemanden das Vorhandensein von Widersprüchen ein Grund ist, eine Religion abzulehnen, dann spielt es doch keine Rolle, wie viele Widersprüche eine Religion hat. Ein einziger solcher Widerspruch reicht aus. Es scheint mir sehr unplausibel zu sein, dass jemand sagen würde: „Ich lehne das Christentum ab und glaube an den Islam, weil das Christentum mehr Widersprüche hat als der Islam.“ Wenn für ihn das Vorhandensein von Widersprüchen ein Grund ist, das Christentum abzulehnen, dann muss für ihn, wenn er konsequent sein will, das Vorhandensein nur eines einzigen Widerspruchs im Islam ein Grund sein, diesen abzulehnen.

  11. #11 von Patrick am 22. April 2017 - 17:17

    In der Ausgabe der Zeitschrift „Dabiq“, in welcher die oben erwähnte Finnin sagt, dass es das Christentum auf einer Verfälschung der göttlichen Offenbarung beruht, wird auch an anderer Stelle diese Sicht vertreten:

    „As is well known, these messengers did not come empty-handed. Each of them brought with him a message, often in the form of a scripture, something for the educated to read and comprehend, yet with the simple command of monotheistic worship of the Creator that even the illiterate could follow. So Moses was given the Torah, by which the Tribes of Israel were governed for many generations. But they strayed from its original message, even with their very own scribes changing its text, as the Tanakh testifies, “How can you say, ‘We are wise, and the law (Torah) of the Lord is with us’? But behold, the lying pen of the scribes has made it into a lie” (Jeremiah 8:8). So then Jesus brought the Gospel, confirming what came before him of the Torah and permitting – by the permission of his Lord – some of what was forbidden therein. It was reported that he said, “Do not think that I have come to abolish the Law or the Prophets; I have not come to abolish them but to fulfil them” (Matthew 5:17). However, just as the Torah was not fully preserved, even altered, the Gospel was also corrupted. Its original would be lost, with the oldest related manuscripts written only as commentary to the original. So instead of having an altered “Gospel of Jesus,” one finds the Gospel according to Matthew, then Mark, then Luke, then John, each with a unique take on various aspects of Jesus’ teachings, sometimes outright contradicting one another. To say the least, the authentic scripture was lost and the people strayed.“ (S. 47)

    Auch hier kann wieder darauf hingewiesen werden, dass diese Sicht dem Koran widerspricht. Auf diesen Umstand weist im folgenden Video auch David Wood hin und zeigt zudem auf, dass die oben genannte Sicht für den Islam ziemlich problematische theologische Implikationen hat:

  12. #12 von deradmiral am 22. April 2017 - 17:27

    Dieser Kommentar-Thread hat eine schwere Patrickizitis.

  13. #13 von Patrick am 22. April 2017 - 19:07

    Wenn diejenigen Europäer, welche sich dem IS oder anderen militanten islamischen Gruppierungen angeschlossen haben die Argumente gegen den Islam gekannt hätten, welche in den Kommentaren 4, 5, 6 und 11 nachvollzogen werden können, hätten sie sich diesen Gruppierungen angeschlossen? Wenn man der Ansicht ist, dass dies bei den meisten oder zumindest bei vielen nicht der Fall gewesen wäre, wäre die Verbreitung dieser Argumente doch eine gute Strategie zur Bekämpfung des militanten Islams!

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