„Ich empfehle theologische Aufräumarbeit“

Menschen erhoffen die Überwindung des Todes. Dennoch gebe es heute in Glaubensfragen „keine Gewissheiten mehr“, sagte der katholische Fundamentaltheologe Magnus Striet im Deutschlandfunk. Nur diese eine: „Menschen können nicht anders, als eine Haltung zum Sterben-Müssen und zum kommenden Tod einzunehmen.“

Striet: Ja, zunächst einmal sollte man sich dringend von Vorstellungen verabschieden, dass ein Gott existiert, der in einer willkürlichen Gnadenwahl, aus der Gesamtsumme der Sünder einige erwählt, ihnen den Himmel beschert und die allermeisten verwirft. Das ist eine Vorstellung, die hat über lange Zeit in der Kirchengeschichte, in der kompletten Kirchengeschichte, also auch konfessionell durchaus differenziert vorgeherrscht. Sie geht am Ende auf Augustinus zurück, der hier tatsächlich unseliges Gedankengut in die vor allem europäische Geistesgeschichte eingepflanzt hat. Von dieser Vorstellung sollten wir uns komplett verabschieden.

weiterlesen:

[http://www.deutschlandfunk.de/auferweckung-im-christentum-ich-empfehle-theologische.886.de.html?dram:article_id=383555

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  1. #1 von tiberio am 20. April 2017 - 09:07

    Das ist dieses perfide Spiel mit umdekorierten und sinnentstellenden Worten, das Kirchen, Politiker und Mächtige mit dem Pöbel (den dummen Glaubensschafen) bis zum Erbrechen immer wieder spielen.

    Das mit den Sündern, also dem Indenhimmel- und Indiehöllekommen, ist eine „VORSTELLUNG“, die lange Zeit in der Kirchengeschichte vorgeherrscht hat – so Herr Magnus Striet.

    Quatsch mit Soße: Die Kirchen haben den Menschen das ab dem Kindesalter bewußt und vorsätzlich, auf perfideste und mannigfachste Weise, EINGEIMPFT … usw. usw.

  2. #2 von parksuender am 20. April 2017 - 09:56

    Sehr interessantes Interview. Wieder mal so einer, der sich die christliche Lehre nach seiner Wunsch-Vorstellung zurecht biegt.

    „Ja, es braucht die Vorstellung einer Hölle. Denn wenn es sozusagen nicht nur um den Menschen, sondern um die Freiheit des Menschen geht, da muss auch theologisch denkbar gehalten werden, dass Menschen sich definitiv diesem Gott verweigern“
    Also laut seinen Vorstellungen ist Gott ungewiss – Trotzdem braucht es eine Hölle für Ungläubige. Aus moralischen Gründen.
    Ähnliches sagt er ja auch bei Kant.
    Als Theologe muss er ja irgendwie seinen Huhu begründen, sonst fällt sein Glaube in’s nichts. Ich würde behaupten, er steht jetzt schon kurz vor dem Abgrund.

  3. #3 von parksuender am 20. April 2017 - 09:57

    Hier übrigens noch das Transkript zur Sendung:
    [http://www.deutschlandfunk.de/auferweckung-im-christentum-ich-empfehle-theologische.886.de.html?dram:article_id=383555

  4. #4 von Deus Ex Machina am 20. April 2017 - 10:40

    „Ja, zunächst einmal sollte man sich dringend von Vorstellungen verabschieden, dass ein Gott existiert, “

    –> Danke für die Zustimmung, das haben wir hier schon teils vor Jahrzehnten vollzogen. Oh, da geht es ja noch weiter. Ach hätte er doch nur nach dem Komma den Satz beendet….

    „Das ist eine Vorstellung, die hat über lange Zeit in der Kirchengeschichte, in der kompletten Kirchengeschichte, also auch konfessionell durchaus differenziert vorgeherrscht.“

    –> Hehe, wie schnell man doch „ewige, heilige Wahrheiten“ abschaffen will, wenns einem nicht mehr passt.
    Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: die wissen nicht mehr, wie sie ihren Scheiß den Leuten noch andrehen sollen.

  5. #5 von Skydaddy am 20. April 2017 - 11:05

    @parksuender:

    Danke für den Link – über die Begeisterung, dass ich das Audio direkt einbinden konnte, hatte ich ganz vergessen, ihn aufzuführen. Das habe ich jetzt nachgeholt.

  6. #6 von drawingwarrior am 20. April 2017 - 11:12

    Religiöse Aufräumarbeit.. Religion raus, Vernunft und Logik rein.
    Fertig!
    Zunächst kann ich mich zum Tod und Sterben stellen wie ich will, es ändert nichts an den Fakten.
    Eines Tages ist für mich die Party zu Ende, sie läuft ohne mich weiter.
    Ich kann mir natürlich wärend ich auf der Party bin die Zeit vertreiben und mir einen Wolf spekulieren was nachher ist und ob ich für die Verpflegung auf der Part hinterher zur Kasse gebeten werde.
    Ich kann’s aber auch lassen, an der Pary teilhaben und zu den anderen Teilnehmer nett sein, weil ich keinen Bock auf Stress hab.
    Aber wie man sieht, gibt es immer wieder Leute, die sich lieber auf einer Party hinstellen und die Drinks der anderen zählen.

  7. #7 von Skydaddy am 20. April 2017 - 11:18

    Was ich an em Interview besonders interessant fand war, dass der Theologe oft genug sozusagen Verstand und heutiges Gerechtigkeitsempfinden GEGEN DIE BIBEL anführt.

    Ansonsten betreibt er freilich das Theologengeschäft, überkommene Formeln ihrer ursprünglichen oder langjährigen Bedeutung zu entkleiden, um sie zeitgemäßer zu interpretieren.

    Die Theologen machen sich hier wirklich zu willenlosen Sklaven hohler Phrasen: Weil die Kirche einmal bestimmte Formulierungen für allgültig erklärt hat, muss diesen Formulierungen jetzt immer eine für den jeweiligen Zeitgeist akzeptable Bedeutung zugeschrieben werden. Es ist also völlig egal, was (für jeden unvoreingenommenen Beobachter offensichtlich) ursprünglich gemeint war.

    Das ist genau andersrum wie bei richtigen Wissenschaften, wo man eine Aussage oder Gesetzmäßigkeit hat und versucht, diese möglichst verständlich zu formulieren: Hier steht sozusagen die Bedeutung fest, während die Formulierungen wechseln können.

    Demgegenüber stehen in der Theologie die Formulierungen fest, und die Bedeutung kann sich jeder so aussuchen, wie es ihm gerade gefällt.

    Das ist EXAKT, was Richard Dawkins mit seiner Memtheorie (die freilich nicht speziell auf die Theologie gemünzt ist), meint:

    Der Memplex sind hier die heiligen Texte bzw. Formulierungen der Kirchenväter, oder Dogmen. Diese Texte bzw. Formulierungen werden akribisch weiterkopiert. Dieses Weitertragen über die Jahrhunderte funktioniert aber nur, weil die Formulierungen jeweils anders interpretiert werden.

    Mein Fazit: Während richtige Wissenschaft zu neuen Erkenntnissen führt, verschwenden Theologen ihre Zeit (gerne auf Staatskosten) damit, für ihre überkommenen Formulierungen neue Interpretationen zu finden, die mit den jeweils aktuellen wissenschaftlichen und ethischen Auffassungen nicht zu sehr im Widerspruch stehen.

    Das hat überhaupt keinen Wert außer dem, dass die Formulierungen nicht aufgegeben werden müssen. Gleichzeitig werden die Formulierungen wertlos, weil ihre Bedeutung ja immer wieder geändert werden kann.

  8. #8 von awmrkl am 21. April 2017 - 03:07

    „weil ihre Bedeutung ja immer wieder geändert werden kann“
    … und muß.
    Sonst wären wir ja immer noch bei Steinigung & Co bei allen möglichen „Vergehen“
    Ich hab schon wieder sooonen Hals!

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