Was wäre, wenn es keine Religion gäbe?

Von Vince Ebert

Unterhält man sich mit tiefreligiösen Menschen, so sind viele der Meinung, dass es vor allem der Glaube ist, der uns zu moralischen Wesen macht. Demnach würde durch den Wegfall jeglicher Religion unter den Menschen das reinste Chaos ausbrechen.

Die Wissenschaft ist da ganz anderer Ansicht. Vor einigen Jahren haben Verhaltensbiologen beobachtet, dass Vampirfledermäuse ihre Nahrung – das Blut von Rindern – mit ihren hungrigen Artgenossen teilen, indem sie es wieder hervorwürgen. Interessanterweise … bleibt nur eine einzige Schlussfolgerung: Fairness und Moral sind eindeutig biologisch und ganz und gar nicht religiös angelegt.

weiterlesen:

[http://www.spektrum.de/kolumne/was-waere-wenn-es-keine-religion-gaebe/1444407

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  1. #1 von Hypathia am 2. April 2017 - 08:42

    Langsam, aber sicher bröckelt jede einzelne Daseinsberechtigung von Religionen Stück für Stück ab und in sich zusammen.
    Aber da ja für Religiöse Wissenschaft sowieso nur eine Ideologie oder eine andere Art der Religion ist, wird auch diese Erkenntnis (die es ja eh schon lange gibt) geflissentlich unter den Teppich gekehrt oder als Lüge abgetan.

  2. #2 von Deus Ex Machina am 2. April 2017 - 08:57

    “ dass Vampirfledermäuse ihre Nahrung – das Blut von Rindern – mit ihren hungrigen Artgenossen teilen,“
    Jaja, der reziproke Altruismus, den hab ich auch an der Uni, allerdings am Ohrenkneifer, untersucht. Die Fledermaus war da im Buch als Musterbeispiel für dieses Verhalten aufgeführt.
    Es ist alles schon in der Natur vorfindbar, was uns die Kirchen als ihre Original-Erfindung gern unterjubeln würde.

  3. #3 von oheinfussel am 2. April 2017 - 09:42

    Ja wie blöd – soziales Miteinander wurde nicht von der Religion erfunden – eine Runde Mitleid 😛

  4. #4 von Noch ein Fragender am 2. April 2017 - 10:07

    Was wäre, wenn es keine Religion gäbe?

    Wir hätten einen Haufen überflüssiger Probleme weniger.

  5. #5 von OIOIOI am 2. April 2017 - 10:12

    Was wäre, wenn es keine Religion gäbe?

    worüber würden wir uns dann lustig machen ? 😮

  6. #6 von itna am 2. April 2017 - 11:00

    Weniger Tote, weniger Probleme, mehr Geld, mehr Ruhe – weniger Gift.

    Es wäre ein Segen 😇für die Menschheit.

  7. #7 von F. M. am 2. April 2017 - 11:14

    Erinnert mich an ein Bild aus den USA, bei dem die Entrückung der guten Christen gen Himmel am jüngsten Tag dargestellt wurde. Rapture ist wohl der englische Fachausdruck.

    Die gemeine Unterschrift war: „Rapture, and peace on earth!“

  8. #8 von Muriel am 2. April 2017 - 12:47

    Gerade der hier zitierte Teil des Artikels ist doch nun aber einfach doof und unsauber argumentiert. Insbesondere die christliche Religion will uns ja eben gerade keinen funktionalen, reziproken Altruismus verkaufen, sondern ein ganz anderes System. Insofern geht das Ganze weitgehend an deren Position vorbei, und passt auch sonst nicht so ganz, auch wenns im Ergebnis dann natürlich wieder ungefähr stimmt.

  9. #9 von Deus Ex Machina am 2. April 2017 - 12:53

    @ Muriel:
    „Insbesondere die christliche Religion will uns ja eben gerade keinen funktionalen, reziproken Altruismus verkaufen, sondern ein ganz anderes System.“

    –> Ja, ein komplett weltfremdes, kaputtes und deswegen dysfunktionales Denksystem.

  10. #10 von Skydaddy am 2. April 2017 - 13:17

    @Muriel:

    Es stimmt zwar, dass die Reziprozität des Christentums eher darin besteht, das zu tun, was Gott (vermeintlich) will, und im Gegenzug in den Himmel zu kommen.

    Aber Ebert bezieht sich ja auf die Vorstellung, ohne Religion gäbe es kein moralisches Verhalten – gegen diese Auffassung („Demnach würde durch den Wegfall jeglicher Religion unter den Menschen das reinste Chaos ausbrechen.“) argumentiert er.

  11. #11 von Muriel am 2. April 2017 - 13:21

    „Es stimmt zwar, dass die Reziprozität des Christentums eher darin besteht, das zu tun, was Gott (vermeintlich) will, und im Gegenzug in den Himmel zu kommen.“
    Das stimmt doch auch nicht. Im Gegenzug ist doch die Überzeugung des Mainstream-Christentums, insbesondere des protestantischen, dass wir gar nicht tun können, was er will, und nur durch die Vergebung Jesu Christi zu ihm finden. Verschiedene Christ(inn)en deuten das für sich bekanntlich sehr unterschiedlich aus, aber deine Zusammenfassung finde ich eher nicht so treffend.

    „Aber Ebert bezieht sich ja auf die Vorstellung, ohne Religion gäbe es kein moralisches Verhalten – gegen diese Auffassung („Demnach würde durch den Wegfall jeglicher Religion unter den Menschen das reinste Chaos ausbrechen.“) argumentiert er.“
    Ja, das sehe ich, aber er blendet dabei völlig aus, dass die religiöse Vorstellung von Moral eine andere ist als die, von der er spricht, weshalb seine Argumentation zumindest aus Perspektive eines religiösen Menschen weitgehend ihr Ziel verfehlt, find ich.

  12. #12 von drawingwarrior am 2. April 2017 - 15:53

    Muriel. ich denke, die Argumantation würde bei einem berufsmässigen Apologeten recht schnell bei der Festschreibung landen, das es nicht die menschgemachte Religion ist, die uns alle, inklusive der vorgenannten Tierbeispiele, zu mitfühlenden und hilfsbereiten Individuen macht, sondern die Existenz Gottes, der uns dieses Gesetz ins Herz geschrieben hat.
    Was mich mal interessieren würde, wäre, ob mal jemand untersucht hat, ob es religiöse Riten oder Verhaltensweisen auch bei Tieren gibt.
    Ich persönlich habe ein Hypothese bezüglich des menschlichen Alleinstellungsmerkmales „Religion“ im Zusammenhang mit unserer Art und Weise, wie wir lernen und unser erworbenes Wissen weitergeben.
    Bei Menschenaffen zum Beispiel verläuft das Lernen fast ausschließlich über Beobachtung und Versuch. Erlerntes Wissen wird in der Regel nicht weitergegeben, jedes Individuum erfindet sozusagen für sich das Rad neu.
    Menschen lernen durch Ritualisierung und Nachahmung.
    Dabei werden alle Schritte des Lehrers nachvollzogen, ohne Ausnahme und ohne die einzelnen Schritte auf ihr Ursache-Wirkungsverhältnis zu prüfen.
    Wie sind im Grunde Kopiermaschinen, lediglich die Fähigkeit zur übergeordneten Abstraktion lässt uns auf der Basis von Erlerntem auf neue Lösungswege sinnen.
    Unsere Abhängigkeit von Ritualisierung und unhinterfragter Nachahmung macht uns als Spezies wahrscheinlich religiös, da Religion diese beiden Merkmale bis zur Besinnungslosigkeit bedient.
    Erst die Wissenschaft bricht diesen „Bann“, allerdings um den Preis einer Gesellschaft, die unsere ureigenen Lernstrategien konterkariert und gegen einen anderen Antrieb mühsam ersetzen muss.
    Gemeint ist Neugierde, ein Urtrieb, der von unseren hochgezüchteten Hirn prima in Schach gehalten wird, weil es nach der Prämisse funktioniert, das der einfachere, leichte Weg völlig ausreicht. Jede Anstrengung ist zu vermeiden, wir können doch einfach abgucken.
    Wenn hier eine Lehrkraft oder ein Ausbilder mitliest, wird er oder sie meine letzten Sätze wohl bestätigen.
    Wer jemals einem anderen Menschen etwas beibringen wollte, wird dem beschriebene Menchanismus kennen.

  13. #13 von Muriel am 2. April 2017 - 16:14

    „Was mich mal interessieren würde, wäre, ob mal jemand untersucht hat, ob es religiöse Riten oder Verhaltensweisen auch bei Tieren gibt.“
    In gewisser Weise hat das ja jemand. Du kennst eventuell auch diese Taubenexperimente mit den zufällig gewährten Belohnungen? War das Skinner? Ich such gerne den Link raus, falls dus nicht eh schon kennst.

    „Unsere Abhängigkeit von Ritualisierung und unhinterfragter Nachahmung macht uns als Spezies wahrscheinlich religiös, da Religion diese beiden Merkmale bis zur Besinnungslosigkeit bedient.“
    Ich denke (wie du mutmaßlich auch), dass Religion durch sehr viele Faktoren entsteht bzw. am Leben erhalten wird, dass diese aber sicherlich auch dazu gehören.

  14. #14 von stephancologne am 3. April 2017 - 07:21

    „“…aber er blendet dabei völlig aus, dass die religiöse Vorstellung von Moral eine andere ist als die, von der er spricht““

    Semantische Taschenspielertricks.
    Nie wurde beaobachtet, dass die andere Bedeutung von Moral, Wahrheit etc. zuvor vom Apologeten dem Zuhörer, sorry, Befehlsempfänger kommuniziert wurde.

    Vor allem die monotheistischen Religionen hatten und haben eine gewaltige Korrektur durch Aufklärung und Humanismus nötig, um sektenübergreifend sozialverträglich zu sein.

    Von der göttlich offenbarten Wahrheit ist nichts weiter übrig geblieben, als ein völlig inkonsistenter Klumpen aus Lord-of-the-Gaps und Menschen, die mit einem unfassbaren Aufwand an ihrem Weltbild aus der Bronzeit festhalten wollen.
    Mehr als traurig.

    „….weshalb seine Argumentation zumindest aus Perspektive eines religiösen Menschen weitgehend ihr Ziel verfehlt…“

    Was wiederum auch nur eine höchst subjektive Aussage ist.

    Einige evangelikale Gemeinden würden aufgrund deiner Aussage aus lauter Empörung erstmal México überfallen.

    Es ist auch nicht erheblich, ob man in das Verhalten einer Tierart religiöses Kasperletheater interpretiert.

    Sehr viel wichtiger ist, dass Religion in keinster weise erforderlich ist.