Kirche zu Kondom-Aktion: Frauen verbinden Luthersprüche mit sexueller Gewalt

Mit einer besonders scharfsinnigen Begründung hat die Evangelische Kirche im Rheinland die Kondom-Verteilungsaktion zur Werbung für das Reformationsjubiläum gestoppt: Man habe zwar nichts gegen Sex und Kondome – aber die auf die Kondomverpackungen aufgedruckten Luthersprüche (à la „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“) könnten von Mädchen und Frauen mit sexueller Gewalt verbunden werden.

Die Urheber der Kampagne, die Jugenddelegiertden der EKD, waren not amused. Ihr offener Brief an Oberkirchenrat Eberl (aus dem Video oben) erntete auf facebook allerdings ziemlichen Gegenwind. Ein Kommentator sprach von einem „Rohrkrepierer“.

Die Evangelische Jugendkirche Düsseldorf hatte Präservative mit provokanten Sprüchen an Jugendeinrichtungen verteilt, die im Jahr des 500. Reformationsjubiläums auf Botschaften von Martin Luther (1483-1546) aufmerksam machen sollten. Der Hintergrund der Sprüche – etwa „Für Huren und Heilige“ – erschloss sich jedoch erst über eine mittlerweile gelöschte Internetseite. Die Evangelische Kirche im Rheinland stoppte die Aktion kurz nach ihrem Start.

Ähnlich wie Eberl hatte dagegen auch die rheinische Landesjugendpfarrerin Simone Enthöfer vergangene Woche kritisiert, die aus dem inhaltlichen und historischen Zusammenhang gerissenen Anspielungen auf Luther-Zitate hätten isoliert auf einer Kondom-Hülle eine sexistische Wirkung. Sie verletzten die Würde von Männern, Frauen, Mädchen und Jungen.

Mehr dazu auf evangelisch.de.

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  1. #1 von Skydaddy am 22. März 2017 - 10:50

    Es ist ja schön, dass eine Kirche, die sich vor wenigen Jahren noch für das Recht auf religiös begründete Genitalverstümmelung an wehrlosen Kindern eingesetzt hat, plötzlich um gewalttätige Assoziationen bei Luthersprüchen sorgt.

  2. #2 von klauswerner am 22. März 2017 - 11:12

    Sie verletzten die Würde von Männern, Frauen, Mädchen und Jungen.

    Was an „Hier stehe ich , ich kann nicht anders“ verletzt denn irgendwie irgendjemandes Würde?!?

    Klingt für mich nach „Wir haben nix gegen Sex und Kondome, aber wir wollen bitte schön nicht drüber reden.“

  3. #3 von paul0f am 22. März 2017 - 12:13

    Sie verletzten die Würde von Männern, Frauen, Mädchen und Jungen.<

    Stellt sich nur die Frage, was die Würde der genannten verletzt – die perfide Ideologie oder die auf den Kondomen stehenden Sprüche?

    Mir dünkt, es ist eher das das erste als alles andere.

  4. #4 von Skydaddy am 22. März 2017 - 12:27

    Ich habe gehört, als Ersatz sollen jetzt Streichholzbriefchen mit Lutherzitaten verteilt werden …

  5. #5 von aranxo am 22. März 2017 - 12:39

    Die Kirche präsentiert sich wie immer: spaßbefreit.

    Interessant ist allerdings, zu sehen, wie die alte freudlose Moral (Sünde!, kein Sex vor der Ehe) gegen die nicht minder rigide feministische SJW-Sexual-Moral eingetauscht wurde, in der es schon Sünde ist, wenn sich jemand angegriffen oder in seinen Gefühlen verletzt fühlen könnte. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie man sich von dem Spruch „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ verletzt fühlen kann. Aber ich bin auch keiner von den dauergetriggerten Snowflakes.

  6. #6 von ichglaubsnicht am 22. März 2017 - 12:40

    @skydaddy
    Mit dem Zitat „Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke…“ bedruckt?
    https://de.wikiquote.org/wiki/Martin_Luther#Von_den_j.C3.BCden_und_iren_l.C3.BCgen.2C_1543

  7. #7 von drawingwarrior am 22. März 2017 - 12:58

    So so, Luther-Zitate verletzen die Würde von Menschen…
    Das tun sie und der ganze andere Mist aus Luthers Lieblingsbuch immer und überall.
    Zusätzlich beleidigt beides die menschliche Intelligenz.
    Also sollte die EKD so konsequent sein und zum Schutz der Menschenwürde ihre Pforten zusperren.
    Frohe Luther-Dekade noch!

  8. #8 von Skydaddy am 22. März 2017 - 13:16

    @ichglaubsnicht:

    Wir verstehen uns …

  9. #9 von Friedensgrenze am 22. März 2017 - 23:37

    Hier stehe ich und kann nicht anders

    Geil !