Braucht Schleswig-Holstein neuen Religionsunterricht?

Die Nord-SPD will in der nächsten Legislaturperiode einen neuen Anlauf nehmen, einen konfessions- und religionsübergreifenden Schulunterricht einzuführen. Schüler aller Weltanschauungen sollen gemeinsam unterrichtet werden. So steht es im Wahlprogramm. Der Dialog mit der Evangelischen und Katholischen Kirche sei auf einem guten Weg, heißt es seitens der Landesregierung. Die Kirchen selbst sehen das anders.

Weiterlesen auf ln-online.de

Konkret heißt es in der Langfassung des Wahlprogramms der SPD Schleswig-Holstein:

Religionsunterricht

Wir haben mit den Religionsgemeinschaften einen Dialog über den Religionsunterricht im Land begonnen. Bisher sind wir zu keiner gemeinsamen Lösung gekommen. Unser Ziel bleibt ein konfessions- und religionsübergreifender Unterricht. Schülerinnen und Schüler aller Weltanschauungen sollen gemeinsam unterrichtet werden.

Den Dialog über den konfessions- und religionsübergreifenden Religionsunterricht werden wir fortsetzen. Bis zu einer Einigung unterstützen wir die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts. Er wird in staatlicher Verantwortung sowie in deutscher Sprache stattfinden. Dafür prüfen wir die Einrichtung eines Islam-Lehrstuhls zur Ausbildung von Lehrkräften für Schulen und Hochschulen.

Advertisements
  1. #1 von Unechter Pole am 22. März 2017 - 06:51

    Angesichts des bald an 50 % kratzenden Anteils der Konfressionsfreien in Schleswig-Holstein kann man das nur als einen fiesen Versuch werten, allen Kindern (auch den Kindern der Konfessionsfreien) die religiotische Propaganda aufzuzwingen. Es werden dann lauter Aussagen für wahr verkauft, dass etwa Religion etwas mit Ethik zu tun habe, dass sie Menschen Kraft gebe, dass sie für Wohltätigkeit und Freiden sorge, usw.

    Die SPD… Ich muss mich fremdschämen.

  2. #2 von Gerry am 22. März 2017 - 09:10

    Wenn die Überschrift eine Frage ist, dann ist die Antwort so gut wie immer „Nein“.

  3. #3 von Skydaddy am 22. März 2017 - 09:42

    Also, ich betrachte das als Schritt in die richtige Richtung, und dass die Kirchen sich dagegen sträuben, sehe ich als Bestätigung.

  4. #4 von Rene am 22. März 2017 - 10:17

    In welcher Form auch immer, es ist unanständig, Kindern die Existenz irgendwelcher gasförmiger Wesen als Fakt unterjubeln zu wollen. Und das auch noch an Schulen! In meinen Augen sollte hier der Jugendschutz greifen.

  5. #5 von ptie am 22. März 2017 - 12:51

    Konfessioneller Religionsunterricht sei besser geeignet, „religiöse Orientierung und Urteilsfähigkeit zu fördern“.

    Ich empfehle jedem angehenden Sommelier nur den Genuss einer Sorte Wein, die Urteilsfähigkeit dürfte dadruch gefördert werden 🙂

  6. #6 von Hal am 22. März 2017 - 20:23

    @Skydaddy

    Es kommt mit so vor dass christliche Politiker glauben im Interesse ihres Vereins zu handeln indem sie den reinen, jedoch konfessionsübergreifenden Religionsunterricht einführen wollen, um der Forderungen nach allgemeinen Ethikunterricht zuvorzukommen und dieser Forderung ein gewichtiges Argument vorzuenthalten, nämlich staatlich finanzierte Indoktrination von Kindern zugunsten der Kirchen.
    Politiker sind jedoch auch nur Schafe und den Hirten missfällt eigenständiges handeln, so wie dem Teufel Weihwasser missfällt.

  7. #7 von Skydaddy am 23. März 2017 - 04:27

    @Hal:

    Ich verstehe, was Du meinst. Ein für alle verbindlicher Unterricht dürfte allerdings niemals religiös oder weltanschaulich Partei ergreifen. Der konventionelle RU MUSS Partei ergreifen – deshalb muss er ja auch konfessionell sein und nicht bloß christlich. Das hat aber zur Folge, dass man sich davon abmelden kann bzw. nicht teilnehmen muss. Umgekehrt darf in einem für alle verbindlichen Unterricht lediglich religionskundlicher Unterricht stattfinden.

    Da in einem solchen Unterricht praktisch immer Angehörige unterschiedlicher Weltanschauungen sein dürften, wird das, falls nötig auch relativ schnell gerichtlich festgestellt werden. Es wäre den Lehrern kaum möglich, eine bestimmte Weltanschauung zu pushen, ohne auf Widerstand zu stoßen.

    Die Kirchen dürften daher die bisherige Situation bevorzugen, wo konfessioneller RU nach wie vor Standard ist. Entweder gibt es keine neutrale Alternative, dann dürften viele Eltern ihre Kinder deshalb trotzdem in den kirchlichen RU schicken, oder es gibt als Alternative einen Ethikunterricht, der, nach allem, was ich so höre, oft gezielt als Abschreckung gestaltet ist.

  8. #8 von uwe hauptschueler am 23. März 2017 - 09:25

    Da könnte man in der Schule auch wertneutralen Drogenunterricht abhalten. Das einzige Tabu wäre Drogen generell als schädlich zu bezeichnen.