Jugendweihen hängen Konfirmationen ab

Auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach der deutschen Wiedervereinigung nehmen in den östlichen Bundesländern fast dreimal so viele Heranwachsende an der atheistischen Jugendweihe teil wie an der evangelischen Konfirmation.

weiterlesen:

[http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/ostdeutschland-jugendweihen-haengen-konfirmationen-ab-100045.html

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  1. #1 von Noch ein Fragender am 28. Februar 2017 - 09:39

    Brauchen wir heute wirklich noch solche „Initiationsriten“?

  2. #2 von Elvenpath am 28. Februar 2017 - 09:40

    So ist das, wenn der Fortpflanzungsmechanismus der Religionen, die Indoktrination der Kinder, unterbrochen wird.
    So viel zu der Behauptung, dass religiöser Glaube in den Menschen „fest eingebaut“ wäre.
    Wenn es einem nicht als Kind eingetrichtert wird, kommt man von selber nicht auf so einen Blödsinn.
    Und das „Eintrichtern“ beginnt schon, wenn Erwachsene über „Gott“ reden, als ob er existent wäre und das Kind hört zu.

  3. #3 von Deus Ex Machina am 28. Februar 2017 - 10:44

    @ N.e.F.:
    Ich dachte immer, der Erhalt des Führerscheins sei dieser „Ritus“ in unseren Breitengraden.

  4. #4 von Skydaddy am 28. Februar 2017 - 11:11

    Wer jetzt (mit 14) konfirmiert wird oder Jugendweihe feiert, wurde ca. 2003 geboren, selbst die meisten Eltern dürften die DDR nur noch als Kind oder Teenager gekannt haben. Seit dem Ende der DDR 1989/1990 hatten die Kirchen über 25 Jahre Zeit und massiven Einfluss, um den Ostdeutschen wieder den Glauben zu vermitteln. Offenbar ohne großen Erfolg.

    Das legt für mich den Schluss nahe, dass die immer wieder vorgebrachte Behauptung, die DDR hätte den Glauben ausgetrieben, verfehlt ist. Vielmehr sieht es für mich so aus, dass im Westen Deutschlands der religiöse Glaube, vor allem das Christentum, durch Kirchen, praktisch kirchenhörige (oder zumindest weitgehend unkritische, kirchenkonforme) Medien, kirchenaffine und tatsächlich gläubige Politiker (gerne auch evangelikale wie Volker Kauder), Religionsunterricht, gesetzlich garantierte Sendezeit in allen Medien (oft nicht als Kirchenfunk erkennbar) künstlich am Leben erhalten wurde und wird.

    Nach 25 Jahren westdeutschem System in Ostdeutschland lässt sich die religiöse Gleichgültigkeit dort nicht mehr auf die DDR-Propaganda schieben. Wenn der Glaube zu irgendetwas gut, oder zumindest attraktiv wäre, hätte sich das Christentum dort wieder berappeln müssen.

    So aber zeigt sich, dass das (west-) deutsche System ein aufwendiges Lebenserhaltungssystem für das zu Recht dahinsiechende Christentum ist.

    Wird Zeit, den Stecker zu ziehen.

  5. #5 von Gerry am 28. Februar 2017 - 11:40

    Tjaja, die große Rückkehr der Religion….

    @ Skydaddy
    Hab kürzlich endlich mal Frerks „Violettbuch“ gelesen.
    „Aufwendiges Lebenserhaltungssystem“ finde ich vor dem Hintergrund eine Meisterleistung an Untertreibung 🙂

    Das Violettbuch kann ich nur empfehlen. Wer leicht zu Bluthochdruck oder Aufregung neigt sollte vorher vielleicht Baldrian oder sowas nehmen….

  6. #6 von m0ebius am 28. Februar 2017 - 15:01

    Müsste die Nachricht nicht eher heißen: „Konfirmationen bleiben abgehängt“? Dass sich Jugendliche kaum für Kirche interessieren, wenn es praktisch keine familiäre religiöse Tradition mehr gibt, der sie sich verbunden fühlen könnten, ist ja nichts neues.

  7. #7 von user unknown am 28. Februar 2017 - 20:36

    @Noch ein Fragender:

    Brauchen wir heute wirklich noch solche „Initiationsriten“?

    Oder umgekehrt:
    Brauchen wir heute wirklich keine Initiationsriten mehr?

    Was mich abstößt ist das Wort „Weihe“. Es gibt viele nichtreligiöse Rituale, von Schiffstaufen über Richtfeste zu Abifeiern und Geburtstag bis zu Handschütteln und Beerdigung. Die Frage ist, ob man den Anlass für wichtig erachtet und was man und wie man feiern will.

    Die Pubertät ist sicher ein wichtiger Einschnitt, der aber individuell etwas früher oder später sein kann. Von der Regelblutung über das verstärkte, sexuelle Interesse könnte man in dem Alter objektive Anlässe finden Fragen zu thematisieren, die man aber keineswegs von Kirchenvertretern beantwortet sehen will. Mofaführerschein darf man mit 15 machen, oder? Leicht alkoholische Getränke (Wein, Bier und Sekt) ab 16 trinken? Die FSK des Kinos arbeitet mit 6-12-16-18?

    Weil wir aber eine pluralistische Gesellschaft sind, mit ausgeprägtem Individualismus, dürfte es schwierig sein, Rituale zu begründen, die auf sehr breite Zustimmung stößt. Schon wenn man Musik dazu spielen will dürften die Geschmäcker weit auseinander gehen.