Ermordete Studentin: Über sein Leben als Atheist sehr unzufrieden

Leserbrief zu: „Gutachter: Eine bizarre Tat“*, BZ vom 21. Januar.

„Die Psychiater waren sich nicht sicher, woran der Student leidet“, der in Freiburg eine bekennende Christin brutal ermordete. Immerhin wurde bekannt, „wer in Glaubensfragen nicht seine Meinung teilte, lehnte er ab“, der Mörder. Wie wäre es damit: Fest steht, dass er über sein Leben als Atheist sehr unzufrieden war. Könnte es nicht sein, dass dieser beklagenswerte junge Mensch mit seiner gelebten Gottlosigkeit nicht glücklich war? Und er es einfach nicht ertragen konnte, dass die von ihm ermordete Christin genau diese innere Zufriedenheit zeigte, nach der er selbst immer suchte? Die Therapie wäre: Seinen Atheismus nicht wie eine wehende Fahne vor sich her tragen, sondern sich einmal fragen, warum praktizierende Christen ein ausgeglicheneres Seelenleben haben. Jedenfalls nicht zu Mördern an jenen werden, die nicht oder an anderes glauben. Albrecht Künstle, Herbolzheim

Quelle:

[http://www.badische-zeitung.de/freiburg/ueber-sein-leben-als-atheist-sehr-unzufrieden–133266507.html

*[http://www.badische-zeitung.de/freiburg/wg-mord-gutachter-spricht-von-einer-bizarren-tat–132677849.html

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  1. #1 von Charlie am 7. Februar 2017 - 09:48

    Für Christen klarer Fall, Schuld ist der Atheismus.

  2. #2 von deradmiral am 7. Februar 2017 - 09:57

    Atheismus ist keine Religion und kommt auch nicht mit einer Handlungsanweisung. Als ethische Grundlage kann aber Humanismus dienen. Leider denken nicht alle Atheisten so. Ich möchte ich als Humanist von allen Inhumanisten, seien sie religiös oder nicht religiös distanzieren.

    Ich kenne keinen Atheisten, der diesen Mord gutheißt. Ich bin entsetzt, dass jemand das als Tatmotiv angibt.

  3. #3 von Veria am 7. Februar 2017 - 09:58

    Ich bin Atheistin und habe ein ausgeglichenes Seelenleben, danke. Dass zwei Eigenschaften (nehmen wir mal blond und dumm, oder halt atheistisch und psychopathisch) bei einer Person gemeinsam vorkommen, heisst nicht, dass das grundsätzlich so ist. Dass zwei andere Eigenschaften (nehmen wir mal schwarzhaarig und intelligent, oder halt christlich und ausgeglichen) bei einer anderen Person gemeinsam vorkommen, heisst nicht, dass das grundsätzlich so ist. Wenn eine Eigenschaft als schlecht angesehen wird (nehmen wir mal dumm, oder halt psychopathisch) heisst das nicht, dass die vergesellschaftete andere Eigenschaft (nehmen wir mal blond, oder halt atheistisch) daran schuld ist.

    (Und jetzt her mit den Blondinenwitzen …)

  4. #4 von Deus Ex Machina am 7. Februar 2017 - 10:23

    “ sondern sich einmal fragen, warum praktizierende Christen ein ausgeglicheneres Seelenleben haben. “

    –> Ignorance is bliss! Diese Selbstherrlichkeit, sich als Krone der Schöpfung, das Ebenbild des Schöpfers aller Dinge zu sehen, ist sehr irritierend.
    Die Frage ist, will ich eine Gemütsruhe aufgrund der These, dass alles nach „Gottes Plan“ abläuft, wenn ich in einer Welt mit Seuchen und Kriegen lebe?
    Wird analog dazu wahrscheinlich auch ein sehr starker Boost fürs Ego sein, wenn sich Leute als Mitglieder dieser ominösen Herrenrasse wähnen. „I´m number 1, so why try harder?“

    „Jedenfalls nicht zu Mördern an jenen werden, die nicht oder an anderes glauben“

    –> Klingt eher nach einem Rat an Religiöse.

  5. #5 von Gerry am 7. Februar 2017 - 10:41

    innere Zufriedenheit

    Davon sehe ich bei den kotz.net Kommentatoren nicht viel…

  6. #6 von Friedensgrenze am 7. Februar 2017 - 11:04

    Auch ich bin mit meinem Leben als Atheist unzufrieden. Na und?

    Es ist schon knifflig, in unserer Gesellschaft existierende Ungerechtigkeiten zu identifizieren, sie richtigerweise der religiösen Prägung zuzuordnen, zu sehen daß die Chancen auf Selbstentfaltung in enge Bahnen gelenkt wurden und dennoch die Beschützer dieser Ungerechtigkeiten in Ruhe zu lassen. Ich bin stolz darauf, maximal rhetorische Angriffe, mit ein paar Störungen öffentlicher religiöser Allmachtsbekundungen, mir selbst gestattet zu haben.

    Unverschämt ist die Aufforderung des Autors an Atheisten ihre Weltanschauung für sich zu behalten bei gleichzeitiger permanenter in allen Bereichen unserer Gesellschaft stattfindender religiöser Missionierungsversuche.
    Stattdessen könnte er sich mal fragen ob dieses komfortable „ausgeglichene Seelenleben“ Ergebnis einer unterdrückenden, weltanschaulichen Apartheid ist.

  7. #7 von Elvenpath am 7. Februar 2017 - 11:15

    Wilde Spekulationen. Die Fakten: Wir wissen es einfach noch nicht.
    Und es waren schon immer die Gläubigen, die ihren Glauben wie eine Monstrosität vor sich her tragen. Kreuze überall.
    Und wir wollen mal nicht darüber reden, wie viele Menschen von Gläubigen ermordet wurden, weil sie nicht ihren religiösen Glauben teilen wollten.
    Christen haben ein ausgeglicheneres Seelenleben? Auch nur ein wilde Behauptung. Allerdings ist Ignoranz für manche schon ein Segen. Es ist durchaus möglich, dass man mit religiösen Scheuklappen ruhiger ist.

  8. #8 von parksuender am 7. Februar 2017 - 12:06

    Christen haben kein ausgeglichenes Seelenleben … außerhalb ihrer Peer-Group. Sie müssen im Gegenteil immer wieder eine Bestätigung innerhalb der Glaubensgruppe und/oder durch lesen der Bibel erfahren. Innere Zufriedenheit ist Verdrängung der Gegenposition. Das innere Seelenheil erlangen sie nur dadurch, indem sie konsequent für ihre Belange eintreten und für jeden, der anderer Meinung ist, bis zur Erschöpfung beten, er möge doch endlich den „wahren Glauben“ (TM) finden.- Für mich wäre ein solches stressiges Leben als Christ unzufrieden

  9. #9 von klauswerner am 7. Februar 2017 - 12:35

    warum praktizierende Christen ein ausgeglicheneres Seelenleben haben

    🙂 🙂 🙂 😆
    Warum kenn ich nur so wenige davon, die meisten die ich kenne sind ziemlich verbiestert 🙂

    Ob unter den 7% der australischen Priester, die Kinder mißbraucht haben auch welche dabei sind mit einem ausgeglichenen Seelenleben?!?

  10. #10 von klauswerner am 7. Februar 2017 - 12:42

    Wo in den Texten steht denn eigentlich, das der Täter Atheist war? Ok, das Opfer war sehr gläubig und hatte nicht dieselben Ansichten zu Abtreibung und gleichgeschlechtlicher Ehe wie der Täter. Aber da gibt es doch viele Christen denen es genauso geht?!?
    Woraus schließt der Briefeschreiber daher auf Atheismus?

  11. #11 von parksuender am 7. Februar 2017 - 12:54

    @klauswerner #10
    Steht vielleicht nicht in diesem Artikel, in anderen Berichten wird aber erwähnt, dass er selbst sich als Anti-Theist bezeichnet.

  12. #12 von oheinfussel am 7. Februar 2017 - 13:49

    “ sondern sich einmal fragen, warum praktizierende Christen ein ausgeglicheneres Seelenleben haben. “

    Dazu hätte ich gerne handfeste Langzeitstudien

  13. #13 von Hinterfragerin am 7. Februar 2017 - 14:06

    Die Neigung, auf Basis von Einzelfällen weitreichende, von den bekannten Fakten – die selbst bzgl. des konkreten Falles teils unklar bleiben – nicht ansatzweise gestützte Schlüsse zu ziehen, ist speziell dann hoch, wenn es darum geht, die eigene, vorgefasste Meinung zu untermauern.

    Umgekehrt ist natürlich völlig klar, dass in einem ähnlich gelagerten äallen, in dem der Täter gläubig ist, a, Religion x nichts damit zu tun hat, weil sie wahlweise eine Religion des Friedens/ der Nächstenliebe u.ä.m. ist, b, der Täter sicher kein „richtiger“ („praktizierender“) Christ/ Moslem/xy war.

    Man muss aufpassen, nicht selbst in diese Falle zu tappen – und immer die Fakten des betreffenden Falles anzugucken, aus dem man dann nur jene Schlüsse ziehen sollte, die tatsächlich untermauerbar sind.

    Dem Verfasser des Artikels geht es wohl letztlich darum, Atheisten gleichsam den Mund zu verbieten. Nach dem Motto: offene Atheisten werden sich auch irgendwann gewalttätig…sie sind halt seelisch verkrüppelt.

    Dass NIEMAND zu Mörder an Andersdenkenden werden sollte, versteht sich von selbst (hier schwingt allerdings wiederum der Vorwurf der atheistischen Unmoral mit…).

    Das Opfer war wohl eine Frau, die ihr Christentum „wie eine Fahne vor sich her getragen hat“ – und? Das ist weder bei Gläubigen noch Nichtgläubigen ein Problem. Jeder hat das Recht, seinen Glauben oder Nichtglauben offen zu leben, jeder andere hat das Recht, sich seinen Teil zu denken, auch zu sagen – aber eben nicht das Recht, dem anderen Verbote aufzuerlegen oder gar übergriffig zu werden.

    Menschen aller Weltanschauungen werden aus Gründen psychischer Erkrankung und auch aus einer Vielfalt von anderen Gründen gewalttätig. Manche suchen nur eine Rationalisierung zum Ausleben ihrer Gewalttätigkeit. Manche würden aber auch nicht gewalttätig, würde ihnen ihre Weltanschauung dies nicht nahelegen. Im Falle dieses Mörders sind wohl selbst die Gutachter vorsichtig, sprechen von einer „kombinierten Persönlichkeitsstörung mit schizoiden, paranoiden, schizotypen, disthymen Komponenten“, aber Herr Künstle aus Herbolzheim wagt die Ferndiagnose, unglücklich und krank muss ihn ja der Atheismus gemacht haben, ebenso natürlich zum Mörder…schließlich passt dies so schön zur eigenen Meinung über spezielle Andersdenkende.

  14. #14 von manglaubtesnicht am 7. Februar 2017 - 14:30

    Jemand hier, der in Baden wohnt? Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit für einen Leserbrief, der dem Redakteur der Badischen Zeitung die Grundbegriffe und -überzeugungen erklärt.