Der Atheismus ist zu einer politischen Bewegung geworden

Der Atheismus ist zu einer politischen Bewegung geworden. In den USA entstehen atheistische Landesverbände, die den Einfluss der Religion auf die Politik beenden wollen. In Deutschland bildet sich in der SPD ein Arbeitskreis von Atheisten, der laut über ein Ende der privilegierten Rolle der Kirche in Deutschland nachdenkt. Das sind nur zwei Beispiele.

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Diese Bewegung ist faszinierend, denn bislang kam der Atheismus – sofern er den ­öffentlichen Raum betrat – meist in Begleitung menschenverachtender Ideologien daher. Religionsbefürworter und -gegner hielten sich in den entsprechenden Debatten die Leichenberge vor, die die jeweiligen Weltanschauungen im Lauf der Geschichte produziert haben.

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Der neue Atheismus spricht in aller Gelassenheit davon, dass es Gott wohl nicht gibt. In einer Gelassenheit, die keineswegs mit Aporie und Sinnlosigkeit einhergeht. „Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Kein Grund zur Sorge – genieß’ das Leben.“: Dieser Slogan – vor einigen Jahren auf Bussen in ganz Europa plakatiert – verdichtet die Botschaft des neuen Atheismus: „Wir sind keine Lehre, wir sind ein Lifestyle.“

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Der Atheismus formiert sich als politische Bewegung: Das bedeutet aber nicht, dass seine Aktivitäten nur auf den parlamentarischen Raum beschränkt sind. Politisch sind im ureigensten Wortsinn alle öffentlichen Belange. Zum ersten Mal in der abendländischen Geschichte ist es attraktiv für eine große Zahl von Menschen, den öffentlichen Raum als gestaltbar wahrzunehmen, ohne dabei auf Gott oder ein anderes höchstes Wesen zurückgreifen zu müssen.

Viele Fragen, die dieser neue Atheismus aufwirft, sind noch unbeantwortet, zum Beispiel die nach den neuen Riten oder nach festen atheistischen Strukturen. Einen kleinen Anfang kann aber jeder für sich selbst machen. Nicht nur zum Osterfest können Sie sich fragen: „Wie halte ich es mit der Religion?“

Quelle: Als „Hintergrund“ für diesen Artikel:

[http://www.theeuropean.de/the-european/11774-wie-christlich-sind-die-spanier-noch

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  1. #1 von Deus Ex Machina am 5. Februar 2017 - 16:57

    “ In Deutschland bildet sich in der SPD ein Arbeitskreis von Atheisten,“

    –> Ach, jetzt doch?

    „der laut über ein Ende der privilegierten Rolle der Kirche in Deutschland nachdenkt.“

    –> Ja, einer muss es ja tun! So kann das ja auch nicht weitergehen, mit einem seperaten Arbeitgeberrecht, das alle sonstigen erstrittenen Regelungen außer Kraft setzt.

  2. #2 von Diamond Mcnamara am 5. Februar 2017 - 17:12

    separat.sorry ich bín oberleerer bei der müllabfuhr

  3. #3 von deradmiral am 5. Februar 2017 - 18:53

    „denn bislang kam der Atheismus – sofern er den ­öffentlichen Raum betrat – meist in Begleitung menschenverachtender Ideologien“

    Da ist schon wieder die stalinistische Nazi-Keule. Das möchte ich mal kurz umformulieren:

    „denn bislang kommen alle Artikel über Atheismus, sofern sie die Redaktionsräume und Rundfunkräte zuließen, meist in Begleitung wahrheitswidrig unterschwellig unterstellter Gleichsetzung mit Stalinismus und Nationalsozialismus.“

  4. #4 von Skydaddy am 5. Februar 2017 - 20:52

    Es ist nur ein winziger Teil des Atheismus politisch. Dieser ist naturgemäß sichtbar, der „normale“ Atheismus eher nicht.

    Die politische Aktivität wird durch die massiven ungerechtfertigten Privilegierungen der Kirchen und die Benachteiligung Konfessionsloser nötig.

    Wer etwas dagegen hat, sollte lieber beweisen, dass es einen Gott gibt, als gegen die Folgen von dessen Nichtexistenz anzuschreiben.

    PS: Wo findet sich den dieser Artikel? Oder hat The European ihn entfernt?

  5. #5 von drawingwarrior am 5. Februar 2017 - 21:06

    @Skydaddy

    Ich habe auch erst mal gesucht, der verlinkte Artikel handelt von etwas anderem.
    Der hier diskutierte Text steht in einer Box rechts von Hauptartikel und wird als Hintergrund für diesen angeführt.

  6. #6 von manglaubtesnicht am 5. Februar 2017 - 21:20

    … und das ist auch gut so.

    Atheismus als einfaches Schulterzucken gegenüber der Gottesbehauptung hat durchaus seine Berechtigung. Der politische Atheismus, am besten gepaart mit Humanismus, als weitergehendes „Euer Gott will, dass alle X machen, Y denken und Z fühlen? Moooment mal, so geht das aber nicht …“ wird m.E. wirklich langsam stärker, und das ist leider auch bitter nötig. In diesem Kontext jetzt wieder die Hitlerwende zu ziehen und Atheisten als Gehilfen von Unrechtsregimen darzustellen – das zeigt, dass die Religionisten sehr wohl wissen, dass ihre Privilegien angezählt sind. Hysterisches Umsichschlagen.

  7. #7 von user unknown am 6. Februar 2017 - 01:15

    Diese Bewegung ist faszinierend, denn bislang kam der Atheismus – sofern er den ­öffentlichen Raum betrat – meist in Begleitung menschenverachtender Ideologien daher.

    Zum Beispiel die Freidenkerbewegung die 1933 vom Katholiken Hitler verboten und zerschlagen wurde, im März bereits, keine 2 Monate nach seiner Inauguration. Da hat der Führer das Schlimmste gerade noch mal verhindert!

  8. #8 von paul0f am 6. Februar 2017 - 07:34

    Nur darüber nachzudenken ist nicht genug. Irrc sollte der widerliche Privilegienvetrag von 1806 schon lange abgelöst werden. Die bisherigen Parteien und Verantwortlichen sollten also mehr als nur darüber nach denken – sie sollten endlich ihre Aufgabe erfüllen und die generationenübergreifende Sippenhaft der Christenkirche ohne weitere Zahlungen beenden (und zu unrecht bezahlte Gelder wieder zurück verlangen). Genau so wie die Veträge mit dem NS-Regime. Die Kirche schöpft munter weiter aus diesem Unrechtssystem, ohne vor Scham rot zu werden.

  9. #9 von Hal am 6. Februar 2017 - 11:06

    Der Schmierfink der diesen „Hintergrund“ verfasst hat hat scheinbar nicht die kognitiven Eigenschaften die für basale Vernunft Voraussetzung sind.

    Der Atheismus ist zur Grundlage eines neuen Lebensentwurfes geworden.

    Der Atheismus ist eine Grundlage, aber überhaupt nicht ausreichend für einen Lebensentwurf, es ist keine Religion, kann in sich nicht eine universelle Weltsicht informieren. Es ist eher die „Einstiegsdroge“ zu evolutionären Humanismus und einer naturalistischen Weltanschauung, aber dieses folgt natürlich nicht zwingend.

    … ein anderer Name für Anti-Klerikalismus.

    Man brauch im Grunde nicht Atheist zu sein um Anti-Klerikal zu sein. Katholen mit Gerechtigkeitssinn müssten eigentlich zutiefst Anti-Klerikal sein, wenn sie die Machenschaften ihrer moralisch verkommenden Gottesmänner objektiv beurteilen würden.

    … meist in Begleitung menschenverachtender Ideologien daher. Religionsbefürworter und -gegner hielten sich in den entsprechenden Debatten die Leichenberge vor, die die jeweiligen Weltanschauungen im Lauf der Geschichte produziert haben.

    Das Christentum und andere menschen- und lebensverachtende Wahnvorstellungen bedürfen keiner Begleitung um Leichenberge zu produzieren, aber Kleriker begleiteten sehr gerne Faschisten und Nationalsozialisten auf ihren weg, sie waren sogar Wegbereiter dieser Ideologien – praktisch und ideologisch.
    Das Christentum ist nur in Begleitung von Aufklärung und Humanismus tolerabel.

  10. #10 von Elvenpath am 6. Februar 2017 - 11:31

    „denn bislang kam der Atheismus – sofern er den ­öffentlichen Raum betrat – meist in Begleitung menschenverachtender Ideologien“

    Ideologien? Mehrzahl? Die einzige Ideologie, deren Teil der Atheismus ist, ist der Kommunismus. Eine andere kenne ich nicht. Die Nazis waren Christen und die Judenvernichtung ruhte auf dem christlichen Judenhass.