Brauchen wir „Reli“ noch?

Religionsunterricht ist wichtiger denn je, sagt Manuel J. Hartung. An den Schulen hat Gott nichts verloren, erwidert Stefan Schmitt.

(…)

Erstens lernen Schüler die Welt zu verstehen: Anders als viele erwarteten, wurde die Welt zuletzt nicht säkularer. Im Gegenteil: Religion ist so wichtig geworden, dass die Oxforder Politikwissenschaftlerin Monica Toft schon „Gottes Jahrhundert“ ausrief. (…) Man schaue sich nur den Hashtag #prayforberlin an, unter dem selbst die SPD nach dem Anschlag am Breitscheidplatz twitterte. Dass Religion auch ein Schlüssel ist zu Geschichte und Kultur, versteht sich von selbst.

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Zweitens hilft „Reli“ den Schülern, sich selbst zu erkennen. Irgendwann stellt sich jeder Schüler die großen Fragen, die Fanta 4 in diesen Refrain packten: „Wo gehen wir hin? Wo kommen wir her? Was ist der Sinn? Ist da noch mehr? Gibt’s da ’nen Tunnel? Ist da ein Licht? Ich weiß es nicht.“ Ein Ethiklehrer muss diese Fragen rein religionswissenschaftlich beantworten: Die einen glauben das, die anderen das. Doch reicht reine Wissensvermittlung bei so existenziellen Fragen aus? Braucht es nicht gerade hier ein Bekenntnis?

(…)

Nein, das Fach muss weg!

Es gibt da ein paar Widersprüche aufzulösen. Erstens: Obwohl unser Staat per Verfassung religiös zur Zurückhaltung verpflichtet ist, gewährt er den beiden großen christlichen Konfessionen in den meisten Bundesländern Zugang zum Unterricht. Ja, so ist es im Grundgesetz vorgesehen, aber das knüpft in diesem Punkt an eine problematische Praxis an (dazu später mehr). Zweitens: Die Kirchen dürfen über Lehrkräfte mitbestimmen und auf die Inhalte Einfluss nehmen – doch die Kosten zahlen die Bundesländer aus Steuermitteln. Drittens: Trotz der Sonderstellung seiner Inhalte kann Religion sogar Pflichtfach sein und die Note in diesem Fach versetzungsrelevant. Viertens, und das sei aus der Perspektive des Agnostikers gesagt: Schule soll kritisches Denken vermitteln als Handwerkszeug für ein selbstbestimmtes Leben. Aussagen auf Offenbarungsbasis bleiben aber prinzipiell unüberprüfbar.

weiterlesen:

[http://www.zeit.de/2017/03/religionsunterricht-pflichtfach-schulen-pro-contra-ethik/komplettansicht

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  1. #1 von frater mosses zu lobdenberg am 29. Januar 2017 - 15:42

    Nein, haben wir nie gebraucht. Gebraucht wurde der Religionsunterricht immer nur von den Pfaffen zur Indoktrination.

  2. #2 von Deus Ex Machina am 29. Januar 2017 - 17:19

    Reli = Arbeitsbeschaffungsmaßnahme + Zeitvergeudung der Schüler.

  3. #3 von Deus Ex Machina am 29. Januar 2017 - 17:30

    „Erstens lernen Schüler die Welt zu verstehen: Anders als viele erwarteten, wurde die Welt zuletzt nicht säkularer.“

    –> Ja, und? Nur weil anachronistische Weltanschauungen auf dem Vormarsch sind, muss man ihnen also noch mehr Zeit im Lehrplan opfern, anstatt die Kinder für das Leben in einer modernen Gesellschaft vorzubereiten? Warum sie nicht noch mit den Details eines altertümlichen Webstuhls lang und breit vertraut machen, nur weil die mancherorts noch als Hightech gelten? Your argument is invalid!

    „Zweitens hilft „Reli“ den Schülern, sich selbst zu erkennen.“

    –> Nö.

    “ Irgendwann stellt sich jeder Schüler die großen Fragen“

    –> …auf die diese Beleidigungen des menschlichen Verstandes nur hirnamputiertes Gebrabbel von sich geben.

    „Wo gehen wir hin? Wo kommen wir her? “

    –> Warum nicht gleich Grimms Märchen konsultieren?

    „Die einen glauben das, die anderen das. “

    –> Und Dritte wie Scienetology glauben wieder anderes. Aber all diese Luschen haben keine Belege, und wollen doch, dass man ihnen sich ausliefert.

    „Die Kirchen dürfen über Lehrkräfte mitbestimmen und auf die Inhalte Einfluss nehmen – doch die Kosten zahlen die Bundesländer aus Steuermitteln. “

    –> Ja, mit dem Geld anderer die eigene Ideologie voranstreiben, das haben wir gerne . Sauhaufen!

  4. #4 von Torchy am 29. Januar 2017 - 21:46

    Wieso wird Kindern immer wieder unterstellt, sie könnten ein „Das wissen wir nicht, versuche, die Antwort selbst zu finden!“, oder „Gib deinem Leben selbst einen Sinn!“ nicht verkraften?
    Und wer hat jemals nachgewiesen, dass es besser sei, Kindern stattdessen irgendeine gequirrlte Scheiße zu erzählen, damit sie bloß nicht an den „großen Fragen“ verzweifeln, statt mit ihnen umzugehen zu lernen???

  5. #5 von paul0f am 30. Januar 2017 - 08:39

    Wenn Reli wenigstens von Anfang an ein multikonfessioneller Unterricht gewesen wäre, hätte ich dem ja noch eine Art Bildungsauftrag abgewinnen können.
    Dennoch .. Reli bedeutet in Deutschland mW. eher konfessionsgebundener Unterricht und wie schon von Frater Mosses erwähnt, kommt der Religionsunterricht auch nach meinem Verständnis eher einer Indoktrination gleich als alles anderer.

    Zudem gibt es an Schulen wichtigeres, was den Kindern beigebracht werden sollte.

    Von daher: „Reli? Weg damit!“

  6. #6 von Elvenpath am 30. Januar 2017 - 10:45

    „Wo gehen wir hin? Wo kommen wir her? Was ist der Sinn? Ist da noch mehr? Gibt’s da ’nen Tunnel? Ist da ein Licht? Ich weiß es nicht.“

    Hier offenbart sich der größte Betrug der Religionen. Sie behaupten fälschlicher Weise, sie könnten diese Fragen beantworten. Dabei erzählen sie nichts weiter, als Ammenmärchen, die durch nichts belegbar sind.
    Sie gaukeln den Menschen eine Kompetenz vor, die sie nicht haben.

  7. #7 von awmrkl am 1. Februar 2017 - 10:26

    @Titel

    Nein.
    Dafür (statt segregierende) Unterrichtsinhalte, die herausheben, wo gemeinsame Inhalte sind, und übergreifend für alle verstehbar, wofür jeweils der/die andere steht, und dann Suche nach den verbindenden Gemeinsamkeiten – dann könnte es auch mit dem „multikulti“ klappen.

    Also kurzum, statt konfessionell getrenntes „Reli“, gemeinsames Lernen
    — über Philosophie und v.a. deren Abkömmling, Logik (zB allfällige Denkfallen/Fehlschlüsse wie Zirkelschlüsse usw),
    — über div. Richtungen (zB Epikur usw)
    über Religionen
    — über div. Richtungen von Ethik (v.a. AEMR)
    und gemeinsames Infragestellen all dessen, evtl gar Konsensfindung!?
    Und das über alle (Un)Glaubensrichtungen hinweg.

    Ich weiß, ich träume manchmal …