Die Apokalypse eines Atheisten

Buch. Philosoph Michel Onfray sieht die jüdisch-christliche Zivilisation in der finalen Phase – durch eigene Schuld und durch den Islam. Aber er ist sich in seinem neuen Buch, „Dekadenz“, auch sicher: Das Schlimmste komme noch.

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[http://diepresse.com/home/kultur/literatur/5160042/Feuilleton_Die-Apokalypse-eines-Atheisten

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  1. #1 von meteo am 26. Januar 2017 - 15:33

    Etwas zum Artikelsatz: „Noch eines verbindet die kämpferischen Religionsgegner miteinander sowie mit anderen, die man gern unter dem Etikett „Neue Atheisten“ zusammenfasst: Sie wissen genau, dass jede Art von Religion absolut schädlich ist und alle Religiösen im Unrecht sind – und sie absolut im Recht“.

    Das ist die typische Umkehrung der Rollen, die man sowohl bei religiösen Apologeten als auch bei der uninteressierten Mehrheit ständig hört. Eigentlich sind es die monotheistischen Religionen (siehe ihre Texte, siehe was ihre Apologeten sagen), die behaupten, sie seien die absolute Wahrheit Gottes und alle anderen Weltanschauungen seien falsch, vom Teufel, und würden die Leute in die Hölle führen. Aktive Konfessionsfreie denunzieren zurecht diese Tatsache. Es ist eine Frechheit, dass aktive Konfessionsfreie die jenigen sind, die dargestellt werden, als würden sie sich verhalten, wie die Religionen es eigentlich machen.

    Wenn jemand Bibeln verteilt (mit dem Spruch „Willst du die Bibel kennen?“), denken die Leute: „Das ist positiv, er will von seinem Glauben sprechen, er greift nicht die anderen an“, denn sie wissen nicht, was in der Bibel steht, insbesondere bezüglich anderen Weltanschauungen, und wie man mit Andergläubigen umgeht, oder was sie nach dem Tod erwartet. Wenn ein Ungläubiger diesen Inhalt der Bibel zurecht denunziert (notwendigerweise mit einem relativ „agressiven“ Spruch wie „Warum die Bibel falsch ist“), wird er selber als der Intolerante von der Bevölkerung wahrgenommen. Diese denkt diesmal: „Das ist negativ, er greigt die anderen an“. Und das alles, weil die große Mehrheit (außer tief Gläubige, die aber sehr konditionniert sind) etwa nichts von der Bibel kennt.

  2. #2 von dirk am 26. Januar 2017 - 16:20

    Zitat Artikel

    „..eine Diktatur, die die Diktaturen des 20. Jahrhunderts wie Tändeleien erscheinen lassen wird.

    Eine islamistische? Sie meint Onfray nicht, auch wenn er sie in naher Zukunft für sehr wahrscheinlich hält. Das „alte Ding“ Europa „steht zum Verkauf“, schreibt er, als vermutliche Käufer sieht er, aufgrund ihrer Geburtenraten, die Muslime.“

    Welche Diktatur meint Onfray den sonst? Aus dem Kontext ersehe ich nur das Onfray selbstverständlich eine islamische Diktatur meint. Siehe auch den darauf folgenden Satz.

    Zitat Artikel
    „Onfray hängt Huntingtons These vom „Kampf der Kulturen“ an, seine totale Ablehnung des Islam verbindet ihn mit dem Schriftsteller Michel Houellebecq, den er kürzlich „den vermutlich größten Schriftsteller unserer Zeit“ nannte. Doch während dieser im Roman „Unterwerfung“ eine sanfte Machtübernahme durch die Muslimbrüder in Frankreich beschrieben hat, sieht Onfray im Kalifat des IS den Vorgeschmack auf die der jüdisch-christlichen folgende Zivilisation – nach dem Motto: „Der Barbar von gestern ist immer der Zivilisierte von heute.“ Selbst das freilich ist immer noch harmlos im Vergleich zur Onfray zufolge „vermutlich letzten“, „transhumanistischen Ideologie“: „Eine Handvoll Posthumans werden überleben um den Preis einer noch nie da gewesenen Sklaverei von Menschen, die wie Vieh gehalten werden.“

    Argumente, die dieses Szenario plausibel machen würden, fehlen,…“

    Nochmal „Argumente, die dieses Szenario plausibel machen würden, fehlen…“ ist also der Kommentar des Feuilleton der Internetseite Die Presse.

    Ich würde dem Schreiber des Feuilletons doch mal empfehlen sich anzuschauen wie es in den Ländern aussieht wo der Islam herrscht. Von Saudi Arabien über Iran, Pakistan, Bangladesch bis nach Indonesien insbesondere der indonesischen Provinz wo die Scharia Gesetz ist. Probleme gibt es in all diesen Ländern rein gar keine, außer die betreffende Person ist Frau und wünscht Rechte wie sie heutzutage im Wesen selbstverständlich sind oder man ist Jude bzw Christ, auch ein offenes Aussprechen oder Kenntlich-machen das man keiner Buchreligion angehört Atheist oder schwul ist sollte in den genannten Ländern besser unterbleiben.

  3. #3 von schiffmo am 26. Januar 2017 - 16:36

    @“Islamisierung“:
    Es hilft aber nicht, festzustellen, dass „der Islam“ ganz schlimm und unterdrückerisch ist und alle Muslime als die fünfte Kolonne der Imame zu fürchten. Das ist aus ziemlich vielen Gründen falsch. Einer davon ist, dass Angst generell ein schlechter Ratgeber ist. Ein anderer ist, dass das keineswegs aufzeigt, was man haben will, sondern nur das, was nicht. Noch einer ist, dass eine solche kollektive Ausgrenzung (ich rede hier nicht von der ebenfalls vorhandenen Selbstausgrenzung von muslimischen Gruppen, die ich aber auch nicht nicht ignoriere) dazu führt, dass islamische Gruppen noch mehr zusammenhalten.
    Ich kann sagen, was ich haben will: Das ist eine Gesellschaft, in der Konsens ist, dass jeder Mensch als solcher respektiert wird und seine Freiheitsrechte wahrnehmen kann, und zwar unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Aussehen, Weltanschauung, politischer Meinung und anderen Details, die ich nicht aufgezählt habe. Das schließt insbesondere linksversiffte Philosophen und alle, die von anderen für solche gehalten werden, ein.

  4. #4 von PMA am 26. Januar 2017 - 17:11

    linksversifft ?
    Habe diesen Ausdruck bisher nur von NPD oder AfD-Heinis vernommen.
    Ironisch gemeint ?

  5. #5 von Hal am 26. Januar 2017 - 20:50

    @PMA

    Meinungs- oder Sprachpolizei, oder sollte es keine extrem linken Ideologen geben?

    @meteo

    Naja, Atheisten sind meist auch Humanisten mit großer Affinität für universelle Menschenrechte, nur sind sie weniger oft für Humanismus, sondern gegen religiösen Wahnsinn unterwegs. Obendrein haben religiöse (also parasitäre) Organisationen unseren angeborenen Humanismus mit ihrer Pissmarke versehen.

    Ich mag es zwar nicht mögen, aber vollzeit Berufsreligioten haben mehr Zeit ihren Blödkram zu „Branden“ und da ist das Problem, es ist im Grunde Propaganda, und weil es in der Sprache der Reklamebranche verpackt wurde, wird es eigentlich noch unehrlicher.
    Branding ist Brandmarkung von Vieh und auch Pferden – will man in diesen System lieber Schaf oder Reittier sein? Weder noch wird als Wahlmöglichkeit nicht angeboten, nicht frei oder gar der böse Wolf. In diesen Klima könnte man auch Hirte werden, wenn man kein Gewissen hat.

  6. #6 von Hinterfragerin am 26. Januar 2017 - 21:04

    „Sie wissen genau, dass jede Art von Religion absolut schädlich ist und alle Religiösen im Unrecht sind – und sie absolut im Recht. Sie wissen genau, dass jede Art von Religion absolut schädlich ist und alle Religiösen im Unrecht sind – und sie absolut im Recht.“

    Ich weiß nicht, von wie vielen „Neuen Atheisten“ die Dame bereits etwas gelesen hat. Ich kenne doch so einige Bücher aus diesem Bereich, auch eines von Onfray.

    Die Sätze oben sind schlicht falsch. Zum einen, weil alle NA zu differenzieren wissen zwischen den Religionen, insbesondere, was die Schädlichkeit anbetrifft. Sie halten also keinesfalls „jede Art“ für „absolut schädlich“. Sie behaupten auch nicht, „absolut im Recht“ zu sein, das Gegenteil ist der Fall.

    Wenn schon der erste Absatz klarmacht, dass die Dame entweder keine Ahnung hat, oder eine klare (religiöse?) Agenda – und schlicht auf „alternative Fakten“ rekurriert, wie man das neuerdings nennt, dann lässt das wenig Gutes für den Rest des Artikels hoffen.

    Auch scheinen der Dame die Zeitabläufe durcheinander geraten zu sein. Die Masse der einschlägigen Bücher wurde nach dem 11. September veröffentlicht, und der war 2001, nicht 2011….

    Insofern würde ich mal lieber das Buch lesen, als mir meine Meinung nach diesem Artikel zu bilden..

  7. #7 von Unechter Pole am 26. Januar 2017 - 23:38

    @meteo
    Das gilt auch ganz abgesehen davon, was in der Bibel steht.
    Erstens, Christen und zahlreiche andere Religioten wollen anderen ihre Vorstellungen über die Gesellschaft aufzwingen (sog. „Missionierung“) und dieses Vorgehen ist schon an sich unakzeptabel. Auch wenn in der Bibel nur lauter sympatische Geschichten wären.
    Zweitens, die Inhalte der Bibel (und auch des Korans, etc.) interessieren eigentlich wirklich keinen. Sondern eher dies, was als daraus abgeleitet präsentiert wird. Stünde in der Bibel (etc.) kein einziges Wort, würden Religioten genauso abstruse Gesellschaftsmodelle unter der Berufung auf ihre „heilige Bücher“ propagieren können.

  8. #8 von PMA am 27. Januar 2017 - 09:12

    @Hal

    Nee Nee, es ist nur wirklich so, dass ich genau dieses Wort, nur von den schlimmsten Leuten (für mich…)gelesen habe bisher, die sich so in diversen Kommentarbereichen rumtummeln.
    Die benutzen so ziemlich bei jedem Thema dieses Wort und so ziemlich alles was nicht in das primitive Weltbild dieser Kommentarschreiber passt, ist dann eben Linksversifft.
    Ist mir irgendwann mal so aufgefallen und nur meine subjektive Wahrnehmung, deshalb hab ich nochmal nachgefragt.
    Hatte da jetzt keine großen Hintergedanken^^

  9. #9 von schiffmo am 27. Januar 2017 - 09:42

    @PMA: Rate mal, warum ich das hingeschrieben habe. Ich halte mich weder für besonders links noch „links an sich“ für besonders schlecht, bekomme dieses Wort aber recht schnell an den Kopf geworfen, gemeinsam mit dem anderen Wort, und das ganz klar in der Erwartung, dass ich mich gemein machen soll mit irgendeiner kaputtpauschalisierten rechten Ansicht. Genau deshalb habe ich speziell festgestellt, dass das Wahrnehmen nicht nur all der aufgezählten Rechte selbstverständlich auch denen offensteht, die von gewissen Gruppen als „linksversifft“ bezeichnet werden.
    Bezeichnend finde ich auch, wie nahe diese Denkweise („Du bist doch wohl nicht so wie diese anderen, die wir so hassen, oder?“) an der Denkweise mancher Religionserleuchteten („Du glaubst doch hoffentlich an (diesen oder jenen) Gott und bist doch hoffentlich keiner von diesen Atheisten/Protestanten/…, oder?) oder anderer Gruppen („Du würdest doch sicher die Familie nicht an … verraten, oder?“) ist.
    Diese Kommentarschreiber kommen auch in der realen Welt vor, und da ist das nochmal eine Stufe unangenehmer.

  10. #10 von schiffmo am 27. Januar 2017 - 09:53

    Filterblase und so:
    Auch wir „Linksversifften“ leben letztlich in unserer Filterblase. Dazu haben wir immer diesen Impuls, das Denken der Anhänger einfacher Erklärungsmuster als irgendwie dumm abzutun. Es ist aber nicht so, dass die Anhänger immer dumm wären, ich habe einige recht intelligente Menschen unter ihnen getroffen, die in vielen Bereichen auch recht differenziert denken.
    Meine Meinung ist, dass wir, wenn das möglich ist,
    – mit den Anhängern in den Dialog treten sollten,
    – gemäß (weiter oben) ihren Fehler nicht mitmachen dürfen und sie über (irgendwie dumm) ausgrenzen,
    – versuchen, sie zu sensibilisieren, dass man auch die Dinge, die sie mit übereinfachen Erklär- und Handlungsmustern abzuhandeln, differenziert betrachten kann
    – …

    Auch die Anhänger der rechten Ideologien sind Menschen und verdienen es, mit Respekt behandelt zu werden. Sie verdienen es auch, dass man mit ihnen in den Dialog tritt, solange man sich nicht dabei selbst gefährdet. Es ist meiner Meinung nach sogar die einzige Möglichkeit, sich wirkungsvoll und konstruktiv mit den rechten Ideologien auseinanderzusetzen. Und es ist die einzige Möglichkeit, die beiderseitige Filterblase abzuschwächen.

  11. #11 von Hinterfragerin am 27. Januar 2017 - 11:16

    @ schiffmo

    Amen :-).

    Im Ernst, wenn alle so dächten, hätten wir aktuell weniger Probleme.

    Ich fürchte, was aktuell passiert, ist das Gegenteil: Die Leute graben sich in ihren Schützengräben ein, der Andersdenkende ist nicht nur dumm, sondern auch unmoralisch und gefährlich. Damit ist Diskussion dann nicht nur unsinnig, sondern fast schon ebenfalls unmoralisch und gefährlich. Wenn man verfolgt, was in den USA passiert, sind sie dort nur schon etwas weiter in dieser Entwicklung.

    Sicher gibt es an den Enden des Spektrums auf beiden Seiten Haltungen, die außerhalb des zivilisierten Diskurses stehen. Aber dazwischen sind eben auch ne Menge Grautöne.

  12. #12 von dezer.de am 27. Januar 2017 - 11:43

    @schiffmo: ganz deiner Meinung. In der Theorie. Schonmal in der Praxis mit Vtlern, Impfgegner oder ähnlichem diskutiert? Das ist sooo frustrierend. Du erinnerst doch sicher Monika und Patrick. Du hast keine Chance. Es fehlt Ihnen an Selbstreflexion. Denn Gedanken, sie selbst könnten unrecht haben und alternativen Fakten auf den Leim gegangen sein, diesen Gedanken sind sie unfähig zu denken.

  13. #13 von dezer.de am 27. Januar 2017 - 11:49

    @Hinterfragerin: Ich weiß was du meinst.

    Aus kosmopolitisch humanistischer Sicht ist ein Faschist aber nunmal „nicht nur dumm, sondern auch unmoralisch und gefährlich“. Das sie gefährlich sind beweisen sie oft genug und die Geschichte spricht ihr übriges. Der Ideologie, der sie aufgesessen sind, ob nun nationaler oder religiöser Faschist st im Kern unmoralisch. Das die meisten dazu auch noch dumm sind zeigen genug Untersuchungen.

    Die Gewalt ist ihr einziges Mittel mit dem sie Macht ausüben. Und gegen Gewalt kann man nicht andiskutieren. Gegen Gewalt hilft nur Prävention oder wenn es dafür zu spät ist Gegengewalt.

  14. #14 von schiffmo am 27. Januar 2017 - 13:14

    @dezer: Diejenigen, denen ich in RL begenet bin, waren eher von der Sorte: „Das mit … ist ganz furchtbar, (das gehört verboten/die gehören ausgewiesen/…)“ und nicht von der stahlharten Sorte. Die haben üblicherweise schon mehrfach erlebt, dass ihnen Leute gesagt haben, dass die Aussage dumm ist, und die üblicherweise verstehen, dass sie dumm sind. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass es oft hilft, wenn man denen zeigt, dass man sie nicht für dumm hält. Manchmal erreicht man dann, dass sie selber draufkommen, dass die Sache nicht so einfach ist, wie sie dachten.
    Für die eisenharten: Man muss sich nicht selbst gefährden durch so eine Diskussion.

  15. #15 von dezer.de am 28. Januar 2017 - 11:55

    @schiffmo: bin bei dir: wo noch Hoffnung besteht, da muss man versuchen was man kann. Man muss es zumindest versuchen. In meinem Kommentar meine ich auch eher die „eisenharten“. Diese können allerdings niemals zur Macht kommen gäbe es die unzähligen Mitläufer nicht. Rostock Lichtenhagen, die Eisenharten haben die Molotowcocktails geworfen, mit denen kann man nicht diskutieren, denen muss man mit Gewalt begegnen. Die, die aber geklatscht haben sind genauso schuld, haben diese Stimmung erst möglich gemacht, dass sich die Eisenharten trauen einen Mollie zu werfen. Und auch das muss man diesen Menschen klarmachen.