Ist die Aufklärung vom Himmel gefallen?

Will der säkulare Staat den Islam integrieren, muss er sich auf seine christliche Herkunft besinnen.

Der Autor Martin Rhonheimer ist Pfarrer bei Opus Dei

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Ohne Christentum und kirchliche Kulturschöpfung hätte es weder diese Entstehungsbedingungen der modernen Wissenschaft gegeben, noch gäbe es die europäische Rechtstradition. Der Kieler Rechtshistoriker Hans Hattenhauer sieht die mittelalterliche Kirche als «Lehrmeisterin des weltlichen Rechts». Unter Historikern unbestritten, war es die sogenannt päpstliche Revolution des Hochmittelalters, die für die moderne Rechts- und Staatsentwicklung die Grundlagen legte. Sie entsakralisierte König- und Kaisertum und erneuerte damit den Dualismus von weltlicher und geistlicher Gewalt.

Das 11. Jahrhundert war die Wende zur Neuzeit. Auch hatte das Christentum, so der Oxforder Historiker Larry Siedentop, «das Individuum erfunden»: Auf der zur Antike konträren Idee, alle Menschen seien gleich, nämlich vor Gott, und als Individuen selbst verantwortlich für ihr Heil, basiert die spätere Kultur der Freiheitsrechte des Individuums.

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Der säkulare, freiheitliche Staat ist auf dem Humus einer Zivilisation christlicher Prägung gewachsen, ja erst möglich geworden.

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Die Staatsvergottung hat das 20. Jahrhundert in Form zweier Totalitarismen schmerzlich erfahren. Eric Voegelin, und danach Emilio Gentile und Hans Maier, nannten totalitäre politische Ideologien deshalb «politische Religionen», Hermann Lübbe bezeichnete sie – phänomenologisch korrekter – als «Anti-Religionen».

weiterlesen:

[https://www.nzz.ch/feuilleton/ist-die-aufklaerung-vom-himmel-gefallen-ld.141375

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  1. #1 von Charlie am 25. Januar 2017 - 09:58

    facepalm

  2. #2 von Gerry am 25. Januar 2017 - 10:58

    Caritaslüge, Aufklärungslüge, gibt’s irgendwas wo die Religioten nicht lügen?

  3. #3 von Deus Ex Machina am 25. Januar 2017 - 11:04

    „Ohne Christentum und kirchliche Kulturschöpfung hätte es weder diese Entstehungsbedingungen der modernen Wissenschaft gegeben“

    –> Beleg! Ich würde ja eher behaupten: Das dritte Reich hat direkter zur Mondlandung beigetragen, als Christentum und Kirche zur Wissenschaft.

    „noch gäbe es die europäische Rechtstradition.“ & „Unter Historikern unbestritten, war es die sogenannt päpstliche Revolution des Hochmittelalters, die für die moderne Rechts- und Staatsentwicklung die Grundlagen legte.“

    –> Beleg! Wie zum Geier kann man Jahrhunderte nach dem römischen Reich die Grundlage für das moderne Recht legen, wenn dieses seine Grundsätze aus der Zeit des römischen Reichs bezieht, das mit seiner Regelung des öffentlichen Lebens jurist. schon viel weiter war?

    „Auch hatte das Christentum, so der Oxforder Historiker Larry Siedentop, «das Individuum erfunden»:“

    –> Mwhahahahahaha, da geht wieder jemand mit dem extragroßen „Made by Christianity“-Stempel um.

    „Auf der zur Antike konträren Idee, alle Menschen seien gleich, nämlich vor Gott, und als Individuen selbst verantwortlich für ihr Heil, basiert die spätere Kultur der Freiheitsrechte des Individuums.“

    –> Wer behauptet jetzt was? Dieser Satz ist sehr verschwurbelt geschrieben.

    Au Backe, das musste aber ja in die Hose gehen, wenn so ein Schoßhund Roms was niederschreibt.

  4. #4 von deradmiral am 25. Januar 2017 - 11:38

    Der Islam hat doch christliche Wurzeln. Das ist ja gerade das Problem. Dieser Alleinvertretungsanspruch, die Höllendrohung und das missionarische Auftreten haben sie übernommen.

    Der Humanismus muss sich daher gegen das Christentum und gegen den Islam durchsetzen (und nicht etwa mit, aus, oder durch).

  5. #5 von Elvenpath am 25. Januar 2017 - 12:02

    Typische 180 Grad Realitätsverdrehung. Aber das konnten Religionen schon immer gut: Sich mit fremden Federn schmücken.
    Um wie viel wollen wir wetten, dass diese Historiker allesamt selber gläubige Christen sind?

  6. #6 von Hinterfragerin am 25. Januar 2017 - 12:11

    Ich kenne Siedentops Buch, und seine Argumentation ist doch etwas differenzierter. Ebenso ist es mit dem in der Tat großen Einfluss der Entwicklung der römischen Rechtstradition durch die Kanoniker. Sie ist nicht zu leugnen, nur kann man nicht die Schlüsse daraus ziehen, die dieser Herr daraus zieht.

    Nichts davon hat seine Wurzel im „Kern christlichen Glaubens“ oder ist ohne diesen nicht zu denken. Hätte es sich ohne den Einfluss „des Christentums“ in dieser Form entwickelt? Wohl nicht. Aber das ist eine andere Frage. Die Aufklärung ist ebenso wenig vom Himmel gefallen wie jede andere geistesgeschichtliche Entwicklung, aber sie ist über ihre Wurzeln hinausgewachsen, die antiken wie die christlichen.

    Es handelt sich vielmehr um komplexe geistesgeschichtliche Entwicklungsstränge, in denen sich antike und über lange Jahrhunderte (!) auch auf deren Basis entwickelte christliche Vorstellungen verbunden haben und schließlich auch von zunehmend säkularer denkenden Menschen weitergeführt wurden.

    Deshalb ist es auch so absurd, sich auf irgend etwas „rückbesinnen“ zu wollen. Die Idee des Individuums wie die moderne Staats- und Gesellschaftsidee wäre den Christen des 4. wie des 9. wie des 13. Jahrhunderts absurd vorgekommen. In ihrer heutigen Ausprägung auch noch den Christen der frühen Neuzeit..

    Ja, die „Staatsvergottung“ hat zu entsetzlichem Leid geführt. Ebenso wie vorher die Idee des christlichen Gottes auch.. Vielleicht sollte man einfach aufhören, den Menschen die eigene Ideologie mit Gewalt aufzuzwingen?

  7. #7 von Charlie am 25. Januar 2017 - 12:14

    @Hinterfragerin

    Sehr guter Kommentar! (Ich finde es klasse, dass du bei uns immer noch kommentierst.)

  8. #8 von Hinterfragerin am 25. Januar 2017 - 12:19

    Und was den Islam betrifft: Der säkulare Staat integriert keine Religionen, sondern Menschen. Manche sind Muslime. Viele dieser Muslime wissen einen säkularen Staat durchaus zu schätzen, wie Umfragen zeigen. Und die, die es nicht tun? Kann man entweder überzeugen (oder ihre Kinder), und zwar mit Argumenten – dient der Freiheit aller u.a.m. – oder nicht. Wenn sie glauben, ihre Glaube toppt alles, wird sie kein Argument überzeugen. Was sie aber ganz sicher nicht überzeugen wird, ist der Hinweis auf die „christlichen Wurzeln“ in ihrem Partikularismus. Der Schuss dürfte eher nach hinten losgehen.

  9. #9 von user unknown am 25. Januar 2017 - 14:56

    Es ist nicht verkehrt, den Totalitarismus, Absolutismus und die Dogmatik als Gemeinsamkeit mit vielen Religionen zu erkennen.

    Die Frage ist, wieso das für Religionen sprechen sollte.

  10. #10 von ptie am 25. Januar 2017 - 15:46

    Was mich ärgert ist, dass solche Artikel es eher erschweren den tatsächlichen Wert des Crhistentums einzuschätzen. Hat das Christentum besondere Eigenschaften, die die Entwicklung von Naturwissenschaften, der Aufklärung im Vergleich zuem Islam, dem Buddhismus etc. begünstigten? Darüber wären bestimmt interessante Gedanken denkbar 🙂 Aber eher nicht von solch einem katholischen Priester, Professor für Ethik und politische Philosophie an der Päpstlichen Universität Santa Croce.

    Beispiel:

    Die säkular-freiheitliche politische Kultur lebt ja gerade vom Gegenüber heilsverheissender Institutionen. Sie bewahren den Staat – im Interesse der Freiheit – davor, selbst soziale oder politische Heilsversprechen anbieten zu wollen.

    Ich benötige keinerlei Heilsversprechen und habe das Gefühl, dass dies für viele meiner Mitmenschen auch gilt. Außerdem hat man im Faschismus gesehen, wie wenig es gelang, den Staat vor dem Anbieten von politischen Heilsversprechen zu bewahren. Im gegenteil, die politischen Führenden bedienten sich der vorformulierten religiösen Heilsversprechen und tranformierten diese in die politische Sphäre.

    PS: Die Aussage im Artikel:

    Die vom Christentum geprägte Zivilisation basiert auf dem römischen Recht, das die Kirche im Mittelalter zu ihrem eigenen, dem Kirchenrecht ausbaute

    muss man doch wohl so lesen, dass das Kirchenrecht ohne das (antike) römische Recht so nicht denkbar wäre.