Hessen: Der Kirchenaustritt wird leichter

Die Hessen sollen den Austritt aus der Kirche künftig bei ihrer Gemeindeverwaltung erklären können. Bisher sind dafür die Amtsgerichte zuständig. So hat es der Landtag am Dienstag beschlossen. Das soll vor allem die Verwaltung vereinfachen. Kirchenvertreter sehen darin aber auch einen Paradigmenwechsel.

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[http://www.fr-online.de/rhein-main/kirche-in-hessen-der-kirchenaustritt-wird-leichter,1472796,35107186.html

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  1. #1 von Charlie am 25. Januar 2017 - 17:10

    Gratis wäre super, dann wäre es auch egal, wo man hingehen muss.

  2. #2 von nolionsinhere am 25. Januar 2017 - 18:20

    Geht sicher noch nicht weit genug, ist aber durchaus ein nicht unwesentlicher Fortschritt. Ich habe gerade mal einen Blick auf die entsprechende Karte geworfen. Hessen hat 41 Amtsgerichte. Kein Problem, wenn man mitten in Kassel wohnt, aber irgendwo in der Provinz können es schon mal 30/40km (Luftlinie) zum nächsten Gericht sein. Für Leute, die nicht allzu mobil sind, fällt damit ein teils erhebliches technisches Hindernis zum Austritt weg.

    Ansonsten hat Charlie aber recht, gratis wäre super!

  3. #3 von Noch ein Fragender am 25. Januar 2017 - 19:12

    Noch besser wäre es, wenn durch die Taufe unmündiger Babys gar keine Kirchensteuerpflicht entstünde, sondern erst durch ausdrückliches Einverständnis bei Volljährigkeit.

  4. #4 von Hinterfragerin am 25. Januar 2017 - 20:32

    „Bedauerlich aber sei, dass die Kirchenmitgliedschaft bei der neuen Regelung alleine über das Thema Kirchensteuer angegangen werde.“

    Was für den Staat ja letztlich auch das einzig Relevante ist, der einzige Grund, dass man sich bei so einer Sache überhaupt an eine staatliche Stelle wenden muss, nicht an die Kirche…

  5. #5 von Unechter Pole am 25. Januar 2017 - 22:37

    @Hinterfragerin
    Wobei das seltsamerweise eigentlich vorteilhaft ist. In meiner Heimat besagt der Staat, das Kirchen die Austrittprozeduren selber regeln sollen. Die k-Kirche sagt wiederum, dass nach ihren Regeln kein Austritt möglich ist. Auf Klagen der Bürger antwortet der Staat, dass es nicht seine Angelegenheit ist, sondern eine zwischen den Kirchen und den Bürgern.

  6. #6 von Willie am 26. Januar 2017 - 01:29

    @UP

    Das interessante daran ist ja, dass damit Menschen sowas wie einen religiösen Doppelpass erhalten, wenn nicht gar einen Tripplepass. Lt. Muslime sind alle Menschen von Geburt an Muslime, darüber legen die Christenvereinigungen dann ihre Taufe (auch mal mehrfach, wenn man z.B. zu den Adventis oder ZJ wechselt) und der Mensch legt dann, im besten Falle, wieder den Urzustand darüber, wenn er Atheist wird. Womit er lt. Christenverständnis noch näher an Gottes Ebenbil herankommt, da Got ja keine anderen Götter duldet, also anerkennt, und damit auch Atheist ist.
    😉

  7. #7 von deradmiral am 26. Januar 2017 - 09:48

    @Willie
    Erschwerend kommt hinzu, dass jeder Christ eine Taufe vornehmen kann und die Kirche das dann anerkennt. Ich als Ungetaufter habe also überhaupt keine Rechtssicherheit. Die Kirchen können jeder Zeit auf mich zu kommen und behaupten, dass ich als Säugling getauft worden bin.

    Erschwerend kommt dazu, dass die Kirchen noch nicht einmal mir eine Bestätigung auf Nichtzugehörigkeit ausstellen wollen. Ich hatte bei allen kirchensteuererhebenden Kirchen nachgefragt und eine Abfuhr bekommen. Ich hatte darüber in einem Ketzerpodcast berichtet.

    Diese Diskriminierung von Ungetauften interessiert aber niemanden und wird allerseits als „lächerlich“ abgetan.

  8. #8 von Unechter Pole am 26. Januar 2017 - 10:40

    Rein theoretisch: sollte der staatliche Kirchensteuereinzug in Deutschland irgendwann mitsamt des Austritts vor Staatsorganen entfallen, kann es dazu führen, dass Kirchen Mitgliedsbeiträge per Inkassobüros eintreiben und die Mitglieder nicht austreten und weiter blechen lassen (z.B. per Lohnpfändung). Da die Kirchen nach der bisherigen Rechtsprechung nicht nur Selbstverwaltung, sondern auch „Selbstbestimmung“ geniessen, werden sie auch den Austritt (wie in Polen) sehr wohl verbieten können.

  9. #9 von paul0f am 26. Januar 2017 - 12:25

    Schöner wäre es, wenn Kirchen abreisen einfacher wäre.^^

  10. #10 von Charlie am 26. Januar 2017 - 12:29

    @deradmiral

    und wird allerseits als „lächerlich“ abgetan.

    Das glaube ich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendeine Kirche von dir plötzlich Geld verlangt, obwohl du nicht bei denen registriert bist. Die müssten das schon gut beweisen können.

  11. #11 von Smiling_Joe am 26. Januar 2017 - 13:24

    @Charlie:

    Leider können die das. Als Ausgetretener ist man in der Beweispflicht. Ist die Austrittsbescheinigung weg, hat man nichts in der Hand und die Kirche hat freie Bahn Beiträge rückwirkend einzutreiben. Zumindest hat mir das der Beamte bei meinem Austritt sowie die Finanbeamte das so dargelegt.

  12. #12 von uwe hauptschueler am 26. Januar 2017 - 13:29

  13. #13 von Rene am 26. Januar 2017 - 13:57

    Anstatt den Austritt zu erleichtern sollte man den Eintritt erschweren. Seit wann sind Säuglinge geschäftsfähig? Wo bleibt der Jugendschutz, wenn Kleinkinder religiösen Ritualen zugeführt werden? Ein Behördenbesuch sollte bei einem Eintritt vorgeschrieben sein. Für den Austritt sollte eine dreimalige Verbeugung vor meiner Kloschüssel reichen.

  14. #14 von Hypathia am 26. Januar 2017 - 15:04

    Ich bin immer wieder überrascht, dass der Kirchenaustritt in Österreich so viel einfacher (sogar kostenlos) ist, als in Deutschland. Man kann den Austritt ganz einfach online erklären und muss nicht mal mehr auf irgendein Amt gehen. Trotzdem sind noch immer über 59% der Österreicher Mitglied in diesem Verein. Was aber wahrscheinlich an der Bequemlichkeit der Menschen liegt und der Tatsache, dass die Kirchensteuer bei uns wesentlich geringer ist, als in Deutschland.

  15. #15 von Charlie am 26. Januar 2017 - 15:22

    @Smiling Joe

    Aber nur bei getauften Leuten, die in der DDR mündlich ausgetreten sind. Wenn man heute aufn Amt austritt, bekommt man normalerweise ein Schreiben von der Kirche, dass die das im Taufregister vermerkt haben. Sollte die Dreckskirche dennoch irgendwann einen Beweis fordern, und das traue ich denen auch zu, habe ich mir den Austritt schriftlich bestätigen lassen. Das Schreiben liegt sicher im meinen Tresor.

    @Uwe

    Der Franzose war getauft und somit bei ihnen gemeldet. deradmiral hat dieses Problem nicht, ansonsten hätte sich die Kirche schon gemeldet, als er nachfragte. Er wird nie Kirchensteuer zahlen, da bin ich mir sehr sicher.

  16. #16 von Smiling_Joe am 26. Januar 2017 - 15:32

    @Charlie:

    Also ich habe keinerlei Schreiben seitens der Kirche erhalten, nur die Bescheinigung vom Amt mit eben jener Anweisung: „Bewahren Sie das bitte auf. Sie sind in der Beweispflicht wenn es Probeme gibt.“ – und ich bin im Jahr der Wiedervereinigung geboren, beinahe so weit westlich wie es geht.
    Natürlich kann ich mir den Austritt auch von Kirchenseite bestätigen lassen, aber das ändert nichts daran, dass ich einen Zettel aufbewahren und im Falle vorzeigen muss, dass ich kein Mitglied mehr bin.

    Allerdings könnte ich mal anfragen ob ich im hiesigen Taufregister noch eingetragen bin um mich ggf. austragen zu lassen. Rein als Prävention.

  17. #17 von Thorsten am 26. Januar 2017 - 15:46

    Zwei-Drei Stunden Fahrt ins Unbekannte mit ÖPNV -> Als Jugendlicher war das Amtsgericht für mich schier unerreichbar… insofern, schon ein guter Schritt in die richtige Richtung.

    Besser wäre es aber anders herum: Keine Mitgliedschaft vor Vollendung des 14 Lebensjahres und Eintrittsmöglichkeiten ähnlich schwer machen, wie heutzutage den Austritt 😉

  18. #18 von Smiling_Joe am 26. Januar 2017 - 15:56

    Ich frage mich schon seit längerem, ob ein Eintritt / Taufe in eine Kirche tatsächlich Kostenfrei ist. Evtl. werde ich mich vor Ort mal darüber erkundigen. Leider sind ja zumindest in Deutschland die Regelungen recht uneindeutig.

  19. #19 von Charlie am 26. Januar 2017 - 15:56

    @Joe

    Mein Schreiben von der Kirche war nur so eine Info welche Rechte man verliert bla bla bla. Soweit ich weiß, löscht die rkk keine Namen aus dem Taufregister. Aus ihrer Sicht kann man die Taufe nicht rückgängig machen.

  20. #20 von Smiling_Joe am 26. Januar 2017 - 15:59

    @Charlie:

    Selbst auf so ein Schreiben habe ich vergeblich gewartet. Habe eben an „meine“ ehemalige Gemeinde geschrieben und mal nachgefragt wo ich Auskunft über meinen Taufregister-Eintrag erhalten kann

  21. #21 von Charlie am 26. Januar 2017 - 16:02

    @Joe

    Das Schreiben der Kirche gibt es erst seit ein paar Jahren, bei der die Austrittswilligen ihre „Elend“ noch widerrufen können. Damit soll ein schlechtes Gewissen eingeredet werden. Wichtig ist aber die Bestätigung von der Behörde. Ich wollte unbedingt diese schriftliche Bestätigung, die vom Amt haben blöd geguckt und meinten das brauche ich nicht und das habe noch nie jemand verlangt.

    Wenn du eine Austrittsbestätigung hast, ist das völlig ausreichend. Und gut aufheben!!

  22. #22 von Gerry am 26. Januar 2017 - 16:33

    @ Hypathia

    Vielleicht sollte man da mal mit ein paar fähigen Hackern reden….

  23. #23 von Hypathia am 26. Januar 2017 - 16:46

    @ Gerry

    So einfach ist es dann leider doch nicht. Man muss entweder den Taufschein einscannen und mit schicken oder die Taufregisternummer (oder wie das heißt) angeben.

  24. #24 von Rene am 26. Januar 2017 - 17:02

    @Gerry. Traumhafte Vorstellung. Von jetzt auf gleich bei Null.

  25. #25 von Smiling_Joe am 27. Januar 2017 - 11:01

    @Charlie:
    Die habe ich noch und ich bin auch geneigt für solche Sachen einen Safe anzuschaffen. Nichts desto trotz werde ich versuchen mehr über meinen Eintrag im Taufregister/Kirchenbuch herauszufinden und evtl. sogar streichen zu lassen.
    Ich habe im moment ein reges Interesse an dem Thema und habe bei meinen Recherchen dazu schon mehrfach gelesen, dass sowas möglich ist. Man muss vielleicht ein bisschen Druck machen und sich nicht sofort abwimmeln lassen, aber es besteht evtl. auch die Möglichkeit sich auf das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zu Berufen.

    Ich werde einfach mal sehen was sich so ergibt – wenn sich was ergibt – und versuche meine Erfahrungen hier zu teilen.

  26. #26 von Predator am 27. Januar 2017 - 13:22

    Nur gratis und (optional) online wäre akzeptabel. Alles andere ist nur hinterwäldlerisches Wischiwaschi.