Autor Brandstetter: „Bibel ist phantastisch geschrieben“

Die Bibel ist nach Überzeugung des österreichischen Schriftstellers und Literaturprofessors Alois Brandstetter „phantastisch geschrieben“. Für ihn sei der Apostel Paulus einer der bedeutendsten Autoren der Weltliteratur, sagte der „von der Kirche literarisch sozialisierte“ Autor in einem Interview für die aktuelle Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“. Auch die Propheten des Alten Testaments hätten ihm immer gefallen.

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[http://www.kathpress.at/goto/meldung/1446380/autor-brandstetter-bibel-ist-phantastisch-geschrieben

  1. #1 von omnibus56 am 30. November 2016 - 19:07

    Für mich ist die Bibel dagegen der schlechteste Phantasy-Fortsetzungsroman, den ich je gelesen habe… Und nun?! Ich würde sagen: 1÷1, denn was außer dem argumentum ad verecundiam würde dem Urteil von Brandstetter mehr Gewicht verleihen?

  2. #2 von Skydaddy am 30. November 2016 - 20:03

    „Phantastisch“ vielleicht in dem Sinn von „Außerirdische haben mich entführt“ oder „Der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen“.

  3. #3 von Skydaddy am 30. November 2016 - 20:06

    Bestimmte Stellen bei den Propheten sind für mich eher das bronzezeitliche Äquivalent zu „Ich fick‘ deine Mutter!“.

  4. #4 von Hinterfragerin am 30. November 2016 - 21:10

    „Die Bibel“ nicht. Teile davon? Ja, sicher, wobei ich nicht beurteilen kann, inwieweit die Ehre den Übersetzern zukommt.

    Diese Teile sind ähnlich erhaben/ interessant/ emotional berührend wie andere „große“ Texte der damaligen Zeit. Man sollte sie meines Erachtens auch eher mit diesen Texten vergleichen – dem „modernen“ Geschmack ist auch ein Text aus dem alten Griechenland nicht immer nah. Und inhaltlich? Würde ich manche Texte auch am ehesten auf einer Stufe mit anderen mythologischen Texten (oder pseudo-historiographischen) der Antike sehen, die ebenso faszinierend und erhaben sein können. Dafür muss man ja weder an Jahwe, noch Osiris, noch Zeus glauben.

    Ob ich jetzt Prediger 3 lese oder ein ägyptisches Totenbuch oder die Aeneis ist letztlich egal – nur war die Bibel halt literarisch noch etwas wirkungsmächtiger.

    Ich denke, wenn man selbst sagt, man sei durch und mit einem Text „literarisch sozialisiert“ worden, sollte man sich bewusst sein, dass Aussagen über den literarischen Wert dieses Textes, sagen wir, nicht ganz objektiv sind (was sie wohl eigentlich nie sein können). Und wir sind letztlich fast ALLE – wenn auch vielleicht über Umwege – literarisch mit der Bibel und dem „humanistischen Kanon“ sozialisiert, also voreingenommen…

    Die Frage ist doch auch ganz generell, nach welchen Maßstäben man Literatur bewertet. Der Einfluss der Bibeltexte auf die gesamte westliche Literaturgeschichte ist zweifelsohne sehr groß, bis heute, und lediglich vergleichbar mit dem einiger griechisch-römischer Texte. Und zwar was Wortschatz, Motive und „Stil“ betrifft.

  5. #5 von Hal am 30. November 2016 - 22:10

    @Hinterfragerin

    Ich halte mir mein Erlebnis eines Textes den eines anderen für sehr viel mehr relevant.

    Was ich, egal welcher Übersetzung, in der Bibel gelesen habe ist hässlich, möglicherweise poetisch unterbrochen.

  6. #6 von Noch ein Fragender am 30. November 2016 - 22:48

    Phantastisch geschrieben?

    Mich interessiert, ob es wahr ist, was in der Bibel steht.

    Was nutzt mir die schönste, „phantastisch geschriebene“ Prophezeiung, wenn sie falsch ist und nie eintritt. Statt Hoffnung verbreitet sie Frust.

    Wen trösten die erhebensten apokalyptischen Bilder, wenn sie sich im Laufe der Zeit als Wunsch- und Rachephantasien herausstellen.

    Welchen Wert hat es, sich an der Poesie des Bratfisch essenden Auferstandenen hochzuziehen, wenn man weiß, das das eine antidoketische Überrtreibung ist.

    Brandstetter erweist seiner Kirche einen Bärendienst, wenn er die Bibel als belletristisches Non plus ultra frommer Phantasie anpreist.

  7. #7 von itna am 30. November 2016 - 23:14

    Da halte ich es mit Deschner:
    Vor lauter Blut kann ich den Text nicht mehr sehen. Oder so.

    Die Bibel, grossteils potenzierter Schwachsinn, erbärmlich geschrieben, von sehr bescheidener Qualität.

  8. #8 von Rene am 1. Dezember 2016 - 10:38

    Lagerfeuergeschichten irgendwelcher vorzeitlichen Ziegenhirten, die den Kameldung mit shit verwechselt haben. Sorry, kein Buch hat mehr Dummheit, Brutalität und Leid über die Menschen gebracht.

  9. #9 von frater mosses von lobdenberg am 1. Dezember 2016 - 15:05

    phantastisch geschrieben

    Von Phantasten aus den Texten anderer Phantasten abgeschrieben, würde ich eher sagen.

  10. #10 von Hinterfragerin am 1. Dezember 2016 - 21:49

    Naja, mal ehrlich: Auch andere antike Texte bestehen größtenteils aus, sagen wir, eher an der Identitätsstiftung als der historischen Realität orientierter „Geschichtsschreibung“, ausführlich beschriebenen Kriegen, Metzeleien, Vergewaltigungen, Brutalitäten… zeitentsprechend halt. Es ist oft der Fall, dass man „vor Blut den Text nicht sehen kann“.

    Diese Texte sind interessant, weil sie uns einen Einblick in die damalige Zeit und Denkweise liefern, sie hatten Einfluss auf spätere „literarische“ Texte, auf sprachliche und kulturelle Entwicklungen. Und manchmal scheint etwas allgemein-Menschliches durch, Ängste, Freuden, die auch heute noch berühren.

    Sie entsprechen den Gepflogenheiten der damaligen Zeit, auch was ihre Bildhaftigkeit und Sprachgewalt betrifft und erreichen in Teilen eine Form und manchmal auch Inhalte, die auch von uns heute noch als sinnhaft/ erhaben/ schön wahrgenommen werden.

    Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

    Der Unterschied ist eher, dass die Bibel heute noch „Ernst genommen“ wird. Sie ist eben auch heute nicht nur Literatur. Insofern muss ich auch zugeben, dass mir der literarische Genuss weitgehend verwehrt bleibt – was aber auch der Fall ist, wenn ich andere Texte als „Zeitzeugen“ lese, und mir die Grauen der damaligen Zeit vor Augen führe.

  11. #11 von ptie am 1. Dezember 2016 - 22:49

    ich finde die Bibel enthält zuviele Autoren und es hatte keiner den Mumm überflüssige Passagen zu entfernen. So wurde – m.E. – keine große Literatur draus.
    Teile sind – m.E. – interessant und annehmbar geschrieben.
    Und ich kann griechische Sagen (oder die Edda oder dergleichen) als Literatur genießen ohne deren Götterwelt für mich akzeptieren zu müssen.

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