Leipzig täuscht über Einnahmen durch Katholikentag

Das Kulturdezernat der Stadt Leipzig hat eine unseriöse Schätzung zu den Einnahmen der Stadt durch den Katholikentag 2016 veröffentlicht. Diese verkündet stolz, die Fördersumme der Stadt i.H.v. 1 Mio. Euro könne als amortisiert betrachtet werden. Doch wer die Analyse genau betrachtet, sieht sofort: Die Verschuldung der Stadt Leipzig hat sich durch die unnötige Subvention weiter erhöht.

Der Katholikentag hat unzweifelhaft zu mehreren Millionen Euro Umsatz geführt. Entscheidend dabei ist jedoch, dass ein Geldfluss „in“ die Stadt nicht mit einem Geldfluss „an“ die Stadt verwechselt werden darf. Darauf hat die Kunstaktion „11. Gebot: Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen!“ von Anfang an hingewiesen. Dies bestätigt sich nun durch die vom Leipziger Kulturdezernat vorgelegte Auswertung: Die Steuermehreinnahmen der Stadt betragen danach gerade einmal 180.000 Euro. Tatsächlich dürfte die Zahl sogar noch darunter liegen.

Maximilian Steinhaus, Sprecher der Aktionsgruppe „11. Gebot“, merkt daher an: „Da hilft auch keine noch so ausgeklügelte Finanzarithmetik: Die Verschuldung der Stadt Leipzig hat sich durch die Millionen-Subvention deutlich erhöht. Die Fördersumme hat sich daher nicht amortisiert.

Formulierungen wie in der Pressemitteilung der CDU-Ratsfraktion der Stadt Münster (dem nächsten Austragungsort 2018), wonach „der Stadt 3,5 Mio. Euro etwa durch Steuern direkt zugutekamen“, verzerren das Bild und sollen ein Plus im Stadtsäckel suggerieren. Tatsächlich fließt der allergrößte Teil der Einnahmen jedoch nicht „an“ die Stadt, sondern an die privaten Unternehmen „in“ der Stadt – ohne dass diese sich an der Finanzierung beteiligt hätten.

Ob diese 3,5 Millionen tatsächlich geflossen sind, beruht nicht auf Erhebungen, sondern auf reiner Spekulation:  Denn die Schätzungen über die Besucherausgaben sind künstlich aufgeblasen: Kirchen- und Katholikentagsbesucher sind Low-Budget-Touristen wie nicht nur verschiedene Studien bereits belegt haben, sondern wie es auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) einräumt: Auf dessen eigener Homepage kann man lesen, dass im Durchschnitt Dauergäste 35 Euro und Tagesgäste sogar nur 15 Euro pro Tag ausgeben. Auch die Leipziger Stadtverwaltung hat während der Diskussionen im Jahr 2014 „den für deutsche Städtereisen gängigen Wert von 35,- Euro pro Tag und Gast zugrunde gelegt.“

Um die geringe Teilnehmerzahl und die dürftig ausgefallenen Steuermehreinnahmen aufzuhübschen, hat das Kulturdezernat die Besucherzahlen dieses Mal mit den Tagespauschalen multipliziert, die normale oder geschäftliche Touristen im Durchschnitt ausgeben: 185,50 Euro für Hotelgäste bzw. 48,50 Euro für Touristen in Privat- oder Billigquartieren. Nimmt man jedoch die ursprünglichen Zahlen an, ergibt sich, dass die Ausgaben der Besucher und somit die Geldflüsse in die Stadt nicht einmal halb so hoch sind wie in dem Bericht behauptet.

Aber selbst wenn man die normalen Tagespauschalen zugrunde legen wollte: Diese variieren von Stadt zu Stadt: Während Leipzig für Hotelgäste 185,50 € pro Tag ansetzt, sind es in Münster maximal 138, 60 € pro Tag (Quelle: Pressemitteilung der Stadt Münster). Allein nach dieser Rechnung werden die Ausgaben der Besucher in Münster beim nächsten Katholikentag um 1,4 Mio. € geringer ausfallen als in Leipzig.

Des Weiteren wird behauptet, der Veranstalter des Katholikentages selbst habe 4,3 Mio. Euro in der Stadt ausgegeben. Im Bericht stehen dem jedoch keine Ausgaben gegenüber, so dass auch hier nicht erkennbar ist, wie hoch ein tatsächlicher Gewinn sein soll.

David Farago, Initiator der Kunstaktion, ergänzt: „Es wird bei den Berechnungen stets ignoriert, dass diese Umsätze auch ohne eine Förderung der Stadt erzielt werden würden, denn der Veranstalter hat – vor allem in Leipzig, aber letztendlich auch in Münster – zu erkennen gegeben, dass man notfalls auch ohne die Beihilfe kommen würde. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand: Die Kirchen könnten dank ihrer Milliardenvermögen diese Feste auch ohne die öffentliche Hand finanzieren.

Die Aktiven vom „11. Gebot“ bitten die Ratsmitglieder von Münster daher, den Zahlen der Leipziger Stadtverwaltung nicht unhinterfragt Glauben zu schenken. Erst recht, weil das Kulturdezernat selbst im Bericht mehrfach darauf hinweist, dass es sich um Spekulationen handelt, weil keine erhobenen Zahlen vorliegen, sondern lediglich Hochrechnungen.

Im Anhang finden Sie mehrere Diagramme zur Darstellung der Thematik und die Auswertung der Stadt Leipzig im Original.

Weitere Fehler in der Auswertung des Kulturdezernats werden in einem Artikel des Humanistischen Pressedienstes aufgezeigt: [http://hpd.de/artikel/leipzig-rechnet-sich-katholikentag-schoen-13746

Die Kunstaktion wird getragen von der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs). Weitere Informationen zur Kunstaktion sowie zur Finanzierung der Kirchentage in Deutschland finden Sie auf der Aktionswebsite:www.11tes-gebot.de

  1. #1 von Unechter Pole am 10. November 2016 - 13:49

    Also doch hat es die Sach- und Fachbearbeiterin aus der Molkerei kalkuliert.

  2. #2 von Noch ein Fragender am 10. November 2016 - 19:22

    Die Kirchen könnten dank ihrer Milliardenvermögen diese Feste auch ohne die öffentliche Hand finanzieren.

    Angesichts der Tatsache, dass sich die Wiederkunft Christi nun schon über 2000 Jahre verzögert, braucht die Kirche schon einige Rücklagen.

    Ein paar Durchhaltesubventionen aus dem Staatssäckel sind da nicht unwillkommen.

    Zyn off

  3. #3 von deradmiral am 11. November 2016 - 06:37

    Das Geld der Heiden ist gern gesehen. Die Leipziger können es ja als Steuer auf Dummheit verbuchen. Schließlich könnte ein allwissender Gott seinen Anhängern als Alternative seine Gottesreichsparteitage auch finanzieren, indem er den Betenden die Lotto-Gewinnzahlen einflüstert.