Minderjährigen-Ehe: „Auf Einzelfälle schauen“

Sollen im Ausland geschlossene Ehen mit Minderjährigen in Deutschland grundsätzlich nicht anerkannt werden? Über ein neues Gesetz wird gerade gestritten. Die islamische Theologin Hamideh Mohagheghi ist gegen eine Zwangs-Annullierung. „Wir können nicht mit dem Zeigefinger darauf hinweisen, dass alles falsch ist, was da läuft“, sagte sie im Deutschlandfunk.

[http://www.deutschlandfunk.de/minderjaehrigen-ehe-auf-einzelfaelle-schauen.886.de.html?dram:article_id=370438

  1. #1 von oheinfussel am 8. November 2016 - 22:11

    Hm. Heißt das, wenn Deutsche im Ausland ne 12Jährige/n heiraten und mit ihr/ihm zurückkehren, dass es ebenso anerkannt wird? Und auf Einzelfälle geguckt wird?

  2. #2 von Unechter Pole am 8. November 2016 - 22:36

    Dass islamische Theologen sich nicht gegen Scharia stellen, ist völlig nachvollziehbar.

  3. #3 von Elvenpath am 9. November 2016 - 09:29

    Ich finde das völlig richtig so. Es gibt durchaus 15, 16jährige, die wissen, was sie tun und niemand kann sagen, wo die Liebe hinfällt. Der Einzelfall muss entscheiden. Bei einer 12jährigen werden die Gutachter mit Sicherheit zum Schluss kommen, dass sie nicht reif für eine Ehe ist. Bei einer 15,16 oder 17jährigen kann das allerdings schon ganz anders aussehen.

  4. #4 von Netizen am 9. November 2016 - 17:09

    „Wir können nicht mit dem Zeigefinger darauf hinweisen, dass alles falsch ist, was da läuft“, sagte sie im Deutschlandfunk.

    Wenn es gegen unser Recht bzw. gegen allgemeine Menschenrechte und Konventionen verstößt – doch, können wir. Wir müssen nicht jede verschimmelte Tradition akzeptieren, die aus solchen „Kultur“kreisen zu uns reingeschwemmt wird.

  5. #5 von dezer.de am 9. November 2016 - 17:20

    @Netizen 1.Satz volle Zustimmung. 2. Satz: beste Pegida-Rhetorik

  6. #6 von Elvenpath am 9. November 2016 - 17:21

    @Netizen: Abgesehen von deinem leicht rassistischen Unterton , gebe ich dir recht, dass man auf alles, was man will, mit dem Zeigefinger hinweisen kann.

  7. #7 von manglaubtesnicht am 9. November 2016 - 17:43

    „Wir können nicht mit dem Zeigefinger darauf hinweisen, dass alles falsch ist, was da läuft“

    Doch, das geht.

  8. #8 von Netizen am 9. November 2016 - 18:38

    @dezer: „2. Satz: beste Pegida-Rhetorik“

    Mag sein, aber ich habe es mir abgewöhnt, insbesondere islamische Gepflogenheiten mit Samthandschuhen anzufassen. Dazu ist diese gesamte religiöse Welt zu rückständig und in ihrem Denken und Handeln zu sehr im Mittelalter verhaftet. Ich bin es leid, solchen „Traditionen“ und primitiven „Gesetzen“ wie z.B. der Scharia Respekt entgegenzubringen. Die Gläubigen dürfen ruhig begreifen, daß sie als Menschen hier zwar willkommen sind, sofern sie sich an unsere Regeln und unsere Gesetze halten. Ihre Ideologie hingegen ist in die Schranken zu weisen und hier bestenfalls geduldet. Wir haben schon genug Probleme mit dem Christentum, da brauchen wir nicht noch eine weitere rückständige Wüstenreligion, die sich hier ausbreitet und meint machen zu können was sie will bzw. Respekt einzufordern, welcher ihr gar nicht zusteht.

    Ob ich gedanklich damit in Pegida-Nähe bin ist mir ehrlich gesagt ziemlich wumpe. Auch ein (meist) vernünftig denkender Mensch kann in seinen Aussagen durchaus mal mit Bekloppten übereinstimmen.

  9. #9 von Gerry am 9. November 2016 - 20:01

    Wenn es gegen unser Recht […] verstößt

    hust
    „Homo-Ehe“
    hust

  10. #10 von oheinfussel am 9. November 2016 - 20:14

    Ernsthaft – bei uns können 16Jährige heiraten- mit Erlaubnis der Eltern. Und die dürfte da wohl nicht so schwer zu bekommen sein. Wenn 14Jährige aus diesen Ländern heiraten dürfen, dann dürfen es „unsere“ auch – warum dann einen Unterschied machen? 14 Jährige dürfen auch nicht legal einen Autoführerschein erwerben und sie gelten als nicht voll geschäftsfähig und sind gerade strafmündig geworden. Aber heiraten ist ok? O.o

  11. #11 von Elvenpath am 10. November 2016 - 02:25

    @oheinfussel: Ich sehe es genau anders herum: Wenn man mit 14 strafmündig und religionsmündig ist, kann man auch beurteilen, ob man jemand liebt, oder nicht. Gerade, wenn es um eine ganz persönliche Entscheidung geht, sind die Grenzen niedriger anzusetzen.

  12. #12 von Elvenpath am 10. November 2016 - 02:57

    @netizen „aber ich habe es mir abgewöhnt, insbesondere islamische Gepflogenheiten mit Samthandschuhen anzufassen“. Da stellt sich die Frage, wieso du andere Religionen eher gewähren lässt.
    Im übrigen bezweifele ich, dass Kinds- und Jugendlichenheirat etwas mit Religion zu tun hat. Man fand bzw. findet diese Heiraten in so ziemlich allen Kulturen. Mädchen wurden/werden verheiratet, wenn sie das gebärfähige Alter erreichten (und teilweise früher).
    Im Übrigen wird kaum ein Muslim verlangen, dass die Heirat respektiert wird. Aber jeder darf seine Meinung frei äußern. Frau Mohagheghi sagt nichts weiter, als dass sie es nicht richtig findet, wenn diese Ehen pauschal verboten werden. Und ich denke auch: Augenmaß und Vernunft, statt starrer Dogmen.

  13. #13 von oheinfussel am 10. November 2016 - 10:01

    Sehe ich anders. Mit 14 ist man nicht mal voll geschäftsfähig, und kann nur nach Jugendstrafe verurteilt werden. Eben weil man sagt, dass ein 14 Jähriger noch nicht voll die Konsequenzen seines Handelns überblicken und verstehen kann. Und eine Hochzeit ist wohl eine der konsequenzenreichsten Entscheidungen, die man überhaupt treffen kann. Wenn die Liebe so groß ist, kann man bis 16 warten. Dann dürfen sie heiraten, mit Erlaubnis der Eltern.

  14. #14 von ptie am 10. November 2016 - 10:23

    Ich finde die Vorstellung bzw. Begründung von Frau Mohagheghi unzeitgemäß, dass, da Sexualität ausschließlich in der Ehe stattfinden darf (religiöse Begründung), das Heiratsalter niedrig anzusetzen sei.
    Bei der Heirat geht es um weitreichende Vertragsangelegenheiten, die nicht auf Grund des Wunsches mit einem Sexualpartner rumzumachen, geschlossen werden sollten.

    Richtig finde ich die klare Aussage:
    „Natürlich, wir müssen darauf bestehen, dass, wenn die Ehen hier in Deutschland geschlossen werden, sie nach unserem Verständnis geschlossen werden. “

    Nachvollziehbar finde ich die Aussage:
    „Aber wir sind im Moment in einer Sondersituation.
    Wenn Geflüchtete zu uns kommen, die sowieso keinen Schutz und keinen Halt im Leben haben, dann können wir ihnen nicht von vornherein alles wegnehmen, woran sie hängen. “
    Ich kenn mich allerdings mit der Lebenssituation von Flüchtlingen zu wenig aus, um dies wirklich beurteilen zu können.

  15. #15 von Elvenpath am 10. November 2016 - 11:05

    @oheinfussel: Du hast da auch nur deine persönliche Einschätzung. Vor allem berücksichtigst du eines nicht: Menschen können extrem unterschiedlich sein. Gerade in der Enwicklungsphase. Manche spielen mit 15 quasi noch im Sandkasten, andere sind von der geistigen Reife her mit 15 weiter als so manche(r) Volljährige(r).
    Schon daran sieht man, dass eine starre Regelung nicht sinnvoll ist.

  16. #16 von dezer.de am 10. November 2016 - 11:19

    @fussel: „Und eine Hochzeit ist wohl eine der konsequenzenreichsten Entscheidungen, die man überhaupt treffen kann.“ Ja? Warum? Ehen lassen sich annulieren und scheiden. Ein gemeinsames Kind dagegen ist eine viel weitreichendere und mit Verpflichtungen verbundene Entscheidung.

  17. #17 von oheinfussel am 10. November 2016 - 11:55

    Und trotzdem werden 15 Jährige nach Jugendstrafrecht verurteilt und gelten weiterhin als nicht voll geschäftsfähig. Ich weiß, dass Menschen sich sehr unterschiedlich entwickeln – ich war meinen eigenen Mitschülern stets mindestens 2 Jahre voraus.

    Und egal wie reif und weit entwickelt Jemand ist – einen gewissen festen Rahmen sollte es geben. Wozu haben wir diese Gesetze und Regeln, wenn wir überall Möglichkeiten ansetzen, sie aufzuweichen?

    Und dass Scheidungen für Menschen, die aus einer Kultur kommen, in der 14 Jährige legal verheiratet werden können, kaum eine Option sind, dürfte einleuchten.

  18. #18 von Hal am 10. November 2016 - 12:39

    @fussel

    Ja wir entwickeln uns sehr unterschiedlich, ich hinkte eher hinterher, selbst hinter den Spätzündern. Noch heute lebt ein Kind in mir.

    Wenn ein eine 14 jährige Muslimin heiratet, so geschieht es eher nicht aus Liebe, es ist sehr wahrscheinlich Geschäftstransaktion zwischen Familien. Wollen wir das? Wir haben das einmals getan, haben es aber verworfen.

  19. #19 von Elvenpath am 10. November 2016 - 15:23

    @Hal : Das Problem deienr Argumentation liegt in „sehr wahrscheinlich“. In dem Augenblick, in der der andere Fall eintritt, tust du der Person Unrecht. Und das nur, weil du deine Weltsicht durchsetzen willst.

  20. #20 von Elvenpath am 10. November 2016 - 15:57

    Gesetze starr, ohne Verstand und Augenmaß durchzusetzen, halte ich für falsch.

  21. #21 von Hal am 10. November 2016 - 16:18

    @Elvenpath

    Du hast völlig recht, Gesetze mit Altersgrenzen sind völlig arbiträr, oder steckt da was hinter, ein Kompromiss vielleicht?

    Was Du nicht verstehst, alle sollten vorm Gesetzt gleich sein, Religioten eingeschlossen. Da sind wir leider noch nicht in der Kirchenrepublik D angekommen, siehe Pimmelbeschneidungserlaubnis durch den Bundestag.

    Willst Du Religioten Narrenfreiheit geben?

  22. #22 von uwe hauptschueler am 10. November 2016 - 16:33

    Gleiches Recht für alle ist für mich ein hohes Rechtsgut. Gesetze mit Augenmaß durchzusetzen, degradiert diese Gesetze zur Beliebigkeit. Bei Kinderehen werden doch eher Kinder verheiratet, die noch nicht genug Reife und Standvermögen haben um sich gegen ihre Eltern durchzusetzen.

  23. #23 von Elvenpath am 10. November 2016 - 18:29

    @Hal: Du bringst da was durcheinander. Ich habe nicht gesagt, dass die Gesetze speziell für Religionen vernünftig ausgelegt werden müssen, sondern in allen Fällen. Und deswegen bleibt das Gleichheitsprinzip unangetastet.
    Wenn man mit Vernunft und Augenmaß an die Sache herangeht, erlaubt man Zwangsbeschneidung von kleinen Kindern nicht. Weil es in diesen Fällen garantiert Zwang ist und eine Körperverletzung statt findet. Aber wenn eine Jugendliche einen Mann heiratet kannst du nicht zwangsläufig davon ausgehen, dass es gegen den Willen geschieht.
    Ich möchte hier zudem wiederholen, dass das Verheiraten von Kindern und Jugendlichen nicht religionsspezifisch ist.

    @uwe hauptschueler: Genau das Problem habe ich vorausgesehen. Ehen mit Jugendlichen werden als Kinderehen bezeichnet, obwohl es keine sind. Und beim Augenmaß geht es genau darum, zu beurteilen ob die Reife und das Standvermögen gegen die Eltern gegeben ist, oder nicht. Je jünger, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, das es so ist. Aber ich garantiere dir, dass es Fälle gibt, wo das sehr wohl der Fall ist Wo eine 15jährige einen erwachsenen Mann liebt.

  24. #24 von Hal am 10. November 2016 - 18:37

    @Elvenpath

    Es kommen leider nur Religioten in Betracht für Ausnahmen der geltenden Gesetze. Wie viele Hindus würden berücksichtigt werden?

    Kannst Du Religion und Kultur trennen?

  25. #25 von oheinfussel am 10. November 2016 - 18:40

    Ich glaube, keiner streitet hier ab, dass es 15 Jährige gibt, die einen erwachsenen Menschen lieben.

    Es gibt auch 14 Jährige, die das tun. Und 13Jährige auch.

    Wo willst du die Grenze setzen? Wenn eine 13Jährige einen erwachsenen Mann liebt(sagen wir mal 21) und ihn aus freien Stücken heiraten will, sollte sie das dann tun dürfen? Wo setzt man dann die Grenze, wo wird es dann Augenmaßsache, die von Fall zu Fall entschieden werden muss?

    Es muss irgendwo einen Rahmen geben. Und in Deutschland lautet er, dass Heiraten ab 16 möglich ist – mit Zustimmung der Eltern.

    Mir wurde mit 12-13 die Reife einer jungen Erwachsenen bescheinigt- was hätte also gegen eine Hochzeit gesprochen?

  26. #26 von Netizen am 11. November 2016 - 01:02

    Bei all dem Theater (ja, das Thema ist heikel, das sehe ich durchaus selbst) frage ich mich allerdings auch, warum Jugendliche überhaupt schon heiraten können sollten. Was haben sie davon für Vorteile? Ich sehe keine. Eine Liebe braucht kein Vertragswerk, keine amtliche Bestätigung und erst recht kein Versprechen, welches eh nicht einzuhalten ist („bis ans Lebensende“). Oder geht die Liebe in die Brüche, nur weil sie nicht schriftlich besiegelt wurde? Dann war es keine Liebe. Wozu der ganze Quatsch namens Ehe also überhaupt, vor allem bei Jugendlichen? Sollen sie warten bis sie nach hiesigem Recht volljährig sind und fertig. Insbesondere, da die Rechtsfolgen einer Ehe (z.B. steuerlich oder auch gegenseitige Absicherung) für Jugendliche zumeist eh noch nicht relevant sein dürften, mithin ist eine Jugendehe in meinen Augen ein reiner Witz ohne Vorteile, aber mit einer Reihe potentieller Nachteile.