Katholikentag bringt Leipzig Millionengewinn

Eine Million Euro Zuschuss für den Katholikentag in einer klammen Stadt mit nur vier Prozent Katholiken? Die Debatte in Leipzig war heftig. Nun, Monate danach, zieht die Stadt Bilanz. Und hat Grund zur Freude. Das könnte auch für kommende Katholikentage ein Signal sein.

weiterlesen:

[http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/katholikentag-bringt-leipzig-millionengewinn

  1. #1 von Smiling_Joe am 8. November 2016 - 10:22

    Wenn ich mich recht erinnere war die Veranstaltung ein ziemlicher Schlag ins Wasser.
    Ob da wohl was schön gerechnet wurde?

  2. #2 von Gerry am 8. November 2016 - 10:52

    Der Link bei katholisch.de hat bei mir nicht funktioniert. Ich hab das Dokument hier gefunden:

    [https://ratsinfo.leipzig.de/bi/___tmp/tmp/4508103624066403/24066403/01214663/63-Anlagen/01/100Katholikentag-Anlagen.pdf

    Und natürlich ist das schöngerechnet. Der Geschäftsführer der städtischen Tourismus GmbH schreibt

    Die Gäste des Katholikentages übernachteten zwar mehrheitlich in Gruppen- und
    Privatunterkünften, die Organisatoren gehen aber von ca. 5000 Gästen mit meist mehreren
    Übernachtungen in Hotels und Pensionen aus. Wenn wir 3 Aufenthaltstage (2 Übernachtungen)
    und durchschnittliche Tagesausgaben eines Übernachtungsgastes in Leipzig, d.h. ca. 180€ je
    Aufenthaltstag, annehmen, ergibt sich hier schon ein Bruttoeinkommen von 2,7 Mio. €.

    Hallo?
    180 Lappen pro Tag hau ich im Urlaub raus mit Hotel, Eintritten, Essengehen,… Evtl. wird’s auch mehr.
    Aber für einen Katholikentag? Wo man doch eigentlich tagsüber beim beten und labern ist?

    Und die schreiben sogar selbst dass sie einfach die Ausgaben angesetzt haben, die sie für die normalen Touristen auch ansetzen

    Anmerkung: Die LTM GmbH geht derzeit davon aus, dass ein Hotelgast in Leipzig pro
    Aufenthaltstag (zuzügl. -nacht) durchschnittlich eine Summe von 185,50 Euro verausgabt.

    Mein Dank gilt dem Leuten vom 11. Gebot denen ich unterstelle, so eine Rechtfertigung überhaupt erst erzwungen zu haben!

  3. #3 von Gerry am 8. November 2016 - 10:57

    P.S.

    Vielleicht kann der Admiral ja mal schauen ob es bei ihm eine passende Fakultät gibt die eine Umfrage zu den Übernachtungsgewohnheiten, Ausgaben,… der Kirchentagsbesucher machen könnte. Jedenfalls offiziell.

    Dann machen wir hier im Blog eine Kollekte um den Umfragern Fahrt und Unterkunft zu finanzieren und bekommen verlässlichere Daten für eine Hochrechnung als die Schönrechnerei.

    Die Umfrage muss halt so gestaltet sein dass die für uns relevanten Fragen nebensächlich erscheinen.

  4. #4 von Skydaddy am 8. November 2016 - 11:31

    Ich habe dem 11. Gebot hierzu folgende Mail geschickt (Formatierung durch WordPress unrettbar verhunzt):

    Lieber “Moses” (David),
    liebe “Israeliten” (11.-Gebot-Team),

    ich habe noch mal über diese Aktion mit den jetzt veröffentlichten Zahlen zum Katholikentag nachgedacht und komme zu folgendem Ergebnis:

    1. Der Umstand, dass das überhaupt so öffentlich thematisiert wird, ist (abgesehen von der allgemein stärkeren Kirchen- und Religionskritik) m.E. allein der Aktion “11. Gebot” zuzurechnen. Ganz herzlichen Glückwunsch dazu! Ihr treibt die Verantwortlichen vor Euch her. Weiter so!
    2. Die Darstellung und die Art der Darstellung (geradezu grotesk wohlwollend, Kirchentag und Stadt bestätigen sich gegenseitig, wie toll sie sind) zeigen, dass sich Stadt und Kirche einem erheblichen Rechtfertigungsdruck ausgesetzt sehen. Schließlich sollen die Subventionen ja auch in Zukunft noch großzügig sprudeln.
    3. Die Zahlen, die jetzt vorgelegt wurde, zeigen einmal mehr, wie schwach die Argumente der Subventionsbefürworter sind:

    a) Dass sich der Katholikentag für die Stadtkasse rechnet, behauptet nicht mal die Stadt selbst. Die katholikentagsbedingten Steuer-Mehreinnahmen machen nur einen Bruchteil der städtischen Subvention aus, selbst, wenn man nicht nur die Ausgaben der Besucher berücksichtigt, sondern auch die Ausgaben der Geschäftsstelle des Katholikentags. (Die übrigen Zahlungen an die Stadt oder stadtnahe Organisationen dürften ganz überwiegend Erstattung entstandener Kosten sein und daher für das Stadtsäckel ergebnissneutral.)

    b) Zwar wird die Umwegrendite durch die Besucher sehr optimistisch auf 3,5 Mio. Euro beziffert, da hätte man allerdings die öffentlichen Zuschüsse (4,5 Mio. von Bund, Land und Stadt) den Leipzigern auch gleich direkt auszahlen können. Mit den dadurch ausgelösten zusätzlichen indirekten Effekten (Leipziger geben dieses Geld bei Leipziger Firmen aus) ergäbe sich nach dem Modell der Stadt eine Gesamtwertschöpfung von 7,2 Mio. Euro fürLeipzig.

    1. Damit sind wir einen entscheidenden Schritt weiter:

    a) Die Subventionierung der Kirchentage findet jetzt nicht mehr hinter verschlossenen Türen statt.

    b) Der positive Effekt des Kirchentags wird nicht mehr einfach bloß behauptet, sondern überprüfbar gemacht. Und da sich hier zeigt, dass das Argument mit der Umwegrendite sehr schwach ist, wird das auf die Dauer nicht aufrechtzuerhalten sein – zumal bei sinkenden Teilnehmerzahlen, knappen Kassen, immer mehr Nichtchristen in der Bevölkerung. (Der Umstand, dass die Stadt zumindest grundsätzlich das für touristische Großveranstaltungen etablierte Konzept der Umwegrendite verwendet hat und sogar das winzige Steuer-Mehraufkommen ausgewiesen hat, ist ebenfalls ein wichtiger Schritt gegenüber dem kirchlichen Modell, das einfach nur Umsatzzahlen in den Raum wirft.)

    1. Das ist ganz ähnlich wie bei anderen Kirchenthemen:

    a) Bezahlung der Bischöfe durch den Staat (mittlerweile hat Bayern sein Gesetz so angepasst, dass die Bischöfe zumindest nicht mehr direkt vom Staat bezahlt werden, sondern von der Kirche. (Und der Staat das geld dafür pauschal an die Kirche überweist.)

    b) Etablierung des Begriffs “Bischöflicher Stuhl” und Bewusstsein für das damit verbundene Vermögen durch Carsten.

    c) Mehr “Finanztransparenz” bei den Kirchen (zumindest bei der katholischen).

    Fazit: Ihr habt Problembewusstsein geschaffen für ein echtes Problem. Anders als bei früheren derartigen Themen können jetzt von Anfang an die Gegenrechnungen aufgemacht werden, so dass sich diese Milchmädchenrechnungen hoffentlich gar nicht erst unhinterfragt im öffentlichen Gedächtnis (oder zumindest bei Interessierten oder Journalisten) festsetzen können.

    1. Entscheidend dürfen weniger die “Öffentlichkeit” sein als die Ratsmitglieder in den Städten. Selbst, wenn sie den KT sowieso absegnen, kann denen eine realistische Betrachtung nicht egal sein.

    Also vielen Dank für Eure hervorragende Arbeit!

  5. #5 von user unknown am 8. November 2016 - 12:55

    Laut

    https://www.br.de/nachrichten/katholikentag-leipzig-papst-100.html

    kamen insgesamt 40.000, nicht 40.000 pro Tag:

    Heute endet der 100. Deutsche Katholikentag in Leipzig. Zum großen Glaubensfest in der sächsischen Stadt kamen rund 40.000 Besucher.

    Ein Teil wird gar nicht übernachtet haben, vom Rest ein Großteil nicht im Hotel. Die 185 € sind ja geklärt, aber Touristen lassen viel Geld in Zoo, Sehenswürdigkeiten, Bussen & Taxis sowie Restaurants oder beim Shopping. Ob es in Leipzig Gulaschkanonen der Kirche gab weiß ich nicht – ich würde annehmen dass selbst die Hotelgäste eher weniger ausgaben als der durchschnittliche Hotelgast.

    Dann die Begründung, auch andere Veranstaltungen würden öffentlich gefördert. Wieso wird kein Beispiel genannt? Weil die anderen viel weniger bekommen?

    Schließlich die Begründung Konzerte, Diskussionen und anderes hätten auch allen Nichtgläubigen offen gestanden. Sicher, man kann vielleicht auch zum Taubenzüctertreffen gehen, obwohl man sich nicht für Taubenzucht interessiert, um zu diskutieren oder um sich zu informieren. Es macht nur niemand. Und die Diskussionsbereitschaft hat sich ja in der Hausrechtsdebatte gezeigt, als die 11.-Gebot-Figur zur Persona Non Grata erklärt wurde, später wurde dann noch die eigene Paraonoia ausgestellt, als man von Waffen in der Figur versteckt gemäß den eigenen Kernkompetenzen halluzinierte.

    Hier suchte man noch 3000 private, kostenlose Unterkünfte für Besucher in Leipzig.

    Neben Privatunterkünften gab es auch viele Gemeinschaftsunterkünfte, hauptsächlich wohl für das Jungvolk:

    Wie berichtet, hat das Organisationsbüro in der Nikolaistraße deshalb 800 Dauer-Teilnehmern dieser Tage mitgeteilt, dass für sie nur eine Unterbringung in einer der vielen Gemeinschaftsunterkünfte – Klassenräume in Schulen – möglich sein wird. Quelle

    Hier ein Angebot für 5 Tage mit Busanfahrt, Halbpension und Übernachtung im 2-Bett-Zimmer:

    Wir haben eine Dauerkarte (inkl. Fahrausweis für den ÖPNV und Programmheft) reserviert und Sie haben somit die Möglichkeit, an den für Sie interessanten Veranstaltungen (u. a. Fest der Begegnung, Foren sowie Eröffnungsund Abschlussgottesdienst) teilzunehmen.

    Preis 495,- €, ab Oberhausen/Essen/etc.

    Lügen für Jesus.

  6. #6 von user unknown am 8. November 2016 - 13:19

    Noch ein Nachtrag.
    Über die Anlagen kommt man zu einem PDF mit genauerer Aufschlüsselung. Darin:

    Anmerkung: Die Wertschöpfungs-Relevanz redaktioneller Medienberichterstattung wird u.a.mittels des Medien- bzw. Anzeigenäquivalenzwertes berechnet. Dieser bezeichnet die Summe, die
    ein im redaktionellen Teil einer Publikation erschienener Artikel bzw. gesendeter Beitrag in gleicher Größe bzw. Länge als Anzeige / Werbespot gekostet hätte.
    Richtwerte: 20 Sekunden in der ARD unmittelbar vor der Tagesschau kosten ca. 40.000 €, das ZDF verlangt pro Werbesekunde vor der „Heute-Uhr“ im Monat Mai derzeit 1320 €.
    Fernsehen
    Ein wichtiger Indikator für die dem Katholikentag zugeschriebene Bedeutung ist die Präsenz in den Hauptnachrichtensendungen von ARD und ZDF. Hier war der Katholikentag von Mittwoch bis Sonntag, zum Teil mit mehr als dreiminütigen Beiträgen, vertreten.
    Die Gesamtlaufzeit aller Sendungen im Zeitraum vom 22.05.2016 bis 04.06.2016 in den Mediatheken von ARD, ZDF, MDR sowie die Livestreams auf Phoenix beträgt 13:16:19 Stunden.

    Wer schon einmal bei einem Rockfestival über paar Tage war, mit 40.000 Besuchern, der weiß, wieviele Stunden darüber im Fernsehen wohlwollend salbadert wird. Die Umrechnung 3-Minuten-Beitrag Hauptnachrichten zu 360.000 € ist nicht ausgeführt. Mehrere Tage, mehnere Sendungen, mehrere Sender war das also kostenlose Werbung im Bereich von einigen Millionen, die die Öffentlichkeit getragen hat.

  7. #7 von Skydaddy am 8. November 2016 - 13:31

    @Sendezeit:

    Meiner Meinung nach lässt sich das Argument umkehren:

    Hier wird in erster Linie über die Kirche berichtet, nicht über die Stadt.

    Aber wenn diese Sendezeit so viel wert ist, kann die Kirche ERST RECHT ihren Kirchentag selbst bezahlen – über die kostenlose Fernsehwerbung finanziert sich das doch quasi von selbst!

  8. #8 von Friedensgrenze am 8. November 2016 - 13:32

    Meldung in Wochenschaumanier. Irgendwie hat mir noch die Musik gefehlt.

    „Der 100. Deutsche Katholikentag war ein voller Erfolg…“

    Jetzt kommen die Quexe.

  9. #9 von Unechter Pole am 8. November 2016 - 20:58

    Ich gehe davon aus, dass da die Buchhaltung der örtlichen Molkerei geholfen hat.

  10. #10 von user unknown am 9. November 2016 - 00:15

    @Unechter Pole:
    In dem PDF führen sie tatsächlich 40.000 gebackene Oblaten auf (nennen aber den Preis nicht).