Heidelberg diskutiert: „Wissenschaft – die neue Religion?“

Im Heidelberger DAI diskutierten internationale Autoren über die Frage „Wissenschaft – die neue Religion?“ – Finale eines einzigartigen Projekts

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[http://www.rnz.de/wissen/wissenschaft-regional_artikel,-Heidelberg-diskutiert-Wissenschaft-die-neue-Religion-_arid,233263.html

  1. #1 von Elvenpath am 7. November 2016 - 10:33

    Ich halte es nicht für sinnvoll, den Begriff „Religion“ derart umzudefinieren.

    Zur „klassischen“ Religion gehört der feste Glaube an übernatürliche Vorgänge, vornehmlich an Götter. Und das ohne alle Beweise.
    Daher unterscheidet sich eine echte Religion vom Glauben an die Leistungsfähigkeit der Wissenschaft ganz massiv.

    Nicht, wie der Glaube an etwas zum Ausdruck gebracht wird ist entscheidend, sondern der Grund, weswegen man an etwas glaubt.

  2. #2 von Gerry am 7. November 2016 - 11:17

    Dinge für realistisch halten, die offensichtlicher Lebenserfahrung widersprechen -> Religion

    Dinge für realistisch halten, die nach umfangreichen Untersuchungen unterschiedlicher Fachleute sich jedes Mal wiederholen ließen -> Religion

    Findet jemand den Fehler?

  3. #3 von user unknown am 7. November 2016 - 14:00

    Wissenschaft mache Beobachtungen, aus denen sie etwas ableite. Die Beobachtung sei schon subjektiv – und daher stimme der Absolutheitsanspruch, den Wissenschaftler haben, „nicht so ganz“. Wörners Fazit: Wissenschaft ist keine Religion.

    Das ist doch Humbug. Wissenschaft bemüht sich, der Subjektivität Herr zu werden. „Der Stein fällt schnell zu boden und scheint immer schneller zu werden“ – das wird gemessen (was eine Beobachtung 2. Ordnung ist: Man schaut auf die Anzeige des Messgeräts) aber kann unabhängig von Nationalität, Hautfarbe, Geschlecht von jedermann nachvollzogen werden, und wenn jemand einen anderen Wert ermittelt untersucht man, woran es liegt.

    Die Religion dagegen erklärt bei solchen Diskrepanzen die Subjektivität zum Wert an sich und zieht den „Gott ist unerklärlich“-Joker. Einer wird von Gott geheilt – göttliche Gnade/ein anderer nicht, Belohnung erst im Himmel.

    Wissenschaft erklärt das Beobachtbare, was immer da ist, was nachweislich existiert. Religion erklärt das Kontrafaktische, Wunder, die sich nicht reprodzuieren lassen, Phantasien. Der Mensch verrotet nach dem Tod – die Wissenschaft kann es erklären. Der Religiöse glaubt es gäbe ein Leben nach dem Tod, die Religion bestärkt ihn.
    Wieso Menschen das glauben, das erklärt wiederum die Wissenschaft, soweit es beobachtbar und reproduzierbar ist.

    Für ihn sei Religion eine Frau und Wissenschaft ein Mann, und die Beziehung beider sei wichtig für den Ausgleich des Lebens.

    Tja, Argumentation mittels Analogie ist meist Betrug. Wie sieht jetzt eine solche, ausgleichende Beziehung von Wissenschaft u. Religion aus? Sind Geschlechterverhältnisse nicht ebensogut als konfliktträchtig zu beschreiben? Kann man daraus auch etwas für das Verhältnis Wissenschaft u. Religion ableiten? Geschlechterverhältnisse zeugen oft Kinder – finden wir das auch bei Religion u. Wissenschaft?

    Wissenschaft kennt keine Gebete, keine Huldigungsbauten, keine Dogmen, keine Sextabus, keine Kleidervorschriften, man pilgert nicht, man fastet nicht und singt nicht gemeinsam, obwohl man es nicht kann.

    Wissenschaft erklärt nicht, wozu der Mensch da ist. Sie spricht keine magischen Formeln aus und hat kein Zeremoniell für Geburt, Heirat und Tod.

    Gemeinsamkeiten mit Religion sind: Es kommen Bücher zum Einsatz und Gebäude.

  4. #4 von F. M. am 7. November 2016 - 21:56

    Wissenschaftler weisen uns Sünden zu, deren Strafen wir unmittelbar erleben. Zum Beispiel unsere Energiegewinnung vermittelst Verbrennung. Die Auswirkungen sind am Neckartor in Stuttgart jeden Tag zu messen. Und an und in unseren Ozeanen und, und, und ….

    Wissenschaft beschert uns Vorteile, die wir jeden Tag in der Wirklichkeit erleben können, zum Beispiel Grippeimpfungen …

    Religionen weisen uns Sünden zu, deren Strafen uns im Jenseits ereilen sollen. Angeblich.

    Religionen versprechen uns Vorteile, die uns im Jenseits zuteil werden sollen. Angeblich.

  5. #5 von Willie am 7. November 2016 - 23:38

    Zehn Autoren aus sieben Ländern waren Protagonisten in einem einzigartigen Dialog zwischen Literatur und Wissenschaften, eingeladen vom Deutsch-Amerikanischen Institut Heidelberg (DAI), das damit sein internationales Projekt „Wissenschaft – die neue Religion?“ startete.

    Zehn Autoren mit unterschiedlicher Vorbildung, zehn Anwendungsbereich und letztendlich zehn subjektive Meinungen zu einem Überbegriff.