Gott als Survivalstrategie

Sesshaftigkeit brachte Seelenstress: Eine kluge Studie erklärt die Bibel mit der Evolution

[..] Auch wenn sie sich als Agnostiker bezeichnen und Grundeinsichten der modernen Religionskritik aufnehmen, feiern sie die wahrhaft epochale, weltgeschichtliche Bedeutung der Heiligen Schrift der Juden und Christen. [..] Uralte Mythen und heilige Legenden haben ihre eigene Vernunft. Diese rationalen Gehalte in evolutionsbiologischen Begriffen transparent zu machen, ist ein aufklärerisches Projekt.

Weiterlesen:

  • h t t p s://www.welt.de/print/die_welt/literatur/article158777626/Gott-als-Survivalstrategie.html
  • Carel van Schaik, Kai Michel: Das Tagebuch der Menschheit. Was die Bibel über unsere Evolution verrät. Rowohlt, Reinbek. 569 S., 24,95 €.
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  1. #1 von deradmiral am 15. Oktober 2016 - 13:39

    Meine Diagnose: 2 Admiral. Irgendwie wird der menschenverachtende Kram völlig ausgeblendet und nur das Positive gesehen. Von einer wissenschaftlichen Studie hätte ich mehr erwartet.

  2. #2 von Willie am 16. Oktober 2016 - 03:13

    Eine kluge Studie erklärt die Bibel mit der Evolution

    Was ist das denn für eine Einleitung? Will man uns damit sagen, dass sonst bei der Welt/N24 unkluge Studien und Literaturen besprochen werden?

    In Zeiten neuer religiöser Konflikte haben auch viele Wissenschaftler die Macht der Religion wiederentdeckt. In den Lebenswissenschaften, die sich mit der natürlichen Evolution beschäftigen und das Hunderttausende von Jahren währende Werden des Homo sapiens erkunden, sind der Glaube an Gott und die Rituale frommer Vergemeinschaftung zu Modethemen avanciert.

    Wer sind diese vielen WIssenschaftler (neben Lesch 😉 – ich záhle Astrophysik mal zu den Lebenswissenschaftlern) und warum diese Prämisse, wenn noch nicht einmal Zahlen zum Abgleich genannt werden?

    Vor diesem Hintergrund ist es nicht leicht, mit Begriffen aus der Biologie Neues über fromme Menschen und ihren Glauben zu sagen.

    Ok, es geht also um ein Blume-Thema.

    Ihr Versuch, die Bibel in einer „biologisch-anthropologisch inspirierten Perspektive“ ganz anders als bisher üblich zu lesen, überzeugt durch entschiedenen Mut zu Originalität und Selbstdenken.

    Oder doch nicht? Mhm, also nicht eine Lebenswissenschaft wird hier verfolgt, sondern die Aussagen eines Buches, welches nach hunderttausenden von Jahren der Existenz eines Homo sapiens durch diesen verfasst bzw. zusammengestellt wurde, werden unter einer Prämisse zurechtgedeutet.

    Auch wenn sie sich als Agnostiker bezeichnen und Grundeinsichten der modernen Religionskritik aufnehmen, feiern sie die wahrhaft epochale, weltgeschichtliche Bedeutung der Heiligen Schrift der Juden und Christen. Mit einer Gesamtauflage von gut fünf Milliarden stehe das „wichtigste Buch der Menschheit“ auf Platz 1 jener ewigen „Weltbestsellerliste“, die das kulturelle Gedächtnis der Menschen repräsentiere.

    Wann werden der Platz 2 und der Platz 3 der ewigen „Weltbestsellerliste“ auf „eine verborgene Bibel“ und *„intime Kenntnisse über die Evolution des Menschen“ * untersucht?

    Doch sei das „Buch der Bücher“ mehr als nur eine Sammlung religiöser Texte. Die zahllosen Autoren, die in über 1000 Jahren des Erzählens, Schreibens und Redigierens die biblischen Geschichten überlieferten, sind für Schaik und Michel immer auch engagierte Beobachter und Zeugen der Prozesse kultureller Evolution.

    Das dies alles reine Fantasie sei sagt wohl auch keiner. Auch hinter weltlichen Mythen und Legenden stecken engagierte Beobachter und Zeugen der Prozesse kultureller Evolution. Auch Märchen haben sich mit der Zeit gewandelt bzw. den jeweiligen Zeitepochen angepasst.

    Bestens informiert über den aktuellen Stand der Kognitionsforschung und Evolutionsbiologie wollen Schaik, ein bekannter Primatenforscher, und Michel, ein erfolgreicher Wissenschaftsjournalist, die biblischen Geschichten deshalb als ein „Tagebuch der Menschheit“ lesen und „den einsichtigen und nachvollziehbaren Sinn“ der oft schwer verständlichen, jahrtausendealten Texte aus dem Orient mit evolutionstheoretischen Deutungsmustern freilegen.

    Das wird man wohl in 1000 oder 2000 Jahren nach uns auch von unseren wissenschaftlichen Texten schreiben. Im zuletzt veröffentlichten Ketzerpodcast

    werden unter „Antike Atheisten“ auch Denker besprochen, die sich Gedanken dazu (Demokrit und die Atome), ok Evolution war da noch nicht bekannt, gemacht haben bervor die religiöse Bibel zusammengestückelt wurde.

    Hunderttausende Jahre lang lebten die frühen Menschen in kleinen Gruppen von Jägern und Sammlern, in denen jeder jeden gut kannte.

    Gab es da nicht vor kurzem einen Erklärungsansatz zu Kain und Abel? Vonwegen, das war kein Mord, sondern nur die Auftrennung der Menschheit in sesshaft und wandernd? (Geht das auf die zwei zurück?) Ok, dies würde dann erklären, warum man die Landwirtschaft nicht wollte, aber noch lange nicht, warum man mit dem Vieh umherwandern sollte. Dies macht man heute ja nur noch in extrem schlechten Gebieten und das hieße dann wieder, dieser Gott hat die Erde Stümperhaft geschöpft.

    Denn seit der „größten Verhaltensänderung, die je eine Tierart auf diesem Planeten vollzogen hat“, musste man in großen anonymen Gesellschaften miteinander auskommen, und das alltägliche Leben war nun sehr viel komplizierter als in jenen schönen Zeiten, als man in der freien Wildnis Früchte sammelte und Tiere jagte.

    Auch auf der Wanderschaft kommt man mit anderen anonymen Gesellschaften zusammen, wenn man auch schneller wieder auseinandergehen kann. Neandertalgene beim Homo sapiens sind da das Stichwort.

    Der vermeintliche Fortschritt brachte Streit über Land und Gut mit sich, erzeugte Gewalt und führte zu sozialer Ungleichheit mit vielfältiger Unterdrückung.

    Aber doch nicht wegen der Sesshaftigkeit, sondern wegen der Aufteilung der Arbeiten und einer ungleichen Bewertung dieser, oder? Auch die Nomadenvölker entwickelten einen Streit über Land und Gut, wobei Land die fruchtbarsten Stellen fürs Vieh und Gut in der Anzahl des Viehs und dessen Weitergabe an die Erben bestand/besteht.

    Durch die Domestizierung von Tieren sprangen nun Krankheitserreger auf den Menschen über, etwa Pest und Pocken, Grippe und Cholera. Die nur sehr langsam arbeitende biologische Evolution half dem Menschen in dieser neuen, katastrophalen Lage nicht. Er konnte allein auf sein größtes Talent, die „kumulative kulturelle Evolution“ setzen.

    Das scheint unbestritten, aber die Menschheit hat sich daraus auch weiterentwickelt.

    Die Menschen erklärten sich Schrecknisse wie Gewalt und Seuchen damit, dass sie sie auf das Wirken übernatürlicher Geister und Götter zurückführten.

    Aber auch, dass man diese Geister- und Götterwelt überwinden und nach Lösungen der Probleme suchen kann, indem man diese relig. Vorgaben brach.

    Religion gilt hier als eine kulturelle Praxis, sich vor den vielen neuen Gefahren zu schützen.

    Nein! Die Religion hat die Menschheit nicht vor einem einzigen Krankheitserreger bewahrt. Sie diente als Erklärung und letztendlich auch einem „hinnehmen“. Selbst wenn dies zu einem Auswandern oder Weiterwandern und Neuniederlassung als Sesshafter führte, nahm man diese Krankheitserreger überwiegend mit.

    Sie sei Teil eines kulturellen Schutzsystems gegen die vielen elementaren Gefährdungen menschlichen Lebens.

    Nochmals, das Schutzsystem Religion hat nicht funktioniert. Was funktionierte waren die Errungenschaften der Menschen, die sich dieser Religion, und deren schamanischen Interpreten, widersetzten.

    Implizit knüpfen Schaik und Michel damit an die soziologische These an, dass religiöser Glaube und Ritus der konstruktiven Bearbeitung elementarer Daseinskontingenzen dienten.

    Und das wäre mit weltliche Riten und Glauben mit verständlichen und nachvollziehenden Argumenten nicht gegangen?

    Auf starken Schutz angewiesen war der sesshafte Mensch auch deshalb, weil seine alte, durch Jagd und Sammeln erworbene Seelenausstattung nicht zu den neuen Herausforderungen passte.

    Soll damit gemeint sein, dass der Mensch neue Denkstrukturen (Seele=Psyche) erarbeiten musste? Ja, das hat man, u.a., indem man die Religionsverbote über Bord warf und sich weltlich und vorwissenschaftlich weiterbildete. Aber auch die umherwandernden Gruppen mussten diese neuen Denkstrukturen entwickeln um sich den neuen örtlichen Gegebenheiten anpassen zu können. Selbst Krankheitsvermeidung und mögliche Krnakheitsbehandlung musste entwickelt werden, da man sich gegen die Gefahren der neuen Umgebung ebenfalls wappnen musste, wenn man überleben wollte. Ok, die Häufigkeit von Krankheitsbildern werden auseinandergedriftet sein.

    Diese „erste Natur“, also unsere angeborenen Gefühle und Reaktionsmuster, habe eine Art natürlicher Moral wie Liebe zwischen Kindern und Eltern, Empörung über Ungerechtigkeit und Furcht vor Fremden, aber auch Eifersucht und Ekel impliziert. Eine „zweite Natur“ sei nicht angeboren, sondern werde durch Sozialisationsprozesse in der frühen Kindheit gebildet.

    Das fand und findet auch bei Nichtsesshaften statt.

    Diese „kulturelle Natur“ mit ihren Regeln des Anstands und der Höflichkeit könne nach Ort und Zeit starke Unterschiede aufweisen.

    Ja, und das sogar innerhalb der selben Religion,

    Der sesshaft gewordene Mensch nimmt seine selbst gestaltete Kultur fortwährend mit existenziellem Unbehagen auf. Er bearbeitet diese elementare Entzweiung zwischen sich und seiner Umwelt vor allem durch Religion, die seine Selbstbehauptung in einer Welt stärkt, für die er nicht gemacht ist.

    Was eine Erklärung für die vielen Splittergruppen bei Religionen sein könnte, aber nicht für den Rückgang der Religion in den Regionen, wo diese Entzweiung (Indrustrienationen) am weitesten fortgeschritten ist.

    Den Stand der theologischen Debatte kennen die beiden Autoren erstaunlich gut. Die biblischen Texte nehmen sie ungleich ernster als andere biowissenschaftliche Religionsdeuter.

    Das sollte man auch, wenn man über dieses Religionsbuch schreibt.

    Zeigt sich in Gewalt, Krankheit, Ungleichheit und Unterdrückung der Zorn von Geistern, Göttern oder des einen Gottes, muss man um des eigenen Überlebens willen Kultstätten errichten und Rituale entwickeln, um die oder den Zornigen zu besänftigen. Genau davon werde in der Bibel vielfältig berichtet.

    Nur wissen wir heute, dass sich in Erdbeben, Tsunamis, Seuchen etc. nicht der Zorn eines Gottes zeigt. Keine rituelle Besänftigung funktioniert, wohl aber die analystische und wissenschaftliche Untersuchung sowie Umsetzungen aus den Rückschlüssen daraus. Was für komische Geister und Götter sind das, die sich durch den Menschen austricksen lassen?

    Die 613 Mitzwot, Verbote und Gebote, die sich in der Tora, den fünf Büchern Mose, finden, dienten dazu, den zürnenden Gott zu beruhigen, und ließen viel „protowissenschaftliche Raffinesse“ zum Schutz der Menschen erkennen.

    Oder sie dienten dazu, dass die Menschen sich konservativ auf das Bekannte beschränkten und sich nicht unabsehbaren Gefahren aussetzten.

    Indem sie etwa Inzest tabuisierten, wehrten sie faktisch Erbkrankheiten ab.

    Wobei dann doch wieder Inzest zugelassen und auch praktiziert wurde.

    Durch die Unterscheidung zwischen „rein“ und „unrein“ trugen sie zur Verhinderung von Infektionen bei. So gewinnen auch die vielen Verbote der Sodomie im Alten Testament lebensdienlichen Sinn: Sind sexuelle Kontakte mit Tieren verboten, kann Zoonose, die Übertragung viraler und bakterieller Infektionen vom Tier zum Menschen, verhindert werden.

    Diesen Seelenstress hatten aber beide Gruppen, die Sesshaften als auch die Umherwandernden – letztere, bzgl. Inzest, wohl noch eher als Sesshafte.

    Mit dem Gebot, Gott und den Nächsten zu lieben, und der goldenen Regel „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“ werde zudem ein Ethos der Solidarität eingeklagt, …

    Nächstenliebe hat aber wenig mit Mitgefühl zu tun, damit wird lediglich eine Wertung vorgenommen, die den Nächsten über den Fremden stellt. Die „Goldene Regel“ ist wesentlich älter als die biblische Religion und wurde, wie so vieles, aus anderen Mythen und Legenden plagiert.

    … das Gewalt reduziere, zerstörerische soziale Gegensätze abbaue und Kooperation zwischen Menschen stärke.

    Die Geschichte der Menscheit zeigt ein anderes Bild. Religion war immer auch ein Grund für Gewalt. Gerade das AT legitimiert diese Gewalt, wie z.B. die Landnahme nach dem Exodus aufzeigt.

    In den Psalmen artikuliere sich das Bedürfnis nach einem barmherzigen Gott, der für jeden einzelnen Menschen Partei ergreife und Gnade vor Recht ergehen lasse.

    Eben, es artikuliert sich, da es diesen barmherzigen Gott nicht gab bzw. man ihn sich nicht so erfunden hat.

    Jesus, der charismatische Frauenfreund, …

    Wie war das noch: Jede Frau wünscht sich einen schwulen Freund, weil …..?

    … gilt den Autoren mit seiner alternativen Existenzweise …

    Jesus hat alternativ existiert?

    … der Botschaft der Versöhnung und der Predigt vom unendlichen Wert der Menschenseele …

    (Mt.5,17): „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“
    (Mt. 5,18): „Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht.“
    (Mt. 5,28): „Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“ und der gehört, nach den alten Gestzen und Propheten gesteinigt.
    (Mt. 5,32) „Wer sich von seiner Frau scheidet, … der macht, dass sie die Ehe bricht; und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe.“, also der Mann darf sich scheiden lassen, aber die Frau nicht – sonst Steinigung.
    (Mt 6,25) „Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.“, d.h. demnach: Hört auf zu arbeiten und auch sesshaft zu sein.
    Die Androhungen und Wünsche zum brennen im Höllenfeuer soll jeder selber suchen. Ja, es ging immer nur um eine nicht weiter definierte „Seele“ die vor dem nahen Untergang gerette werden sollte.

    als Prophet einer „besten Jäger- und Sammlermoral“, die Gemeinschaft zwischen Vereinzelten fördere.

    Nein! Nochmals: „Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.“

  3. #3 von Noch ein Fragender am 16. Oktober 2016 - 11:22

    Warum dieser Tunnelblick auf die „Heilige Schrift der Juden und Christen“?

    Für ein „Tagebuch der Menschheit“ ist ein Blick auf die babylonische, ägyptische und griechische Mythologie viel erhellender und macht auch deutlicher, wie sich in diesen Hochkulturen aus all dem antiken mythologischen Aberglauben langsam Vernunft und Wissenschaften gegen große Widerstände religiöser Weltdeutungen entwickelt haben.