Säkularitäten: Die Grenzen der Religion

Die Trennung von Staat und Religion scheint eine moderne westliche Errungenschaft zu sein. Das stimmt nicht, sagen Forscher aus Leipzig: Säkularisierung hat es schon vor Jahrhunderten gegeben, auch außerhalb von Europa. Zudem sei die Säkularisierung nichts Abgeschlossenes. Die Grenzen des Religiösen werden permanent neu verhandelt – auch im Burkini-Streit.

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[http://www.deutschlandfunk.de/saekularitaeten-die-grenzen-der-religion.886.de.html?dram:article_id=366438

  1. #1 von Willie am 9. Oktober 2016 - 01:21

    Die Szene sorgte im Sommer 2016 weltweit für Aufregung. An einem Strand in Nizza zwangen vier Polizisten eine Frau, Teile ihres Burkinis auszuziehen, ihres islamischen Ganzkörperbadeanzugs.

    Ist das mittlerweile geklärt? Die Deutsche Welle berichtet ja davon, dass die Frau nicht geywungen wurde.
    http://www.dw.com/de/burkini-bilder-aus-nizza-was-geschah-wirklich/a-19503792

    „Interessant ist ja, dass an der Stelle eben Grundsatzfragen verhandelt werden, wenn auch auf eine etwas vielleicht merkwürdige Weise. Nämlich Fragen der Loyalität gegenüber dem Staat und dass diese Form der französischen Säkularität, also der Laizität, wie die Franzosen das nennen, eben sehr rigide zur Geltung gebracht wird. Im Sinne von, wer hier zu dieser Nation gehört, wer loyal ist zu dieser Nation, der darf sich auch in der Öffentlichkeit nicht mit religiösen Insignien zeigen und der Burkini ist dann so bewertet.“

    Aha, der Staat Frankreich versteht seine Laizität als Religion verboten, wenn man Franzose sein will.

    Der Staat musste die Grenzen des Religiösen hier also gerichtlich durchsetzen. Das zeigt: Die Säkularisierung ist nichts Abgeschlossenes, sondern die Grenzen des Religiösen werden immer wieder neu verhandelt.

    Das wird nie abgeschlossen sein solange es diese Religioten gibt, da sie immer mehr wollen als ihnen staaliche zugesichert werden kann – es sei denn, man installiert einen Religionsstaat. Dass unsere europäischen Religionsvertreter so aufgeschlossen tun ist nicht den Religionen geschuldet, sondern den sttatl. Grenzen die man ihnen setzt, wie man an dem folgenden erkennt:

    Und das teilweise auch zugunsten des Religiösen: Religionen können einmal verlorenen Einfluss zurückgewinnen. Als Beispiel dafür nennt Monika Wohlrab-Sahr einige ehemals kommunistische Länder wie Polen oder Russland.

  2. #2 von Unechter Pole am 9. Oktober 2016 - 15:17

    @Willie
    In Polen ist das eben nur der politische Einfluss, nicht der gesellschaftliche, der schon immer enorm war, seitdem jedoch trotz allem Zwang und Propaganda nicht spürbar wächst. Man muss es einmal sagen, dass die sog. „Kommunisten“ für die polnischen Atheisten immer eine verlässliche Schutzkraft vor den Anfeindungen der Nachbarn, der Familie, der Chefs und Kollegen waren.