„Die Würde des Menschen ist unantastbar – bis zuletzt“

„Man kann die Würde des Einzelnen nicht schützen, ohne sein Leben zu schützen.“ Am 6. November vergangenen Jahres hat der Deutsche Bundestag die geschäftsmäßige Beihilfe zum Suizid unter Strafe gestellt, dem war eine lange und kontroverse Debatte quer durch alle Fraktionen und Weltanschauungen voraus gegangen. Erledigt ist das Thema aber noch längst nicht, wie Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe an diesem Donnerstag bei einem Besuch in Rom betonte.

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Er widerspreche Haltungen, die Religion aus der Debatte heraushalten wollten, so als ob ausschließlich die Weltanschauung des Atheismus die Freiheit des Menschen achte. Es sei niemals darum gegangen, religiöse Überzeugungen ins Strafrecht einzubringen. „Nein, ich denke, dass in diese Debatte auch ein kraftvolles Wort der Kirchen hineingehört – aber bitte ein Wort, das das Normative und das Praktische zusammen hält.

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Auch sei es falsch, Suizid als einen Akt der Freiheit und Selbstbestimmung zu überhöhen. Die deutsche Verfassungsordnung stelle die Würde über die Selbstbestimmung, das müsse auch in dieser Debatte eine Rolle spielen.

[http://de.radiovaticana.va/news/2016/10/07/%E2%80%9Edie_w%C3%BCrde_des_menschen_ist_unantastbar_-_bis_zuletzt/1263445

  1. #1 von Friedensgrenze am 8. Oktober 2016 - 13:33

    Ich vermute mal der Herr Gröhe reagiert mit seinem Statement in Rom auf dieses schlüssige und vortreffliche Schreiben von Michael Schmidt Salomon, der sich nicht aus religiösen Gründen die Grundrechte beschneiden lassen will.

    https://www.giordano-bruno-stiftung.de/sites/gbs/files/stellungnahme_217stgb.pdf

  2. #2 von Friedensgrenze am 8. Oktober 2016 - 13:56

    „Die deutsche Verfassungsordnung stelle die Würde über die Selbstbestimmung…“ so Gröhe.

    Nein Herr Gröhe, ich achte die deutsche Verfassungsordnung aber Sie sind gerade im Begriff Ihre religiösen Überzeugungen per Gesetz, allen, in diesem Land lebenden Menschen, per Gesetz vorzuschreiben. Sie missachten damit eklatant das Recht auf Selbstbestimmung, das in der Verfassung als Würde des Menschen beschrieben ist.

  3. #3 von F. M. am 8. Oktober 2016 - 14:14

    Das Leben des Menschen ist zu schützen, koste es ihn, was die römisch katholische Kirche wolle. Und seien es unendliche Qualen.
    Die sind nur gut für seine Seele, weil sie ihn zu Busse und Reinheit führen. Frei nach Höllenmutter Theresa.

    Es gibt wohl keinen bösartigeren, eigensüchtigeren und machtversesseneren Grund Menschen zu quälen. Aber alles natürlich nur zu seinem besten.

  4. #4 von Skydaddy am 8. Oktober 2016 - 15:11

    So ein Stuss!

    Leben schützen ist ja schön und gut es muss sich ja auch keiner gegen seinen Willen vorzeitig töten lassen.

    Aber eine Lebens- und Leidenspflicht ist pervers.

    Auch steht Würde nicht „über“ der Selbstbestimmung, sondern Selbstbestimmung mach gerade einen wesentlichen Teil der Menschenwürde aus. M.E. sogar den Kern der Menschenwürde. „Würde“ ist an sich nur ein nichtssagendes Wort. Erst das Ausfüllen dieses Begriffes mit Inhalten wie „Selbstbestimmung“ macht Menschenwürde „operationalisierbar“.

    Es ist zudem jedenfalls nachvollziehbar (wenn dem auch nicht jeder für sich persönlich zustimmen muss), dass manche Menschen ein unkontrolliertes Dahinvegetieren in Leid und das Angewiesensein auf Andere (Hint: fehlende Selbstbestimmung) als würdelos empfinden. Es ist dann gerade eine Missachtung der Menschwürde, diesen Menschen die Möglichkeit, selbstbestimmt zu sterben, zu nehmen.

    In Anlehnung an einen Filmtitel:

    Fuck you, Gröhe!

  5. #5 von Willie am 9. Oktober 2016 - 03:31

    „Man kann die Würde des Einzelnen nicht schützen, ohne sein Leben zu schützen.“

    Damit unterstellt er ja auch, dass Deutschland, seine Bürger nicht schützen könne. Er unterstellt auch, dass der Schutz nur durch Verbote gewähleistet werden könnten – die dann auch noch auf einen Massenmördergott zurückgehen sollen. Und das Problem dieses Verbots liegt darin, dass man sterbewilligen Menschen die Würde nimmt, indem man sie ihres eigenen, freinen Willens beraubt.