Barbarei und Toleranz: Zum Glück gibt’s den Islam

Der Islam wird von seinen Kritikern als barbarisch dargestellt, das Christentum als aufgeklärt. Beides ist falsch. Tatsächlich waren einst die Christen die wahren Barbaren.

[http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/abendland-zum-glueck-gibt-s-den-islam-kolumne-a-1114693.html

  1. #1 von Willie am 5. Oktober 2016 - 02:22

    Henne oder EI?

  2. #2 von Willie am 5. Oktober 2016 - 02:25

    Noch vergessen:

    Was die Verteidiger des sogenannten christlichen Abendlandes gern ausblenden: Ohne die arabische Welt und den Islam sähe unser Abendland heute ganz anders aus. Weit finsterer.

    Immer wieder gern genommenes Argument, aber ohne die Christensekte und deren Befórderung zur Staatsreligion sähe die ganze Welt heute anders aus.

  3. #3 von Deus Ex Machina am 5. Oktober 2016 - 06:20

    „. Tatsächlich waren einst die Christen die wahren Barbaren.“

    –> Was heißt hier „einst“, der Zustand dauer an.

  4. #4 von 00MU am 5. Oktober 2016 - 07:26

    Mmh, der Artikel versucht darzustellen, dass die wissenschaftliche und kulturelle Blütezeit im islamisch geprägten Gebiet mit dem Islam zusammenhängt.
    Ich mag mich irren, aber ich glaube ich habe mal einen Artikel von Hamed Abdel-Samad gelesen, in dem er darstellt, dass diese Blütezeit nicht wegen des Islams sondern trotz des Islams möglich war. Der Islam spielte in den großen Metropolen eher keine große Rolle, die Herrscher waren eher weltlich gesinnt. Am Hof in Bagdad wurden homoerotische Gedichte und Kunst zum Besten gegeben. Die Wissenschaft und Kultur boomte eher in MEtropolen wie Bagdad und nicht in Medina oder Mekka.
    Die industrielle und wissenschaftliche Revolution im christlich geprägten Europa war ja auch nicht Folge des Christentums sondern eher Folge des Zurückdrängens von Religion.

  5. #5 von Siegrun am 5. Oktober 2016 - 08:37

    Alle Religionen haben Leichen im Keller! Jede einzelne ist deutlich zuviel!
    Weg mit dem Religionsdreck!
    Bildung, Aufklärung und Humanismus bringen uns weiter!

  6. #6 von user unknown am 5. Oktober 2016 - 09:28

    Apropos Kreuzzüge.

    Ich war nie ein Genie und bin auch heute keins, bezüglich Geschichte. Ich begann mich für Geschichte zu interessieren als ich über die NSDAP las, aber unser unser Unterricht hatte auch da wenig zu bieten. Die Zeit davor wurde in Epochen, Daten, Hochzeiten und Schlachten abgespult, die Griechen, die Römer, Völkerwanderung u. Karl d. Große, Staufer, Ottonen, Habsburger und Hohenzollern. Hier mal bischen Spanien, da mal England mit Henry Soundso u. Elisabeth. Immer tauchten irgendwelche Spieler aus dem Nichts auf und verschwanden auch wieder.
    30jähriger Krieg, franz. Revolution, 1. Weltkrieg, 2. Weltkrieg.

    Kreuzzüge kamen auch kurz vor. Weder wurden sie als Barbarei verteufelt, noch als großartige Mission gefeiert. Eher galt für die gesamte Geschichte, dass das immer nur paar 10.000 Leutchen waren, lächerlich, verglichen mit den jüngsten Zahlen.

    Deswegen bin ich etwas überrascht und überfordert durch dieses, 5 min. Video , welches Jihad und Kreuzzüge vergleicht. Ein wenig Kritik kann ich aber auch mit meiner geringen Expertise abgeben.

    Aus Sicht Christentum vs. Islam kann man natürlich die christliche Invasion auf die im Video gezeigten rd. ein Dutzend Schlachten beschränken. Die Missionierung Europas mit Waffengewalt wird auch nicht gezeigt. Die heutige Trennung von Religion u. Staat wird auf die ganze Geschichte angewandt. Keine Invasion des Morgenlands durch das Abendland scheint mehr mit Religion zu tun zu haben.
    Dagegen gelten alle Schlachten seit Mohammed gegen das Abendland offenbar als Jihad. Sind denn die Moslems alle wieder freiwillig aus Europa abgezogen?

    Und dann der dezente Hinweis auf die Vergewaltigungen durch die islamischen Truppen. Ich habe ja die ganzen Kriege seit anno Tobak nicht mitgemacht, aber soll es in Kriegen des Westens je anders gewesen sein?

    Die Konzentration auf Europa, den Mittelmeerraum und Kleinasien macht es leicht, die imperialistische Ausdehnung nach Südamerika, Nordamerika und die Versklavung in Afrika auszublenden. Christlich war das nicht, obwohl die Täter alle Christen waren?

    Der ganze Film hat ein Wir-gegen-Die-Tendenz, bei der ich selbst dem christlichen Wir ja ferne stehe, aber als Bewohner der betroffenen Region natürlich in einer Tradition stehe.

    Was ich sagen will, ist, dass das Video alles andere als nüchtern-neutral ist, aber die Bedeutung des Kreuzzugjokers doch etwas in Frage stellt. Den Opfern des Krieges dürfte es meist wurscht sein, ob sie wegen ihrer Religion dahingeschlachtet werden, weil sie auf interessanten Rohstoffen sitzen, weil Prinz Furz von Pup neue Steuerzahler und Soldaten erschließen will, weil das ein Durchmarschgebiet ist zu den Hotspots der zuvor genannten Punkte, oder weil man von dem Berg oder der Bucht aus eine Region strategisch kontrollierten kann.

    Diese Gewalt muss endlich aufhören. Sich weniger fanatisch einer Seite zuzuordnen würde dabei helfen. Sich frei die Religion aussuchen, die dann friedlich um Miglieder konkurrieren können, wäre ein hilfreich und diese Errungenschaft haben wir inzwischen im Westen zu einem beachtlichen Stück erreicht.

    Es wird aber wieder getrommelt.

    Zu den Kulturgütern der Antike habe ich auch noch was, das ich aber erst noch suchen muss, inwieweit die Araber Aristoteles vor den Christen gerettet haben – ich hoffe ich finde es noch, und bin auch da etwas dünn mit Wissen besetzt.

  7. #7 von Noch ein Fragender am 5. Oktober 2016 - 10:40

    Sobald die organisierte Religion – egal welche – dazu ermächtigt wird, politische und gesellschaftliche Normen zu setzen, wird es gefährlich. Denn wer sich auf einen letzten Grund, auf eine unbedingte Macht berufen darf, der muss keine rationalen Begründungen mehr liefern. Der kann Massaker ebenso anordnen wie die Zerstörung von Kulturgütern. Das gilt für das Christentum ebenso wie für den Islam.

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

  8. #8 von user unknown am 5. Oktober 2016 - 11:42

    Zweite Quelle gefunden:
    Beginnt auch mit einer Kritik an der heute üblichen Darstellung der Kreuzzüge um dann weiterzugehen zur Frage, ob die Araber die griechische Kultur retteten – für die, die das ganze Video sehen wollen, bei Minute 4:40 bzw. 8:20 ungefähr.

    Um es nicht in den falschen Hals zu bekommen sollte man wohl mindestens bis 18:50 schauen.

    Ich selbst bin kein Experte für das oströmische Reich, Byzanz, Konstantinopel, heute Istambul und die Zeit vor 1100 oder 1400 (nicht nur kein Anwalt).