Schweiz: Parlament stimmt für Burka-Verbot

In der Schweiz soll nach dem Willen einer knappen Parlamentsmehrheit ein landesweites Burka-Verbot verhängt werden. Für eine entsprechende Initiative der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) votierten am Dienstag 88 Abgeordnete des Nationalrats. 87 Mitglieder dieser großen Kammer des Parlaments stimmten dagegen, zehn enthielten sich der Stimme. Jetzt muss sich der Ständerat mit dem Thema befassen, der das Verbot allerdings schon einmal abgelehnt hatte. Unterdessen sammeln Befürworter eines Verbots Unterschriften für eine landesweite Volksbefragung.

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[http://www.krone.at/welt/schweiz-parlament-stimmt-fuer-burka-verbot-bald-volksbefragung-story-531600

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  1. #1 von Elvenpath am 28. September 2016 - 15:41

    Wer für ein Burkaverbot ist, ist nicht besser, als die muslimischen Männer, die ihren Frauen eine Burka aufzwingen.
    Jedweder Kleiderzwang widerspricht einer freiheitlichen Lebensweise. Das sind reine Gesinnungsgesetze.
    Vor allem, wenn man bedenkt, dass diese vollständige Verhüllung extrem selten ist. Eine reine Symbolpolitik.

  2. #2 von Simone am 28. September 2016 - 18:06

    @Elvenpath
    Aber wir haben doch schon einen Kleiderzwang. Nackt oder nur mit Unterhose bekleidet darf man ja auch nicht rumlaufen.

  3. #3 von Yeti am 28. September 2016 - 20:32

    @Simone:
    Doch, natürlich darf man nackt oder nur mit Unterhose bekleidet rumlaufen. Ich mache das regelmäßig. Aber nicht öffentlich. Bzw. dann doch öffentlich, weil ich habe ja noch eine Jeans und ein T-Shirt drüber. Unter meinen Klamotten bin ich komplett nackt. Und so laufe ich den ganzen Tag durch die Welt.

    Argument 1:
    Deswegen kann man auch die Burka nicht „verbieten“. Niemand kann eine Frau dazu zwingen, ein bestimmtes Kleidungsstück nicht anzuziehen. Niemand kann mir meinen String-Tanga und meine Strapse verbieten, wenn ich mich darüber „dezent“ kleide.

    Argument 2:
    Deswegen muss man die Burka verbieten. Niemand darf einer Frau vorschreiben, welche Kleidungsstücke sie anzuziehen hat. Niemand kann …

    Und so weiter.

    Sieht jemand mein Dilemma? Ich bin für ein Burka-Verbot, ich krieg’s aber im Moment noch nicht vor mir selbst gerechtfertigt.

    Wir wollen den unter Kleidervorschriften leidenden Menschen helfen, indem wir ihnen Kleidervorschriften machen?

  4. #4 von Simone am 28. September 2016 - 20:48

    @Elvenpath und Yeti
    Vielleicht bin ich da etwas zu pessimistisch, aber ich frage mich einfach, ob es bei der Burka nicht ähnlich ablaufen wird wie beim Kopftuch. Das war ja früher auch viel weniger häufig anzutreffen und auch in islamischen Ländern trugen es viele Frauen nicht. Heutzutage scheint der Trend in Europa an vielen Orten zu einem mehr konservativen Islam zu führen und der soziale Druck auf Frauen bzw. Mädchen, die kein Kopftuch tragen wollen steigt.
    Wie seht ihr das?

  5. #5 von Yeti am 28. September 2016 - 21:26

    @Simone:

    ob es bei der Burka nicht ähnlich ablaufen wird wie beim Kopftuch. Das war ja früher auch viel weniger häufig anzutreffen

    Wo ist das Problem bei Kopftüchern?

    Als ich in den Kindergarten und zur Schule gegangen bin, so zwischen 1970 bis in die Achtziger Jahre, waren hier in der Gegend Kopftücher noch Gang und Gäbe. Auf dem Kartoffelacker hat man im Herbst kaum eine Frau ohne Kopftuch gesehen.
    Selbst meine Mathematiklehrerin hatte meist eins an. Selbst im Unterricht (dazu Jäger-grüne Kniestrümpfe und lederne Kniebundhosen). Auf dem Gymnasium. Meine beiden Großmütter trugen es. Manche meiner Tanten, wenn sie in die Kirche krochen. Das hat niemanden gestört.

    Mich stören auch heute noch keine Kopftücher. Obwohl bei uns im Dorf (schon immer) auch einige rumlaufen. Wenn hier die erste Frau mit einer Burka auftaucht werden die ortsansässigen Moslems ihr die wohl sanft, aber bestimmt ausreden. Das einzige was mich stört ist, wenn ich bei „Interaktion“ das Gesicht nicht sehen kann.

    Ich habe mittlerweile eine instinktive Skepsis entwickelt, wenn sogenannte „Dammbruch“-Argumente angewendet werden. Das Kopftuch ist ein „Statement“ der Frau. Die Burka eins des Mannes.

    Ich habe eben in einem Beitrag geschrieben, dass ich für ein Burka Verbot bin.
    Eigentlich stimmt das nicht. Ich möchte hier keine Burkas sehen (und ich habe bisher auch noch keine einzige Frau Live und in Burka gesehen). Ein Verbot ist aber nicht der richtige Weg.

    Was ist der richtige Weg? Keine Ahnung. Den Anspruch erhebe ich aber auch nicht an mich, da eine Lösung zu finden. Burkas sind nicht unser Problem. Es gibt wirklich Wichtigeres.

  6. #6 von Willie am 29. September 2016 - 03:40

    Ich habe mal ein weniger herumgesucht und leider nichts entsprechendes gefunden. ABER, ich kann mir nicht vostellen, dass die Schweizer da so dumm sind und ’nur‘ ein religiöses Burka-Verbot erlassen oder diskutieren. Das was man herauslesen kann ist, wie in anderen Ländern auch, dass dort a) das religiöse vollkommen außen vor gelassen wird und b) es um ein Vermummungsverbot im öffentlichen Raum handelt. Damit betrifft es natürlich auch das Kopftuch, sofern dieses zur Vermummung genutzt wird, aber auch Vollskimützen oder Motorhelme ….

    Wenn dies also generell gehalten und geahndet wird, dann sehe ich in solch einem Verbot kaum Probleme. Es kann doch nicht sein, dass man solche Gesetzgebung, bzw. deren Verweigerung, davon abhängig macht, ob da Religiöse evtl. betroffen sind (Wäre dem so, dann müsste auch das Verbot des Kinderprügelns unzulässig sein). Was bei solchem eingehen auf Religionsgebrüll herumkommt, kann man an unserem deutschen Jungenverstümmelungparagraphen sehen.

  7. #7 von user unknown am 29. September 2016 - 10:27

    Mich stören Kopftücher schon, aber ich will sie nicht verboten sehen.

    Die Idee hinter dem Kopftuch ist ja die gleiche, wie hinter der Burka: Die Frau soll ihre Reize nicht zeigen. Körper und Lust gehören nicht in die Öffentlichkeit, und die Frau hat sich in erster Linie der Familie unterzuordnen. Nicht nur die Frau – der Mann genauso, und auch wieder nicht genauso. Wenn die Tochter den Pfad der Jungfräulichkeit verlässt, dann ist es an den Söhnen/am Vater zur Not eine Gewalttat auszuüben, um die Ehre der Familie wieder herzustellen.

    Aber man kann die Mimik einer Frau mit Kopftuch lesen und gut mir ihr in Kontakt kommen – dagegen symbolisiert die Vollverschleierung ja gerade, das jeder Kontakt unerwünscht ist.
    Die Aufforderung, Burkaträgerinnen zu behandeln, wie alle anderen Frauen auch, wäre also lebensfremd.

    Kopftücher in der Küche sind ein anderer Fall. Auch sie dienen einem Zweck, und zwar das Haar in der Suppe zu verhindern. Dafür gibt es ja bei Männern diese chicen Kochmützen.

    Wir haben unzählige Kleidervorschriften in der Gesellschaft, aber diese werden fast nie qua Gesetz durchgesetzt. Im Casino gilt Krawattenzwang, im Büro dürfen Männer selten kurze Hosen tragen, oft auch nicht kurze Hemden (man könnte Armhaare sehen, igitt, aber in der Mittagspause essen alle öko), im großen und ganzen ist aber alles im Fluss und beweglich – es gibt auch selten politisch motivierte Aktivisten, die eine eigene Kleidungsagenda gegen den Status quo durchsetzen wollen.
    Es gab natürlich Minderheiten, die gegen die Kleiderordnung rebellierten: Minirock, Frauen in Hosen, Irokesenschnitt, lila oder gelb gefärbtes Haar, zuletzt Piercings und Tatoos, die im weitesten Sinne auch in diese Diskussion gehören.

    Gelegentlich hört man, dass die Frauen doch das tragen sollen dürfen, was ihrer Tradition entspricht. Dazu passt nicht die Beobachtung, dass die meisten Frauen aus einer Tradition kommen, in der Nicab und Burka gar nicht üblich waren, oder die Mütter hatten diese schon abgelegt. Es ist also kein stumpfes Das-Weitermachen-was-man-schon-immer-getan-hat, sondern ein Aufbruch ins Rückwärts, eine bewusste Trotzreaktion.
    Zumindest trifft das für einheimische Frauen oft zu, wo es auch eher junge Frauen sind, als alte, die sich so radikal geben.

    Es gibt auch die touristischen Frauen in den Nobelgeschäften Münchens und Düsseldorfs, um ein Klischee zu bemühen, die aus Saudi-Arabien, Dubai und Katar kommen und nur kurz bleiben. Einem Schweizer Pressebericht zu folge hatten diese kein Problem damit die bei ihnen wirklich traditionelle Kleidung gegen etwas offeneres einzutauschen, für ein paar Tage. Ob das representativ ist weiß ich nicht. Es war wohl in dem Kanton verboten und sie waren nicht gekommen um etwas zu demonstrieren.

    Womit wir beim Demonstrieren sind. Demonstrierte Tradition ist etwas anderes als einfach Tradition. Jeder, der in ein anderes Land fährt, weiß, dass dort andere Traditionen Usus sind. Damit kann man größere oder kleinere Schwierigkeiten haben. Hier gilt eine Frau nicht als verachtenswerte Hure – daher ist es hier kein notwendiges Signal sich zu verschleiern. Skifahrer, Motorradfahrer und Bankräuber tragen Sturmhaben wie auch das SEK, letztere beiden Gruppen, um nicht identifiziert werden zu können. Erstere ziehen ihre Masken meist aus, sobald sie sie nicht mehr wg. des kalten Fahrtwinds benötigen. An Tankstellen und in Banken, wo man in wenigen Minuten wieder raus ist, wird es mit dem Hausrecht oft erzwungen, um die Nerven der Belegschaft zu schonen, ob es nicht doch ein Räuber ist – wenn es einer ist wird er sich kaum an das Verbot halten.

    Frauen, die die hiesige Tradition nicht achten, sondern demonstrativ ihre eigene dagegensetzen, grenzen damit sich selbst aus der Gesellschaft aus. Sie demonstrieren damit für die Sharia und das kann m.E. sowohl in öffentlichen Verwaltungen, Schulen, Bibliotheken usw. verboten werden, als auch in privaten Betrieben. Auf der offenen Straße nicht so leicht, in den Privatgemächern oder Moscheen noch weniger, aber das ist wohl auch selten gemeint, wenn jmd. ein Verbot fordert.

    In der Debatte habe ich bislang oft gehört, dass die Männer Frauen unter Burka und Nicab zwingen. Das ist zu einfach gedacht und stimmt oft nicht. Traditionen werden in Gesellschaften i.d.R. von allen Seiten befördert und durchgesetzt, also auch von Müttern, Schwestern, Freundinnen, Lehrerinnen usw. Am stärksten von der Gruppe, in der man sich meist bewegt, also Gleichaltrige des gleichen Geschlechts und der gleichen Klasse. Dass man als Junge kein rosa Röckchen trägt vermitteln in erster Linie die Freunde des Jungen.

    In verschiedenen Medien kamen auch mehrere Frauen zu Wort, die Konvertiten sind, und einen Moslem geheiratet haben, der gar nicht will, dass sich die Frau unter den Nicab begibt. Ob das repräsentativ ist, ist wiederum fraglich, aber es war auch kein Einzelfall. Dazu passt die Beobachtung, dass auch muslimische wie nicht muslimische Eltern oft entsetzt sind, wenn ihre Kinder gen Syrien abgehauen sind.

    Eine extreme Überzeugung kann man mit Verboten freilich nicht bekämpfen, außer in einer schwachen, nur vage möglichen Weise insofern, als die extreme Kleidung Ablehnung hervorruft, und diese Ablehnung bestärkend wirkt für den Eindruck, ausgegrenzt, benachteiligt und gehasst zu sein.

    Man könnte auch einfach abwarten – in 10, 20 Jahren wächst sich das wahrscheinlich aus, wie es auch heute kaum noch Punks, Hippies oder Popper gibt.

    Die cleverste Reaktion wäre wohl, wenn auch Atheisten und Christen, am besten beiderlei Geschlechts, sporadisch Nicab und Burka trügen, und so den Hype verwässerten. Begleitet werden könnte das durch eine Modeoffensive von C&A, H&M und all den anderen Labels, die bunt bedruckte Vollschleier entwickeln, aus Leder, Samt und Seide, mit Rüschen, Strass und Spitzenbesatz bis es das am Ende auch bei Woolworth und mit Bayern-München-Logo gibt, so dass es seiner Wurzel komplett entfremdet ist.

  8. #8 von Willie am 30. September 2016 - 01:45

    @uu

    In der Debatte habe ich bislang oft gehört, dass die Männer Frauen unter Burka und Nicab zwingen. Das ist zu einfach gedacht und stimmt oft nicht. Traditionen werden in Gesellschaften i.d.R. von allen Seiten befördert und durchgesetzt, also auch von Müttern, Schwestern, Freundinnen, Lehrerinnen usw.

    Das erinnert mich an die Debatten um den Machismus (in Chile noch sehr aktuell). Alle „normalen“ Frauen beschweren sich darüber, aber gleichzeitig erziehen sie ihren kleinen Rey zum Macho und die kleine Prinzession zum Sexpüppchen.

  9. #9 von Siegrun am 30. September 2016 - 08:29

    Im Tessin funktioniert es doch schon prima.
    Die Burka ist ein übles Unterdrückungsinstrument und Reklame für ein menschenverachtendes system.
    Daher bin ich klar für ein Burkaverbot.

    [http://www.emma.de/artikel/burka-verbot-anderen-laendern-normal-333145