Pastor verweigert Rundfunkbeitrag aus Gewissensgründen

Geklagt hatte der Pastor einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinde aus der Pfalz. Nach dem Gerichtstermin sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd), er könne die öffentlich-rechtlichen Sender nicht mitfinanzieren, weil sie in vielen Programmen Gewalt und außereheliche sexuelle Beziehungen zeigten. Außerdem würden bibeltreue Christen regelmäßig in Beiträgen von ARD und ZDF „verunglimpft“.

weiterlesen:

[http://www.evangelisch.de/inhalte/138525/21-09-2016/pastor-verweigert-rundfunkbeitrag-aus-gewissensgruenden

  1. #1 von Skydaddy am 21. September 2016 - 15:38

    Ein Spinner, der nicht versteht, was Meinungsfreiheit bedeutet: Nämlich, dass auch Meinungen, die man nicht teilt, geäußert werden dürfen. Und der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss halt ein breites Spektrum an Meinungen abbilden.

    Mit der Argumentation dieses Religioten könnten ca. 40 Prozent der Deutschen ihren Rundfunkbeitrag wegen zu kirchenfreundlicher Beiträge verweigern.

  2. #2 von dezer.de am 21. September 2016 - 15:50

    Einfache Lösung des Problems: Alle Fernseher und Radios verkaufen und den Internetzugang kündigen. Und Schwupps, schon muss man nicht mehr zahlen. Und mal ehrlich, Das Internet ist doch eh Teufelskram und der „Elektrojude“ auch.

  3. #3 von dezer.de am 21. September 2016 - 15:51

    Schön wie er sich einreiht in die illustre Gmeinschaft von Verschwörungsspinnern und Reichsbürgern.

  4. #4 von Charlie am 21. September 2016 - 16:17

    Bibeltreue Christen werden von ARD und ZDF regelmäßig „verunglimpft“? Die Anführungszeichen stimmen hier. Die Klage versteh ich trotzdem nicht, er kann ja ganz einfach die GEZ abmelden, aber will er ohne zu Bezahlen diese „unchristliche“ TV-Sender angucken??

  5. #5 von m0ebius am 21. September 2016 - 16:28

    @dezer.de: Rundfunkgebühren haben seit 2013 nichts mehr mit dem Besitz von Empfangsgeräten zu tun, sondern sind de facto eine Wohnungssteuer.

    Sie sind also gerade NICHT freiwillig, und angesichts dessen ist eine Beschränkung des Programmangebots auf den gesetzlichen Auftrag einer „Grundversorgung“ bitter nötig. Ich zahle gern für unabhängigen Journalismus, Politik, Bildung, Kinderprogramm, aber der Großteil des Geldes geht für Unterhaltung drauf, von Spielfilmen über Sport zu Unterhaltungsshows. Von mir aus darf das gerne in separates Pay-TV ausgelagert werden, aber ich sehe überhaupt nicht ein, wieso ich dafür bezahlen soll.

    Insofern finde ich die Auseinandersetzung durchaus begrüßenswert, auch wenn die konkrete Begründung ziemlich hanebüchen ist.

  6. #6 von Till am 21. September 2016 - 16:39

    Ein starkes Stück, bedenkt man, dass in Deutschland die Öffentlich-Rechtlichen gesetzlich dazu verpflichtet sind, Verkündigungssendungen der beiden großen Kirchen zu senden und darüber hinaus freiwillig auf eigene Kosten viele religiöse Sendungen produzieren. Niemand wird hier so bevorzugt wie die Kirchen!

  7. #7 von dezer.de am 21. September 2016 - 16:53

    @m0ebius: Danke für das Update. Wieder was gelernt. Ich zahle gerne für Qualität, bin aber auch deiner Meinung was die Sport und Unterhaltungsshows angeht. Das ich Events mitsubventioniere wie irgendwelche EMs nervt mich auch, wenn ich aber bedenke, dass diese Zielgruppe eben auch meine Wissenschaftsdokus mitsubventioniert gehts mir wieder besser. 😉

  8. #8 von Deus Ex Machina am 21. September 2016 - 17:28

    Eigentlich müssten wir mit genau der gegenteiligen Begründung dann auch die Beiträge verweigern: kaum lässt der Papst einen Furz, schon sind die ÖR alle gleichgeschaltet, neben dem Religionsmüll (Wort zum Sonntag etc.), der eh schon läuft.

  9. #9 von ichglaubsnicht am 21. September 2016 - 18:22

    Dann will ich aber aus Gewissensgründen auch nicht zahlen, weil die Fernsehgottesdienste senden.

    @m0ebius
    Sehe das auch so. Die Diversität im Unterhaltungsbereich ist mittlerweile gerade durch das Internet dermaßen groß, dass es da sicherlich keine Grundversorgung durch den ÖR mehr braucht. Das war vielleicht in den 50er-Jahren anders, als es nur deren zwei Fernsehersender gab. Auch die Nachrichten und Informationsprogramme sehe ich in der derzeitigen Form sehr kritisch, auch wenn der ÖR kein Staatsrundfunk sein darf, so ist er dennoch alles andere als unabhängig von der Politik, die einen erheblichen Einfluss auf die Besetzung der Posten da hat. Das hat man deutlich gesehen, als die CDU Nikolaus Brender als ZDF-Chefredakteur abgesägt hat.

  10. #10 von Unechter Pole am 21. September 2016 - 18:50

    @Skydaddy
    Meinungsfreiheit ja, aber für eigenes Geld bitte, nicht für das Geld der Steuerzahler.

  11. #11 von Gerry am 21. September 2016 - 19:40

    Wenn der damit durchkommt nehm ich das auch als Klagegrund 🙂

    Aber die Propagandasteuer ist ja beschlossene Sache, wird also nicht wegen sowas läppischem wie Gewissensfreiheit gekippt….

  12. #12 von Skydaddy am 21. September 2016 - 20:16

    @Unechter Pole:

    Meinungsfreiheit berechtigt in der Tat nicht automatisch zu Sendezeit im öffentlichen Rundfunk. (Außer für die Kirchen …) Aber WENN es öffentlich-recjtlichen Rundfunk gibt, muss der ein breites Meinungsspektrum wiedergeben. Er kann ja nicht zu jedem Thema nur eine Meinung senden.

  13. #13 von Unechter Pole am 21. September 2016 - 20:59

    @Skydaddy
    Die Tatsache ist aber, dass grundsätzlich eine Meinung vertreten wird. Z.B. habe ich mir drei oder vier mal eine Nachrichtensendung auf ZDF angeschaut und immer hat eine Marietta Slomka sarkastisch erklärt, was der Zuschauer zu dem oder anderen Thema meinen soll.

  14. #14 von Yeti am 21. September 2016 - 22:09

    @Unechter Pole:

    Marionetta Slomka

    ftfy

  15. #15 von user unknown am 22. September 2016 - 01:18

    @M0ebius:

    gesetzlichen Auftrag einer „Grundversorgung“

    In welchem Gesetz soll das stehen?

    Es gibt längst höchstrichterliche Urteile, dass die Ausstrahlung eines Vollprogramms mit Sport, Musik, Quiz, Spielfilmen usw. gesetzeskonform ist. Wie die Versorgung durch private Sender aussieht, dazu genügt ein Blick ins Programm, wo man bei den Privaten vornehmlich Müll findet, und was nicht Müll ist, das wird mehrfach von Werbung unterbrochen und das müssen die Konsumenten von Markenprodukten über diesen Umweg dann zahlen.

    Die ÖR haben auch viel Müll, und das, was an Dokus, als Reportage oder politische Diskussion läuft dürfte für meinen Geschmack besser und niveauvoller sein, aber auch da versuchen sie eben ein möglichst breites Publikum anzusprechen.

  16. #16 von Monika am 22. September 2016 - 11:45

    Skydaddy @ Wer für den öffentlich- rechtlichen Rundfunk zahlen will, soll das gerne tun, aber besser auf freiwilliger Basis. Zwang, auch Zwangsgebühren, passen einfach nicht zur Meinungsfreiheit.

  17. #17 von parksuender am 22. September 2016 - 14:32

    @Monika
    Wer öffentliche Schulen/Straßen/Krankenhäuser zahlen will kann dies gerne tun, aber besser auf freiwilliger Basis. Oder wie?

    Diese Zwangsgebühren heißen Steuern. Ich finanziere auch Opernhäuser mit, obwohl ich keine Opern mag. Dass die öffentlich-Rechtlichen Fernseh- und Rundfunksender anders finanziert werden werden ändert nichts daran, dass hier ein Allgemeingut (in Form von Bildung/Kultur/Unterhaltung) allen Bürgern zugute kommen soll.

    Ich kritisiere auch viel an ARD/ZDF und Co, aber ich bin gegen ein Zwei-Klassen-Fernsehen, in dem sich arme Leute keine Kultursender mehr leisten können. Ich halte im Übrigen auch nichts von den Privatsendern, die flaches Mainstream-Programm werbegerecht servieren.

  18. #18 von Monika am 22. September 2016 - 14:40

    Krankenhäuser mit Sportberichterstattung zu vergleichen erscheint mir unangemessen.
    Und ich werde ja auch, Gott sei Dank aber auch, nicht gezwungen, mir „qualitätsvolle“ Printmedien zu kaufen, warum darf ich dann nicht auch auswählen, welche Nachrichtensendung ich persänlich für objektiv halte? Oder meinetwegen eben nicht für objektiv, sondern auf MEINE EIGENEN Interessen zugeschnitten? (Bestimmt ist das nicht das „Heute Journal“)
    Und private Schulen sind oft besser als öffentliche, wer wollte dies bestreiten?.

  19. #19 von dezer.de am 22. September 2016 - 16:02

    @Monika: „Und private Schulen sind oft besser als öffentliche, wer wollte dies bestreiten?“

    Ich! Jedenfalls hier in Deutschland. Wenn du nicht explizit „Elitenschulen“ meinst. „Normale“ Privatschulen haben oft garnicht die Mittel Lehrer auf Beamtenniveau zu bezahlen. Je besser mein Abschluss ist, umso schneller werde ich verbeamtet (je nach Bundesland). Mit einem guten Abschluss würde ich es mir 3 mal überlegen ob ich weniger verdienen und weniger Urlaub habe auf einer Privatschule oder ob ich mit Beamtengehalt und später Pension und all den anderen Annehmlichkeiten auf einer staatlichen Schule unterrichte.

  20. #20 von Gerry am 22. September 2016 - 19:13

    Und private Schulen sind oft besser als öffentliche, wer wollte dies bestreiten?.

    Und wie das zustande kommt durften Bekannte mit einer katholischen Schule erleben:

    Der ältesten Tochter wurde wegen zu schlechter Noten (exakt diese Begründung) nahegelegt, die Schule zu verlassen!
    Sie hat dann auf der staatlichen Schule die Mittlere Reife gemacht, es hätte aber auch fürs Abitur gereicht, aber sie hatte kein Bock mehr auf Schule.

    Tja, das sind halt die Christen mit ihrer Nächsten- und Feindesliebe!

  21. #21 von Monika am 22. September 2016 - 21:39

    dezer, ich meine Schulen wie die Schule Schloß Salem

  22. #22 von m0ebius am 23. September 2016 - 02:03

    @user unknown: Man lernt nie aus. Wie es nach meiner kurzen Recherche aussieht, ist ist der Programmauftrag der öffentlich-Rechtlichen gar nicht gesetzlich festgeschrieben, sondern hauptsächlich aus Staatsverträgen und Urteilen des Bundesverfassungsgerichts erwachsen.

    Was die „Grundversorgung“ angeht, die laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts auch Unterhaltung umfasst, bin ich aber der Auffassung, dass die Rahmenbedingungen seit dem Urteil (1987) wesentlich geändert haben:

    Erstens ist das Angebot an Unterhaltung auf privaten Sendern und z.B. im Internet wesentlich erweitert worden – ich würde die These wagen, dass kein Mangel an Unterhaltung existiert, der so groß ist, dass das Bundesverfassungsgericht die Frage des Programmangebots der öffentlich-rechtlichen Sender der Legislative entziehen muss.

    Zweitens gibt es nicht mehr die Option, keine Fernsehgebühren zu bezahlen. 1987 konnte man mit einigem Recht davon ausgehen, dass die Fernseherbesitzer ihre Geräte nicht zuletzt deshalb angeschafft hatten, um von den öffentlich-rechtlichen Sendern unterhalten zu werden. Von ihnen also Gebühren dafür zu verlangen, scheint wesentlich angemessener als heute von jedem Gebühren für TV-Unterhaltung zu verlangen, der möglicherweise noch nicht einmal einen Fernseher hat (wie ich z.B.).

  23. #23 von user unknown am 23. September 2016 - 05:37

    M0ebius: Vorher gab es die Regelung, dass der Besitz eines zum Empfang geeigneten Geräts die Gebührenpflicht begründet. Mit dem Computer wurde diese Regelung technisch überholt – mit jedem Computer, inkl. Tablet oder Smartphone kann man heute Fernsehen empfangen. Damit sind weit weit über 90% der Haushalte heute nach der alten Regelung Gebührenpflichtig.

    Glücklich bin ich mit der neuen Regelung auch nicht, aber eine Regel die gerechter ist, ohne dass die absichtlichen Schwarzseher sich nicht einfach rausreden können ist mir bislang auch nicht begegnet.

  24. #24 von Monika am 23. September 2016 - 08:14

    user unknown, kennst du jemanden, der auf seinem Computer ARD und ZDF guckt? Ich jedenfalls nicht.
    Da aber ja sowieso kontrolliert wird, was jemand auf seinem Computer guckt, wäre es technisch auch machbar, nur für Sendungen zu zahlen, die tatsächlich angeklickt werden. Und bevor jemand jetzt wieder die Oper anführt: wenn die anders insziniert würde, nicht so publikumsverachtend,,würden sich auch wieder genug Leute eine Aufführung ansehen wollen,

  25. #25 von m0ebius am 23. September 2016 - 11:48

    @user unknown: Es wäre ein Leichtes gewesen, das Livestreaming und die Mediatheken an einen Account zu knüpfen, so wie das die (nicht-Zwangs-) Pay-TV-Sender tun. Anstatt das zu tun, wurde entschieden, die Zahlungspflicht in Schritten so weit wie möglich auszuweiten (erst auf alle Computernutzer, dann auf alle, die nicht auf der Straße wohnen).

    Mit der Ausdehnung der Zahlungspflicht auf quasi alle denke ich, dass eine Aufspaltung des Programms in einen Teil, der von allen finanziert wird und auch tatsächlich der Res Publica zugute kommt (beispielsweise profitiert jeder davon, dass unabhängige Nachrichten für die anderen Wähler zur Verfügung stehen) und einen optionalen, extra zu bezahlenden und zugangsbeschränkten (oder meinetwegen rein werbefinanzierten) Unterhaltungsteil unumgänglich ist.

  26. #26 von user unknown am 23. September 2016 - 13:41

    @Monika:

    kennst du jemanden, der auf seinem Computer ARD und ZDF guckt

    Und oder oder? Wieso nicht 3sat, Phönix, arte, wdr, ndr, …? Sicher kenne ich so jemanden. Du wahrscheinlich auch – Du weißt nur nicht, was diese alles so treiben.

    Da aber ja sowieso kontrolliert wird, was jemand auf seinem Computer guckt, wäre es technisch auch machbar, nur für Sendungen zu zahlen, die tatsächlich angeklickt werden.

    Bei DVBT gibt es keinen Rückkanal und man klickt auch keine Sendungen an.

    Und bevor jemand jetzt wieder die Oper anführt: wenn die anders insziniert würde, nicht so publikumsverachtend,,würden sich auch wieder genug Leute eine Aufführung ansehen wollen,

    Opern sind eigentlich sehr gut besucht und oft ausverkauft.

  27. #27 von dezer.de am 23. September 2016 - 13:45

    @Monika:

    Ich gucke ARD und ZDF am Computer, auf dem Handy und über AppleTV.

  28. #28 von user unknown am 23. September 2016 - 13:59

    @m0ebius:

    Mit der Ausdehnung der Zahlungspflicht auf quasi alle denke ich, dass eine Aufspaltung des Programms in einen Teil, der von allen finanziert wird (…) und einen optionalen, extra zu bezahlenden und zugangsbeschränkten (oder meinetwegen rein werbefinanzierten) Unterhaltungsteil unumgänglich ist..

    Und im optional finanzierten Teil, soll man da pro Sendung, pro Monat, pro Haushalt, pro Zuseher, pro Minute zahlen, und sollen die Kosten für die Minute auf Produktion (+Rechte, Ausstrahlung, …) den Kosten für den Zuschauer entsprechen oder soll es da eine Quersubverntionierung geben?

    Würdest Du „Hart aber fair“, „Brisant“, „Lanz“ als Nachrichten werten oder als Unterhaltung? „Maischberger“, „Presseclub“? „Kulturzeit“, „Aspekte“, „ttt“?

    Wenn die Kosten umgelegt werden und eine Sendung kostet in der Herstellung u. Ausstrahlung 0.1 Mio. und sie hat 1 Mio. Zuseher, dann wären das 10 ¢ pro Zuschauer. Hätte die Sendung 2 Mio. Zuseher wären es nur 5 ¢ pro Zuseher. Woher soll der Sender wissen, wieviele Zuseher die Sendung haben wird? Wie soll der Zuschauer wissen, ob er die Sendung zu dem Preis sehen will, wenn er den Preis vorher nicht kennt?

    Eine Sendung hat auch soundsoviele Wiederholungen, die man vorab nicht kennt. Bekommt man dann bei jeder Sendung ein wenig was vergütet, wenn sie wiederholt wird, weil die Kosten bei der ersten Ausstrahlung gedeckt wurden?

    Unumgänglich finde ich eine solche Aufteilung überhaupt nicht, zumal sie mit Nutzerprofilen verbunden ist, bei denen über das Sehverhalten jeder Person ein Profil angelegt werden muss.

  29. #29 von m0ebius am 23. September 2016 - 16:10

    @User unknown: Das sind doch keine wiklich relevanten Probleme. Natürlich gibt es zwischen Informations- und Unterhaltungsprogrammen Übergangsbereiche, über die man sich ggfs. streiten kann, aber es dürfte doch klar sein, dass Mutantenstadl und Fußballübertragungen in eine andere Kategorie fallen als Nachrichten.

    Wie genau die Bezahlung eingerichtet wird, ist mir persönlich egal, solange ich die Option habe, außen vor zu bleiben. Der Bezahlmodus kann ein monatliches Abo sein, oder Pay-per-View, oder Werbefinanzierung oder Mischformen.
    Die Preisbildung kann genauso geschehen wie bei anderen Unterhaltungsprodukten auch: die Produzenten geben einen vermutlich kostendeckenden Preis vor, und der Nutzer kann sich entscheiden, ob er das Produkt haben will oder nicht.
    Ich sehe übrigens auch keinen Grund, wieso ein Unterhaltungssender öffentlich-rechtlich sein muss. Diese Aufgabe kann die Privatwirtschaft bestens erfüllen. (Dann sollte man eher Privatisierungen natürlicher Monopole wie der Post und der TK-Infrastruktur überdenken.)

    Und nur weil Authentifikation für bestimmte Dienste nötig wäre, heißt das noch lange nicht, dass man Nutzerprofile bilden muss. Speichern der Daten ist immer optional und kann durch Datenschutzgesetzgebung auch unterbunden werden.

  30. #30 von user unknown am 24. September 2016 - 02:51

    @m0ebius:

    Wie genau die Bezahlung eingerichtet wird, ist mir persönlich egal, solange ich die Option habe, außen vor zu bleiben.

    Mit der gleichen Argumentation kann man auch sagen, ich will Fußball schauen, aber keinen Mutantenstadl. Ich will Satiresendungen sehen, aber nicht im August, da bin ich in Urlaub.
    Was hat das mit der Kategorie, Nachrichten oder nicht, zu tun? Gar nichts.

    Eine Differnzierung wäre natürlich mit Kosten verbunden.

    Auf der anderen Seite zahlt man mit seinen Steuern auch für den Autobahnbau, auch wenn man kein Auto hat.

    Laut Focus :

    Umgerechnet zahle jeder Zuschauer für den Sport im Ersten 72 Cent des Rundfunksbeitrags pro Monat.

    Im Vergleich dazu: Bei Premiere gab es mal ein Pay-per-View-Angebot, da zahlte man für ein einziges Bundesligaspiel 5 €.

    Ein Teil der Mehrkosten rechtfertigt sich wohl an der kleineren Teilnehmerzahl, der Rest geht als Gewinn an Investoren.
    ÖR-Rundfunk legitimiert sich dadurch, dass er Inhalte bezahlbar für alle anbietet.

    Umgekehrt sind Nachrichtensendungen auch über private Sender möglich und werden auch angeboten. Also wieso sollten Nachrichten anders behandelt werden? Dafür hast Du, glaube ich, noch kein Argument genannt.

  31. #31 von Unechter Pole am 24. September 2016 - 11:21

    @uu

    ÖR-Rundfunk legitimiert sich dadurch, dass er Inhalte bezahlbar für alle anbietet.

    Das tun Privatsender aber auch, und aus meiner Sicht tun sie das sogar besser. Anders als das kirchenstaatliche Fernsehen verfolgen sie keine Mission (außer dass sie den Inserenten das Geschäft nicht vermaseln wollen).

  32. #32 von Veria am 24. September 2016 - 11:48

    Ich werf mal die rechtliche Situation in Österreich ein: Die GIS (unser GEZ-Äquivalent) wollte auch von Computernutzern kassieren, wurde aber vom Gericht zurückgepfiffen mit der Begründung, dass es sich um Rundfunkgebühren handelt und das Internet nicht auf Rundfunk basiert.
    Noch kommt man in Österreich den Gebühren aus, wenn man keinen Fernseher und auch keine TV-Karte hat (wie ich), aber es gibt schon politische Vorstöße Richtung Haushaltsgebühr wie in Deutschland.

  33. #33 von m0ebius am 24. September 2016 - 15:14

    @uu: Du ignorierst aber völlig den Unterschied zwischen Unterhaltung, die nur dem Einzelnen dient, und Sendungen, die der Allgemeinheit zu Gute kommen, z.B. dadurch, dass Informationen vermittelt werden, die dann zu rationalerem Verhalten führen. Genauso dienen Autobahnen auch Leuten, die kein Auto besitzen, und zwar dadurch, dass sie irtschaftliche Tätigkeiten allgemein erleichtern. Unterhaltungsfernsehen tut das nicht.

    Und ja, möglicherweise kann das öffentlich-rechtliche Fernsehen Unterhaltung halbwegs kostengünstig produzieren (ich verstehe übrigens nicht, was der Nachteil zum Werbefernsehen ist). Aber warum sollte es das tun und dafür von Allen Gebühren verlangen? Mit dem gleichen Recht könnte man auch öffentlich-rechtliche Arztromane produzieren, per Zwangsgebühr von allen finanzieren lassen und überall auslegen. Der einzige Unterschied zur typischen Degeto-Schnulze ist doch die Darreichungsform.

    Zur Kritik daran, dass ein Teil des Gewinns an die Investoren geht: fair enough, aber gibt es nicht andere Branchen, (Banken, Gesundheitswesen…), bei denen es wesentlich bessere Gründe für eine Vergesellschaftung gibt als ausgerechnet in der Unterhaltungsindustrie, die prima dezentral funktioniert?

  34. #34 von user unknown am 25. September 2016 - 08:17

    @Unechter Pole:
    Kirchenstaatliches Unterhaltungsfernsehen, Sat 1: So gesehen? Fliege? Private Fernsehsender wie Bibel-TV und andere Predigerformate?

    Wo im ÖR die Kirchen präsent sind, da sind im Privaten die Esoteriker, Wunderheiler und Außerirdischen.

    In den ganzen Krawall- & Mobbingformaten kann man auch eine Mission sehen.

    Genauso dienen Autobahnen auch Leuten, die kein Auto besitzen, und zwar dadurch, dass sie irtschaftliche Tätigkeiten allgemein erleichtern. Unterhaltungsfernsehen tut das nicht.

    Der Arbeitnehmer entspannt am Feierabend, reproduziert seine Arbeitskraft für den nächsten Tag, um mit Marx zu sprechen, damit er mit dem LKW wieder frisch über die Autobahn düsen kann, um Möbel und Eier zu den Leuten zu bringen, die keine Hühner und kein Auto haben. In der Arbeitspause redet er mit Kollegen über das, was er gestern gesehen hat.

    Das ÖR Fernsehen hat dabei den Anspruch nicht nur die Masse zu versorgen (Volksmusik, Fußball, Quiz) sondern auch Randgruppen zu berücksichtigen, die nicht wirtschaftlich zu bespielen sind (Behinderte, Sorben, Alte, …).

    Ob es im Kinderprogramm der Sender Qualitätsunterschiede gibt weiß ich nicht – wundern würde es mich nicht. Haben die Privaten eigentlich Volksmusiksendungen?

    als () i.d. Unterhaltungsindustrie, die prima dezentral funktioniert

    Sind die Privaten dezentraler als die ÖR? Welche Rolle spielt das?

    Bei den Privaten zahlt man doppelt: Erstens ist die Sendeunterbrechung eine Zumutung, zweitens zahlt man später, wenn man die Produkte kauft, die beworben wurden.

  35. #35 von Unechter Pole am 25. September 2016 - 11:46

    @uu
    Ich schaue mir genauso wenig sat1 wie ard, zdf etc. an. Nun für die Privatsender bezahle ich keine Steuer. Und dass man den Privatsendern in Landesgesetzen und/oder Konzessionen die kirchliche Sendezeit aufzwingt, ist eine Frechheit.

  36. #36 von m0ebius am 25. September 2016 - 13:31

    @uu: Die allgemeinen Rundfunkgebühren haben eine historische Erklärung:
    In der Vergangenheit gab es keine technischen Zugangskontrollmöglichkeiten, aber die Kopplung an Gerätebesitz (sprich: opt-out-Möglichkeit) machte Rundfunkgebühren auch für Unterhaltung politisch akzeptabel. Die technische Entwicklung machte diese Kopplung immer fragwürdiger. Sie wurde also aufgehoben, und anstatt den Programmauftrag zu überdenken und damit die Macht der etablierten Strukturen zu gefährden, wurden im Weg des geringsten politischen Widerstands einfach die Kosten auch den Nichtnutzern aufgehalst.

    Eine moralische Rechtfertigung gibt es aber nicht. Oder wieso soll der Einzelne bezahlen für Urlaub, Bücher, Musik, Kinobesuche, Konzerte, Sport (aktiv und passiv), Computerspiele (um nur Unterhaltungsprodukte zu nennen, wir können auch gerne die Diskussion ausweiten auf Notwendigkeiten wie Behausung und Nahrung), während für Unterhaltungsfernsehen die Allgemeinheit aufkommen soll?

  37. #37 von user unknown am 25. September 2016 - 22:00

    Nun für die Privatsender bezahle ich keine Steuer.

    Wenn Du nicht bei Bauhaus, Obi, Praktiker einkaufst, kein McDonalds, Burger-King und Kellogs isst, Dir keins der beworbenen Autos kaufst, dann nicht.

  38. #38 von user unknown am 25. September 2016 - 22:59

    @M0ebius:

    Die allgemeinen Rundfunkgebühren haben eine historische Erklärung:

    Dem stimme ich absolut zu. Würde der Fernsehgott die ganze Fernsehlandschaft, Sender, Gesetze, GEZ und alles implodieren lassen, und puff – morgen wäre alles weg, und man müsste alles neu aufbauen, dann würde man es heute nicht mehr so machen.

    ARD, ZDF und die Dritten, nicht zu vergessen die Hörfunkprogramme gab es schon vor Sat1 und RTL.

    Das Unterhaltungsfernsehen gab es auch schon vorher und es gibt ein höchstrichterliches Urteil, dass die Hauptsender ein Vollprogramm anbieten dürfen, inklusive Sport, leichte Musik, Quiz, Krimi und Western.

    aber die Kopplung an Gerätebesitz (sprich: opt-out-Möglichkeit) machte Rundfunkgebühren auch für Unterhaltung politisch akzeptabel.

    Verstehe ich nicht. Radiogeräte sind von der Frequenz abgesehen geeignet den Polizeifunk abzuhören. Ebenso hätte man U- und E-Fernseher produzieren können, wenn man gewollt hätte, und die Sender auf unterschiedlichen Frequenzen austrahlen können, so dass man entweder das eine, das andere, beides oder gar nichts empfangen kann, abhängig vom Gerät.

    Eine Rechtfertigungsargumentation für das U-Programm lautet, dass die Leute nach dem Film auch die Nachrichten noch mitnehmen. Außerdem gibt es einen gr. Graubereich mit unterhaltsamer Information, etwa die Tierdokumentationen.

    anstatt den Programmauftrag zu überdenken und damit die Macht der etablierten Strukturen zu gefährden, wurden im Weg des geringsten politischen Widerstands einfach die Kosten auch den Nichtnutzern aufgehalst.

    Wer einen Fernseher gekauft hat, der wollte auch fernsehen. Wer ein Radio kaufte wollte Radio hören. Wer einen PC kauft kann das glaubwürdig bestreiten. Man kann aber am PC problemlos Radio hören und Fernsehen – kontrollierbar ist das nicht mehr. Ja, man könnte eine Verschlüsselungstechnik ausrollen so dass alle Verbraucher ihre alten Fernseher und Videorekorder, Radios, Küchenradios, Autoradios wegschmeißen können oder für jedes Gerät eine Set-Top-Box brauchen. Das bei wohl 90% Haushalten, die ohnehin GEZ gezahlt haben und vielleicht 5% die sich gedrückt haben, aber dennoch fernsahen und Radio hörten.

    Der Großteil der Haushalte dürfte sowohl Private als auch öffentliche Sender konsumieren, auch wenn es glaubwürdig ist, dass in Haushalten ohne Fußball- und Volksmusikfans viele fast nur die Privaten schauen, und bei einer Sparmöglichkeit von 20€ im Monat ganz auf die ÖR verzichten würden.

    Eine moralische Rechtfertigung gibt es aber nicht.

    Doch. Die ÖR Fernseh- und Radiosender arbeiten kostendeckend, private Sender arbeiten gewinnorientiert.

    Bei rein privaten Anbietern würde ein Großteil des Programms wegfallen, weil es sich nicht lohnt, der Rest würde teurer für alle außer für die, die die Teilnahme ganz verweigern. Bei Premiere musste man m.W. zu Fußball auch immer noch Spielfilme oder sonst ein Angebot zwangsweise dazubuchen, so wie man heute kein Internet ohne Telefonanschluss bekommt.

    Eine gerechtere Abrechnung bedeutet erst mal den Aufbau der dazugehörigen Infrastruktur, so dass es insgesamt teurer wird den Status Quo von heute zu erreichen. Aber wenn man das Fass aufmacht, dann wird es schwer irgendwo Stopp zu rufen, wenn jeder nur noch die Kosten decken soll, die er verursacht, wie oben dargestellt. Das ist ja die gleiche Begründung. Wenn ich nur Unterhaltung und weder Politik, noch Dokus oder Kultur schauen will – wieso soll es da ein Privileg für ernste Angebote geben? Das lässt sich moralisch genausogut oder -schlecht begründen.

    Wenn ich in den Zoo gehe, und mir nur 20 Minuten lang die Bergziegen ansehe, dann zahle ich auch so viel wie jemand der von 8 bis 20:00 Uhr bleibt und alle Tiere anschaut. Solche Modelle sind also kein Exklusivfall des Fernsehens. Oder Fußball wird massiv subventioniert (Polizeieinsätze, Stadionbau). Die billigste Karte in der Oper kostet an der Kasse 10 €, bei Rolling Stones zuletzt 90 €. Jede Opernkarte ist mit 100 € subventioniert.
    Arbeiter zahlen für Unis, Leute die kein Grünzeug mögen für Parks und öffentliche Gärten. Bibliotheken. Die Idee ist, dass man hier draufzahlt aber woanders zu den Begünstigten gehört. Wahrscheinlich mit einer Schieflage, dass die Opernbesucher und ihresgleichen am meisten prfitieren von den Subventionen, und die Frauentauschkucker am wenigsten.

    Wäre jetzt Fußball im privaten Fernsehen 20% teurer, dann würde ich sagen Pech gehabt, zahlt man das halt. Aber es ist rd. 20x so teuer. Die Privatisierung käme v.a. den Anteilseignern und Rechtehändlern zu gute. Und im sonstigen Programm sähe es ähnlich aus – vergleichbare Informationsangebote wären wohl auch 20x so teuer, und weil es zu dem Preis kaum wer will, fiele es eben weg. Im Endeffekt würden fast alle draufzahlen, außer den Zeugen Jehovas und Walldorfschülern, die kein Fernsehen schauen dürfen. 😉

  39. #39 von Monika am 26. September 2016 - 07:58

    Ehrlich gesagt stört mich die Nachrichtenberichterstattung im Öffentlich-Rechtlichen mehr als deren Sportsendungen, den die Nachrichten sind tendenziös ausgewählt, nach den politischen Interessen der Redakteureausgewählt, und auch in der Art bevgormundend und selbstgerecht.
    Nun ja, nicht, das ich „Lügenpresse“ sagen will, das wäre übertrieben, aber man merkt schon deren „Erziehungsauftrag“…
    Dafür zahle ich nicht gern.

  40. #40 von Monika am 26. September 2016 - 08:23

    Oh,entschuldigt die Schreibfehler, morgens bin ich noch halb blind..
    Wie auch immer, die Öffentlich- Rechtlichen sehen in ihrem Informationsauftrag eigentlich einen Erziehungsauftrag, und was die „wünschenswerte“ Denkweise zu sein hat, wird nicht nach objektiven Gesichtspunkten festgelegt.
    Nachrichten sehe ich lieber zum Beispiel auf Euro-News, den da werden auch Ereignisse und Meinungen erwähnt, die auf ARD und ZDF nicht vorkommen.
    Man kann mir ja auch nicht vorschreiben, welche Zeitungen ich zu kaufen habe, wieso also bei elektronischen Medien?

  41. #41 von m0ebius am 26. September 2016 - 16:41

    Wenn ich nur Unterhaltung und weder Politik, noch Dokus oder Kultur schauen will – wieso soll es da ein Privileg für ernste Angebote geben? Das lässt sich moralisch genausogut oder -schlecht begründen.

    Es gibt einen eindeutigen moralischen Unterschied zwischen Programmen, die zum Zeit totschlagen dienen und solchen, die dazu führen, dass man ein besseres Bild der Wirklichkeit hat, was zu realitätsangepassterem Verhalten führt, von dem alle profitieren. Klar, das ist ein Kontinuum. Aber das heißt doch nicht, dass man keine grobe Trennlinie finden kann. Diese Trennlinie ist auch wichtiger als die zwischen TV und anderen Medien, da die Trennlinien mehr und mehr verschwimmen. Ich wäre durchaus für öffentlich-rechtlichen Internet-Journalismus.

    Wäre jetzt Fußball im privaten Fernsehen 20% teurer, dann würde ich sagen Pech gehabt, zahlt man das halt. Aber es ist rd. 20x so teuer.

    Dabei ignorierst Du aber, dass eine weit überwiegende Mehrheit der Leute das Angebot überhaupt nicht nutzen wollen und trotzdem zahlen müssen. Das Flaggschiff des öffentlich-rechtlichen Deutschen Sportfernsehens, die Sportschau, wird beispielsweise von 5-6 Millionen Leuten gesehen. Es zahlen aber fast alle Einwohner dafür. So viel höher sind die Kosten pro Person also nicht.

    Die ÖR Fernseh- und Radiosender arbeiten kostendeckend, private Sender arbeiten gewinnorientiert.

    Die Privatisierung käme v.a. den Anteilseignern und Rechtehändlern zu gute.

    Das ist ein allgemeines Argument gegen Kapitalismus, das mit Fernsehen sehr wenig zu tun hat. Was zeichnet das Unterhaltungfernsehen aus, dass es anders behandelt werden sollte als fast alle anderen Branchen? Nebenbei ist die Frage der Privatisierung hier für mich eher nebensächlich, mir persönlich ist es egal, ob Unterhaltung öffentlich-rechtlich organisiert ist oder nicht, ich will in erster Linie kein Zwangskunde sein.
    Ich finde nur, dass es andere privatisierte Branchen gibt, in denen die Gewinnorientierung weit schlimmere Folgen hat. Ich finde es jedenfalls problematischer, wenn mir ein Arzt aus wirtschaftlichen Gründen eine suboptimale Behandlung gibt als wenn die Werbepausen in meinem Spielfilm nerven.

    Ebenso hätte man U- und E-Fernseher produzieren können, wenn man gewollt hätte, und die Sender auf unterschiedlichen Frequenzen austrahlen können, so dass man entweder das eine, das andere, beides oder gar nichts empfangen kann, abhängig vom Gerät.

    Das hat man aber genau deshalb nicht gemacht, weil es damals Konsens unter den Gebührenzahlern war, dass der Unterhaltungskonsum ein wesentlicher Grund war, gebührenpflichtig zu werden (durch Anschaffung der Geräte). Dieser Konsens ist aber nicht mehr gegeben, weil seit 2013 so gut wie jeder gebührenpflichtig ist. Gleichzeitig wurde TV weitgehend technisch/organisatorisch (lineares Programm statt on-demand) obsolet, und die Mediatheken sind aufgrund hanebüchener Vorschriften (Stichwort Depublikation) kaum benutzbar. Aus meinem sozialen Umfeld von Leuten (großteils Akademiker zwischen 25 und 40) haben geschätzt mindestens 30% gar keinen Fernseher in der Wohnung (ja, ich bin mir bewusst, dass das nicht repräsentativ ist). Da entstand eine Rechtfertigungslücke, und die wird weiter wachsen.

  42. #42 von user unknown am 28. September 2016 - 01:44

    @m0ebius:

    Es gibt einen eindeutigen moralischen Unterschied zwischen Programmen, die zum Zeit totschlagen dienen und solchen, die dazu führen, dass man ein besseres Bild der Wirklichkeit hat, was zu realitätsangepassterem Verhalten führt, von dem alle profitieren.

    Das Zeittotschlagprogramm ist ja selbst ein Teil der Wirklichkeit. 🙂 Aber ich schätze diese Selbstbezüglichkeit zu diskutieren führt nicht weiter.
    Wie oft hast Du denn – falls Du überhaupt ÖR-Fernsehen schaust – eine Entscheidung im Alltag getroffen, die Du ohne anders getroffen hättest?

    Dabei ignorierst Du aber, dass eine weit überwiegende Mehrheit der Leute das Angebot überhaupt nicht nutzen wollen und trotzdem zahlen müssen.

    Nein, das ignoriere ich nicht. Vielmehr habe ich geschrieben, dass der eine hier was zahlt, was er nicht nutzt, der andere dort, so dass es sich teilweise ausgleicht.
    Deine Akademiker, die sich die Oper oder das Theater subventionieren lassen aber keinen Fernseher haben verweigern wahrscheinlich auch noch zum Großteil den Konsum von beworbenen Markenprodukten und zahlen so auch wenig indirekt für die privaten Sender.

    Das Flaggschiff des öffentlich-rechtlichen Deutschen Sportfernsehens, die Sportschau, wird beispielsweise von 5-6 Millionen Leuten gesehen. Es zahlen aber fast alle Einwohner dafür. So viel höher sind die Kosten pro Person also nicht.

    Falsch gerechnet. Es zahlen fast alle Haushalte, nicht fast alle Einwohner dafür. Bei 40 Mio. Haushalten schauen die ARD-Sportschau also rd. 10% der Haushalte. Das entspräche 7,90 € monatlich, wenn die das selbst zahlen müssten, aber es kommt noch hinzu: Grob 1 DFB-Pokalspiel alle 2 Monate live, ab und zu Europapokalspiele, Länder-Freundschaftsspiele, WM-Spiele (ca. 30 Liveübertragungen, alle 4 Jahre), EM-Spiele (20 Spiele), WM/EM-Qualifikationsspiele, viele davon mit über 10 Mio. zugeschalteten Haushalten, in der Spitze (dt. Beteiligung, Endspiel, Eröffnungspiel) 20 Mio. Sporadisch Frauenfußball. Boxen, DTM, Olympiade, Radsport, Reiten, Tennis, Biathlon, Ski in zig Variationen, inkl. Springen. Sporadisch Handball, Basketball, Eishockey usw., dazu viele Zusammenfassungen.

    Wahrscheinlich ist es nicht ganz falsch, anzunehmen, dass oft die Frauen weniger Fußball schauen aber mit Männern den Haushalt teilen und dass die Frauen dafür Zeuch gucken, wo Männer nicht mitsehen.

    Leicht vergleichbar ist die Sache nicht, da Sky v.a. Bundesligaspiele in voller Länge anbietet (12 € für einen Tag) und Champions-League (10 € pro Tag), Sehen kann man dafür freitags ein Spiel, samstags u. sonntags 2 (BL) plus evtl. 2. Liga. In der Championsleague aber laufen alle Spiele synchron, da kann man pro Tag also nur eins live u. in voller Länge sehen.

    Ein Wochenende Formel-1 kostet 5 €.

    Überschlagsmäßig komme ich auf ca. 3 Livespiele bei der ARD pro Monat mit hohem Zuschauerinteresse plus Zusammenfassungen plus andere Sportarten plus niederklassiger Fußball. Das würde die fußballinteressierten Haushalte also rund 10 €/Monat kosten. Dafür gibt es 1 Livespiel (CL) oder 2 (BL) bei Sky.

    Würden die 5-6 Mio. Sportschauhaushalte alleine zahlen könnten alle anderen Zuschauer ihren Sport oder ihr sporadisches Interesse an Nationalmannschaftspielen davon kostenlos stillen.

    Das ist ein allgemeines Argument gegen Kapitalismus, das mit Fernsehen sehr wenig zu tun hat. Was zeichnet das Unterhaltungfernsehen aus, dass es anders behandelt werden sollte als fast alle anderen Branchen?

    Subventionierte Landwirtschaft, schonmal gehört? Vermieter (via Wohngeld), Lehrer (öffentliche Schulen), Gesundheitswesen (Umverteilung via Krankenkasse), Rüstungsindustrie, Straßenbau, Bahn, Telekom, Post, Zoll, Polizei, Justiz, … Bankenrettung, Abwrackprämie, E-Auto-Subvention, Kernkraft, … Buchpreisbindung, Kirchen, …

    Ich finde es jedenfalls problematischer, wenn mir ein Arzt aus wirtschaftlichen Gründen eine suboptimale Behandlung gibt als wenn die Werbepausen in meinem Spielfilm nerven.

    Whataboutism. Fällt die Argumentation für ein nicht gewinnortiertes Gesundheitswesen eigentlich leichter mit GEZ-Sport oder ohne?

    Das hat man aber genau deshalb nicht gemacht, weil es damals Konsens unter den Gebührenzahlern war, dass der Unterhaltungskonsum ein wesentlicher Grund war, gebührenpflichtig zu werden (durch Anschaffung der Geräte).

    Wann soll es denn da einen Konsens gegeben haben?

    Gleichzeitig wurde TV weitgehend technisch/organisatorisch (lineares Programm statt on-demand) obsolet,

    Wie obsolet das wurde, das sieht man ja, wenn man mal die Zugriffe via Mediatheken mit denen über Fernseher vergleicht und beim Elektrofachhandel den Absatz der TV-Geräte anschaut. Über Rekorder kann man auch Sendungen, die klassisch übertragen werden (DVB-T, -S, -C) aufzeichnen und entlinearisiert anschauen.

    haben geschätzt mindestens 30% gar keinen Fernseher in der Wohnung

    Ja, die schauen alle am Laptop und sind die, die gerne weiter schwarz sehen würden und jetzt den Aufstand proben. Kenn‘ ich auch, so Leute. 😉 Walldorflehrer und Zeugen Jehovas. 😉

  43. #43 von user unknown am 28. September 2016 - 02:12

    @Monika:

    Ehrlich gesagt stört mich die Nachrichtenberichterstattung im Öffentlich-Rechtlichen mehr als deren Sportsendungen, den die Nachrichten sind tendenziös ausgewählt, nach den politischen Interessen der Redakteureausgewählt, und auch in der Art bevgormundend und selbstgerecht.

    Jede Auswahl ist subjektiv.
    Da hilft nur mehrere Quellen vergleichen, Vorurteile erkennen und diese wieder abziehen, wenn man schaut.

    Wie mir Herr Roth heute feierlich-betroffen die Sprengstoffanschläge von Dresden (Aufmacher der Tagesthemen) verkauft hat, das hat mir auch nicht gefallen. Aber die 52 s. von Euronews fand ich jetzt auch nicht besser. Die haben auch einen 28 s Ausschnitt eines Wahlkampfduells in Georgien, bei dem es zu einer Schlägerei im Studio kommt im Angebot. Super! Action!
    Für das US-Duell Clinton-Trump haben sie 3 Beiträge, 6:50, 1:20 und 1:20 lang. Andere politische Interessen, als bei der ARD, aber bessere, neutralere?

    Nachrichten sehe ich lieber zum Beispiel auf Euro-News, den da werden auch Ereignisse und Meinungen erwähnt, die auf ARD und ZDF nicht vorkommen.

    Du kannst auch 3sat schauen, da gibt es Nachrichten des Schweizer Fernsehens und aus Österreich (neben ARD u. ZDF) und Arte, für französische Gesichtspunkte. Plus die ganzen Regionalnachrichten. 🙂

  44. #44 von m0ebius am 28. September 2016 - 03:52

    Wie oft hast Du denn – falls Du überhaupt ÖR-Fernsehen schaust – eine Entscheidung im Alltag getroffen, die Du ohne anders getroffen hättest?

    Ich habe seit 10 Jahren keinen Fernseher und nutze auch die Mediatheken so gut wie nicht. Aber um Die Frage auf einem allgemeineren Level zu beantworten: Dinge zu wissen verschafft Handlungmöglichkeiten. Auch im Alltag.

    [Vergleiche zwischen Äpfel und Birnen, um den Kostenunterschied zwischen ÖR-Sportsendungen und privatem Pay-TV zu beleuchten]

    Nehmen wir mal für die Zwecke der Diskussion an, dass nachgewiesen wäre, dass privates Pay-TV zwangsläufig teurer wäre bei vergleichbarem Angebot. Dann bleiben immer noch die Optionen Werbefinanzierung, öffentlich-rechtliches Pay-TV und Preisregulierung. Ich wäre mit allen einverstanden.

    Subventionierte Landwirtschaft, schonmal gehört? Vermieter (via Wohngeld), Lehrer (öffentliche Schulen), Gesundheitswesen (Umverteilung via Krankenkasse), Rüstungsindustrie, Straßenbau, Bahn, Telekom, Post, Zoll, Polizei, Justiz, … Bankenrettung, Abwrackprämie, E-Auto-Subvention, Kernkraft, … Buchpreisbindung, Kirchen, …

    Whataboutism. Fällt die Argumentation für ein nicht gewinnortiertes Gesundheitswesen eigentlich leichter mit GEZ-Sport oder ohne?

    Das hängt stark davon ab, ob der Gesprächspartner eher auf „wenn es hier gesamtgesellschaftliche Finanzierung gibt, sollte es anderswo auch welche geben“ reagiert oder auf „der Markt sollte möglichst viel regeln“ oder auf „wir sollten gesamtgesellschaftliche Finanzierung primär auf die Lebensbereiche anwenden, in denen das besonders sinnvoll ist“. Ich halte die letzte Betrachtungsweise für am einfachsten zu verteidigen.
    Das ist dann auch kein „whataboutism“, sondern das Bestreben, die Gesellschaft nach konsistenten Prinzipien aufzubauen.
    Außerdem finde ich auch die Staatsbeteiligung / Subventionierung in der Mehrheit Deiner Beispiele deutlich leichter zu begründen als im Unterhaltungsfernsehen.

    Wie obsolet das wurde, das sieht man ja, wenn man mal die Zugriffe via Mediatheken mit denen über Fernseher vergleicht und beim Elektrofachhandel den Absatz der TV-Geräte anschaut. Über Rekorder kann man auch Sendungen, die klassisch übertragen werden (DVB-T, -S, -C) aufzeichnen und entlinearisiert anschauen.

    Klar kann man Sendungen aufzeichnen. Es ist nur ziemlicher Unsinn, Sendungen ohne großen Aktualitätsbezug per Broadcast zu verteilen. Viel sinnvoller wäre bei allen anderen Programmen on-demand-streaming mit einem großen Katalog. Damit entfällt nämlich die Belastung, sich vorher über das TV-Programm zu informieren, um aufzuzeichnen, was einen in Zukunft möglicherweise mal interessieren könnte, und die tausendfache Speicherung bei den Zuschauern auf Verdacht.

    Wann soll es denn da einen Konsens gegeben haben?

    „Konsens“ im Sinne von „grober Konsens“, aus dem bereits genannten Grund – weil die nicht Interessierten eine einfache Möglichkeit hatten, sich nicht zu beteiligen. Das war übrigens zu der Zeit, als Rundfunkgebühren eingeführt wurden – noch in der Weimarer Republik – zuerst die große Mehrheit. Hätte es einen solchen Konsens nicht gegeben, wäre das im Übrigen ein Argument auch gegen geräteabhängige Gebühren, nicht für wohnungsabhängige.

    Ja, die schauen alle am Laptop und sind die, die gerne weiter schwarz sehen würden und jetzt den Aufstand proben. Kenn‘ ich auch, so Leute. Walldorflehrer und Zeugen Jehovas.

    Und zum Schluss noch ein schönes ad hominem von weiter oben aufgewärmt und die waghalsige Weigerung zu akzeptieren, dass manche Leute kein Interesse am Unterhaltungsfernsehen haben könnten, ob es nun Geld kostet oder nicht. Na ja, wenn man nur dürftige Argumente hat, muss man halt nehmen, was einem einfällt…

  45. #45 von user unknown am 29. September 2016 - 01:54

    Nehmen wir mal für die Zwecke der Diskussion an, dass nachgewiesen wäre, dass privates Pay-TV zwangsläufig teurer wäre bei vergleichbarem Angebot. Dann bleiben immer noch die Optionen Werbefinanzierung, öffentlich-rechtliches Pay-TV und Preisregulierung. Ich wäre mit allen einverstanden.

    Ich habe oben dargelegt, welche Probleme das nach sich zieht, aber Du bist nicht darauf eingegangen. Faire Preise, entnehme ich dem, interessieren Dich nur so weit es Dich selbst betrifft, nämlich in einer Alles-oder-nichts-Option. Was mit Leuten ist, die manches sehen wollen, anderes nicht, und ob das gerecht umzusetzen ist, interessiert Dich nicht weiter.

    Ein legitimer Standpunkt, natürlich, aber sicher schwer eine Mehrheit dafür zu finden.

    Das hängt stark davon ab, ob der Gesprächspartner eher auf „…“ reagiert

    Ach so? Ich dachte es geht um einen Standpunkt, den man selbst hat, unabhängig davon, was der Gesprächspartner für Standpunkte hat.

    Das ist dann auch kein „whataboutism“, sondern das Bestreben, die Gesellschaft nach konsistenten Prinzipien aufzubauen.

    Welches konsistente Prinzip wäre das, Deiner Meinung nach?

    Klar kann man Sendungen aufzeichnen. Es ist nur ziemlicher Unsinn, Sendungen ohne großen Aktualitätsbezug per Broadcast zu verteilen. Viel sinnvoller wäre bei allen anderen Programmen on-demand-streaming mit einem großen Katalog. Damit entfällt nämlich die Belastung, sich vorher über das TV-Programm zu informieren,

    a) Ist Sport aber ein Ereignis mit hohem Aktualitätsbezug.
    b) Bei Krimis will man auch nicht, dass einem ein Kollege, der die Sendung letzte Woche schon gesehen hat, erzählt, wer der Mörder ist.
    c) Hat man dann immer noch die Belastung, den Katalog zu studieren, nur eben zu anderen Zeiten. Statt zu wissen, dass jeden Sonntag ein neuer Tatort kommt, muss man jetzt nachsehen, ob ein neuer fertig- und in die Mediathek eingestellt worden ist.

    „Konsens“ im Sinne von „grober Konsens“, aus dem bereits genannten Grund – weil die nicht Interessierten eine einfache Möglichkeit hatten, sich nicht zu beteiligen.

    Das ist kein Konsens. Ein Konsens ist eine Entscheidung, die von allen Beteiligten geteilt wird. Das ist auch kein grober Konsens.

    Wer nur am Wort zum Sonntag interessiert war musste die gleichen Gebühren zahlen wie der, der 12 Stunden am Tag fernsah. Später gab es Videokassetten, da mussten auch die zahlen, die einen Fernseher nur hatten um Videos zu sehen. Dann kam das Privatfernsehen, und es beschwerten sich die, die nur Sat-1 und RTL sehen wollten. Da gab es nie einen Konsens.

    Und zum Schluss noch ein schönes ad hominem

    Wenn man die Smilies aus dem Zitat löscht, dann mag es so aussehen.